Berichte 01.06.2015 | 09:38von Colin McGourty

MVL mit Sieg bei den Französischen Top 12

Bei der französischen Mannschaftsmeisterschaft konnte Maxime Vachier-Lagrave seine Durststrecke von 28 sieglosen Partien beenden und endlich wieder einmal gewinnen. In einem extrem starken Feld, in dem auch die Deutschen Naiditsch, Donchenko und Schlosser dabei sind, feierte Sebastien Feller nach drei Jahren Sperre sein Comeback, verlor aber. Weitere Stars sind Wesley So, Anish Giri, Radek Wojtaszek und Dmitry Jakovenko.

Nur einige der Stars bei den Französischen Top 12!

Bevor in zwei Wochen mit dem Capablanca Memorial in Kuba (Dominguez, Bruzon, Yu Yangyi, Nepomniachtchi, Andreikin und Eljanov) und dem Norway Chess-Turnier in Stavanger die nächsten Rundenturnierhöhepunkte beginnen, findet in Le Grau-du-Roi die französische Mannschaftsmeisterschaft mit vielen internationalen Stars statt.

Spielsaal mit Blick aufs Mittelmeer | Foto: Französischer Schachverband

Für alle Schachfans bieten die französischen Top 12 also eine wunderbare Überbrückung, bei der sie sich auf viele interessante Partie freuen dürfen. Hier die Ergebnisse der ersten Runde:

Der Vorjahreszweite Bischwiller gewann gegen Metz klar mit 6,5:1,5, wobei Anish Giri und Arkadij Naiditsch an den spitzenbrettern zwei Siege beisteuerten. In der zweiten Runde jedoch musste Naiditsch eine empfindliche Schlappe mit Weiß gegen Alexander Donchenko hinnehmen.

Anish Giri, Arkadij Naiditisch und Etienne Bacrot (nicht auf dem Bild) sind die starke Spitze des Teams von Bischwiller | Foto: Französischer Schachverband

Anish Giri spielte gegen Viorel Iordachescu, der beim Grand Prix in Khanty-Mansisyk die Partien des Niederländers kommentiert hatte. Schon bald wurde es interessant, als Iordachescu die Stellung des weißen Königs in der Brettmitte auszunutzen versuchte.

"Solider Gewinn in der 1.Runde, obwohl 23.Sb4-c6!? deutlich inspirierter war als die berühmte Perle zwischen Averbakh und Spassky."

In dieser berühmten Partie von der UdSSR-Meisterschaft 1956 geriet der spätere Weltmeister Boris Spassky in große Schwierigkeiten, als er das außergewöhnliche 16...Nc6!? spielte:


Spassky holte noch ein Remis aus der Stellung, während Iordachescu eine Niederlage einstecken musste.

Hoher Favorit auf den Titel ist Clichy, das bereits in den letzten drei Jahren gewann. Zum Auftakt gewann das Team mit drei Einzelsiegen und fünf Remisen scheinbar recht locker gegen den letztjährigen Vierten Bois-Colombes. In Wirklichkeit war der Wettkampf aber alles andere als klar. Wesley So holte am Spitzenbrett gegen den 17-jährigen Polen Jan Krzysztof-Duda rein gar nichts heraus, und nur Dmitry Jakovenko gelang mit 31.Ld8 ein überzeugender Sieg:


Nach 31…Dxc5 32.Dh5+! gab sich sein Gegner Matthieu Cornette wegen Matts in fünf Zügen geschlagen.

Duda remisierte gegen Wesley So, aber Bauer konnte Vachier-Lagrave nicht stoppen | Foto: Französischer Schachverband

An den anderen Brettern sah es zeitweilig gar nicht gut für den Favoriten aus:

Bois-Colombes stand in drei der noch offenen Partien teilweise klar besser.

Maxim Matlakov und Laurent Fressinet schafften aber jeweils ein Remis, während Pavel Tregubov nach einem bösen Schnitzer von Sebastien Maze, der 49.Kf4? (49.Tc2!) spielte, sogar noch gewann:


Nach 49…Sd3+ 50.Kf5 Txg7! gab Maze frustriert auf, wenngleich der Computer Weiß nach dem einzigen Zug 51.Tc8 nur leicht im Nachteil sieht!

Laurent Fressinet und Pavel Tregubov holten aus dubiosen Stellungen 1,5 Punkte.| Foto: Französischer Schachverband

Maxime Vachier-Lagraves Sieg gegen seinen Landsmann Christian Bauer war ein echtes Abenteuer. MVL zeigte dabei einen hübschen Figurengewinn:


28…Dc1+ 29.Kh2 Da1 30.Txa4 Dxa2 Hätte Bauer sich anschließend auf den schwarzen König gestürzt (etwa mit 31.Th4), wäre die Partie womöglich wegen Dauerschachs Remis ausgegangen, aber nach 31.Ta7? war Schwarz in der Oberhand. Am Ende dauerte es 71 Züge, bis MVL mit zweifelhafter Technik den Sieg sichergestellt hatte.  

Da die französische Nummer 1 am 25.Februar  gegen Baadur Jobava zuletzt eine Partie gewonnen konnte, ist dies aber durchaus verständlich.

Baadur Jobava war in der 9. Runde des Grand Prix von Tiflis Maxime Vachier-Lagraves letztes Opfer | Foto: Maria Emelianova, Offizielle Website

Einen Rekord trauriger Art halt Sebastien Feller. Ihm wurde bei der Schacholympiade 2010 Betrug nachgewiesen und nach seiner Verurteilung im Jahr 2012 musste er drei Jahre mit Schach aussetzen. Nun ist er wieder spielberechtigt und belegte beim Fourmies International Open den sechsten Platz. Er tritt für Evry bei den Top 12 an.

Seine erste Partie gegen David Navara verlief nach 14.Dd3 nicht plangemäß?


Navara, der jüngst zum siebten Mal tschechischer Meister wurde und aktuell die Nummer 12 in der Welt ist, antwortete mit 14…Sxc4! und stand damit bereits auf Gewinn, da 15.Dxc4 mit 15…Lxf3 widerlegt werden konnte, während 15.Sxc4 mit 15…Le4 beantwortet worden wäre. Feller gab nach 30 Zügen auf, doch konnte er sich dennoch freuen, da seine Mannschaft gegen das hochfavorisierte Team von Mulhouse gewann.

Vishy Anands Sekundaten erlebten einen Nachmittag zum Vergessen, wobei Grzegorz Gajewskis 36.Rh6? fast schon tragisch war:


Der Zug sieht fast wie ein Mouseslip aus, das Weiß nach 36.Txh7+! ewiges Schach gehabt hätte, bevor der gegnerische a-Bauer größeren Schaden anrichten kann. Sergey Fedorczuk antwortete mit 36…Sxe4! (36…Txg2! wäre sogar noch starker gewesen), wonach Gajewski seinen Fehler mit 37.Txh7+ korrigieren wollte. Dafür war es allerdings zu spät, denn am Ende triumphierte Schwarz mit Turm und Springer gegen die weiße Dame.

Am nächsten Brett errang der 20-jährige Franzose IM Jules Moussard (2444) einen sensationellen Sieg. Gegen Radek Wojtaszek (2746) brach er einen Bauernsturm vom Zaun und konnte trotz erfolgten Damentauschs den Schwarzen überrennen. Wojtaszek leistete hartnäckigen Widerstand, musste nach 74 Zügen aber dennoch aufgeben.

Der Port Camargue Yacht Club ist der diesjährige Austragungsort | Foto: Französischer Schachverband

Alle Teams müssen eine Frau aufstellen. Die französische Nummer 1 der Damen Marie Sebag holte für Strasbourg einen Sieg gegen Poitiers-Migné-Auxances | Foto: Französischer Schachverband

Zwei Runden sind mittlerweile gespielt, die Partien beginnen jeweils um 15 Uhr. Wir übertragen sämtliche Runden live auf chess24. Alle Partien könnt ihr auch mit unseren kostenlosen Apps verfolgen:

         

Zum Weiterlesen:


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