Berichte 20.07.2019 | 23:43von Colin McGourty

Mamedyarov & MVL stehen im Finale des Rigaer FIDE Grand Prix

Shakhriyar Mamedyarov und Maxime Vachier-Lagrave werden sich ab Montag im Finale des Rigaer FIDE Grand Prix gegenübersitzen, nachdem sie beide ihre Halbfinals ohne Tiebreak gewinnen konnten. Mamedyarov brachte im 14. Zug in seiner ersten Partie gegen Wesley So eine ruhig anmutende Neuerung und stand bereits einen Zug später auf Gewinn. Wesley wiederum war dann nicht in der Lage, in der 2. Partie zurückzuschlagen. Beide Partien in MVL-Grischuk glichen einem Thriller, wobei Alexander Grischuk die zweite Partie als "fantastisch gespielt" von der französischen Nummer 1 bezeichnete.

Mamedyarov schaut MVL über die Schulter, wie dieser mit einem brillanten Sieg über Grischuk ins Finale stürmt | Foto: Niki Riga, Turnierseite 

Alle Partien vom Rigaer FIDE Grand Prix 2019 kannst du dir hier anschauen:

Mamedyarov 1.5:0.5 So

Das Comeback des Shakhriyar Mamedyarov begann in der Mitte der Grand Chess Tour in Zagreb und nahm mit dem Turnier in Riga richtig Fahrt auf. Shakh warf Dubov und So in den klassischen Partien aus dem Turnier und besiegte Jan-Krzysztof Duda im Tiebreak. Er spielte eine der 5 besten Neuerungen in Zagreb nach Analysen von Laurent Fressinet und hatte auch in Riga mit 14.a3!? im Katalanen gegen Wesley eine neue Idee im Köcher. Dieser Zug verhindert das schwarze ...Db4, ein Zug, auf den Schwarz oft angewiesen war. Wesley hatte das Gefühl, dass seine Reaktion 14...Tfb8 bereits ein Fehler war, aber die kritische Stellung entstand eigentlich erst nach 15.e4:


Mamedyarov sagte zu seiner Neuerung, sie sei "ein sehr guter Zug - zumindest für eine Partie ist sie sehr gut, denn nach diesem Zug muss Schwarz sehr präzise spielen." Der Grund, warum der Zug vielleicht nur für eine Partie gut ist, liegt darin, dass Schwarz eine radikale Zugfolge hat, um all seine Probleme zu lösen, wie Mamedyarov nach der Partie offen zugab, da er davon ausgeht, diese Stellung sowieso nicht mehr aufs Brett zu bekommen. Zumal: "Jeder hat Engines und jeder kann es prüfen!"

Die Remisvariante lautet 15…Sxe4! 16.Lxe4 Dxd4 17.Le3 Dxe4 18.Lxb6 Txb6 19.Tfe1 und selbst hier steht Schwarz noch vor einer wichtigen Entscheidung:


Mamedyarov wies darauf hin, dass 19...Dd5? verliert, weil Weiß einen Turm nach d1 stellt, während 19...Df3? weit weniger offensichtlich verliert, indem Weiß einen beliebigen Turm nach b1 bringt. Es gab allerdings einen Weg zum Ausgleich, nämlich 19...Dg6!. "Es sieht sehr kompliziert aus", war Wesleys Urteil, als man ihm diese Idee zeigte.

Wenig Spaß für Wesley | Foto: Niki Riga, Turnierseite

Aber zurück zur Partie. Es war verständlich, dass Wesley von passivem Spiel, bspw. mit 15...Dd8 16.Td1 Dc8 17.Lg5 nicht sonderlich angetan war. Shakh beschrieb die Stellung als "sehr schlecht" für Schwarz, auch wenn der Computer behauptet, Schwarz könne sich halten. Dennoch wäre auch das besser gewesen als der grobe Fehler 15...c3?, der folgte. Mamedyarov dachte 14 Minuten an dem offensichtlichen 16.e5! nach, nur um sicherzugehen, dass er nichts übersehen hatte. Und das hatte er nicht. Er glaubte, dass Wesley womöglich etwas geplant hatte wie 16…Dxd4 17.Le3 Dd3 18.exf6 Tb1 19.Taxb1 Txb1 und jetzt…


20.Dxa6! wonach Weiß gewinnt. Das ist möglich, wobei sogar 19.Dg5! noch stärker ist. In der Partie wich Wesley schlicht mit 16...Dd8? zurück und verwaltete eine hoffnungslose Stellung weiter, bis er schlussendlich nach 34 Zügen aufgab.

chess24: Mamedyarov beendet Sos lange Serie ungeschlagener Partien in Folge im klassischen Schach und steht nun mit einem Bein im Rigaer Finale.

Schau dir an, was Mamedyarov zu dieser Partie zu sagen hat:

Wesley kämpfte in der zweiten Partie mit allen Mitteln, aber konnte nicht verhindern, dass Mamedyarov das Remis erreichte, das ihm zum Matchsieg und damit zum Finaleinzug verhalf. Wesley erkannte aber an, dass sein Gegner "sehr gut spielte und es absolut verdient, ins Finale zu kommen", zumal er sich nun auf eine Pause freut:

Ich glaube, das ist mein fünftes Turnier in Folge und ich habe 80 Partien in allen Disziplinen gespielt in den letzten 2,5 Monaten. Von daher bin ich ziemlich erschöpft. Außerdem habe ich Probleme, mich an den Modus anzupassen: An einem Tag Tiebreaks spielen und dann am nächsten Tag eine lange Partie klassisches Schach, danach wieder Partien mit kürzerer Bedenkzeit und dann wieder klassisches Schach.

Die guten Neuigkeiten für Mamedyarov sind, dass er nun zwei ganze Tag hat, um sich zu erholen - genauso wie sein Gegner, Maxime Vachier-Lagrave:

Grischuk 0.5-1.5 MVL

Die Berliner Verteidigung gegen Maxime - was könnte da schief gehen? | Foto: Niki Riga, Turnierseite

In der ersten Partie hatte MVL Weiß und zeigte zum wiederholten Male, dass er einer der wenigen Spieler ist, der bereit ist, das Berliner Endspiel mit Weiß zu spielen. Grischuk folgte bis zum zwölften Zug der Empfehlung von Laurent Fressinet in seiner jüngsten Video-Serie auf chess24 zur Berliner Verteidigung

Laurent Fressinet: Scheint so, als ob Alexander und ich ein kleines Missverständnis hatten. ich habe 12...h5 in meiner Video-Serie zur Berliner Verteidigung empfohlen und er spielte 12...a5. Mehr dazu in den Analysen zur der Partie des Tages auf chess24.

Das Berliner Endspiel hat den Ruf, langweilig zu sein, aber diese Partie sollte es nicht werden. Warum? Grischuk hierzu:

Natürlich gibt es viel, worauf man spielen kann, wenn man so patzt wie ich! Ich habe Td3 völlig übersehen.

Als Grischuk 17...Lg5 spielte, dachte er, dass er das Remis erzwingen würde und bot sogar die Punkteteilung an, nur um dann nach 21.Td3 zu bemerken, dass er in großen Schwierigkeiten steckt:


Weiß droht Tf3 gefolgt von Tf7 zu spielen, wonach er Material einsammeln wird. Alexander dachte 33 Minuten über seinen nächsten Zug nach und fasste seine Gedanken so zusammen:

Eine halbe Stunde lang dachte ich, dass ich aufgeben werde, weil mein Remisangebot nicht angenommen wurde, denn es sah so hoffnungslos aus.

Schlussendlich jedoch fand Grischuk die Idee 21...b5! gefolgt von ...b4 und ...a4, wonach er das Gefühl hatte, dass wenn es einen Sieg für Weiß geben sollte (und es "riecht" förmlich danach), dann wäre es ein studienartiger Gewinn. Weiß kam dem Sieg nahe - und Laurent Fressinet zeigt uns die ganzen Höhen und Tiefen, die die Partie durchlebt hat:

Und das sagen die Spieler zur Partie:

In der zweiten Partie wurde der Einsatz noch weiter erhöht, denn Alexander Grischuk machte bereits mit seinem dritten Zug klar, welche Ambitionen er hat, indem er den h-Bauern ins Rennen schickte:

Anish Giri: Grischuk braucht ein besseres neuronales Netzwerk und zwar eines, das ihm erklärt, dass es nicht notwendig ist, h4 zu spielen, um MVL zu provozieren, in inkorrektes Bauernopfer im Wolga-Benkö-Stil zu spielen. Ich bin mir sicher, ihr wisst, wovon ich rede!

Maxime antwortete darauf mit einem Bauernopfer im Wolga-Benkö-Stil: 3...c5 4.d5 b5 und was folgte, war eine passende Hommage an den berühmten Schöpfer!

Judit Polgar: Herzlich Glückwunsch zum 91. Geburtstag an den großartigen Pal Benkö! Das Benkö-Gambit wurde nach ihm benannt und mit ihm hatte ich als Teenager große Erfolge. Auch hat er mit mir unvergessliche Momente mit seinem Schachstudien geteilt, die mich seit nun 30 Jahren faszinieren. Dieses Bild ist zusammen mit seiner reizenden Frau Ziki.

Wie in vielen dieser Stellungen mag der Computer lieber die weiße Seite, doch die Spieler kritisierten den Zug 15.Te1!? heftigst. Das mag womöglich unfair gewesen sein, denn wie Grischuk im Anschluss an die Partie anmerkte, wurde die Partie alsbald "völlig unklar und unvorhersehbar". Doch Maxime fand einen klaren Weg durch den Variantendschungel und "spielte fantastisch". Zum Beispiel waren 20...Sbd3!, 21...Db4!, 22...c3! und zum Schluss 23...Sb2! Züge, die Grischuk nicht auf dem Schirm hatte - er dachte, er stünde glatt auf Gewinn!


Grischuk suchte Zuflucht in einem Endspiel, aber Maxime hielt den Druck aufrecht:

Ich denke, das Endspiel sollte nicht so schlecht für Weiß sein, aber ich habe es auch nicht sehr präzise gespielt. Und zumindest denke ich, dass er sehr präzise gespielt hat. Ich brauche schlicht noch einen weiteren Zug und dann stehe ich absolut in Ordnung, aber ich hatte nie die Zeit, um ihn auszuführen. Zu einem bestimmten Zeitpunkt war es so, dass wenn ich ...a5 spielen kann, ich gar keine Probleme mehr habe, aber dafür fehlte mir immer genau ein Tempo. Es war eine großartige Partie!

Im 47. Zug gab Grischuk dann auf:

chess24: Maxime Vachier-Lagrave wird im Finale des Rigaer FIDE Grand Prix gegen Mamedyarov spielen und ist durch seinen dritten Matchsieg in Folge im klassischen Schach wieder zurück in den Top 5 der Welt.

Jan Gustafsson zeigt uns die Highlights der Partie:

Und das sagen die Spieler selbst zu ihrer Partie:

Das bedeutet nicht nur, dass Maxime Vachier-Lagrave das Finale erreicht hat, sondern er durch seine drei Matchsiege ohne benötigten Tiebreak auch drei Extrapunkte bekommt. Mit derzeit 8 Punkten liegt er nur hinter Ian Nepomniachtchi (9 Punkte, da er in Moskau gewann) und Alexander Grischuk (10 Punkte, 7 in Moskau und 3 in Riga) in der Grand-Prix-Wertung. 

Maxime hatte es bisher immer schwer gegen Mamedyarov, aber in Riga ist er derzeit in Topform | Foto: Niki Riga, Turnierseite

In Moskau holte sein Gegner Shakhriyar Mamedyarov keine Punkte, von daher braucht er den Sieg in Riga, um den Traum von der Qualifikation für das Kandidatenturnier am Leben zu erhalten. Die Statistik gibt Shakh auch Hoffnung, denn in seiner Karriere holte er bislang sechs Siege gegen Maxime im klassischen Schach bei nur einer Niederlage.

Das Finale wird im gleichen Format wie die vorherigen Runden gespielt, aber es wird erst am Montag beginnen! Daher können wir unsere Aufmerksamkeit den letzten beiden Runden in Dortmund widmen. Und wie könnte man das besser tun als mit unserem Kommentatoren-Duo Jan Gustafsson und Laurent Fressinet?


Am späten Samstag werden sie auch ein Geschwätzblitz aus Anlass des Internationalen Schachtags spielen. An diesem Tag hat man die Möglichkeit, zwei Monate als Premium-Mitglied auf chess24 zu erhalten, wenn du eine Mitgliedschaft über einen Monat (9,99€) abschließt und du den Code CHESSDAY benutzt.

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