Interviews 08.08.2018 | 16:25von Colin McGourty

Mamedyarov über seinen Sieg in Biel vor Carlsen

In Berlin verpasste Shakhriyar Mamedyarov knapp die Qualifikation für ein WM-Match gegen Magnus Carlsen, aber seither erzielte er, u.a. durch einen Sieg gegen Magnus in Biel, mit 2817 die höchste Live-Elo seiner Karriere. Sie treffen beim Sinquefield Cup erneut aufeinander, aber vorher hielt sich Mamedyarov in der San Francisco Bay Region auf, wo er eine Masterclass und Simultanvorstellungen gab. Darüber sprach er im Interview mit Teimour Tushiev für Media.Az.

Shakhriyar Mamedyarov, Zviad Izoria und Co. beim Bay Area Schach-Sommercamp | Foto: Bay Area Chess Facebook

Das nächste Eliteturnier im Schachkalender ist St. Louis Rapid and Blitz ab Samstag (11. August), Mamedyarov ist (nach klassischer Elo in der Augustliste) an zwei gesetzt:


Das 5-tägige Turnier hat genau dasselbe Format wie zuvor bei der Grand Chess Tour in Leuven und Paris. Eine Woche später ist dann der Sinquefield Cup mit klassischer Bedenkzeit, bei dem statt Leinier Dominguez Weltmeister Magnus Carlsen den Freiplatz bekommt.

Man könnte verstehen, wenn Mamedyarov sich nach seinem Sieg beim 10-rundigen GM-Turnier in Biel nur erholen will. Stattdessen flog er schon vor St. Louis Rapid and Blitz in die USA und gab ein Sommercamp bei Bay Area Chess, Schachclub des Jahres des US-Schachverbands.

Von da aus sprach er mit Teimour Tushiev für Media.Az (Übersetzung des Interviews aus dem Russischen):   


Teimour Tushiev: Zunächst Gratulation zu Deinem beeindruckenden Sieg. Kannst Du Deine Gefühle teilen? 

Shakhriyar Mamedyarov: Vielen Dank für die Glückwünsche. Nach diesem Sieg fühle ich mich sehr gut. Man kann sagen, dass ich die Früchte all der harten Arbeit in letzter Zeit geerntet habe. Endlich lief es für mich und ich hatte nie Pech. Ich bin sehr froh, dass das Turnier für mich so ein gutes Ende hatte.

Du warst einer der Favoriten im Turnier, aber hattest Du mit so einem überzeugenden Sieg gerechnet? 

Auf dem Papier war ich natürlich ein Favorit, aber alle Teilnehmer des Turniers waren sehr stark - ich musste also beweisen, dass meine Favoritenrolle kein Zufall war. Ich bin sehr froh, dass ich mich zusammenreissen und auf sehr hohem Niveau spielen konnte.

Generell bedeutet der Erfolg in der Schweiz für mich sehr viel. Zuvor hatte ich in anderen Turnieren auch viele Siege, z.B. einmal beim Tal Memorial in Moskau +3, aber dann konnte ich in weiteren Partien Gewinnstellungen nicht verwerten und wurde nicht Turniersieger. Diesmal hatte ich wieder einen klaren Vorsprung und konnte ihn bis zum Ende behalten.

Einer Deiner wichtigsten Siege im Turnier war in der vorletzten Runde gegen Magnus Carlsen. War Deine Stimmung vor der Partie von seinen Bemerkungen zu angeblich vorab vereinbarten Remisen in Deinen Partien gegen Sergey Karjakin beeinflusst?

Mamedyarov gewann in Biel nicht nur gegen Carlsen, sondern wurde auch Turniersieger 1,5 Punkte vor dem Weltmeister | Foto: Lennart Ootes, Schachfestival Biel 2018 

Natürlich war es eine sehr wichtige Partie und war ich voll konzentriert. Ich habe meinen Stil etwas geändert. Früher spielte ich aggressiver, nun kann man sagen, dass ich vernünftiger spiele. Letztendlich war dieser Ansatz erfolgreich. Natürlich bin ich immer sehr froh, wenn ich den Weltranglistenersten besiegen kann und damit zeige, dass ich auf Augenhöhe mit dem amtierenden Weltmeister bin.

In meiner Partie gegen Magnus Carlsen war er offensichtlich nervös und riskierte eine Menge. Das konnte ich ausnutzen, und da ich Druck machte konnte er die Partie nicht retten.

Zu meiner Stimmung vor der Partie gegen Magnus, sie war nicht von irgendwelchen Bemerkungen beeinflusst. Jeder Schachspieler kann im Eifer des Gefechts so etwas sagen. Im Gespräch miteinander haben wir dieses Thema nicht einmal berührt - wahrscheinlich hat er seinen Fehler bereits realisiert. Ich nehme immer alle Partien ernst, auch gegen den norwegischen Großmeister.

In einigen Tagen beginnt das nächste Superturnier, beim Sinquefield Cup in Saint Louis wirst Du wieder gegen Carlsen spielen. Denkst Du, dass er unbedingt auf Rache aus ist? 

Wahrscheinlich ja. Ich bin mir sicher, dass er gegen mich noch konzentrierter ist als in anderen Partien. Jeder Spieler will nach einer schmerzhaften Niederlage Revanche nehmen.

Aber momentan denke ich an derlei Dinge gar nicht. Ich kam an in Cupertino, da entspanne ich mich mit dem azerischen Schachspieler Faik Aleskerov - wir sind seit unserer Kindheit befreundet - und auch mit Zviad Izoria. Das Wetter ist hier hervorragend und die Bedingungen sind gut, um sich nach so einem harten Turnier zu erholen. Es ist schon das zweite Jahr, in dem Faik Aleskerov, Zviad Izoria und ich selbst für Kinder Simultanvorstellungen und eine Masterclass geben.

Danach ist etwas Zeit, um sich vor dem Turnier in St. Louis zu entspannen. Wir warten auch auf unseren Freund Rauf Mamedov, der in einigen Tagen zu uns stossen wird. Dann geben wir noch eine gemeinsame Trainingseinheit.

Übrigens hast Du nach dem Sieg in der Schweiz einen neuen persönlichen Rekord auf der Live-Eloliste. Kannst Du in naher Zukunft Fabiano Caruana und Magnus Carlsen überholen?

Natürlich ist es schön, seine Elozahl zu verbessern. Zuvor war ich bereits mal Weltranglistenzweiter, und vor etwa 10 Jahren Nummer 4. Aber Nummer eins in der Welt ist immer der Wunsch, also ist das nun mein Ziel.

Derzeit hat nur Mamedyarov Carlsen und Caruana im Visier | Quelle: 2700chess

Das wichtigste Mannschaftsturnier dieses Jahr ist die Olympiade in Batumi. Olympische Medaillen fehlen noch in Aserbaidschans Trophäensammlung...

Natürlich ist es eine der zentralen Veranstaltungen des Jahres. Zuvor hatten wir bei Olympiaden oft Pech: Wir spielten oft fast das gesamte Turnier oben mit, aber am Ende verloren wir wichtige Punkte und bekamen keine Medaille. Dennoch werden wir alles tun was wir können, um bei der Olympiade in Batumi eine Medaille zu gewinnen. Außerdem haben alle führenden Spieler Aserbaidschans ihre Elozahlen zuletzt verbessert, das ist auch ein Grund für große Hoffnungen.


Du kannst Shakhriyar Mamedyarov in Aktion sehen - St. Louis Rapid and Blitz beginnt am Samstag 20:00 MESZ mit den ersten drei Runden im Schnellschach. Verfolge alle Partien mit Kommentar auf Englisch, Russisch und Spanisch hier auf chess24.


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