Berichte 29.01.2018 | 17:54von Colin McGourty

Magnus 6-facher Sieger in Wijk aan Zee: 13 Schlussfolgerungen

Magnus Carlsen ist der Sieger des 2018 Tata Steel Masters: mit 9/13 war er punktgleich mit Anish Giri und gewann dann den fälligen Blitz-Stichkampf 1.5:0.5. Mit seinem sechsten Sieg im A-Turnier in Wijk aan Zee erwarb er einen Rekord, den er zuvor mit dem fünffachen Sieger Vishy Anand teilte. Durch einen Sieg in der letzten Runde teilte Vladimir Kramnik den dritten Platz mit Shakhriyar Mamedyarov. In der Challenger-Gruppe gewann Vidit und qualifizierte sich so für die 2019 Masters. Er remisierte gegen Jorden van Foreest, Anton Korobov musste so gewinnen und verlor letztendlich. Wir haben 13 Schlussfolgerungen zum Turnier.   

Magnus Carlsen, 6-facher Sieger in Wijk aan Zee | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Betrachte alle Partien des 2018 Tata Steel Masters im Viewer. Ein Klick auf ein Ergebnis öffnet die Partie mit Computeranalyse, mit der Maus über einen Spielernamen fahren zeigt all seine/ihre Ergebnisse:

Ohne weitere Vorrede zu den Schlussfolgerungen!

1. Magnus ist wirklich wieder da

Magnus begann den Tag mit einem Remis gegen seinen WM-Herausforderer Sergey Karjakin | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Es ist eigentlich absurd, bei einem Spieler der immer Weltranglistenerster und Weltmeister blieb von einer "Krise" zu reden. Aber Magnus Carlsen verlor 2016 beinahe seinen Weltmeistertitel und sein letzter Sieg in einem Rundenturnier mit klassischer Bedenkzeit war Bilbao 2016. 2017 brauchten andere zeitweise noch einen oder zwei Siege, um Carlsen von Platz eins in der Weltrangliste - den er seit Juli 2011 ununterbrochen einnimmt - zu verdrängen. Magnus selbst beklagte sich über seine Form, vor allem nach seinem vorletzten Platz bei Altibox Norway Chess 2017. Damals verdutzte er die Schachwelt mit dem Kommentar "Ich kann zwar noch Schach spielen, aber ich bin mir nicht so sicher ob ich auch Partien gewinnen kann".

Seither gab es Hoffnungsschimmer: er dominierte im Schnell- und Blitzschach bei der Grand Chess Tour, gewann das Isle of Man Open mit klassischer Bedenkzeit und glänzte am Ende des Jahres bei der WM im Schnell- und Blitzschach. Aber er konnte kein Rundenturnier mit klassischer Bedenkzeit (mehr) gewinnen...bis nun!

‌Krönung des Siegers im Masters, Gratulation an Magnus!!

Und es war nicht einfach so ein Turniersieg, sondern ein historischer Meilenstein - nun ist er mit sechs Erfolgen alleiniger Rekordsieger in Wijk aan Zee:

Das ist offensichtlich für mich besonders. Dies ist eines der Topturniere, nicht nur momentan sondern aller Zeiten. Daher ist mein Rekord hier, vor allem nach meiner längeren Schwächeperiode, einfach grossartig (‌amazing).

Ungeschlagene +5 in Wijk aan Zee enthielten was zuvor sein tägliches Brot, aber zuletzt selten war - brilliante technische Leistungen, bei denen er gegen Wesley So und Maxim Matlakov Mini-Vorteile in Endspielen mit ungleichfarbigen Läufern verwertete. Sein fast einziger ernsthafter Fehler war ein echter - ein Figureneinsteller gegen Gawain Jones – aber danach zeigte er sein Talent, spielte perfekt und konnte die Partie mit etwas gegnerischer Hilfe gar noch gewinnen.

Mit einer Eloleistung von 2885 gewann er 9 Punkte und liegt nun wieder knapp 30 Punkte vor Nummer 2 Mamedyarov und gut 40 Punkte vor Nummer 3 Kramnik.

Alles ändert sich an der Spitze - bis auf ein Platz! | Quelle: 2700chess

Im WM-Jahr ist die Frage, wer der weltweit beste Schachspieler ist, eindeutig geklärt. Die wohl besten männlichen und weiblichen Spieler aller Zeiten meldeten sich:

2. Giri hatte seinen ersten Superturnier-Triumph verdient

Ein fast perfektes Turnier für Anish Giri |Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Es ist allerdings schade, dass die Einführung von Stichkämpfen in Wijk aan Zee Anish Giris ersten Sieg in einem traditionellen Superturnier verhinderte. Es wäre doppelt bemerkenswert, da im eigenen Land. Er liess Witze über Remisen mit - wie Magnus - fünf Siegen verstummen, zwei davon waren gegen die gefährlichen und formstarken Vladimir Kramnik und Shakhriyar Mamedyarov. Er gewann 24,7 Elopunkte und ist wieder da angekommen, wo er hingehört: top10. Lob dafür (auch) von Magnus:

Ich gratuliere ihm zu einem wunderbaren Turnier. Er spielte so gut wie alle anderen. Er war kaum jemals in Gefahr, und wenn dann hat er sich sehr gut verteidigt. Er spielte wunderbar und hätte den Sieg ebenfalls verdient.

Nachdem Carlsen in der letzten Runde gegen Karjakin Remis spielte, konnte Anish mit einem Sieg gegen Wei Yi das Turnier alleine gewinnen. In Magnus' Worten:

Wenn Anish gewinnt, gut gemacht! Man kann +6 nicht immer überbieten!

Auch wenn Giri am Ende mit Schwarz gegen Wei Yi etwas besser stand, sah er keine Gewinnchancen mit beiderseits noch vier Bauern am selben Flügel - daher Remis in 21 Zügen. 

Es ist schwer, Wei Yi mit Schwarz zu besiegen, aber ein Stichkampf-Sieg gegen Carlsen ist vielleicht noch schwieriger | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Damit ein Stichkampf, und seit Life of Brian hat kein zum Tode geweihter sein Schicksal mit besserer Laune angegangen:

Wenn ich gewinne, werde ich wohl auf Twitter etwas unglaublich freches schreiben, und davor hat er sicher grosse Angst! Aber meine Chancen sind offensichtlich nicht sehr gut. Er spielt Tag und Nacht Blitz, ich bereite mich stattdessen vor...es ist zu spät. Ich hätte mich mein ganzes Leben lang vorbereiten sollen. Stattdessen habe ich an meinem Schach gearbeitet, er hat sich auf Stichkämpfe vorbereitet, nun kann ich das nicht mehr ändern!

3. Stichkämpfe sind keine Lotterie

Es gibt wohl viele Argumente gegen die Einführung von Stichkämpfen in Wijk aan Zee, zwei Blitzpartien sollten vielleicht nicht ein Turnier mit zuvor 13 langen Runden entscheiden. Historisch gesehen hob Vishy Anand hervor, dass er in Wijk aan Zee dreimal den ersten Platz teilte und den Rekord daher Carlsen gibt - egal wie der Stichkampf endet. Magnus akzeptierte beide Systeme, sofern mathematische Tiebreaks keine Rolle spielen (wie offenbar demnächst wieder im Kandidatenturnier):

Ich bin nur kein Fan davon, Turniere ohne Stickampf mit irgendeinem Tiebreak-System abseits des Bretts zu entscheiden. Den Sieg teilen ist aus meiner Sicht OK, ein Stichkampf auch - zwar ein anderes Format aber doch Entscheidung am Brett. Das sollte Vorrang haben, und ich spiele gerne Schach, also gefallen mir Stichkämpfe, na klar! 

Der grösste Gegner von Stichkämpfen war Vladimir Kramnik, sein Kommentar zu Anish and Magnus “für mich sind beide Turniersieger”. Aber Kramniks andere These "es ist eine reine Lotterie" ist kaum nachvollziehbar. Giri bezeichnete Carlsen zu Recht als klaren Favoriten - kein Zufall, dass der Weltranglistenerste seit über zehn Jahren alle Stichkämpfe gewann und im Schnell- und Blitzschach immer vorne mitmischt.

Beginn der ersten Stichkampf-Partie | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Die erste Stichkampf-Partie war typisch Magnus - aus einem leichten Endspielvorteil wurde ein voller Punkt, unklar dabei wo genau sein Gegner Fehler machte. Magnus kritisierte seine Bedenkzeit-Einteilung, aber seine Zeit wurde nie knapp und nach der längsten Denkpause von 45 Sekunden spielte er einen guten Zug, 40.Lc5:


Wenn Schwarz die Läufer tauscht, ist das Bauernendspiel verloren. Nach 40…Kd7 verzichtete Carlsen zu Recht auf 41.Lxd6 (dieses Bauernendspiel ist remis!). Nach 41.h5! gewann er später einen Bauern. Giri gab auf, nachdem Weiss methodisch eine Stellung erreichte, in der Läufertausch unvermeidlich war.

Damit musste Giri mit Weiss gewinnen, um Armageddon zu erzwingen. Grosses Kompliment an ihn, dass er nahe daran war.


Hier spielte er 24.Dxf4! und opferte seinen Sf5. In einer praktischen Partie war es eine exzellente Entscheidung von Magnus, das Material mit 24...gxf5 25.gxf5 Dg7!? 26.fxe6 Txe6 sofort zurück zu geben: Schwarz hat nun einen Minusbauern aber gute Chancen auf Gegenspiel gegen den weissen König. So kam es, Giris Bedenkzeit wurde sehr knapp und er konnte sich nicht konsolidieren, die Schlusstellung ist für Weiss fast verloren:

Weiss hat vielleicht im Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern gewisse Remischancen, selbst gegen Magnus, aber da dies das Ergebnis des gesamten Turniers nicht ändern würde einigten sich die Spieler sofort auf Remis. Carlsen war der Sieger des 2018 Tata Steel Masters.

Du kannst die Stichkampf-Partien (und die gesamte Show des letzten Tages) hier anschauen:

4. Tweet more, win more

Wir erwähnten in einem früheren Bericht, wie Anish Giri seinen Vorsatz “tweet less, win more” für 2017 aufgab, aber es hat ihm keinesfalls geschadet. Die beiden Spieler, die auf sozialen Medien am aktivsten sind, hatten die besten Ergebnisse. Hoffentlich bewegt das weitere Topspieler dazu, sich mehr auf sozialen Medien zu zeigen und generell mehr trash-talk and banter zu bieten. Es bereichert derlei brutal anstrengende Spitzenturniere!


Ein Tweet in Serie ohne fragwürdige Witze und Anspielungen: Danke an alle für Eure Unterstützung, grossartiges Ergebnis bei Tata Steel Chess, Riesen-Erfolg für mein Team, meine Fans und mich selbst! Besonderer Dank an meinen Sponsor Optiver Europe.

Aber wie lange würde das anhalten? 

Und wenn es im Schach nicht funktionieren sollte...

5. Die Kandidaten hinterlassen einen guten Eindruck, ausser Fabi

Konditionell ist das 13-rundige Tata Steel Masters hervorragend geeignet zur Aufwärm-Vorbereitung auf das 14-rundige Kandidatenturnier. Aber vorher war unklar, welchen Einfluss der bevorstehende Kampf zur Ermittlung von Carlsens nächstem Herausforderer haben würde. Einige Spieler würden vielleicht Energie konservieren und ihre Eröffnungsvorbereitung verstecken. Genau das machten womöglich Sergey Karjakin und Wesley So, die im Turnier weitgehend unscheinbar blieben.

Der 12. Weltmeister Anatoly Karpov beurteilt die Chancen seines Landsmanns | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Beide konnten am Ende sehr zufrieden sein. Wesley gewann, mit manchmal etwas Glück, vier Partien und erzielte nur aufgrund einer harten Niederlage gegen den Weltmeister nicht mehr als +3. Sergey blieb derweil neben Carlsen und Giri als einziger ungeschlagen, und besiegte mit Vladimir Kramnik und Fabiano Caruana zwei Rivalen im Kandidatenturnier.

Shakhriyar Mamedyarovs exotische Eröffnungen, vor allem anfangs, dienten vielleicht dazu, Vorbereitung zu verstecken. Aber es funktionierte wunderbar, mit anfangs 5.5/7 war er nicht nur ein potentieller Turniersieger sondern konnte auch von Platz eins in der Weltrangliste träumen. Shak verglich es mit seinem allerersten Auftritt in der Topgruppe in Wijk aan Zee: “Damals erzielte ich 4,5 Punkte in 13 Partien, nun 4,5 Punkte in 6 Partien!”

Durch eine Niederlage gegen Anish Giri kam etwas Sand ins Getriebe, und Mamedyarovs allgemeiner Ruf litt vielleicht darunter, dass er Gegner Gawain Jones die Verantwortung für ihr Remis in 12 Zügen in der vorletzten Runde zuschob. Aber sein schachlicher Ruf verbesserte sich erneut. Mamedyarov konsolidierte seinen Platz 2 in der Weltrangliste und ist damit im Kandidatenturnier zumindest auf dem Papier Favorit.

Seine Hochzeit mit Narmin hat Mamedyarovs Schach keinesfalls geschadet | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Wie alle anderen Teilnemer will Vladimir Kramnik beim Kandidatenturnier zu Hochform auflaufen, hier sagte er “da ich noch keine Topform zeigen sollte habe ich wohl recht gut gespielt”. Er verlor zwei Partien aber gewann sechs, mehr als alle anderen. Im Alter von 42 Jahren hat er sich als aggressivster Weltklassespieler neu erfunden. Herausragend seine Siege gegen Anand und Caruana. Das Elorennen ins Kandidatenturnier hatte er letztendlich verloren und brauchte einen Freiplatz, aber nun ist er wieder Nummer 3 der Weltrangliste vor Caruana und So.

Fabiano Caruana hat dagegen offensichtlich noch Hausaufgaben vor dem Kandidatenturnier. Mit Schwarz verlor er vier Partien und gewann nur gegen Hou Yifan (in dieser Partie rechnete er vorübergehend damit, mattgesetzt zu werden), mit Weiss konnte er nie gewinnen. Für niemand käme es überraschend, wenn Fabi im Kandidatenturnier wieder völlig erholt ist. Aber diese Erfahrung will er sicher schnell vergessen, vor allem seine Niederlagen gegen drei Kandidatenturnier-Teilnehmer.

Schach bzw. Caissa hatte in Wijk aan Zee unterschiedliche Pläne für Caruana und Giri | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Ein interessantes Detail ist, dass zumindest Mamedyarov und Kramnik kurz vor dem Kandidatenturnier offenbar beim Tal Memorial Schnellturnier in Moskau mitspielen. Shak sagte dabei “Ich will einfach Schach spielen und mich nicht nur zu Hause auf das Kandidatenturnier vorbereiten.” Er sagte, dass es nicht das Turnier seines Lebens sein, dabei wäre es das natürlich im Falle eines Sieges!

6. Vishy kann es immer noch

Vishy Anand klang nicht wie ein 48-jähriger, als er im Stil eines Teenagers fasste er sein Turnier so zusammenfasste:

Nun, meh! Es ist weder schlecht...+3 ist kein schlechtes Ergebnis, aber da fast jeder +3 oder mehr hat auch nicht gerade beeindruckend.

Nach vier Siegen und einer schmerzlichen Niederlage mit Weiss gegen seinen lebenslangen Rivalen Vladimir Kramnik teilte Vishy Platz 5 mit So. Vielleicht war er etwas enttäuscht, dass er sein Anfangstempo nicht durchhalten konnte - neben zwei Siegen in vier Partien auch das sehr hübsche Ende von Anand-Caruana:

7. Zwei Hälften im Turnier

Der Endstand ist sauber halbiert: die ersten 7 alle mit Eloleistungen über 2800 und Elo-Zugewinn. Dann eine Lücke von 1,5 Punkten zum von Peter Svidler angeführten Rest - da verloren bis auf Gawain Jones alle Elopunkte.


Die russische Delegation endete in beiden Hälften - Svidler und Maxim Matlakov hatten weder furchtbare Turniere noch wirklich Grund zu Zufriedenheit:

8. Die Zeit wird knapp für Wei Yi

Vor dem Turnier spekulierten wir, ob Wei Yis Karriere wieder so weitergeht wie früher - er hatte 2700 eher als Magnus geknackt. Stattdessen erscheint es nun fast unmöglich, dass er 2800 im selben Alter wie der Weltmeister erreicht. Er hatte ein enttäuschendes Turnier. Der junge Chinese konnte nur Gawain Jones besiegen und verlor dreimal, in vielen Partien war seine Bedenkzeit-Einteilung fragwürdig.

Wesley So und Wei Yi analyieren ihre Partie| Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Am offensichtlichsten war es gegen Wesley So: Wei Yi hatte im entscheidenden Moment noch etwa eine Minute Rest-Bedenkzeit. Er verpasste den Gewinn, den er mit mehr Zeit wohl gefunden hätte, und verlor gar noch. Nun ist der 19-jährige Jan-Krzysztof Duda nahe an Platz eins in der Junioren-Weltrangliste.

9. Gawain war ein beherzter Aussenseiter

Letztes Jahr war Adhiban die Überraschung der Masters-Gruppe. Gawain erreichte derlei schwindelerregende Höhen nicht, aber verkaufte seine Haut als Elo-Aussenseiter teuer. Mit Schwarz blieb er bei seinem aggressiven Repertoire, mit Weiss spielte er intelligent - die Stars mussten etwas riskieren um auf Gewinn zu spielen. Mamedyarov sollte die Schuld bei sich selbst suchen, dass er in der vorletzten Runde auf diese Strategie nicht vorbereitet war.

Gawain besiegte Adhiban und wird nur eine Runde im Turnier bereuen...der verpasste Skalp von Weltmeister Magnus Carlsen nach dessen Figureneinsteller. Er verblieb nicht mit leeren Händen...

10. Wijk aan Zee ist hart

13 Runden und mehr als zwei Wochen an der niederländischen Nordseeküste im Winter können eine unglaubliche Tortur sein, wenn es nicht läuft, und mit Monstern an der Spitze des Teilnehmerfelds muss oft einer ins Gras beissen. Ivan Sokolov erzielte 2013 3/13, Baadur Jobava hatte 2015 dasselbe Ergebnis, Loek van Wely erzielte 2017 3.5/13, dieses Jahr musste Hou Yifan leiden. Die Nummer 1 der Damen-Weltrangliste erzielte zuvor mit 5.5, 5 and 5 respektable Ergebnisse, aber nun war 2.5/13 ein Minimum seit Timman 2003 (dessen vorletzter Auftritt in der A-Gruppe). Natürlich war sie mitunter nahe dran an mehr Punkten - "fast Remis" gegen Giri and Carlsen und ein möglicher Sieg gegen Caruana - aber wie bei Caruana kann man 25 verlorene Elopunkte kaum schönreden.

Auch Spieler mit schlechtem Turnier hatten immerhin interessante Momente | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Wenn man so will, hat Hou Yifan Adhiban "getröstet". Nach letztes Jahr 7.5/13 (4 Siege) und Platz drei erzielte er nun 3.5/13, blieb sieglos und wurde Vorletzter. Das Überraschungs-Element war nicht mehr vorhanden, und vielleicht war die letzte Runde die 'Krönung' seines Turniers. Kramnik sagte, dass der Rundenbeginn um 12:00 mittags für ihn "etwas zu früh" war und gab zu, dass er mehrfach ungenau spielte. Vladimir kämpfte nur um ein Remis, und dann kam der laut Karjakin Zug des Turniers....


“Er wurde einfach verrückt” war Vladimirs Beschreibung von Adhibans 35.Txa5?, Kramnik bekam danach einen "gratis halben Punkt".

11. Vidit ist ein würdiger Qualifikant für das 2019 Masters

Adhibans Chancen, dass er 2019 erneut eingeladen wird, sind wohl gering, aber mindestens ein indischer Grossmeister wird mitspielen: der bei den Challengers an eins gesetzte 23-jährige Vidit gewann und qualifizierte sich so für das stärkere Turnier. 

Vishy Anand war beeindruckt:

Ich dachte dass er sich auf sehr professionelle Weise für A qualifizierte, dazu meine Gratulation. Er hatte was, am Ende +5, und schien im gesamten Turnier komfortabel. 

Vidit teilte die Einschätzung seines Mentors, wobei er nach einem Remis in der Schlussrunde noch etwas schwitzen musste:

12. Aber wir werden Korobov vermissen

Anton Korobov stolpert ganz zum Schluss | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Der Ukrainer Anton Korobov würde wunderbar zum Topturnier passen, garantiert unterhaltsame Interviews und auch rein schachlich interessant. Alexander Grischuk benannte einmal Korobov als Spieler, der nach seiner Meinung einige Superturnier-Einladungen bekommen sollte. Die Schlusstabelle zeigt eine Lücke von einem Punkt:

Es war allerdings viel knapper, Anton verlor seine letzte Partie, nachdem er mit Schwarz extrem viel riskieren musste um auf Gewinn zu spielen. Mit einem Sieg gegen Dmitry Gordievsky hätte er eventuell den besseren Tiebreak (in dieser Gruppe kein Stichkampf), stattdessen kann er auf ein zweigeteiltes Turnier zurückblicken: nach anfangs 5.5/6 dann sieglose 2.5/7.

13. Die 80. Auflage war ein riesiger Erfolg

Wir konnten vom Jubiläum des Tata Steel Chess Festivals nicht mehr verlangen. Beim Teilnehmerfeld lief einem das Wasser im Mund zusamen, aber das führte nicht zu sehr vielen Remisen: an jedem Tag Entscheidungen, insgesamt etwa 40% aller Partien. Es gab einen Kampf bis zum Ende, bei maximalem Interesse da zwischen Weltmeister und Lokalmatador.

Die Livekommentatoren angeführt von Robin van Kampen und Eric Hansen machten ihre Sache sehr gut, ebenfalls die Interviewer Fiona Steil-Antoni und Tom Bottema sowie Turnierfotografin Alina l'Ami. Die Video-Produktion erfüllte wie immer höchste Ansprüche.

Erics Fliege speziell für den Stichkampf ist bereits unsterblich...

Die gute Nachricht ist, dass das Turnier 2019 (11.-27. Januar) wiederum stattfindet. Aber nun widmen wir uns dem Tradewise Gibraltar Masters, das auf die Zielgerade einbiegt!

Siehe auch:


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