Berichte 28.11.2017 | 08:34von Colin McGourty

Mamedyarov & Grischuk für das Kandidatenturnier qualifiziert

Shakhriyar Mamedyarov und Alexander Grischuk nehmen die beiden letzten Plätze beim Kandidatenturnier 2018 ein. Beim Grand Prix in Palma de Mallorca verpassten sowohl Maxime Vachier-Lagrave als auch Teimour Radjabov ihre Chance, die notwendigen Punkte zu sammeln. In einer dramatischen Schlussrunde ging MVL mit fliegenden Fahnen gegen Dmitry Jakovenko unter, während Radjabov in einer durchaus spielbaren Position völlig unerwartet Remis gegen Richard Rapport anbot. Mamedyarov und Grischuk zählen damit neben Aronian, Caruana, So, Kramnik, Ding Liren und Karjakin zu den Anwärtern auf den nächsten WM-Kampf gegen Magnus Carlsen.

Bei der Mannschafts-EM holte Mamedyarov einen wichtigen Sieg gegen Grischuk, nun sind sie beide beim Kandidatenturnier dabei |Foto: Niki Riga, ETCC Turnierseite

Diese acht Spieler sind nächstes Jahr beim Kandidatenturnier dabei, das vom 10.-28. März in Berlin stattfindet:

#SpielerFedNov RatingWeltranglisteQualifiziert durch
1Levon Aronian28012Weltcupsieger
2Fabiano Caruana27993Bester Elo-Schnitt 2017
3Shakhriyar Mamedyarov27994FIDE Grand Prix Sieger
4Wesley So27886Zweitbester Elo-Schnitt 2017
5Vladimir Kramnik27877Freiplatz von Agon
6Alexander Grischuk27829Zweiter beim FIDE Grand Prix
7Ding Liren277411Zweiter beim Weltcup
8Sergey Karjakin276014Vize-Weltmeister

Der Sieger qualifiziert sich für einen zwölfrundigen WM-Kampf gegen Magnus Carlsen, der vermutlich im November 2018 in London stattfinden wird. 

Der Grund, warum es so lange mit einem verbindlichen Austragungsort dauert, wurde beim letzten FIDE-Kongress offenbar:

Mr Makropoulos merkte an, dass die endgültige Bekanntgabe des Austragungsorts der WM 2018 von der FIDE erst bestätigt wird, wenn die Finanzierung gesichert ist.

Die bekanntesten Namen, die beim Kandidatenturnier fehlen, sind Vishy Anand, Hikaru Nakamura und natürlich Maxime Vachier-Lagrave. Der Franzose scheiterte beim Weltcup erst im Armageddon an Levon Aronian, lag beim Elo-Schnitt auf Platz 4 hinter Caruana, So und Kramnik und musste dann seine letzten Hoffnungen am letzten Tag des FIDE Grand Prix begraben. Da Vladimir Kramnik bereits den Freiplatz erhalten hat, wird MVL frühestens beim WM-Kampf 2020 dabei sein. 

Werfen wir einen Blick auf sein dramatisches Scheitern in Palma de Mallorca:

Die letzte Grand-Prix-Station

Shakhriyar Mamedyarov und Alexander Grischuk lagen beim Grand Prix vor dem letzten Turnier in Führung, mussten aber nach bereits drei absolvierten Turnieren tatenlos zusehen, ob Maxime Vachier-Lagrave und Teimour Radjabov sie noch überholten. Vor allem für den Zweitplatzierten Grischuk war dies ein Nervenspiel, da er darauf angewiesen war, dass beide scheiterten. Als seine Teilnahme feststand, meinte er gegenüber RSport:

Ich hatte Glück, dass heute weder Vachier-Lagrave noch Radjabov ihre Partie gewannen. Vor dem Turnier schätzte ich meine Chancen auf knapp unter 50 Prozent ein, und ich wusste erst, dass ich qualifiziert bin, als Radjabov Remis anbot. Es ist sehr schön, dass meine Teilnahme an drei Grand-Prix-Turnieren nicht umsonst war, aber mein Erfolg macht mich keineswegs euphorisch.

Alle Partien des FIDE Grand Prix in Palma de Mallorca könnt ihr mit Klick auf das Ergebnis bzw. die Runde nachspielen:

Maxime Vachier-Lagrave startate mit einem Sieg gegen Boris Gelfand gut ins Turnier, spielte dann aber siebenmal in Folge remis. Das bedeutete, dass er in der letzten Runde auf jeden Fall gewinnen musste. 

Dmitry Jakovenko landete am Ende auf dem geteilten ersten Platz in Palma| Foto: Anastasia Karlovich, FIDE

MVL hatte Weiß, doch er musste gegen den schwer besiegbaren Russen Dmitry Jakovenko antreten. Die Eröffnung schien gut für den Franzosen zu verlaufen, doch als die Damen vom Brett verschwanden, wurde das Remis wahrscheinlicher. Dann reichte ein Fehler, damit der Traum platzte: 


Maxime hatte 29.Lc5 und anschließend 30.Sd2 geplant, spielte dann aber sofort 29.Sd2?! und übersah dabei, dass Schwarz mit 29…Sc3! den a-Bauern gewinnen konnte. Weiß kann nicht rechtzeitig ein Mattnetz aufbauen, doch da ein Remis gleich viel wert wie eine Niederlage war, riskierte MVL alles. Seine Figuren konnten den schwarzen König aber nicht erlegen und er ging mit fliegenden Fahnen unter.

Teimour Radjabov dagegen legte eine wahre Achterbahnfahrt hin. Er schlug Paco Vallejo in Runde 2, verlor anschließend gegen Nakamura in Runde 4 und Tomashevsky in Runde 6, und stellte zuletzt fest:

"Ich habe es wenigstens probiert!"

Noch war es nicht vorbei, denn nach zwei aufeinanderfolgenden Siegen gegen Li Chao und Gelfand war klar, dass er bei einem weiteren Sieg in der Schlussrunde unabhängig von den anderen Ergebnissen seinen Landsmann Shakhriyar Mamedyarov zum Kandidatenturnier begleiten würde. 

Emil Sutovsky schrieb auf Facebook, der einzige Grund für Radjabovs Remisangebot könne sein, dass er glaubte, ein halber Punkt würde zur Qualifikation reichen  | Foto: Anastasia Karlovich, FIDE

Weiß gegen Richard Rapport war eine vielversprechende Ausgangslage für den bitter notwendigen Sieg, doch nach 36.Kf3 endete die Partie abrupt mit einem Remisangebot:


Eine extrem merkwürdige Situation, da Weiß allen Grund hat, in dieser Stellung weiter auf Gewinn zu spielen. Vermutlich wäre die Partie dennoch remis ausgegangen, aber schon die kleinste Gewinnchance reichte aus, um weiterzuspielen. Das Rätsel bleibt vorerst ungelöst, da Radjabov direkt nach dem Ende der Partie den Spielsaal verließ.

"Ich habe Radjabovs Entscheidung nicht ganz verstanden, da er auf Gewinn spielen musste, um das einzige Ziel erreichen zu können, das man beim Grand Prix haben konnte. So etwas ist immer schwer, aber in diesem Fall ging es um alles oder nichts."

Anish Giri hatte einen schweren Stand| Foto: Anastasia Karlovich, FIDE

Für 16 der 18 Spieler ging es bei der letzten Grand-Prix-Station um nichts mehr, doch das führte nicht unbedingt zu attraktivem Schach. Die Remisquote war mit über 70 Prozent sehr hoch, doch es gab auch schöne Partien zu sehen. Ding Liren startete gegen Ernesto Inarkiev einen schönen Angriff und Levon Aronian zerlegte sehenswert Anish Giri27.d6! war ein schöner Schlusszug:


Dies war Levon Aronians zweiter und letzter Sieg, und durch ein hart erkämpftes Remis in der Schlussrunde gegen Nakamura landete er gemeinsam mit Dmitry Jakovenko auf dem Siegertreppchen. 

Aronian & Jakovenko teilten den Sieg | Foto: Anastasia Karlovich, FIDE

Hier der Endstand des Turniers:

Rk.SNo NameFEDRtgPts. TB1  TB2  TB3 Rprtg+/-
110GMJakovenko DmitryRUS27215,50,52,02748282312,7
21GMAronian LevonARM28015,50,52,0274228212,6
38GMRadjabov TeimourAZE27415,00,03,0272327642,6
415GMRapport RichardHUN26925,00,02,0272027628,3
514GMTomashevsky EvgenyRUS27025,00,01,02755279110,8
63GMNakamura HikaruUSA27805,00,01,0274927921,2
75GMSvidler PeterRUS27635,00,01,0274527822,1
84GMDing LirenCHN27745,00,01,027292771-0,7
99GMHarikrishna P.IND27385,00,01,0272827673,2
1016GMInarkiev ErnestoRUS26834,50,02,0274027346,2
112GMVachier-Lagrave MaximeFRA27964,50,01,027412741-6,8
1212GMEljanov PavelUKR27074,50,01,0272927242,2
137GMLi Chao BCHN27414,01,51,027002656-10,2
1413GMVallejo Pons FranciscoESP27054,01,01,027272679-2,8
156GMGiri AnishNED27624,00,51,027392693-8,3
1617GMRiazantsev AlexanderRUS26513,50,00,027252640-1,5
1711GMGelfand BorisISR27193,00,51,027032580-16,7
1818GMHammer Jon LudvigNOR26293,00,50,027122586-4,9

Schon am Freitag geht es bei den London Chess Classic mit Weltklasseschach weiter. Das letzte Turnier der Grand Chess Tour 2017 findet in der Firmenzentrale von Google statt:

Davor werden Levon, Magnus Carlsen und ein gewisser Garry Kasparov am Donnerstag noch den Pro-Biz Cup bestreiten!    

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