Berichte 10.03.2019 | 23:10von Colin McGourty

Mannschafts-WM 4-5: Chinesische Frauen weiterhin mit weißer Weste

Das chinesische Frauenteam schickt sich an, zum ersten Mal seit 2011 wieder die Mannschafts-WM zu gewinnen, nachdem sie in Runde 5 die Russinnen im Kampf der Führenden 2,5:1,5 geschlagen haben. Im Open jedoch liegt das chinesische Männerteam ganze 4 Punkte hinter Russland. Zusammen mit England waren sie das einzige Team, das den Russen ein Remis abtrotzen konnte. England und Indien sind bisher ungeschlagen und befinden sich auf dem geteilten zweiten Platz mit zwei Punkten Rückstand. Der Inder Adhiban wird besonders glücklich sein, überschritt er doch zum ersten Mal in seiner Karriere die 2700er Marke.

Wer braucht schon Hou Yifan und Ju Wenjun? China schlägt Russland und behält weiterhin eine weiße Weste nach 5 Runden bei der Mannschafts-WM der Frauen | Foto: David Llada, official website

Runde 4: Russland gegen China

Alle Augen sind auf Mickey Adams gerichtet | Foto: David Llada, official website

In der vierten Runde endeten zwischen Russland und England alle Partien remis. Mickey Adams gab gegen Ian Nepomniachtchi eine Stellung remis, die der Computer als deutlich besser für ihn einschätze. Dennoch war das 2:2 in der Summe ein faires Ergebnis, denn Alexander Grischuk hatte vermutlich einen größeren Vorteil, als Luke McShane dachte, bevor deren Partie in beiderseitiger Zeitnot im Unentschieden versandete.

Das war die Chance für China, um etwas Boden gegenüber Russland gutzumachen, doch nachdem sie die beiden vorhergegangenen Runden verloren hatten, konnten sie gegen Indien nur ein 2:2 erreichen. Yu Yangyi verlor dabei seine zweite Partie in Folge, dieses Mal gegen Ganguly. 23.hxg4? war der letzte Strohhalm:


23...Txe3! ein Opfer, das Weiß nicht annehmen darf, denn nach 24.fxe3 setzt Schwarz matt in zwei Zügen, entweder durch 24...Lh2+ oder 24...Th1+ gefolgt von 25...Df1#.

Bu Xiangzhi rettete das 2:2, indem er am vierten Brett gegen Aravindh gewann, während Adhiban's Remis gegen Ding Liren ein Meilenstein in der Karriere des 26-jährigen indischen Großmeister bedeutete (nachdem er bereits Grandelius, Maghsoodloo und Amin geschlagen hatte):

Gratulation zum Überschreiten der 2700! @adhibanchess. Absolut verdient

Adhiban ist der fünfte indische Spieler nach Anand, Harikrishna, Vidit und Sasikiran, der die 2700 überschritten hat. Im Folgenden Interview spricht er über sein Remis gegen die Nummer 3 der Welt:

Doch auch abseits hiervon gab es viel Unterhaltung in Runde 4. Schweden holte drei Siege bei ihrem 3:1 Matchgewinn gegen Aserbaidschan, obwohl sie in den ersten drei Runden nicht eine einzige Partie gewinnen konnten. Nils Grandelius offenbarte, dass Schweden erst spät zum Turnier eingeladen wurde (sie waren das fünfte Team auf der vier Teams umfassenden Nachrückerliste der FIDE!), sodass sie keine Zeit hatten, sich vorzubereiten. Ihr Plan war deshalb einfach: "irgendwie versuchen, die ersten Runden zu überstehen und dann warm werden". Die ersten Runden haben sie nicht wirklich gut überstanden, aber Nils schaffte es, gegen Arkadij Naiditsch aus einer schlechten Stellung heraus einen wunderschönen Gewinn zu zaubern.

44. Kd2 Sc2+ 45. Ke5! Sxa1 46.Kf6! gefolgt von 47.Tg8+ und 48.Sxf7 matt!

Naiditsch sah das und nach 44.Kd4! entschied er sich für 44...f6, gab aber nach 45.Kd5 auf, da die Mattdrohung immer noch nicht verflogen war.

USA-Kasachstan endete mit einem 2:2 Unentschieden, nachdem an den letzten beiden Brettern jede der beiden Nationen eine Partie gewann. Aber alle Augen waren auf das Spitzenbrett gerichtet, insbesondere auf die f-Linie in der Begegnung Swiercz-Jumabayev!

Romain Edouard:

Wer sagte noch einmal, dass Schach kein Spiel für Kinder sei?

David Llada:

Mein Freund @TelegraphChess machte mich auf dieses Brett aufmerksam. Das ist definitiv eine Bauernstruktur, die man nicht jeden Tag sieht! #WTCC2019

Schach macht schon wirklich Spaß...

Bei den Frauen haben die Führenden immer noch eine weiße Weste, auch wenn es kein leichter Spaziergang war. China schlug Armenien mit einem einzigen Sieg am untersten Brett, während Russland Indien mit 3,5:0,5 hoch schlug, auch wenn das Match enger hätte ausgehen können. Am ersten Brett war Kateryna Lagno in Schwierigkeiten gegen Karavade, doch nach 38…Tc2? drehte sich die Partie plötzlich:


Lagno’s 39.Txh6+! führte zur sofortigen Aufgabe, denn Weiß ist jetzt diejenige, die nach 39…gxh6 40.Df6+ Kh7 41.Dxf7+ Kh8 42.Sg6 matt setzen wird.

Nach diesen Siegen war die Bühne zum Showdown der führenden Nationen bereitet.

Runde 5: China kämpft Russland nieder

Als die Chinesinnen das letzte mal 2011 die Mannschaft-WM gewannen, spielten Hou Yifan und Ju Wenjun an den Brettern eins und zwei. Dieses Mal fehlten beide - Hou Yifan studiert in Oxford, wohingegen Ju Wenjun beim Prager Schachfestival mitspielt. Doch das hielt China nicht davon ab, ein Match gegen Russland zu dominieren, dass viele vorher als sehr umkämpft erwartet hatten.


12 Züge lang folgten man in Tan Zhongyi-Lagno der ultrascharfen Partie Wojtaszek-Laznicka aus der ersten Runde der Schachbundesliga 2017. Bemerkenswert war, dass Wojtaszek damals 12.Tc1 nach 45 -minütigem Nachdenken spielte, während hingegen Tan Zhongyi hierfür nicht einmal zwei Minuten brauchte:


Laznicka antwortet nach 20 Minuten mit dem Zug 12...a6, in Astana brauchte Lagno nun allerdings ebenfalls nur wenige Minuten und entkorkte die Neuerung 12...e5!? (kurios dabei ist, dass Laznicka später in seiner Partie selbst über 40 Minuten investierte, bevor er 17...e5!? spielte, bevor seine Partie damals schlussendlich nach 31 Zügen mit Remis durch Dauerschach endete). Dieser Bauernvorstoß sieht riskant aus, weil in der Folge die chinesische ehemalige Weltmeisterin einen starken Angriff am Damenflügel aufbauen konnte. Im Schach gelten lange Rückzüge mit der Dame typischerweise ja als besonders schwierig zu sehen, von daher verdient der 29. Zug von Tan Zhongyi großes Lob!


29.Da1! und die Drohung Da6+ and Db7# konnten nicht mehr verhindert werden, ohne massiv Material zu verlieren. Die Partie ging weiter mit 29…Kb8 30.Sa6+ Kb7 31.Sxc7! und Schwarz gab im 34. Zug auf.

Lei Tingjie gewann mit einem ähnlichen Hammerangriff am dritten Brett gegen Valentina Gunina, während am zweiten Brett Alexandra Kosteniuk gegen Huang Qian um das Remis kämpfen musste. Lange, nachdem alle Partien bereitest beendet und das Match entschieden waren, gewann Aleksandra Goryachkina gegen Ding Yixin, Chinas Heldin aus der vorherigen Runde, zumindest ihre Partie. Die 20-jährige Goryachkina steht derzeit bei 5/5 in Astana und ist mit ihrem Liverating von 2517.5 mittlerweile in den Top 10 der Frauen-Weltrangliste angekommen:

Aleksandra Goryachkina trägt einen Tiger-Pullover. Das schien angemessen... | Foto: David Llada, official website

Demnach führt China bei den Frauen immer noch mit weißer Weste:

Rk.Team12345678910TB1 TB2 
1China1013,5
2Russland34815,5
3Ukraine22234713,0
4Georgien223612,0
5Indien½224611,0
6USA2½33510,0
7Kasachstan12249,0
8Armenien½1428,5
9Ungarn½11126,0
10Ägypten000001,5

Bessere Nachrichten hält das offene Turnier für Russland bereit. Dort schlugen sie Kasachstan 3:1, womit sie ihre Führung auf Indien und England auf zwei Punkte ausbauten, da beide gegeneinander 2:2 spielten. Die USA sind bereits drei Punkte zurück,nachdem sie gegen Aserbaidschan verloren haben. Der erste Sieg der Aseris in Astana wurde durch die vollen Punkte von Naiditsch gegen Swiercz und Abasov gegen Lenderman eingefahren. 

Rinat Jumabayev legte nach seinem Sieg über Mickey Adams sogleich noch einen weiteren Skalp nach, doch ließen ihn seine Teamkameraden im Stich | Foto: David Llada, official website

Der perfekte Tag für Russland wurde nur durch die Niederlage von Sergey Karjakin am Spitzenbrett getrübt, denn dessen Teamkameraden Grischuk, Andreikin und Artemiev konnten allesamt ihre Partien gewinnen. Doch der berühmte Verteidiger griff fehl, nachdem er sich einen Bauern auf b4 mittels 61…Txb4? einverleibte.


Rinat Jumabayev konterte jedoch mit 62.Ta7!, und weil der schwarze Turm die Grundreihe verlassen hatte, kann er nun nicht mehr nach c1 gehen, um das drohende Matt mit ...Tc8 zu blocken. Karjakin musste also seinen Läufer nach 62…Ld7 63.Rxd7+ aufgeben. Natürlich ist das Endspiel Turm gegen Turm und Läufer oftmals ein theoretisches Remis - aber nicht in diesem Fall, wie Jumabayev locker nachwies. Der 29jährige Lokalheld zeigte im Anschluss seine Partie mit dem Schweizer GM und FIDE Press Officer Yannick Pelletier:

China tat es Russland gleich und schlug den Iran, wenn auch knapp - und hat trotzdem noch vier Punkte Rückstand. Schweden holte derweil den zweiten Sieg in Folge, dieses Mal gegen Ägypten, auch wenn Bassem Amin gegen Nils Grandelius seine Partie gewann. Beide haben nun bereits drei Partien in Astana verloren.

Rk.Team12345678910TB1 TB2 
1Russland233913,0
2Indien222713,0
3England222711,0
4USA2213610,5
5Iran23511,5
6China2511,0
7Kasachstan123249,5
8Schweden½½1347,5
9Aserbaidschan3½2138,0
10Ägypten1½1105,0

Am Sonntag genossen die Spieler in Astana ihren einzigen Ruhetag:

Ein gut verbrachter Ruhetag in Astana.

Umhergewandert, posiert und eine schöne Stadt und wundervolle Ausblicke erkundet #worldteam #wtcc2019 #chess #astana #kazakhstan #asia #excursion #fearless

Die letzten vier Runden starten am Montag und du kannst alle Partien hier auf chess24 anschauen. Die Übertragung beginnt um 10:00 MEZ. Es kommentieren Evgeny Miroshnichenko und Anna Burtasova in englisch und Sergey Shipov in russisch: Open | Women

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