Berichte 21.05.2019 | 19:10von Colin McGourty

Moskau GP, VF 1: Magnus spricht über Matchstrategie

Daniil Dubov spulte 26 Züge seiner Vorbereitung gegen Hikaru Nakamura herunter, was vielleicht auch schon das Highlight des ersten Tages des Viertelfinals beim Moskauer FIDE Grand Prix darstellte - denn alle Partien endeten nach spätestens 31 Zügen mit Punkteteilungen. Glücklicherweise hatten wir Magnus Carlsen während der Live-Kommentierung mit an Bord, mit dem wir die Geschehnisse auf dem Brett diskutieren konnten. Zudem führte uns der Weltmeister in sein Konzept der "Sudden Death-Aversion" ein, um zu erklären, warum einige Außenseiter das Risiko scheuen, auch wenn das ihre Chancen insgesamt verschlechtert, erfolgreich zu sein. Ebenso fanden wir heraus, über was Ian Nepomniachtchi und Magnus Carlsen während des Turniers in Abidjan lachten!

Für Magnus Carlsen ist Hikaru Nakamura der Favorit gegen Daniil Dubov, gab aber in Bezug auf Dubov zu: "Wenn er seine Stellungen bekommt, ist er verdammt gut!" 

Alle Partien aus Moskau kannst du hier nachspielen:

Für diesen einen Tag half Magnus Carlsen unserem Jan Gustafsson bei der Kommentierung der Partien:

So wurde Magnus zum Beispiel gefragt, wie er insgesamt die Chancen der Spieler in den Viertelfinals sieht:

Magnus: Es ist schon schwer, gegen die erfahreneren Spieler mit höherer Elo zu wetten, um ehrlich zu sein.

Jan: Das sind Nakamura, Grischuk, Svidler, und Nepomniachtchi?

Ja, also so langweilig wie möglich!

Drei dieser Spieler hatten am Montag die weißen Steine, aber keine schaffte es, in der ersten Partie im klassischen Schach zu gewinnen. Im Folgenden ist jede Partie einzeln besprochen:

Nakamura ½-½ Dubov

Kann Daniil Dubov mit Hikaru Nakamura einen weiteren großen Skalp einsacken? | Foto: Niki Riga, World Chess

Die Art und Weise, wie beide Spieler das Viertelfinale erreichen, hätte unterschiedlicher nicht sein können. Nakamura nahm zwei schnelle Remis und warf dann Teimour Radjabov im Schnellschach aus dem Turnier, während die beiden Partien zwischen Giri und Dubov Thriller waren.


Hikaru wies nach der Partie den Einwand von Wesley So zurück, dass sein Plan lediglich darin bestehen würde, die Matches in den Tiebreaks zu entscheiden:

Olimpiu G. Urcan: Hikaru Nakamura, Wesley So, Jan-Krzysztof Duda und der Drache.

Magnus allerdings hatte auch das Gefühl, dass das der Plan wäre - und für Nakamura ein richtiger. Danach ging es in eine tiefe Debatte über die Strategien, die Favoriten und Außenseiter wählen (sollten):

In Nakamuras Fall ist es sehr klar, dass er einer der besten Spieler in kürzeren Zeitkontrollen ist und zuletzt hatte er nicht wirklich herausragende Resultate im klassischen Schach. Deshalb macht es absolut Sinn für ihn, alles auf die kürzeren Zeitkontrollen zu setzen. Ich denke, Radjabov fand es wohl unangenehm, besonders in den klassischen Partien hart auf Sieg zu spielen. Deshalb dachte er wohl, "ich hoffe auf ein wenig Glück im Schnell- oder Blitzschach", was ebenfalls völlig ok ist.

Ganz offensichtlich hat Radjabov ebenfalls eine Vergangenheit im Schnell- und Blitzschach, aber im klassischen Schach ist er glaube ich einfach gar nicht schlechter als Nakamura. Daher denke ich, dass er in der ersten Partie in der Eröffnung überrascht wurde, aber im Allgemeinen sollte er es dennoch probieren. Ich hätte auch, wenn er gestern den Tiebreak gewonnen hätte, gesagt, dass das in meinen Augen nicht der beste Ansatz ist.

Er hat einfach kein Problem damit, Remis zu machen?

Das ist der Punkt. Er weiß, dass es nicht zwingend der Plan ist, um seinen Erwartungswert zu maximieren, aber so zu spielen, dass der Erwartungswert maximiert wird, ist halt viel anstrengender. Das ist so weit außerhalb seiner Komfortzone (und auch der anderer). Das ist der Grund, warum es Spieler nicht im klassischen Schach probieren. Ich führe da gerne mein Match gegen Karjakin in New York an. Ich werde sehr für mein Remisangebot in der 12. Partie kritisiert, aber ich war damals überzeugt, dass es der richtige Ansatz ist. Ich war beim Match gegen Caruana überzeugt, dass es die richtige Entscheidung war, ein Remis anzubieten basierend auf den Informationen, die ich hatte. Die Frage ist eher, "hätte Karjakin schärfer spielen sollen"?

Da gibt es diese "Sudden-Death-Aversion", die in meinen Augen viele Spieler beeinflusst. Du triffst Entscheidungen, die dir insgesamt eine geringere Chance geben, zu gewinnen, aber eben auch die Partie oder das Match verlängern. Denn du hast das Gefühl, "solange wie ich noch spiele, habe ich eine Chance, aber jetzt etwas riskantes zu tun und zu verlieren, das wäre sehr unangenehm". Ich verstehe das total, aber auf diese Weise maximierst du deine Chancen nicht immer.

Bu Xiangzhi spielte eine starke Angriffspartie und warf Magnus Carlsen aus dem World Cup in Tbilisi 2017 | Foto: Anastasia Karlovich, Turnierseite

Ich machte diesen Fehler selbst, als ich im World Cup vor einigen Jahren spielte. Vor dem Match gegen Bu hatte ich das Gefühl, auch während der ersten Partie, dass die einzige Möglichkeit, wie ich das Match verlieren könnte, wäre, etwas unsagbar Dummes zu tun. Und so kam es, dass als es in der ersten Partie nicht gut für mich lief, ich die Chance hatte, mehr oder weniger das Remis zu forcieren. Dann dachte ich lange darüber nach und entschied mich dagegen. Ich dachte, dass das, was ich spielte, immer noch unklar wäre und es absolut nicht klar war, dass es schlecht für mich ist. Aber ich konnte auch keinen klaren Weg sehen, dass ich besser stehen würde. Von daher wäre es wohl die richtige Entscheidung für mich gewesen, dass Remis mit Weiß mitzunehmen. Mit Schwarz hätte ich wohl keine Probleme gehabt und dann bin ich im Tiebreak der große, große Favorit, anstatt alles in einer einzigen Partie zu riskieren. In dieser Partie traf ich definitiv die falsche Entscheidung. Es ist eben nicht einfach!

Die Strategie, die fast immer richtig ist, lautet: Wenn du schlechter stehst, mach es kompliziert und wenn du auf Gewinn stehst, spiel es simpel! Wenn du glaubst, du bist der schwächere Spieler, solltest du versuchen, so kompliziert und taktisch wie möglich zu spielen. Wenn du der schwächere Spieler bist, verbesserst du deine Chancen nicht unbedingt damit, das Match zu verlängern. Du tust das vielleicht, wenn jede Partie wichtiger wird, aber es sollte dich nicht davon abhalten, riskante Entscheidungen zu treffen. Du solltest eher geneigt sein, solch riskante Entscheidungen zu suchen.

"Er hat das Gefühl, dass er die Form hat, er bereit ist... und er will gewinnen" sagte Magnus über Dubov | Foto: Niki Riga, World Chess

Daniil Dubov ist kein Spieler, den man beschuldigen könnte, dass er keine Risiken auf sich nimmt. Aber auch, wenn der Russe Schnellschach-Weltmeister ist, rät Magnus, dass er besser den Tiebreak gegen Nakamura vermeiden sollte:

Wenn Daniil heute überleben kann, ich meine, wenn er etwas aus der Partie holt, dann wird er es morgen definitiv versuchen, zu gewinnen, denke ich. Denn Hikaru ist stark bei kürzeren Zeitkontrollen. Dubov ist sehr, sehr gut. Es geht nicht darum, ob man die Zuschauer groß unterhalten kann - das ist nicht das, was er tun will. Er hat das Gefühl, dass er die Form hat, er bereit ist... und er will gewinnen. Und das ist offensichtlich bedeutend schwieriger für ihn umzusetzen. Hikaru ist mit Sicherheit der Favorit und er ist in den Tiebreaks der schwierigere Gegner im Vergleich zu unserem Liebling Anish Giri. Bei ihm sah es so aus, als ob er nur da war, um in der ersten Runde zu verlieren!

Jan erwähnte Namakuras Interpretation, dass Giri versuchte, die Tiebreaks unter allen Umständen zu vermeiden, aber Magnus lehnte das ab, weil es "keine wirklich differenzierte Sichtweise" ist:

Ich glaube, er hat einfach ernst gespielt. Er wurde in der zweiten Partie in der Eröffnung klar erwischt. Nach 4.Lg5 ist ...dxc4 der anerkannt richtige Zug - und Giri weiß das - und deshalb entschied sich Giri dafür. Er spielte das, woran er glaubt und wurde erwischt. Auch in der ersten Partie musste er gegen eine bisher kaum gespielte Idee antreten und das war, um ehrlich zu sein, zu einem bestimmten Zeitpunkt ein umwerfendes Konzept: Du gibst das Läuferpaar und einen Zentrumsbauern auf, du hast keine Drohungen... und du stehst schlicht besser! Für mich ist das sehr, sehr faszinierend. Das ist nichts, was du jeden Tag siehst.


Giris Stellung nach 14.gxf3 in Partie 1

Magnus führt die Diskussion der zweiten Partie aus Runde 1 weiter:

Daniil ist einer der Spieler, die dazu in der Lage sind. Er führt ein unglaubliches neues Konzept ein und wenn er es schafft, diesem Konzept mit energischen Zügen zu folgen, dann ist er extrem gut. Ich glaube, Anish hätte sich besser verteidigt, wenn er mehr an seine Stellung geglaubt hätte. Aber an diesem speziellen Tag schaffte er es nicht. Ich sah mir die Partie ohne Computer an und für mich war fast jeder Zug eine Überraschung und ich dachte, "wow, dieser Typ ist echt gut, wenn er Stellungen bekommt, die ihm liegen!"

Jetzt ist es aber an der Zeit, zur Partie des Viertelfinals zu kommen. In dieser hatte Dubov eine andere extravagante Idee parat, indem er zum wiederholten Male seine Bauernstruktur mit 13…axb6 und 15…gxf6 in Trümmer legte:


Magnus kommentierte hierzu:

Er hat große Ambitionen. Nach 13.Lxf6 denkt man keine Sekunde an 13...Dxf6, um eine leicht schlechtere, aber remisliche Stellung herbeizuführen.

Carlsen mochte die Stellung:

Es ist eine dieser Stellungen mit vielen, hübschen isolierten Bauern - sechs insgesamt. Das ist im Prinzip das Maximum, das du erreichen kannst. Ganz ehrlich, alle von ihnen isoliert.. mehr geht nicht, denke ich.

Die Tatsache, dass Dubov nur für Sekunden nachdachte, war natürlich an Anzeichen dafür, dass er noch in seiner Eröffnungsvorbereitung war. Eine Tatsache, die Nakamura nach der Partie beklagte:

Ich wusste, dass mich Daniil in der Eröffnung überraschen würde, aber ich hatte sicher nicht erwartet, dass er gut 20 Züge oder so ohne Nachdenken spielen würde.

Seine Vorbereitung ging sogar noch viel weiter, wie Dubov eingestand:

Offensichtlich war es kein echter Bluff, oder? Ich hatte das heute Morgen glaube ich bis zu 26...Sd6, ein oder zwei Züge, bevor wir Remis vereinbarten, auf dem Computer. Bis zu ...Sd6 ist es mehr oder weniger eine perfekte Schachpartie...

Es spricht für Namakura, dass er es schaffte, einige Fallen zu umschiffen. Zum Beispiel bemerkte Magnus, dass nach 22…Tc8 der Zug, den Weiß gerne spielen würde, 23.f4? ist. Doch dies würde ins Figurenopfer 23...Dxc3!! laufen:


"Wenn das funktioniert, ist es großartig", sagte Magnus. Und es funktioniert, denn nach 24.Dxc3 Txc3 25.fxe5 d2! kämpft Weiß ums Überleben. Nakamura wehrte diese Drohung mit 23.Tc1! zuerst ab, und die Stellung blieb im Gleichgewicht, bis 27.Se2!? gespielt wurde:


Falls Dubov sich korrekt erinnert und er nur einen einzigen, nicht vorbereiteten Zug in dieser Partie machte, dann war dieser womöglich ein Fehler! Der Computer gibt hier 27...Lg4 an, was das Schlagen auf e2 vorbereitet, und Weiß kann es nicht vermeiden, mit einem Minusbauern weiterzuspielen, auch wenn der Nachteil nur gering sein würde. Stattdessen einigten sich die Spieler nach 27…Lf5 28.e4 auf Remis. Magnus hatte vorhergesagt, dass Dubov weiterkämpfen würde:

Er könnte die Partie dann noch auf dumme Art und Weise verlieren, weil er es überzieht, aber er ist denke ich die Art von Spieler, da sich dann noch sagen würde, dass sie die richtige Entscheidung getroffen haben... Es ist nicht so, dass du dich im Anschluss selbst hasst, aber du kannst dennoch solche Entscheidungen treffen!

Dubov schwelgte immer noch in seiner Vorbereitung: "Ich erinnerte mich daran, dass ich gut stehe, aber es ist sehr trickreich für Schwarz."

Das Interview mit den Spielern kannst du dir hier ansehen:

Wei Yi ½-½ Nepomniachtchi

Wei Yi bleibt weiterhin der einzige Spieler des Turniers, der eine Partie mit Schwarz gewinnen konnte | Foto: Niki Riga, World Chess

Diese Partie erreichte die gleiche Stellung wie in Duda-Nepomniachtchi in Dortmund letztes Jahr, nur dass Jan dieses Mal 15...Ld8 anstatt von 15...Td8 spielte:


Er bezeichnete den Läuferzug als "klare Verbesserung" (Jan-Krzysztof verpasste in Dortmund den Gewinn), und hier war 16.Scd5?! eine Entscheidung, die weder er noch Magnus gutheißen konnten:

Nach diesem Zug sollte es immer zumindest ok sein für Schwarz. Sein König steht ein wenig sicherer und ich tippe, dass Weiß zwar kein Risiko hat, aber jeder weiß auch, wie gefährlich Ian in Stellungen ist, in denen er den sichereren König hat.

Wei Yi selbst gab zu, dass er etwas übersehen hatte, als er die Springer tauschte und mit f4 fortsetzte, aber schlussendlich versandete die Partie im Remis. Der Höhepunkt war dann das Interview mit den Spielern im Anschluss an die Partie. Ian zitierte dann Grischuk, dass "ein Remis besser ist als zu verlieren, aber schlecht ist als zu gewinnen":

Wichtiger ist allerdings, dass wir die Auflösung des Mysteriums von der Grand Chess Tour in Abidjan bekommen haben! Magnus gab zu, dass er zu Ian ein gutes Verhältnis hat, obwohl dieser der einzige Spieler über 2700 ist, der eine positive Bilanz gegen ihn hat:

Das ist völlig ok. Ich hatte offensichtlich ein paar Probleme mit ihm im klassischen Schach, aber wir haben genug Trainingspartien gespielt, die mir zumindest einen Schimmer Hoffnung geben.

Ich würde auch noch gerne eine Geschichte aus Abidjan ansprechen. Es gab einen Punkt in unserer Partie in der zweiten Runde, an dem wir beide lachten und sich die Zuschauer vermutlich wunderten, warum. Von einem benachbarten Raum drangen Geräusche zu uns - ich weiß nicht, ob es eine Art Konferenz war oder ob dort die Partien kommentiert wurden, aber einige Male fiel der Applaus mit dem Ausführen der Züge zusammen, was uns ein wenig amüsierte. Und natürlich nur bei normalen, unspannenden Zügen. Das war der Grund, warum wir uns nicht professionell verhalten konnten!

Hier ist das dazugehörige Video:

Svidler ½-½ Wojtaszek

Große Hoffnungen wurden auf diese Paarung gesetzt, und Magnus kommentierte, "alle Schwerfiguren auf dem Brett, Spannung im Zentrum - die Partie verspricht Spaß!"

Auch diese Partie endete unweigerlich im Remis | Foto: Niki Riga, World Chess

Der kritische Moment schien in dem Moment zu kommen, als Peter Svidler 18.b4!? spielte, ein Zug, den Jan vorgeschlagen hatte:


Magnus hatte hier die Idee 18...g5!? und bezeichnete Wojtaszeks Zug 18...Da7?!, den er sofort spielte, als "ein großes Eingeständnis". Doch auch wie in Vitiugov-Svidler aus der ersten Runde dauerte die Partie nicht allzu lange. Nach 19.Sd2 Tac8 20.Lg3 bot Peter Remis an. Und das in aller Stellung, die sofort Raum für Kritik an den Regeln öffnet:

Jon Ludvig Hammer: Keine gute Idee, dass beim FIDE Grand Prix Remisangebote erlaubt sind.

Svidler fasste es so zusammen:

An einer bestimmten Stelle dachte ich, dass ich etwas erreichen würde, aber in der Schlussstellung war es sehr schwer für mich zu verstehen, was meine Pläne überhaupt sein sollten. Und es ist eine seltsame und schwierig zu spielende Stellung, wenn du Kopfschmerzen hast. 30 Figuren auf dem Brett und nicht ansatzweise ein Anzeichen eines klaren Plans. Ich dachte, ich frage einfach Radek, was er über die Stellung denkt und er schien seine Stellung anscheinend auch nicht zu mögen.

Radek gab zu, dass er dachte, nach der Eröffnung einfach schlechter zu stehen, da er die Vorbereitung durcheinander brachte:

Svidler gab in der Vergangenheit bereits zu, dass die Sofia-Regel ihm geholfen hat, vom Fluch allzu häufiger Remisangebote geheilt zu werden. Magnus reagierte auf die Nachricht des Remis-Schlusses mit "Ja, das ist der gute, alte Svidler!". Andererseits stimmte er Jan zu, dass Peter genau weiß, was er in KO-Turnieren tut:

Du kannst vor dem Hintergrund seiner Erfolge nichts Negatives sagen, er weiß einfach, was er macht. Ich denke, in kürzeren Zeitkontrollen ist er sicher ein größerer Favorit gegen Wojtaszek als im klassischen Schach. Es scheint so zu sein, dass er sich aus der Stellung nicht viel ausgerechnet hat, deshalb dachte er, "morgen die Stellung halten und dann wird es schon gut ausgehen".


Grischuk ½-½ So

Die 6. Weltmeisterin Nona Gaprindashvili machte den symbolischen ersten Zug für Grischuk | Foto: Niki Riga, World Chess

Schaut man nur kurz auf die Namen der Spieler und die Computerbewertungen, könnte man die Partie als langweiliges Remis abtun. Aber der allgemeine Konsens war, dass es eine hochgradig riskante Entscheidung von Wesley war, in ein Endspiel zu gehen, in dem Weiß das Läuferpaar hatte:


Magnus meinte dazu, dass "mein erster Gedanke war, was zur Hölle macht Schwarz hier!?" Grischuk merkte an, dass es "eine extrem taktische Stellung" war, und dass "entweder Schwarz sofort ausgleicht oder es für ihn 100 Züge lang unangenehm sein wird". Wesley So schaffte es, sich durch all die Taktik sicher zu navigieren und sammelte sogar einen Bauern ein. Grischuk sah eine Möglichkeit, das Remis zu forcieren oder weiterzuspielen, "aber einfach mit einem Bauern weniger für unklare Kompensation und viel weniger Zeit auf der Uhr weiterzuspielen, erschien mir nicht sonderlich verlockend". Stattdessen einigten sich die Spieler nach 28 Zügen auf Remis.

Hier gibt es die Interviews zur Partie:

Es war ein Tag, an dem das Schild nicht schwächer war als das Schwert und Magnus sprach über die Verteidigung im Schach. Jan warf die Idee in den Raum, dass man dynamisch spielen sollte, wenn man von den statischen Merkmalen der Stellung her im Nachteil ist (inspiriert durch eine Video-Serie, die er mit Großmeister Iossif Dorfman aufnimmt). Magnus stimmte dem nicht vollkommen zu:

Ich weiß nicht. In einigen Fällen mag das stimmen, aber ich würde es nicht als allgemein gültige formulieren wollen. Manchmal kannst du dich einfach verteidigen, auch wenn du statische Schwächen hast. Wenn du dann aber dynamisch spielst, wirst du deine Stellung nur verschlechtern...

Ist Karjakin besonders gut darin?

Ja, das ist er. Er geht ein wenig zu sehr in diese Richtung. Manchmal wäre er besser damit beraten, dynamische Gegenchancen zu suchen anstatt zu versuchen, die Stellung einfach zu halten. Aber das ist ein seltenes Talent, Stellungen zu verteidigen, in denen du kein Gegenspiel hast und keine wirklich Hoffnung, irgendwann jemals Gegenspiel aufziehen zu können. Das ist schon seit langer Zeit so bei ihm und das ist etwas, was sehr wenige Spieler können, geschweige denn, wollen. Darin ist er definitiv sehr gut.

Dann gibt es so Spieler wie Kramnik. Er hat sich zwar leider vom aktiven Schach zurückgezogen, aber er war einer derjenigen, die niemals nur schlicht ihre statischen Schwächen verteidigt haben. Er würde versuchen, Gegenspiel zu erlangen, und wenn er das nicht konnte, dann verlor er. Aber wenn er es schaffte, dann stand er gut. Auch Aronian ist hierfür ein Beispiel für jemanden, der nicht einfach nur passiv verteidigt.

Ist Vishy darin gut, sich passiv zu verteidigen?

Ja. Früher war er darin sogar noch besser als heute, aber er ist sehr gut und sehr geduldig. Und er glaubt an diese mystischen Kreaturen!

Diese mystischen Kreaturen sind Festungen. Jan fragte Magnus ebenfalls zu seinem Gesamteindruck des Grand Prix-Formats:

Es freut mich, dass sie das Schweizer System abgeschafft haben, in dem praktisch keiner versucht hat, Partien zu gewinnen. Ich mag das Format, es macht die Turniere definitiv interessanter. Dennoch, es ist komisch, dass der Preisfond so gering ist. Von daher weiß ich nicht, ob das die Herangehensweise der Spieler beeinflusst. Einerseits sind die Turniere interessant in dem Sinne, dass man sich für das Kandidatenturnier qualifizieren kann. Andererseits wirst du nicht wirklich gut bezahlt.

Es war definitiv in der Vergangenheit der Fall, dass die Qualifikation für das Kandidatenturnier den ein oder anderen darüber hinwegsehen ließ, dass der Preisfond so gering ist | Foto: Niki Riga, World Chess

Der erste Preis in Moskau beträgt 24.000 Euro, aber es sollte erwähnt werden, dass die FIDE zusätzlich für die gesamte Serie Geld zur Verfügung gestellt hat. So erhält der Gesamtsieger der Serie 50.000 Euro. Im Allgemeinen war das eine Verbesserung, meint Magnus:

Ich begrüße einen Großteil der Veränderungen. Das macht das Ganze viel interessanter. Es überrascht mich, wie viele entschiedene Partien wir bisher gesehen haben.

Am zweiten Tag des Viertelfinals werden wir sehen, ob die Spieler, die sich bei kürzeren Zeitkontrollen als schwächer einschätzen, den Kampf suchen, um das Match kürzer zu gestalten. In der Zwischenzeit hat Magnus einen stressigen Zeitplan vor sich:

Diese Woche geht es für mich nach Dänemark zu einem kleinen Event, danach reise ich nach Schottland und nehme an einem Schnellschachturnier am Wochenende teil, wo ich gegen Vishy, Ding und vermutlich einen Russen spiele. Ich denke, Karjakin, denn er flog in der ersten Runde aus dem Grand Prix. Das Wochenende im Anschluss spiele ich dann beim Norway Chess, von daher ist es zur Zeit recht stressig.

Jan wird demnächst auf Deutsch kommentieren, während den englischen Kommentar Evgeny Miroshnichenko und Daniil Yuffa ab der zweiten Partie des Viertelfinals übernehmen. Es ist dann wieder Sudden Death angesagt. Jeder Spieler, der verliert, fliegt aus dem Turnier. Schalte ein und verpasse nichts, live ab 14:00 Uhr MEZ auf chess24!

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