Berichte 06.11.2017 | 11:30von Colin McGourty

Mannschafts-EM, R8: Deutsche Herren mit Medaillenchance

Während die russischen Damen mit einem klaren 4:0 gegen die Türkei bereits eine Runde vor Schluss den EM-Titel sicherten, können die russischen Herren nach dem 1:3 gegen Aserbaidschan nicht mehr aus eigener Kraft Erster werden. Shakhriyar Mamedyarov, Teimour Radjabov und Rauf Mamedov machten mit Siegen die Niederlage Naiditschs wett und verschafften den Aseris vor der Schlussrunde einen Vorsprung von einem Punkt. Dort treffen sie auf die Ukraine, während die deutschen Herren nach einem beeindruckenden Sieg gegen Israel die Russen herausfordern. Noch ist nichts entschieden!

Dramatische Bilder vom Spitzenkampf | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Wie immer könnt ihr alle Partien mit einem Klick auf das Ergebnis bzw. die Runde mit Computeranalyse nachspielen:

Aserbaidschan schlägt Russland

In dem vorentscheidenden Match in der vorletzten Runde der Mannschafts-EM hatten die Aseris an drei Brettern einen leichten Elo-Vorteil – und konnten diese Partien tatsächlich alle gewinnen!


Am Spitzenbrett übernahm Shakhriyar Mamedyarov mit den schwarzen Steinen rasch die Initiative und überraschte seinen Gegner mit dem aggressiven 6…g5!?


Laut Datenbank wurde dieser Zug 1968 von Lajos Portisch in Wijk aan Zee eingeführt, der damit den späteren Turniersieger Viktor Korchnoi schlug. In dieser Partie folgte 7.d4 g4 8.Lxc6 Lxc6, während Mamedyarov mit dem Bauern auf c6 schlug.

Schach macht nicht immer Spaß | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Shakhriyar wusste genau, was er tat, denn er verbrauchte bis zum 11.Zug nur wenige Sekunden, während Grischuk mehr als eine halbe Stunde investierte. In typischer Manier verbrauchte Grischuk früh den Großteil seine Bedenkzeit und hatte in der kritischen Stellung nur noch wenige Sekunden auf der Uhr:


Der Computer empfiehlt als besten Zug 28.Dd3! womit Weiß die Dame in Sicherheit bringt, die Felder f5 und d5 kontolliert und dabei nicht vor einem Qualitätsverlust auf a1 oder e1 zurückschreckt. Stattdessen spielte Grischuk das verlockende 28.Ta3?!, ging in der Folge aber ziemlich chancenlos unter (32.De3! statt 32.Dc1 hätte die Partie verlängert, am Ausgang aber kaum etwas geändert). Eine erstaunlich einseitige Partie, wenn man bedenkt, dass Grischuk Weiß hatte.

Mamedyarov hat auf Kreta zweimal verloren, aber auch vier Partien gewonnen | Foto: Niki Riga, Offizielle Turnierseite 

Die Partie des Tages lieferte aber der bisher alles überragende Rauf Mamedov, der Daniil Dubov besiegte und damit die Entscheidung der russischen Mannschaftsleitung, den bis dato besten Spieler Nikita Vitiugov aussetzen zu lassen, als Fehler brandmarkte.

Daniil Dubovs Debüt für das russische Team bekam in Runde 8 einen Dämpfer | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Dubov schien in einer bekannten Theorievariante im Sizilianer alles unter Kontrolle zu haben und einem schnellen Schwarzremis entgegenzusteuern, doch Mamedov hatte das Remis durch Dauerschach jederzeit in der Tasche und ließ seinen Gegner zappeln.


Nach Mamedovs 22.Txe6 rechnete Dubov nach 22…fxe6 wohl mit 23.Tg7+ Kf8 24.Txh7+ Kg8 25.Tg7+ nebst Remis, doch Mamedov ließ 23.Rc7! folgen. Dubov hat nun große Probleme, denn nach 23…Ld5 kann Weiß 24.a4! spielen und trotz eines Minusturms weiter die Stellung verstärken. Dubov spielte stattdessen 23…Td8 24.Txc6 Kf7, doch die schwarzen Probleme wurden dadurch nicht kleiner. Hier die Stellung nach 31.f4:


Schwarz hat eine Qualität für zwei Bauern, kann sich aber kaum bewegen. In der Folge ließ Rauf Mamedov nicht mehr locker und baute sein Score auf 7,5 aus 8 mit einer Elo-Leistung von 2998 aus!

Mamedov ist der überragende Mann auf Kreta | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Da sich der Ausgang dieser beiden Partien schon früh abzeichnete, mussten Ian Nepomniachtchi und Maxim Matlakov an den beiden anderen Brettern auf Gewinn spielen. Dabei unterlief Nepo aber mit 36…Ld4? ein Fehler, der mit 37.Sd6!! böse bestraft wurde:

Radjabov ließ seine Bedenkzeit bis auf 13 Sekunden ablaufen, ehe er zum entscheidenden Schlag ausholte. Nach 37…Dxd6 38.c7! holt sich Weiß eine neue Dame, außerdem droht die Gabel auf e8. Nepomniachtchi blieb nichts Besseres als 37…Kh7 38.Sb5 und nach dem Qualitätsgewinn brachte Teimour Radjabov die Partie sicher nach Hause.

Teimour Radjabov kümmert sich nach getaner Arbeit um seinen (nieder)geschlagenen Gegner | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Da spielte es dann auch kaum eine Rolle, dass Maxim Matlakov langsam, aber sicher Arkadij Naiditsch überspielte und als bester Russe nun 5 aus 7 mit einer Elo-Leistung von 2753 aufweist. 

Nur Maxim Matlakov punktete für Russland | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Die Konkurrenz

Im anderen Spitzenspiel zwischen der Ukraine und Ungarn stand an den beiden Spitzenbrettern nach 10 Zügen dieselbe Stellung auf dem Brett:

Danach nahmen die Partien zunächst einen unterschiedlichen Verlauf (Eljanov spielte 10…Te8 und Erdös 10…a4), endeten aber beide nach 31 Zügen remis. Bei Rapport-Ponomariov ging es dafür umso wilder zu.

Die Ukraine hat noch alle Chancen auf Gold | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Dabei verpasste der Ex-Weltmeister eine Chance für eine Glanzpartie:


Er zog das automatische 27…Qxc3+, wonach Weiß mit 28.Ld2 ein Tempo gewann und die Dame mit 28…Dc8 vertreiben konnte.  Stattdessen hätte er mit 27…e4!! die weiße Stellung aus den Angeln heben können.

Entschieden wurde der Wettkampf an Brett 4, wo Zoltan Almasi in 34 Zügen gegen Martyn Kravtsiv verlor. Nach diesem 2,5:1,5-Sieg können die Ukrainer mit einem Sieg im direkten Duell die Aseris noch überholen. 

Rk.SNoFED TeamGames  +   =   -  TB1  TB2  TB3  TB4  TB5 
12AZEAzerbaijan861113172,523,0130,0107,00
21RUSRussia860212167,019,0146,5104,50
33UKRUkraine860212155,021,0130,595,00
49GERGermany843111165,020,0131,089,50
518TURTurkey851211134,018,0134,591,50
614CROCroatia851211130,016,0142,095,50
77HUNHungary842210170,519,0145,584,25
815ESPSpain834110135,518,0144,087,50
95ISRIsrael842210128,517,5134,581,75
104ENGEngland834110128,517,5131,081,50
1120ROURomania842210123,518,0139,082,00

Deutschland liegt vor der Schlussrunde gemeinsam mit der Türkei und Kroatien in Lauerstellung, nachdem es gegen Israel ein etwas überraschendes 3:1 gab. Rasmus Svane besiegte auch Ilia Smirin und steht nun bei überragenden 5,5 aus 7, während Georg Meier in einer Kurzpartie gegen Maxim Rodshtein triumphierte. Die deutsche Mannschaft muss nun gegen Russland antreten und braucht einen Sieg, um eine Medaille zu gewinnen. Georg Meier sprach nach seiner Partie mit Fiona Steil-Antoni:

Russlands Frauen verteidigen den Titel

Beginnen wir unseren Bericht von der Damenkonkurrenz mit dem Zug des Tages. Weiß droht nach 30.De5 Matt auf g7, aber Ana Matnadze hatte einen giftigen Pfeil im Köcher:

Nach 30...Dxe3+!! 31.Kxe3 Tf3+ wird Weiß nach 32.Kd2 Td3# mattgesetzt!

Kateryna Lagno und Alexandra Kosteniuk führten das russische Damenteam zum Sieg | Foto: Filippos Stamos, Offizielle Turnierseite  

Die russischen Damen derweil sicherten sich mit einem klaren 4:0 gegen die Türkei eine Runde vor Schluss bereits den Titel:


Die vorzeitige Titelverteidigung wurde allerdings nur möglich, weil Polen parallel die Georgierinnen schlug und damit deren Goldhoffnungen ein Ende bereitete.

Für die Polinnen lief es gegen Georgien nach Wunsch! | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Das Spitzenbrett endete nach 31 Zügen remis, und bei Klaudia Kulon sah es mit zwei Minusbauern nach einer Niederlage gegen Salome Melia aus, doch dann spielte die Georgierin 48.b5?


Nach 48...Txg2! Txg2 49.Sxe3+ Kb3 Sxg2 konnte Salome froh sein, dass 51.Ld5! noch zum Remis reichte.

Mittlerweile hatte Karina Szczepkowska ein Turmendspiel mit Mehrbauer zum Sieg geführt, und damit musste Nino Batsiashvili ihre Partie gegen Jolanta Zawadzka gewinnen, um ihrem Team ein Unentschieden zu sichern. Stattdessen tappte sie aber in ein Mattnetz:

Nino Batsiashvili riskierte alles für ihr Team |Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Hier der Stand bei den Damen vor der letzten Runde:

Rk.SNoFED TeamGames  +   =   -  TB1  TB2  TB3  TB4  TB5 
11RUSRussia871015198,522,0147,5137,75
22GEOGeorgia860212194,022,0143,0101,50
34POLPoland844012174,019,5152,5114,00
43UKRUkraine851211166,519,0145,591,75
511ARMArmenia851211122,017,5139,089,00
615ITAItaly842210141,519,0132,572,25
79ROURomania842210125,518,0133,081,25
810TURTurkey850310106,015,5139,581,50

Die Schlussrunde beginnt bereits um 13 Uhr, und wie immer werden Jan Gustafsson und Fiona Steil Antoni live das Geschehen für euch auf chess24 kommentieren: Open | Frauen. Alle Partien könnt ihr auch mit unseren kostenlosen Apps verfolgen:

         

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