Berichte 30.10.2017 | 14:47von Colin McGourty

Mannschafts-EM, R2: Ukraine stolpert gegen die Niederlande

Durch eine Gewinnpartie von Anish Giri gegen Pavel Eljanov gelang den Niederlanden in Runde 2 der Europäischen Mannschaftsmeisterschaft ein überraschender Sieg gegen die favorisierten Ukrainer. Die an Nummer 1 gesetzten Russen haben als eins der wenigen Teams noch eine weiße Weste, das deutsche Team feierte nach der Enttäuschung zum Auftakt derweil einen überzeugenden Sieg gegen die Slowakei. Bei den Damen war die einzige Überraschung der spanische Sieg gegen Rumänien.

Anish Giri, Erwin l'Ami & Benjamin Bok schafften die Überraschung gegen die favorisierte Ukraine | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

Erstmals saßen am zweiten Spieltag der Mannschafts-EM auch Stars wie Levon Aronian, Peter Leko, Pavel Eljanov, Baadur Jobava, Alexander Grischuk, Mickey Adams, Radek Wojtaszek und Shakhriyar Mamedyarov am Brett:

Das wichtigste Resultat war sicher das 2,5 zu 1,5 der Niederlande gegen die Ukraine. Anish Giri zeigte sich dabei in einer Variante des Angenommenen Damengambits besser vorbereitet als sein Gegner Pavel Eljanov. Schwarz stand schon deutlich schlechter, als Eljanov mit 33…Dd7? eine kleine Kombination ermöglichte:


34.Txe6! Txe6 35.Dxf5! und wegen der Mattdrohung Dh7 kann Weiß auf e6 zurückschlagen und eine leicht gewonnene Stellung herbeiführen. Drei Züge später gab Eljanov auf.

Da die anderen drei Partien remis ausgingen, bedeutete dies den Mannschaftssieg:

"Wer Erwin L'Ami in einem Remisendspiel besiegen will, ist zum Scheitern verurteilt." 

Giri meinte “er sei überrascht und erleichtert gewesen”, dass die Ukraine Yuriy Kryvoruchko pausieren ließ, obwohl er der “ukrainische Vitiugov” sei (also ein sehr starker, aber unterschätzter Spieler). Die Holländer ließen Jorden van Foreest nach dessen 139-zügiger Gewinnpartie vom Vortag aussetzen, aber laut Loek van Wely hatte das nichts mit dessen Art Schach zu spielen zu tun:

Solange er gewinnt, ist es mir egal, wie gut er spielt!

An den anderen Tischen sprangen die Russen wie ein gutes Pferd nur so hoch, wie sie mussten, und schlugen Weißrussland dank eines Sieges von Maxim Matlakov gegen Kirill Stupak. Armenien versuchte es wieder mit der Strategie “Mit Weiß siegen, mit Schwarz remis halten”, aber nachdem Aronian und Sargissian ihre Partien gewonnen hatten,  schlugen die Griechen durch einen Sieg von Hristos Banikas über Sergei Movsesian zurück und Hrant Melkumyan musste sein ganzes Endspielkönnen aufbieten, um gegen Stelios Halkias ein schlechteres Turmendspiel zu halten. 

Levon Aronian mit Teamkapitän Arshak Petrosian | Foto: Anastasia Karlovich, Offizielle Turnierseite

David Howell meinte nach seiner Partie für England gegen Norwegen, er habe auf Tari als Gegner gehofft, um sich für die Niederlage beim Weltcup zu revanchieren, doch der saß am Spitzenbrett und musste gegen Adams ran. Stattdessen spielte Howell gegen Jon Ludvig Hammer, gegen den er schon nach 19 Zügen in schwerer Zeitnot verkehrte... 

"Howell ist mal wieder nach nur 19 Zügen in schwerer Zeitnot. Mit besserer Zeiteinteilung wäre er bei 2750 Elo."

…doch irgendwann fielen die schwarzen Bauern wie reife Früchte. Howell machte den Sack mit einem ungewöhnlichen Zug in diesem Partiestadium zu:


37…0-0-0! und Hammer musste nach 50 Zügen aufgeben. 

David Howell mit einem wichtigen Sieg für sein Team | Foto: Niki Riga, Offizielle Turnierseite

Gawain Jones bezwang außerdem den norwegischen Helden des Vortags, Johan-Sebastian Christiansen. Die Engländer müssen in Runde 3 gegen Polen ran, die dank Siegen von Kacper Piorun und Jan-Krzysztof Duda 3:1 gegen Griechenland 2 gewannen:

Duda spielt bisher ein "interessantes" Turnier. In Runde 1 stand er gegen Lubomir Ftacnik total auf Verlust und hielt Remis, und in Runde 2 stand er gegen Nikolas Theodorou erneut fast auf Verlust, nachdem er eine wichtige Feinheit in der Eröffnung (9…h4! statt des sofortigen 9…b5?!) vergessen hatte. Erst nach 15…axb5 sah die Welt plötzlich ganz anders aus:


Dem Computer gefällt die weiße Stellung nach 16.Sdxb5 weiterhin, aber Theodorou wollte mit 16.Nf5+??! den Schönheitspreis gewinnen.Nach der Widerlegung 16…exf5 17.The1 Kd8! 18.Df7 Se7! hatte Schwarz zwei Figuren mehr und stand auf Gewinn. Die Schlussstellung war dann wirklich amüsant, denn der schwarze König stand nackt im Wind, aber Weiß hatte mit einem Turm und einem Läufer weniger keine gute Fortsetzung mehr:


Zwei Matches bedürfen noch der Erwähnung. Italien schaffte mit einem 2,5 zu 1,5 gegen Türkei die nächste Überraschung, obwohl das Team an allen Brettern Außenseiter war. Erneut war Sabino Brunello der Held, der mit einem Königsmarsch folgende Stellung angestrebt hatte:


Mustafa Yilmaz spielte 43…Kf8, aber nach 44.Kxh7 e4 45.Sg6+! gewann Weiß leicht. 43…Kh8 hätte härteren Widerstand geleistet, aber auch dann wäre Schwarz in Zugzwang geraten. 

Schließlich verlief auch die Begegnung zwischen Georgien und Tschechien sehr spannend, und die Entscheidung fiel durch einen beeindruckenden Angriffssieg von David Navara gegen Baadur Jobava. Hier die Schlussstellung:


Kein guter Tag für Jobava (und dessen Springer auf b3!

Aleksandra Goryachkina hat es bislang schwer auf Kreta - erst spielte sie gewonnener Stellung remis, und dann verlor sie sogar! | Foto: Niki Riga, Offizielle Turnierseite  

Bei den Damen gewannen die Favoriten fast durchweg, nur Aleksandra Goryachkina musste beim russischen Sieg gegen Tschechien eine überraschende Niederlage hinnehmen. Sie unterlag der um 300 Elo-Punkte schwächeren Kristyna Novosadova nach einem taktischen Versehen und darf gegen die Ukraine pausieren. 

Eine Niederlage mussten leider auch die deutschen Damen gegen Polen einstecken, da Josefine Heinemann und Sarah Hoolt ihre Partien verloren.

Spaniens Kapitän David Martinez mit FM Marta Garcia, die einen Punkt beim überraschenden 3,5 zu 0,5 gegen Rumänien holte | Foto: Niki Riga, Offizielle Turnierseite

Neben Russland gegen die Ukraine bei den Damen...


...sind auch Ungarn-Niederlande, Tschechien-Russland, Polen-England und Spanien-Aserbaidschan im Open spannende Begegnungen.   

Jan Gustafsson und Fiona Steil-Antoni werden wieder ab 14:00 Uhr live auf chess24 für euch kommentieren: Open | Frauen

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