Berichte 04.11.2017 | 14:12von Colin McGourty

Mannschafts-EM, R6: Aronian siegt, aber Armenien verliert

Levon Aronian erlebte die 6.Runde der Europäischen Mannschaftsmeisterschaft mit gemischten Gefühlen, denn er schlug zwar Shakhriyar Mamedyarov an Brett 1, doch anschließend drehten Teimour Radjabov und Rauf Mamedov den Wettkampf zu Gunsten der Aserbaidschaner. Damit liegt das Team um Mamedyarov nur noch einen Punkt hinter den führenden Ungarn und Russen, die gegen Kroatien bzw. Polen gewannen. Bei den Damen gab Russland den ersten Punkt ab, konnte gegen Polen aber Schlimmeres verhindern.

Levon Aronian schlug Shakhriyar Mamedyarov, aber Teimour Radjabov und Rauf Mamedov drehten das Match für Aserbaidschan | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Alle Partien einer dramatischen 6.Runde könnt ihr hier mit Computeranalyse nachspielen:

Wer noch mehr über die Mannschafts-EM erfahren will, kann sich Fiona Steil-Antonis ersten Vlog anschauen! 

Beginnen wir mit den beiden Teams, die vor der Runde in Führung lagen:

Neue (und alte) Spitze

Die überraschende Führung der Kroaten hielt nur eine Runde, denn die punktgleichen Ungarn schlugen sie vernichtend mit 3,5 zu 0,5. Bisher zeigen die Magyaren eine überragende Leistung, denn alle fünf Spieler sind ungeschlagen und spielten bisher eine Elo-Leistung von über 2700.

Peter Leko schlug Ivan Saric und leitete damit den ungarischen Sieg ein | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Peter Leko erwies sich mit vier Remis am Spitzenbrett bisher als unüberwindliche Hürde, aber in Runde 6 zeigte er, dass er auch gewinnen kann. Ivan Saric hatte gerade die Damen getauscht, als ihn eine unliebsame Überraschung erwartete: 


25.La7! Weiß zieht den Läufer nicht nur aus der Schusslinie, sondern ließ nach 25…Ta8 (Saric dachte über diesen Zug 34 Minuten nach) das starke 26.b6! folgen, das einfach a5-a6 mit Umwandlung des b-Bauern droht. Saric wusste sich nur mit dem Opfer 26…Sxb6!? zu helfen, aber Leko verwertete im Anschluss seine Mehrfigur. Zoltan Almasi und Ferenc Berkes rundeten den ungarischen Sieg mit weiteren Partiegewinnen ab.

Sie liegen nun gemeinsam mit den Russen an der Spitze, die durch einen Sieg Ian Nepomniachtchis gegen Jan-Krzysztof Duda mit 2,5 zu 1,5 Polen schlugen. Der Pole versuchte es bei seiner fünften Schwarzpartie im Verlauf des Turniers zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder mit einem Franzosen.

Ian Nepomniachtchi schlug gegen Jan-Krzysztof Duda entscheidend zu | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Nepomniachtchi verfügte über deutlich mehr Raum, und selbst mit einem Qualitätsopfer konnte Duda den Druck nicht lindern:


43.b5! axb5 44.a6! öffnete die Stellung schließlich entscheidend, und es dauerte nicht mehr lang, bis Weiß den vollen Punkt eingefahren hatte. 

Jan fragte sich, wie Weiß angesichts der schwarzen Bauern auf b5 und d5 seine Bauern nach b7 und d7 bringen konnte!

Russland hat damit wieder alle Chancen, aus eigener Kraft den Titel zu holen.

Das Hassduell

Aronian schaut bei Radjabov-Movsesian zu | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Am meisten gespannt durfte man in Runde 6 auf das brisante Match zwischen  Armenien und Aserbaidschan sein, wo es angesichts der Feindschaft der Länder um mehr als Schach ging. Am Spitzenbrett kamen Levon Aronian und Shakhriyar Mamedyarov mit einer ausgeglichenen Stellung aus der Eröffnung, doch Shak goss mit 16…b5!? Öl ins Feuer:


Im Nachhinein muss man von einem zu großen Risiko sprechen, denn Aronian nahm das Qualitätsopfer an, konsolidierte seine Stellung und kam selbst zu Mattangriff. Der Schlusszug war 44.h4!


Weiß droht einfach g4-g5, und da Schwarz über keine gute Antwort verfügt, gab Mamedyarov auf.

Der armenische Teamchef Arshak Petrosian verfolgte das Match stets aus nächster Nähe | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Levon Aronian lehnte nach der Partie sämtliche Interviewanfragen ab, da er sich wegen der anderen Bretter große Sorgen machte, und wie sich herausstellen sollte zu Recht. Gabriel Sargissian, der sein Team schon oft gerettet hat, spielte gegen Arkadiy Naiditsch remis, und die beiden anderen Armenier mussten als Schwarzer jeweils ein Turmendspiel mit Minusbauer halten. Sergei Movsesian musste allerdings nach 52 Zügen gegen Teimour Radjabov aufgeben, womit es 1,5 zu 1,5 stand.

Die verbliebene Partie Mamedov-Melkumyan entwickelte sich zu einem Thriller. Erst sah es so aus, als steuere Mamedov ähnlich souverän dem vollen Punkt entgegen wie Radjabov, doch dann übersah er einen Trick:


Vermutlich lässt sich nur mit der extremen Wichtigkeit der Partie und der knappen Zeit erklären, dass Mamedov hier nicht erst mit 58.Ta7+! den schwarzen König zurücktrieb, sondern direkt 58.h6+ spielte. Womöglich war die Stellung immer noch gewonnen, doch schon wenige Züge später war sie remis. Bis zum 86.Zug hielt Hrant Melkumyan durch, doch dann machte er den laut Tablebase entscheidenden Fehler:


Drei Turmzüge machten remis, doch Melkumyan entschied sich für 86…Ta7?, und nach 87.Td7! war Tg7 nebst Vormarsch des h-Bauern nicht mehr zu verhindern. Damit endete das Match mit 2,5:1,5 für Aserbaidschan, das nun trotz der Niederlage gegen Italien in Runde 1 wieder Chancen auf den Titel hat. Auch Armenien ist als Fünfter mit zwei Punkten Rückstand noch nicht aus dem Rennen.

Das deutsche Team tat sich nach der Niederlage am Vortag gegen Kroatien auch gegen die Türkei sehr schwer. Georg Meier unterlag Mustafa Yilmaz, aber Rasmus Svane schaffte in einem verschiedenfarbigen Läuferendspiel den 2:2-Ausgleich. 

Hier der Live-Stream der 6.Runde:

Ähnlich dramatisch wie bei Armenien gegen Aserbaidschan ging es bei den Damen im Match Polen gegen Russland zu. Um ein Haar hätten die Polinnen den Russinnen die erste Niederlage zugefügt, denn nach drei Remis an den anderen Brettern stand Klaudia Kulon gegen Alexandra Goryachkina klar auf Gewinn.   

Klaudia Kulon hätte am letzten Brett für die Entscheidung sorgen können, ja müssen | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Klaudia hatte viel Zeit, vergab den Sieg aber nach 49.Kc3:


Nach nur 16 Sekunden spielte sie 49…Ke5?, doch statt des vermeintlich klaren Siegs ist das Bauernendspiel nach 50.Txb2! Txb2 51.Kxb2 schlicht remis. Den vollen Punkt eingebracht hätte 49…h4!, wonach das Bauernendspiel gewonnen ist. Einfach war das jedoch nicht, da man sehen musste, dass auf 50.gxh4 f4 51.h5 nicht 51…f3 mit Remis folgt, sondern ein Königszug wie 51…Ke6. 

Nino Batsiashvili sorgte gegen die Ukraine für den georgischen Sieg| Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Die Russinnen liegen damit weiterhin in Führung und bekommen es in Runde 7 mit Italien zu tun, das überraschend die Türkei mit 3:1 schlug. Normalerweise sollten die Russinnen gewinnen, doch wenn sie noch einmal eine Schwäche wie gegen die Polinnen zeigen, stehen die Georgierinnen mit nur einem Punkt Rückstand bereit. Sie gewannen durch einen Sieg von Nino Batsiashvili über Natalia Zhukova gegen die Ukraine.

Die Spanierinnen treffen in Runde 7 auf Georgien| Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Jan Gustafsson und Fiona Steil-Antoni werden wieder ab 14 Uhr live für euch auf chess24 kommentieren: Open | Frauen. Alle Partien könnt ihr auch mit unseren kostenlosen Apps verfolgen:

         

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