Interviews 18.04.2018 | 08:34von Colin McGourty

Mamedyarov über Kandidatenturnier und Shamkir

Shakhriyar Mamedyarov, Zweiter beim Kandidatenturnier und Zweiter in der offiziellen April-Eloliste, strebt nach seinem dritten Sieg beim Gashimov Memorial, das am Donnerstag in Shamkir beginnt. Es wird allerdings nicht einfach, da ein gewisser Magnus Carlsen, seines Zeichens Weltmeister, dasselbe Ziel haben wird! Vor dem Turnier sprach Shak über sein Kandidatenturnier, wie sich sein Schachstil änderte und über seine Zukunftspläne.

Remis zwischen Carlsen und Mamedyarov beim Tata Steel Masters, am Ende hatte Shak einen halben Punkt weniger als Magnus | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Ab Donnerstag 13:00 MESZ ist der Weltmeister wieder aktiv, die fünfte Auflage von Shamkir Chess beginnt. Carlsen gewann die beiden ersten Turniere 2014 und 2015, in seiner Abwesenheit siegte 2016 und 2017 Mamedyarov. Damit streben die Nummer 1 und 2 der offiziellen Weltrangliste nach einem Hattrick. Drei der vier in der Weltrangliste führenden Spieler wären es, wenn Kramnik nicht abgesagt hätte - als Gründe nannte er leichte gesundheitliche Probleme und Erschöpfung. Mit dem besten Polen Radek Wojtaszek als Ersatz für Kramnik ist es weiterhin ein sehr starkes Feld:


Natürlich wird chess24 live übertragen.

Kurz vor dem Turnier sprach Mamedyarov mit der azerischen Webseite Extra Time. Erstes Thema war das Kandidatenturnier, in dem Mamedyarov nach nur einer Niederlage im Turnier gegen Ding Liren Platz zwei belegte:


Mamedyarov: Zum ersten Mal war ich bei einem Kandidatenturnier Favorit, jedenfalls nach Elo. Daher erwarteten viele, dass ich in Deutschland gewinne. Schachfans glaubten an mich, und der Turnierverlauf zeigte, dass ich eine Chance auf den Turniersieg hatte. Bei diesem starken Feld waren Prognosen allerdings schwierig - vor dem Turnier sagte ich, dass der Favorit Erster oder Letzter werden kann...

Ding Liren wurde Mamedyarovs Stolperstein | Foto: Niki Riga

Es begann gut für mich: in der ersten Runde besiegte ich Sergey Karjakin, danach spielte ich einige gute Partien. Ich muss allerdings zugeben, dass Fabiano Caruana einfach unglaublich gut kämpfte und so mehr Schwarzsiege erzielte. In derlei Turnieren ist es besonders wichtig, mit Schwarz etwas zu erreichen. Für den Kampf um den Tunriersieg war meine wichtigste Partie die gegen Ding Liren. Ich riskierte unglaublich viel, da ich zuvor in einigen Runden einfach nicht gewinnen konnte. Zu diesem Zeitpunkt war mir klar, dass ich gewinnen musste. Also nahm ich Risikos, obwohl ich mit einem Remis weiterhin in Führung liegen würde. Ich wollte Ding Liren besiegen, da ich dann einen halben Punkte Vorsprung auf das Feld hätte. Ich dachte nicht an eine Niederlage, ich spielte riskant, das Ergebnis dieser Partie war ein harter Schlag für mich. Ich konnte mich davon erholen und besiegte Alexander Grischuk, aber die Niederlage gegen  Ding Liren war eine der härtesten in meiner Karriere. Wenn ich gegen den Chinesen gewonnen hätte, wäre ich womöglich Sieger des Kandidatenturniers.

Was überraschte Dich beim Kandidatenturnier? 

Es gab positive und negative Überraschungen. Zum Beispiel sind Levon Aronian und Wesley So starke Großmeister, aber zeigten diesmal ein ziemlich schlechtes Spielniveau. In Berlin wirkten sie nicht wie dieselben, und in den letzten Runden waren sie offensichtlich uninspiriert. Karjakin gelang dagegen ein Comeback: Nach zwei Niederlagen hatten viele ihn abgeschrieben, aber mit dann vier Siegen zeigte Sergey Charakter und teilte die Führung im Turnier. Es war das interessanteste Kandidatenturnier der letzten Jahre - bis zur letzten Runde hatten vier Spieler Chancen auf den Turniersieg. 

Der Armenier Levon Aronian spielte wirklich schlecht und verlor zweimal gegen Fabiano Caruana…

Ja, Caruana gewann 2-0 gegen Aronian, während dieser gegen mich und Karjakin Remis spielte. Das war ein großer Vorteil für Caruana - zwei Punkte gegen einen Rivalen verbessern die Chancen im Kampf um Platz eins erheblich. In der zweiten Turnierhälfte spielte Aronian gegen Caruana zunächst gut. Zu einem gewissen Zeitpunkt war Caruana am Rande einer Niederlage und hätte auf Schadensbegrenzung umschalten müssen. Es war klar, dass Caruanas Verteidigung schwierig würde, aber Aronian verpasste diese Chance, sah den Gewinn nicht und verlor letztendlich. In seinen Partien gegen Vladimir Kramnik wirkte er auch sehr schwach. Aronian ist ein starker Spieler, aber das niedrige Niveau seines Spiels in Berlin deutete schlechte Form an. In meinen Partien gegen ihn lief es nicht: zweimal erzielte ich nicht den Vorteil, den ich anstrebte.

Es war einfach nicht Levon Aronians Turnier | Foto: Niki Riga

Was fehlte Dir zum Sieg im Kandidatenturnier? Vielleicht Glück? 

Wenn das Endergebnis in so einem starken Turnier von einer einzelnen Partie abhängt, war das Turnier ein Erfolg. Mit einem Sieg gegen Ding Liren wären meine Chancen noch besser gewesen, aber bis zur letzten Runde kämpfte ich um den Turniersieg, und ich verbesserte meine Elozahl. Ich bin nicht einverstanden mit dem Wort "Glück". Wir sollten zugeben, dass Caruana in Berlin verdient gewann. Trotz einer Niederlage gegen Karjakin hielt er Kurs und besiegte danach Aronian und Grischuk. Interessanterweise spielten wir im Januar in Wijk aan Zee, wo Fabiano schlecht abschnitt. Einige sagten gar, dass Caruana weiterhin so schlecht spielen würde. Aber es war offensichtlich, dass er in Wijk aan Zee an das Kandidatenturnier dachte. Und Berlin zeigte, dass er ein würdiger Sieger ist.

Warst Du mit Deiner Vorbereitung auf das Turnier zufrieden? 

Die Teilnahme am Kandidatenturnier wird ziemlich spät bestätigt. Alle Spieler standen im November fest, damit noch drei Monate Vorbereitungszeit. Aber im Laufe des Jahres hatten wir bei verschiedenen Turnieren zugesagt und betrachteten diese nun als Vorbereitung. Vor Berlin spielte ich in Moskau ein Schauturnier gegen junge Talente. Ich spielte in China und Saudi-Arabien, dann Wijk aan Zee, deutsche Bundesliga [Zweite Liga im Aufstiegsduell für Viernheim] und Tal Memorial. Ich hatte bei vielen Turnieren zugesagt und spielte insgesamt zwei Monate, damit nur 20 Tage für direkte Vorbereitung auf Berlin - sehr wenig. In dieser Zeit hatte ich an Trainingslager in Qakh, und arbeitete mit meinen Sekundanten an meiner häuslichen Vorbereitung. In Zukunft wäre es gut, wenn ein Platz im Kandidatenturnier früher feststünde.

Man kann Mamedyarov nicht vorwerfen, dass er nicht alles gegeben hat | Foto: Niki Riga

Du bist 33 Jahre alt. Ist das kein Problem für Qualifikation für das Kandidatenturnier? Du bist nicht pessimistisch, was Deine Chancen betrifft? 

Im Schach sind Altersgrenzen etwas anders. Zum Beispiel im Fussball weisst Du, dass eine Weltmeisterschaft mit 33 wohl Deine letzte Chance ist, dasselbe Niveau mit 37 ist extrem schwierig. Im Schach ist 33 jedoch ein gutes Alter. Mit 40 hat Anand immer noch wunderschöne Partien [Anand ist inzwischen 48]. Was mich betrifft, ich habe spät mit Schach begonnen, also betrachte ich mich noch als jung. In den beiden nächsten Jahren kann sich viel ändern, dadurch wird Qualifikation für das Kandidatenturnier immer schwerer. Ich werde weiter trainieren, abwarten welche Form ich nächstes Jahr habe, ich fühle mich dabei stark und voller Energie. Derzeit denke ich nicht an eine perfekte Vorbereitung. Mit idealer Vorbereitung hätte ich in Berlin gewonnen, aber das Ziel bleibt dasselbe. Ich werde versuchen, mich wieder für das Kandidatenturnier zu qualifizieren, und dann einen Sieg da zu feiern.

Wie wichtig ist Elo für einen Schachspieler?

Mamedyarov muss erst Caruana überholen, aber da bis auf Kramnik and MVL die gesamte top10 in den nächsten beiden Wochen spielt kann diese Liste bald ziemlich anders aussehen! | Quelle: 2700chess

Es ist sehr wichtig. Ohne eine sehr hohe Elo bekommt man keine Einladungen zu Superturnieren. Ich bin froh, dass ich Nummer zwei in der Welt bin, aber Magnus liegt immer noch vorne. Er ist ein sehr starker Gegner, der allen Kopfschmerzen bereitet - Weltmeister mit klassischer Bedenkzeit und im Schnell- und Blitzschach. Es ist sehr schwer, ihn zu schlagen, aber mein Ziel ist, Carlsen auf der Eloliste zu überholen.

Du spielst in letzter Zeit ruhiger, ohne Risikos. Was ist der Grund dafür? 

In den letzten Turnieren sagten alle, dass es Zeit für eine Rückkehr zu meinem alten Stil ist. Derlei Bemerkungen fielen auch während dem Kandidatenturnier. Schachspieler vermissen diesen Shakhriyar und sagen, dass ich nicht aggressiv genug auftrete, aber es gibt auch die andere Seite der Medaille. Gegen Ding Liren habe ich viel riskiert, und alle sahen das Ergebnis. Für gute Ergebnisse muss man auch etwas riskieren, aber im richtigen Moment - mit einem aggressiven Stil wird man nicht top10. Dieser Shakriyar existiert in meinem Inneren nach wie vor und wird wahrscheinlich irgendwann wieder auftauchen. Viele denken, dass ich mich stilistisch an meine Trainer angepasst habe, wie Dreev und Khalifman.

Fühltest Du in Berlin Unterstützung aus Aserbaidschan?

Während dem Turnier griff ich sehr selten zum Telefon. An den Ruhetagen verbrachte ich 2-3 Minuten in sozialen Medien und sah, wie Leute Links teilten. Es schien, dass alle an meinen Sieg in Berlin glaubten. Derlei Unterstützung hatte ich nie zuvor.

Du hast das Vugar Gashimov Memorial zweimal gewonnen. Wie schätzt Du Deine Chancen auf einen dritten Sieg in Shamkir ein? 

Es wird ein sehr interessantes Feld. Dieses Jahr habe ich zwei Partien verloren, gegen Anish Giri und gegen Ding Liren. Beide werden in Shamkir um die vorderen Plätze mitmischen. Magnus muss man nicht vorstellen. Veselin Topalov und Sergey Karjakin sind unter den stärksten Großmeistern der Welt. David Navara hat einen aggressiven Stil und kann jeden Gegner besiegen. Ich will das 5. Gashimov Memorial wirklich gewinnen, da ein Sieg in einem Turnier mit Carlsen ein besonderes Vergnügen ist. Ich hoffe, dass aus dem Gashimov Memorial eine Tradition wird.

Es wäre großartig, wenn auch Kramnik in Shamkir dabei wäre! | Foto: Niki Riga

Willst Du Dich an Ding Liren für die Niederlage in Berlin rächen?

Zwei Großmeister konnte ich noch nie besiegen – Ding Liren und Viswanathan Anand. Ich habe nicht oft gegen den Chinesen gespielt, aber in Berlin erzielte er seinen ersten Sieg gegen mich. Was Rache betrifft - nun, wir werden in Shamkir aufeinander treffen. Was in der Partie passiert, keine Ahnung.


Die anderen Spieler (nun ja, vor allem Giri!) waren mit Vorbereitung auf und Anreise nach Shamkir beschäftigt…

Verpasse Shamkir Chess ab Donnerstag 13:00 MESZ nicht!

Siehe auch:


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