Berichte 25.04.2020 | 04:56von Colin McGourty

MCI Tag 5: Carlsen führt und Firouzja leidet

Magnus Carlsen übernahm die Kontrolle über das Magnus Carlsen Invitational, indem er Fabiano Caruana mit 3:1 besiegte. Das andere Match der dritten Runde war kontrovers, nachdem der 16-jährige Star Alireza Firouzja in der ersten Partie die Verbindung in einer guten Position verloren hatte. Die Regeln spezifizierten, dass die Partie schnell wieder aufgenommen werden würde, aber nach einer langen Verzögerung wurde beschlossen, das Ergebnis als Remis festzulegen. Alireza verpasste eine große Chance, als er die nächsten drei Partien verlor, bevor er später an das Berufungskomitee appellierte, die erste Partie zu wiederholen.

Magnus Carlsen spielte die Aljechin-Verteidigung und gewann später mit Stil in der ersten Partie.

Du kannst alle Partien des Magnus Carlsen Invitationals mit dieser Auswahl ansehen. Klicke auf ein Ergebnis, um die Partie mit Computer-Analyse anzusehen:

Damit haben Magnus Carlsen und Hikaru Nakamura jeweils 3 Punkte erzielt:


Hier die Live-KOmmentierung von Peter Svidler, Jan Gustafsson, Alexander Grischuk, Tania Sachdev und Lawrence Trent – mit Gastauftritten von Ian Nepomniachtchi und später Magnus Carlsen:

GM Pascal Charbonneau hat den Tag zusammengefasst:

Magnus Carlsen 3:1 Fabiano Caruana

Für Caruana muss es eine kleine Überraschung gewesen sein, dass Carlsen in einem langsameren Zeitformat die Aljechin-Verteidigung (1.e4 Sf6) wiederholte, die er viermal im Finale des Banterblitz-Cups gegen Firouzja gespielt hatte. Diese Eröffnung ist im Topschach eher selten, aber Fabianos Vier-Bauern-Angriff schien Magnus auf kaltem Fuß zu erwischen, und nachdem Fabi einen Turm für Magnus’ starken schwarzen Läufer getauscht hatte, sah die weiße Position vielversprechend aus. 


Magnus bedauerte hier 23…c6 gespielt zu haben und nicht 23…Td7, um die Türme zu verdoppeln und Ld3 vorzubereiten. Aber nach dem „sehr guten Zug“ (Magnus) 24.Dc3! mit der Drohung, den Läufer auf f5 mit g4 zu fangen, musste er seine Position mit 24…h5 schwächen. Hätte Fabiano hier 25.c5 gespielt, Lc4 androhend, wäre Schwarz sehr unter Druck geraten. Aber hier verlor Fabiano den Faden und erlaubte einen starken Gegenangriff mit den Türmen auf der d-Linie.


Die letzte Hoffnung für Weiß war 30.Kg1, aber stattdessen sahen wir 30.Kg3? T8d3! und dann gab es kein Zurück. 31.Dh6 Lxh3!! beendete die Partie.

Nach 32.gxh3 gewinnt 32…Dxh3+ 33.Kxh3 Txf3+ 34.Kh4 Th2+ 35.Kg5 35.Tg3#. Fabi dachte 3 Minuten lang nach, spielte 32.Kh4 und gab auf nach 32…Txg2!, denn Dg4+ ist ein Matt in 2.

In der nächsten Partie hatte Caruana schwarz. In eine Wiener Partie hatte Carlsen nach 16 Zügen schon die Damen getauscht und das Läuferpaar erhalten. Das genügte dem Weltmeister.


Nach weiteren Vereinfachungen musste Caruana schließlich aufgeben, als Carlsen über seine verblieben Bauern herfiel.

Jetzt musste Fabiano die dritte Partie gewinnen, um wenigstens das Armageddon zu erreichen. Aber Carlsen spielte nicht einmal auf ein Remis, sondern entschied sich für eine scharfe Variante in der Spanischen Partie mit 6…Lc5. Die Stellung wurde sehr schnell sehr wild, Caruana konnte einen Turm auf a7 stellen, und darauf folgten taktisch kompizierte Abtauschmanöver:


19.Txe7+ Dxe7 20.Dxg4 Dc5+ 21.Kh1 Sf2+ 22.Txf2 Dxf2. Magnus geriet noch einmal unter Druck, konnte sich aber in ein Dauerschach retten.

Dieses Remis bedeutet, dass Carlsen das Match schon gewonnen hatte, aber Partiepunkte zählen ja auch als Tiebreaker, also wurde auch die vierte Partie ausgespielt. Wieder ein Remis.

Alireza Firouzja 0.5:3.5 Hikaru Nakamura


Dies war ein Match zweier explosiver Spieler, und letztlich gab es außerhalb des Bretts ebenso viel Action wie darauf. In der ersten Partie überraschte Alireza die Kommentatoren mit der Wahl der Eröffnung: Im Abgelehnten Damengambit hat Hikaru viel Erfahrung, aber das Ergebnis sprach für Alireza. Er bekam dauerhaften Druck auf die Position, aber erst der letzte Zug, 45…Tb2+?! gab Weiß einen echten Vorteil:


Das sieht aus, als bereite es a2 vor, aber wenn Schwarz auf 46.Kg3 mit a2?? reagiert, gewinnt Weiß sofort mit 47.Txe5! Dennoch war es nicht ganz klar, und beide hatten nur noch wenige Sekunden auf der Uhr. Und hier gingen die Dinge ordentlich schief. Firouzja verlor die Verbindung und verlor auf Zeit. Beide Spieler waren sichtlich frustriert.

Die Turnierbestimmungen sagen für solche Situationen:

The tournament regulations foresaw such situations, under Article 4:

Wird ein Spieler unverschuldet vom Spielserver getrennt, wird die Partie so bald wie möglich von der aktuellen Position aus fortgesetzt. Die Uhrzeiten werden den vom Spielserver bereitgestellten Informationen entsprechend angepasst.
Der Hauptschiedsrichter kann in Ausnahmefällen anders entscheiden.

„Unverschuldet“ heißt in diesem Falle, dass der Spieler die Verbindung nicht absichtlich getrennt hat. Die Idee war, die Spieler nicht für Internetprobleme zu bestrafen und das Schach über das Ergebnis entscheiden zu lassen.

Die Schiedsrichter, angeführt von Schiedsrichter Arisiter Takis Nikolopoulos, versuchten daher, die Partie von derselben Position und zu denselben Zeiten aus neu zu starten. Dies erwies sich jedoch als Problem, da Hikaru seinen Platz für eine 10-minütige Pause verlassen hatte, in der Annahme, er habe das Spiel einfach gewonnen. Nach dieser Verzögerung wäre ein Neustart der Partie äußerst problematisch gewesen - weil die Spieler Zeit hatten, über die Position nachzudenken oder mit Schach-Engines zu überprüfen.

Unter solchen Umständen gab es keine gute Lösung, die beide Spieler zufriedenstellen würde, aber nach langen Diskussionen beschlossen die Schiedsrichter, die erste Partie für Remis zu erklären, wobei Alireza die Möglichkeit erhielt, danach Berufung einzulegen. Er forderte die Wiederholung der Partie und ein Berufungskomitee wurde einberufen. Letztendlich lehnten sie die Berufung mit der Begründung ab, dass „außergewöhnliche Umstände“ vorlägen:

On the appeal of Alireza Firouzja about the first game of his match vs Hikaru Nakamura, the Appeals Committee, after taking into account:

  • a) the MCI Regulations (especially Article 4)
  • b) the Chief Arbiter's Report on the incident
  • c) the Appeal of Alireza Firouzja (by email)
  • d) the data provided by chess24

we unanimously decide that the Chief Arbiter's decision was in accordance with the MCI Regulations, taken under 'exceptional circumstances' and justified by them, and thus decide to reject said appeal.

MCI Appeals Committee

IA Gunnar Bjornsson
IA Arild Rimestad
IA Jesus Garcia Valer


Für zukünftige Runden wurde den Spielern nun klargestellt, dass sie nach einer Partie bleiben sollen, bis ihnen mitgeteilt wurde, dass alles in Ordnung ist und die Zeit für die nächste Partie gegeben ist.

Das Remis im ersten Spiel ließ das Match natürlich in der Schwebe, obwohl Hikaru in der zweiten Partie zuschlug. 36… axb4! hätte Schwarz vielleicht genug Gegenspiel für ein Remis gegeben, aber Firouzja verfolgte den natürlicheren Ansatz, aus einem potenziellen Schachgebot auszusteigen, und fand sich stattdessen verloren:

Hier kann Schwarz nicht mehr verhindern, dass ein Turm fällt.

Partie 3 war der eigentliche Wendepunkt des Matches, und Alireza machte sich aus der Eröffnung heraus wieder gut („In beiden seiner weißen Spiele hat er aus dieser besonderen Struktur viel gemacht“ - Magnus). In den letzten Phasen versuchte Hikaru, eine Festung zu halten, an die weder Carlsen noch die Computer glaubten:

Aber es gab keinen offensichtlichen Weg, Fortschritte zu machen, und Alireza war wieder in Zeitnot. 56.De4? gab jeden Vorteil für Weiß auf:


56…f5! und ist objektiv gleich. Es wurde Zeit für Alireza auf ein Remis hinzuspielen, aber mit 71.Le7? fügte er sich sleber eine Wunde zu:


Nach 71…Sa6 fiel b4, und wenig später gab Alireza auf.

Die vierte Partie war, was im Englischen „Tilt“ genannt wird. Firouzja blitzte seine Züge herunter in einer Skandinavischen Verteidigung, und war komplett verloren nach 13…Le6??. 14.Sxf7! beendete die Partie und das Match:

Schwarz kann heftigen Materialverlust nicht mehr vermeiden – so etwas sieht man nicht oft im Topschach, besonders wenn beide Spieler mehr Zeit auf der Uhr als zu Beginn. Firouzja war deutlich nicht mehr in Spiellaune.

Das bedeutet, dass der 16-Jährige Alireza bisher alle drei Matches verloren hat, während Magnus Carlsen und Hikaru Nakamura auf dem Weg in die Top Four sind:


Siehe auch:


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