Berichte 14.03.2019 | 08:14von Colin McGourty

Mannschafts-WM: Russland und China holen die Titel

Zum ersten Mal seit 2013 konnte sich Russland die Mannschafts-WM sichern. Mit einem klaren Sieg gegen Schweden holten die Russen bereits eine Runde vor Schluss den Titel, da England gegen China verlor und Indien gegen die USA nur ein Unentschieden schaffte. Auch bei den Damen wurde die Goldmedaille bereits vorzeitig vergeben. Die Chinesinnen gewannen ihren achten Wettkampf in Folge und holten zum ersten Mal nach 2011 wieder den Titel. Tan Zhongyi (6,5 aus 8) und Lei Tingjie (6 aus 7) holten die entscheidenden Siege gegen die USA. Noch nicht entschieden ist, wer die Silber- und Bronzemedaille in den beiden Wettbewerben gewinnt – die Schlussrunde beginnt drei Stunden früher als sonst.

Mit einem 3,5:0,5 gegen Schweden tüteten die Russen den WM-Titel ein | Foto: David Llada, Turnierseite

Russland nutzt die Ausrutscher der Konkurrenz

Die russischen Herren genießen, was Mannschaftsturniere betrifft, keinen besonders guten Ruf, aber das bezieht sich vor allem auf die Schacholympiade, die die Russen mittlerweile seit 17 Jahren nicht mehr gewinnen konnten. Im gleichen Zeitraum holten sie aber vier der sieben Mannschafts-WMs und ließen sich auch dieses Mal nicht die Butter vom Brot nehmen. Vorentscheidend war der Sieg gegen China in Runde 3, und in Runde 8 konnte ein Sieg gegen Schweden bereits den vorzeitigen Titel bedeuten: 

Sergey Karjakin, der als einziger Russe überhaupt eine Partie verlor (in Wirklichkeit sogar zwei in Folge), gab sich mit einem Remis gegen das schwedische Spitzenbrett Nils Grandelius zufrieden. An den anderen Brettern zeigten die Russen aber keine Gnade:


Hans Tikkanen hatte sich zu Beginn der Partie auf einen riskanten Bauerngewinn eingelassen, und Alexander Grischuk meinte zu der Stellung, “Statt 14.g4 hätte ich mit dem feigen 14.exf6 gxf6 15.dxc5 den Bauern zurückgewinnen können, doch das gefiel mir nicht“. Nach 14…Sge7 15.gxf5 hielt er (wie der Computer) 15…Sxf5? für einen groben Fehler, da Weiß nach 16.Bg2 klar das Geschehen dominiert. Grischuk hatte mit einem komplizierten Kampf nach 15…exf5 gerechnet.  

Dmitry Andreikin schlug Erik Blomqvist, und dann war es am überragenden Vladislav Artemiev, mit einem weiteren Sieg seine Bilanz auf 6,5 aus 8 auszubauen und das 3,5 zu 0,5 zu sichern:


Damit hat er Sergey Karjakin in der Weltrangliste überholt und liegt auf Platz 16 nur noch 0,1 Punkte hinter Hikaru Nakamura.

Ding Liren holte gegen Mickey Adams seinen zweiten Sieg bei diesem Turnier | Foto: David Llada, Turnierseite

Dieser Sieg reichte bereits zum Titelgewinn, da die Konkurrenz strauchelte. Titelverteidiger China schlug nach enttäuschendem Turnierverlauf die zweitplatzierten Engländer mit 3:1. Entscheidend war die Partie zwischen Wei Yi und Howell, in der beide Spieler in schwere Zeitnot gerieten:

Die Entscheidung fiel nach 37 Zügen, als David Howell nur noch 34 Sekunden auf der Uhr hatte:


Der Engländer spielte 37…Db7?, was die richtige Idee war, aber mit der falschen Umsetzung. Mit seinem Zug greift Howell den gegnerischen Turm und den Bauern e4 an, doch nach 38.Te8 Kf7 39.Td8 Dxe4+ 40.f3! steht Schwarz auf Verlust – der Springer auf f4 verhindert das Eindringen der Dame auf e2 und sorgt dafür, dass der schwarze König in seinem Käfig eingesperrt bleibt. Stattdessen hätte 37…g5! das Gleichgewicht gehalten, nach z.B. 38.Sd5 De6! mit folgendem Schlagen auf e4 steht Schwarz gut.

Bereits seine vierte Niederlage in Astana musste Mickey Adams einstecken, während Ding Liren seinen zweiten Sieg feierte.

Adhiban rettete zwar das Remis gegen Swiercz, aber Indien hätte einen Sieg gebraucht, um im Titelrennen zu bleiben | Foto: David Llada, Turnierseite

Indien hätte mit einem Sieg gegen die USA seine Chancen wahren können, doch ein Sieg des 18-jährigen Sam Sevian gegen Sasikiran bedeutete einen schweren Dämpfer für die indischen Ambitionen.

Ganguly, der bislang beeindruckende 6,5 aus 8 geholt hat, glich mit einem Sieg gegen Alexander Onischuk aus, doch am Spitzenbrett lautete die Frage nur, ob Dariusz Swiercz seinen großen Vorteil gegen Adhiban würde verwerten können. Am Ende schaffte er es nicht, da sich der Inder in gegnerischer Zeitnot retten konnte. Nach 88 Zügen befanden sich nur die nackten Könige auf dem Brett.

Die Ägypter holten gegen Kasachstan ihren ersten Sieg | Foto: David Llada, Turnierseite

Damit hat Russland mit 14:2 Punkten bereits Gold sicher, während Indien und England mit 11 Punkten die besten Medaillenchancen haben. Dahinter folgen China mit 10 und die USA mit 9 Punkten. In der Schlussrunde lauten die Paarungen England-Schweden, Kasachstan-China, USA-Iran und Russland-Indien.

China mit weißer Weste

Carissa Yip sieht, dass ihre Kollegin am Spitzenbrett Probleme hat  | Foto: David Llada, Turnierseite

Keine Überraschungen gab es bei den Damen, wo China gegen die USA auch das achte Match überzeugend gewann. Tan Zhongyi pflanzte schon im 20.Zug auf e7 einen Springer ein und ebnete ihrem Team den Weg:


Tatev Abrahamyan hätte den Eindringling vermutlich unter Qualitätsopfer mit 20…Txe7 beseitigen sollen, denn nach 20…Kf8? 21.Lg3 Sg8 22.Sd5 konnte Schwarz den Qualitätsverlust mit Sc7 nur dadurch verhindern, dass sie sich komplett einigelte. Schon nach 29 Zügen war die Partie vorbei.

Lei Tingjie sorgte an Brett 3 für einen hübschen Sieg gegen Sabina Foisor:


37.Sf5! zerstört die schwarz Stellung, da 37…gxf5 38.Dg5+! den Turm auf d2 gewinnt. Nach ‌38…Kh8 39.Dxd2 f6 40.Dd7 Le4 41.Tc1 gab Schwarz mangels Verteidigung gegen Tc8 auf.

Lei Tingjie gehörte zu den treibenden Kräften des chinesischen Damenteams  | Foto: David Llada, Turnierseite

Mit dem fünften Sieg in sieben Partien erfüllte Lei Tingjie die Hoffnungen der chinesischen Teamleitung, die ihr sechsmal Weiß gegeben hatte:


Sie, Ding Yixin und Mannschaftsführer Yu Shaoteng sprachen hinterher mit Yannick Pelletier:

Hinter China liegen Russland (13 Punkte), die Ukraine (12) und Georgia (11). In der Schlussrunde geht es mit Ukraine-China und Georgien-Russland noch einmal sehr spannend zu.

Die Schlussrunde beginnt bereits um 7:00 Uhr, Evgeny Miroshnichenko und Anna Burtasova kommentieren wieder auf Englisch, während Sergey Shipov auf Russisch kommentiert: Open | Frauen

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