Berichte 20.05.2019 | 11:25von Colin McGourty

Moskau GP, R1 Stichkämpfe: Nakamura & So kommen weiter

Die US-Amerikaner Wesley So und Hikaru Nakamura haben sich mit Stichkampfsiegen für das Viertelfinale des FIDE Grand Prix in Moskau qualifiziert. Wesley So nutzte in seiner Weißpartie einen groben Fehler von Jan-Krzysztof Duda in ausgeglichener Stellung aus, während Teimour Radjabov in eine Position geriet, in der er nichts mehr ziehen und nur noch auf Nakamuras finalen Hieb warten konnte. Vor allem Duda hatte in der zweiten Partie noch seine Chancen, aber beide Duelle endeten remis. Nakamura muss nun gegen Dubov antreten, während So auf Grischuk trifft.

Bei den Stichkämpfen war nun auch endlich Platz für die Schachfans! | Foto: Niki Riga, World Chess

Alle Partien der 1.Runde könnt ihr hier nachspielen:

Und hier das Video von den Stichkämpfen samt Nakamuras Besuch bei den Kommentatoren Evgeny Miroshnichenko und Daniil Yuffa:

Theoretisch hätte es am Sonntag je sieben Partien in den beiden Stichkämpfen geben können, doch die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario sank dramatisch, als die beiden Favoriten aus den USA jeweils die erste Schnellschachpartie gewannen.

Hikaru Nakamuras Entscheidung, auf die schnellen Disziplinen zu setzen, zahlte sich aus | Foto: Niki Riga, World Chess

Nach den beiden schnellen Remis in den Turnierpartien machte Hikaru Nakamura beim Schnellschach zwar keine Friedensangebote, doch nachdem er auf ein durchaus mögliches Opfer (19.Txe6!?) verzichtet hatte, schien die Partie im Sande zu verlaufen. Plötzlich erwachte sie aber wieder zum Leben, als sich ein weißer Springer auf d6 einnistete:


Teimour Radjabov hatte nicht mehr viel Zeit und war sich unsicher, ob er den Eindringling dulden sollte, doch dann beseitigte er ihn mit 31…Sxd6?! 32.exd6 f6 und wurde mit dem ungenehmen 33.Sh4! konfrontiert, wonach Nakamura seinen f-Bauern in Bewegung setzte. Teimour meinte, er habe “diese Möglichkeit völlig vergessen”, während Hikaru ergänzte: “Nach f6, Sh4 kann ein Computer die Stellung vielleicht noch halten, aber sie ist sehr unangenehm.“ 35…e5? war schon der letzte Fehler, der den schönen Gewinnzug 36.Dd5! ermöglichte:


Schwarz ist zur totalen Passivität verdammt und Tc2-c6-a6-a8 nur eines von vielen denkbaren Gewinnmanövern. Radjabov versuchte sich ins Dauerschach zu retten, doch auch das wurde – majestätisch - widerlegt! 36…De3 37.Sg6 Sxg6 38.hxg6 Df4+ 39.Kh3 Df1+ 40.Kh4 De1+ 41.Kh5:

"Hikaru Nakamuras sauberer Schlussstrich unter eine feine Positionspartie!"

Von außen betrachtet, verlief die zweite Partie nicht gerade sonderlich spannend, aber die Spieler stellten hinterher fest, dass Weiß im 22.Zug eine gute Möglichkeit ausgelassen hatte:


Sofort 22.Lf4! wäre richtig gewesen, und nach 22…Tcc8 (22...Tce7? 23.a3! und der Läufer ist gefangen) 23.Dd7! gewinnt Weiß entweder den b- oder den f-Bauern, wobei Schwarz immer noch gute Remischancen hat. Nach 22.Tad1?! Lf8! 23.Lf4 in der Partie konnte Schwarz den Turm problemlos nach e7 stellen.

Radjabov meinte hinterher, seine Fähigkeiten im Schnellschach seien ein wenig eingerostet! | Foto: Niki Riga, World Chess

Einmal kam danach noch Spannung auf, doch die verflog, als Radjabov merkte, dass das geplante 27.a4!? Dxa4 28.Sg5!? ein Loch hatte:


Nach 28…Dxd1! wäre die Partie auf der Stelle beendet gewesen. Nach 27.Lxf8 war sie allerdings auch einige Züge später vorbei, da Weiß einsehen musste, dass nichts mehr drin war.

Hier die beiden Kontrahenten bei der gemeinsamen Analyse:

Nakamura hatte vorhergesagt, dass 80% der Duelle nach schnellen Remis im Stichkampf entschieden würden, daher musste er einiges erklären!

Es war sehr merkwürdig, denn im Grunde haben die Spieler in der ersten Partie mit Weiß remisiert, die als Schwarze meist schlechtere Stellungen verteidigen müssen. Sergey [Karjakin] ist ein gutes Beispiel. Er bekommt gern eine schlechtere Stellung, die er dann ewig verteidigt, und eine solche Dynamik hat zur Folge, dass auch mit Weiß bis zum Sankt Nimmerleinstag weitergespielt wird. Das hat mich insofern nicht überrascht.

Auch Peter [Svidler] bekam eine Stellung, die normalerweise remis ausgehen sollte, doch er hatte ein wenig Initiative und konnte gewinnen, was angesichts der Paarung keine Überraschung war. Und selbst Anishs Niederlage gegen Daniil war keine Sensation. Anish denkt aus irgendeinem Grund, er wäre der schlechteste Schnellschachspieler der Welt, was ich überhaupt nicht verstehe! Es lag einfach an den Paarungen und daran, wer in der zweiten Partie Schwarz hatte, dass es so viele entschiedene Partien gab – und nicht am brillanten Format! Es waren die Paarungen, und bisher sieht es so aus, als wäre das Format gut fürs Schach. Aber es ist noch sehr früh für ein Fazit.

Einige Züge von Giri kamen für Nakamura überraschend... | Foto: Niki Riga, World Chess

Im anderen Stichkampf verpasste Wesley So im Mittelspiel den entscheidenden Schlag:

"So, Duda und die Kommentatoren haben 22.Lxh6! übersehen, aber die Computer meinen, dass der Zug für Weiß gewinnt."

Wesley So überlegte dreieinhalb Minuten und wickelte dann mit 22.dxe5 dxe5 23.Dxd8 (23.Lxh6! ging immer noch) ins Endspiel ab, wonach die Stellung rasch völlig ausgeglichen war. 

Dudas Socken waren nicht das einzige Ausrufezeichen am Sonntag... | Foto: Niki Riga, World Chess

Dann aber unterlag Duda einer “Täuschung” und machte “einen tragischen Zug”:


35…Lxf2?? ist in einer Schnellpartie ein nachvollziehbarer Fehler, aber auch ein fataler. Wesley zeigte sofort die Widerlegung 36.Lxc6! Txe2 37.Lxb5! und der schwarze Turm kann den Läufer auf f2 nicht mehr decken (37…Tc2 38.Lxa4! Te2 39.Ld1! und die Partie ist vorbei). Duda gab mit 37…Te3 38.Kxf2 die Figur, doch die Aufgabe ließ auch danach nicht mehr lange auf sich warten.

Wesley So zeigte sich von seiner Auftaktniederlage gut erholt | Foto: Niki Riga, World Chess

In der Revanchepartie bekam Duda aber genau die Stellung mit lang anhaltendem Druck, die er in seiner Situation brauchte. Und dann ließ der 21-jährige Pole auch noch sein ganzes Können aufblitzen:


39.Lxh6!! gxh6 40.Lxc6 Lxc6 41.Te6! setzte das Brett in Flammen und wenn Duda nach 41…h5 das starke 42.Tg6! gespielt hätte, wären seine Chancen auf eine Verlängerung des Matches sehr groß gewesen. So aber konnte Wesley So seine Erfahrung ausspielen:

Hikaru und ich sind nach der Grand Chess Tour in Afrika gut im Training, denn wir haben dort viel Schnellschach gespielt.

Als Duda 42.Tg3 spielte, nutzte Wesley So seine Chance zum brillanten Konter: 42…Sc1!!

Schwarz gibt auf c6 eine Figur, um die Gabel auf e2 anzubringen, wonach die Computerbewertung direkt auf 0.00 sinkt. Im Endspiel mit einem Turm gegen Springer und zwei Bauern von Duda machte So alles richtig und sicherte sich mit dem Remis das Weiterkommen.

Dieses Mal musste Duda sich geschlagen geben, aber wir werden ihn noch bei der Grand Chess Tour in Paris und zwei weiteren Grand Prix erleben | Foto: Niki Riga, World Chess

Hinterher lobte Wesley So seinen Gegner:

Das war ein sehr hartes Match, aber das wusste ich schon, als ich gegen Jan-Krzysztof gelost wurde. Es war wirklich sehr hart. Jan-Krzysztof ist noch sehr jung und er verbessert sich sehr schnell. Ohne Zweifel wird er sehr bald ein absoluter Topspieler sein.

Am Montag geht es somit ab 14 Uhr mit diesen Viertelfinals weiter:


Überraschenderweise sind die acht Kontrahenten bisher nur selten aufeinandergetroffen. Schauen wir uns die Matches nacheinander an:

Dubov gegen Nakamura

Die beiden haben noch keine Turnierpartie gegeneinander ausgetragen, sondern nur drei Schnellschach- bzw. Blitzpartien. Den einzigen Sieg holte Dubov beim Tal Memorial 2018.

Grischuk gegen So

Überraschenderweise haben diese beiden erfahrenen Spieler erst vier Partien gegeneinander ausgetragen, wovon jeder eine gewinnen konnte. Wesley So erwähnte im Interview seine Gewinnpartie beim Sinquefield Cup 2015, die damals sein einziger voller Punkt war. Grischuk schlug in Runde 2 des Berliner Kandidatenturniers zurück und meinte danach, “Wenn du vorher mattsetzt, musst du nicht bis zum 40.Zug spielen!“

Ein Fan von Alexander Grischuk? | Foto: Niki Riga, World Chess

Wei Yi gegen Ian Nepomniachtchi

Als Nepo zu seiner Bilanz gegen seine potentiellen Gegner gefragt wurde, meinte er, “nichts, worauf ich stolz sein könnte”. Tatsächlich konnte Wei Yi zwei der drei Turnierpartien für sich entscheiden und er eliminierte Nepomniachtchi auch in der 1.Runde des Weltcups 2013 (ehe er Shirov in Runde 2 ausschaltete und dann im Schnellschach gegen Mamedyarov ausschied). Nepos einziger Sieg ist erst eine Woche alt und rührt aus einer wilden Blitzpartie in Abidjan.  

Svidler gegen Wojtaszek

Alle drei Partien zwischen Svidler und seinem Konkurrenten endeten remis. Und wie bei allen Matches ist es sehr schwierig, einen klaren Favoriten zu benennen!

Das Viertelfinale sollte man nicht verpassen! | Foto: Niki Riga, World Chess

Los geht es um 14:00 Uhr, und dieses Mal mit dem englischen Live-Kommentar von GM Jan Gustafsson!

Weitere Links:


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