Berichte 08.03.2019 | 08:00von Colin McGourty

Mannschafts-WM, R2-3: Russland verschärft Chinas Probleme

Die chinesischen Chancen, zum dritten Mal in Folge Mannschafts-Weltmeister zu werden, haben nach zwei Niederlagen gegen die USA und Russland einen herben Dämpfer erlitten. Beide Wettkämpfe wurden durch eine Partie entschieden – erst gewann Alex Lenderman gegen Ni Hua und dann bezwang Ian Nepomniachtchi Yu Yangyi. Die russischen Teams haben bisher noch keinen Punkt abgegeben und führen im Offenen Turnier mit einem Punkt vor Indien, den USA und England, während die Damen gemeinsam mit China das Feld anführen.

China gewann die beiden letzten Mannschafts-WMs, aber nach der Niederlage gegen Russland beträgt der Rückstand bereits vier Punkte | Foto: David Llada, Turnierseite 

Runde 2: USA! USA!

Nachdem es im Offenen Turnier in Runde 1 keine Überraschungen gab, brachte die 2. Runde die erste waschechte Sensation. Die US-amerikanische B- oder C-Auswahl besiegte Titelverteidiger China (alle Partien könnt ihr mit Klick auf Partie oder Runde hier nachspielen):

Held der Amerikaner war Aleksandr Lenderman, der sich in schwieriger Stellung gegen Ni Hua erst gut verteidigte und dann zum überraschenden Gegenangriff ansetzte:


29…f6! 30.Sf3 e5! 31.Dh4 g5!

"Nehmen wir uns einen Moment Zeit, um Lendermans Konzept zu würdigen. Nach 32.De4 wird die Dame im Zentrum mit f5! 33.Dxe5 Lf6 gefangen, wie ich es noch nie gesehen habe. Auf diese Weise sorgte er für den 2,5 zu 1,5 Sieg gegen China!" 

Ni Hua schluckte mit 32.Sxg5 die bittere Pille, doch Lenderman konnte seine Mehrfigur nach 62 Zügen verwerten.

"Wer braucht 2700er, wenn man Lenderman hat?"

Aleksandr war im Interview sehr bescheiden:

Ein Unentschieden wäre für China immer noch drin gewesen, aber Wei Yi verpasste gegen Alexander Onischuk seine Chance:


56...e2! 57.Kg7 h5! und Schwarz schafft es rechtzeitig, den Weißen dazu zwingen, seinen Turm für den e-Bauern zu geben, und nach dem Einsammeln der weißen Bauern den h-Bauern in eine Dame umzuwandeln. In der Partie folgte 56…g5? 57.Kg7 h5 58.Kg6 e2 und der gleiche Plan scheiterte, da der weiße König zu nah an den schwarzen Bauern ist. Während hier China eine Chance vergab, verpassten Dariusz Swiercz und Sam Sevian an den beiden anderen Brettern eine weitere Überraschung.

Pouya Idani schlug Sasikiran beim Unentschieden des Iran gegen Indien | Foto: David Llada, Turnierseite 

An den anderen Brettern schlug Russland Ägypten mit 3:1, Indien und der Iran trennten sich 2:2-Unentschieden, und England wandte dasselbe Rezept wie in Runde 1 an – erst verlor Mickey Adams schnell am Spitzenbrett, dieses Mal gegen Arkadij Naiditsch, ehe England durch zwei Siege an den hinteren Brettern dennoch gegen Aserbaidschan gewann. Dieses Mal schlug Luke McShane Rauf Mamedov und Gawain Jones hatte gegen Eltaj Safarli das bessere Ende für sich.

Bei den Damen liefern sich Russland und China bisher ein Kopf-an-Kopf-Rennen | Foto: David Llada, Turnierseite 

Für die USA kam es sogar noch besser, denn die amerikanischen Damen schlugen Ungarn trotz Elo-Nachteils an allen vier Brettern. Siege holten Rochelle Wu und Carissa Yip, wobei Letztere eine totale Verluststellung gegen Ticia Gara noch umbog und ihren zweiten Punkt einfuhr.

Rochelle Wu ist Jahrgang 2006 und begann das Turnier mit 1,5 aus 2 | Foto: David Llada, Turnierseite 

Bei den Damen schlug in Runde 2 zudem Russland Armenien mit 3,5:0,5, aber China hielt mit einem 2,5:1,5 Sieg Georgien mit -  entscheidend war Sieg von Tan Zhongyi gegen Bela Khotenashvili am Spitzenbrett.

Runde 3: Russland verschärft Chinas Probleme

Vladislav Artemiev sicherte Russland mit seinem hart erkämpften Remis den Sieg  | Foto: David Llada, Turnierseite 

Nach der Niederlage gegen die USA war China gegen Mitfavorit Russland bereits unter Zugzwang – zur Schadensbegrenzung wäre ein Sieg wichtig gewesen, zumindest aber durfte nicht verloren werden. Leichter gesagt getan, denn kaum hatte die Runde begonnen, hatte Ian Nepomniachtchi gegen Yu Yangyi genau die Stellung auf dem Brett, die er haben wollte. Hinterher meinte Nepo, er habe die gesamte Russisch-Variante mit 17.c4! vor der Partie mit Alexander Motylev vorbereitet, während Yu Yangyi dafür fast eine Stunde Bedenkzeit verbrauchte. Nepo bezeichnete 19…De7? als entscheidenden Fehler, und nach 22.Le3! hatte er praktisch eine Dame mehr:


Nach 22…Da5 23.Lf4! war die schwarze Dame endgültig vom Spiel ausgeschlossen und obwohl die Partie 44 Züge andauerte, war sie nach weniger als drei Stunden beendet, da Nepo am Ende mehr Zeit auf der Uhr hatte als vor der Partie:

Derweil hätten Ding Liren und Bu Xiangzhi zumindest das Unentschieden retten können, beide Partien endeten aber remis. Jan Gustafsson hat sich den Wettkampf genauer angesehen (Kommentare auf Englisch):

Damit hat China nach drei Runden lediglich 2 Punkte auf dem Konto, während Russland mit 6 aus 6 voll gepunktet hat. Dahinter haben England und die USA mit einem 2:2 gegeneinander ihre ersten Punkte abgegeben (alle Partien endeten remis).

Mickey Adams beendete seine Negativserie mit einem Remis gegen Dariusz Swiercz | Foto: David Llada, Turnierseite 

Indien hat nach einem Sieg gegen Ägypten ebenfalls nur einen Punkt Rückstand - überragender Mann bisher ist Adhiban mit 3 aus 3!


In Runde 4 trifft Indien auf China, während Russland gegen England und die USA gegen Kasachstan antreten müssen.

Dinara Saduakassovas Sieg reichte nicht gegen China | Foto: David Llada, Turnierseite 

Bei den Damen gab es in Runde 3 keine Überraschungen, allerdings musste China gegen Kasachstan die Niederlage von Shen Yang gegen Dinara Saduakassova an Brett 2 wettmachen, um doch noch 2,5 zu 1,5 zu gewinnen. Die entscheidenden Siege holten Ding Yixin und, in der vermutlich interessantesten Partie des Tages, Lei Tingjie. Die 15-jährige Bibisara Assaubayeva stand bereits problematisch, aber mit 17…Lf5? erzwang sie einen Glanzzug ihrer Gegnerin!

"Man bekommt nicht jeden Tag mit einem Zug wie 18.Dxf5!! drei Figuren für die Dame!"

18.gxf6 reicht zum Remis, aber nach dem hübschen 18.Dxf5! ist die Hauptvariante mit 18…gxf5 19.gxf6 Dd8 20.fxg7 deutlich besser für Weiß, und nach 18…Sfe4 19.Dxe4 Sxe4 20.Sdxe4 war der weiße Vorteil in der Partie sogar noch größer.

Lei Tingjie sprach hinterher über ihre Partie:

Noch sind aber noch sechs Runden zu spielen, die sicher noch einiges an Dramatik bringen werden!

Jeden Tag könnt ihr ab 10 Uhr die Mannschafts-WM live auf chess24 verfolgen, Evgeny Miroshnichenko und Anna Burtasova kommentieren auf Englisch und Sergey Shipov auf Russisch: Offenes Turnier | Frauen

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