Allgemein 26.09.2016 | 18:02von Colin McGourty

Mark Dvoretsky im Alter von 68 Jahren verstorben

Mark Dvoretsky (1947-2016) | Foto: Russischer Schachverband 

Mark Dvoretsky, der bekannteste Schachtrainer der Welt, ist heute im Alter von nur 68 Jahren verstorben. Der russische Schachverband gab seinen Tod bei der Eröffnung des Tal Memorials bekannt und ließ eine Schweigeminute einlegen. Dvoretsky war ein begabter Spieler, der sich schon in jungen Jahren auf seine Trainerkarriere konzentrierte und für mehrere Generationen von Spitzenspielern zum Mentor wurde. Er teilte sein Wissen in mehreren hochrangigen Büchern mit der Schachwelt und war immer offen für neue Ideen. Erst vor kurzem weilte er in Hamburg, um Lehrvideos für uns aufzunehmen. Damals dachten wir, dies wäre erst der Anfang.  

Mark Izrailovich Dvoretsky wurde 1947 in Moskau geboren und legte an der Moskauer Universität sein Examen in Mathematik ab. Er wurde Schachprofi und errang zu Beginn der 1970er-Jahre einige Erfolge wie den Gewinn der Stadtmeisterschaft von Moskau 1973, dem geteilten 5.Platz bei der UdSSR-Meisterschaft 1974 sowie international mit dem Gewinn des B-Turniers von Wijk aan Zee, das er mit einem Vorsprung mit 1,5 Punkten als Sieger beendete. Im selben Jahr wurde er zum Internationalen Meister ernannt, und war laut Chessmetrics der zwanzigstbeste Spieler der Welt. Der Großmeistertitel war da nur eine Frage der Zeit, doch dann entschied sich Mark, weniger zu spielen und sich auf eine Karriere als Trainer zu konzentrieren.

Mark fordert 1973 gegen den berühmten Paul Keres heraus | Foto: ChessPro

In der Folge trainierte er einige Spieler wie Artur Yusupov, Sergey Dolmatov, Aleksey Dreev, Nana Alexandria, Viorel Bologan, Ernesto Inarkiev oder Alexander Motylev, die allesamt in den Bereich der Weltspitze vordrangen. Gemeinsam mit Artur Yusupov führte er eine Schachschule, die so begabte Spieler wie Peter Svidler betreute, und er brachte über 20 Bücher heraus.

In einem Interview mit dem Russischen Schachverband verriet er dieses Jahr, dass gesundheitliche Probleme seine Arbeiter als Trainer behinderten, und erklärte gleichzeitig, warum er für so viele Spieler eine entscheidende Rolle spielte:

Arbeitest du noch regelmäßig mit vielversprechenden Talenten zusammen?

Nein. Irgendwann stellte ich fest, dass ein Erfolgsfaktor (meine Arbeit war fast immer erfolgreich) darin bestand, dass ich völlig in meiner Arbeit aufging. Ich dachte die gesamte Zeit über die Probleme meiner Schüler nach und achtete auf die kleinsten Details. Basiert deine Arbeit nur auf Wissen und Technik, kannst du interessante Sachen zeigen, aber ein richtig guter Lehrer wirst du nur, wenn du dich komplett in die Arbeit stürzt.

Mit zunehmendem Alter nahm meine Energie ab, und als ernste gesundheitliche Probleme dazukamen, spürte ich, wie es mir bei einem Schüler, der gute Fortschritte erzielte, sehr schwer fiel, seine Belange in den Mittelpunkt zu rücken, da meine eigenen Probleme mich ablenkten. Aus diesem Grund habe ich keine Schüler mehr, die regelmäßig zu mir kommen.


Er wollte sich allerdings keineswegs zurückziehen, sondern stürzte sich in Trainingssitzungen und die nächsten Buchprojekte. Er war auch neuen Projekten gegenüber aufgeschlossen und stand uns 75 Minuten für eine Fragestunde zur Verfügung:

Danach produzierte er noch die beiden englischsprachigen Videos, Endgames with Dvoretsky und Calculation with Dvoretsky, und wir hofften sehr, dass er noch einmal nach Hamburg kommen würde, um neues Material aufzunehmen.

Der Tod von Mark Dvoretsky hat viele Schachspieler auf der ganzen Welt tief getroffen - von reinen Amateuren bis hin zu Profis. Es kann keinen Zweifel geben, welch riesigen Einfluss er auf die Schachwelt hatte!


Levon Aronian: “Der legendäre Schachautor und –trainer Mark Dvoretsky ist heute gestorben. Durch seine Bücher bin ich der Spieler geworden, der ich heute bin. Ein sehr trauriger Tag für die Schachwelt.“

Hikaru Nakamura: „Ruhe in Frieden, Mark Dvoretsky.“

Jan Gustafsson: “Welch eine traurige Nachricht, dass der großartige Mark Dvoretsky gestorben ist. Erst vor zwei Monaten verbrachte ich eine tolle Zeit mit ihm in Hamburg.”

Lawrence Trent: „Ich hatte die Ehre, Mark Dvoretsky erst vor ein paar Monaten in Hamburg kennenzulernen. Ein großer Kenner und Botschafter des Schachspiels. Ruhe in Frieden.

Mohammed El-Mediakhi: “Dass Mark Dvoretsky heute gestorben ist, macht mich sehr traurig. Ich habe zweimal mit ihm trainiert. Mein Beileid gilt seiner Familie, seinen Freunden und der Schachwelt.“

Greg Shahade: “Mark Dvoretsky war der Beste.”

Vidit Gurajthi: “Ruhe in Frieden, Mark Dvoretsky. Zwar habe ich ihn nie persönlich kennengelernt, aber seine Bücher haben mich stark beeinflusst.“

David Llada: „Ruhe in Frieden, Mark Dvoretsky.“

Auch wir sprechen Marks Familie und allen, die ihn kannten, unser herzliches Beileid aus. Er möge in Frieden ruhen.


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