chess24 19.03.2019 | 10:56von Colin McGourty

Magnus Carlsen glänzt beim ersten Geschwätzblitz

Magnus Carlsen hat gleich in seiner ersten Partie Geschwätzblitz gezeigt, wo es langgeht. Er rekurrierte auf eine elf Jahre alte Partie, zitierte sowohl Ex-Weltmeister Wilhelm Steinitz wie Meat Loaf, und gewann anschließend locker in 19 Zügen. In unserem Rückblick schauen wir uns die acht Partien, die er allesamt gewann, noch einmal an, und wenn Ihr wollt, könnt Ihr sie auch mit Computeranalyse nachspielen. Und wer die Show verpasst hat, muss sich keine Sorgen machen: Magnus wird in dieser Woche gleich zwei weitere Geschwätzblitz-Sessions absolvieren!


Bei uns habt ihr die Möglichkeit, etwas zu tun, was in kaum einem anderen Sport möglich wäre – den Weltmeister zum direkten Duell herausfordern! Schon bald ist Magnus Carlsen wieder schwer beschäftigt, wenn er ab dem 31. März beim Shamkir Chess auf Ding Liren, Giri, Mamedyarov, Anand, Grischuk & Co. trifft und sich dann ab dem 20. April bei den GRENKE Chess Classic mit Caruana, Anand, MVL, Aronian, Svidler & Co. misst. Davor tritt er aber noch auf chess24 an. Um eine Chance zu haben, gegen Magnus anzutreten, müsst ihr lediglich chess24 Premiummitglied werden und dann während einer der Shows Magnus herausfordern:

Ihr wisst nicht, was euch erwartet? Dann schaut euch den Rückblick seines ersten Geschwätzblitz an:

Geschwätzblitz mit Weltmeister Magnus Carlsen, Nr. 1

Hier könnt ihr euch die einstündige Show mit Magnus Carlsen noch einmal anschauen:

Obwohl Magnus schon früher auf chess24 geblitzt hat (unter anderem schlug er seinen Sekundanten Jan Gustafsson inkognito während eines 72-stündigen Bantherthon), hat er unter seinem Pseudonym MagzyBogues bislang erst vierzehn Partien gespielt – die sechs Matchpartien gegen Peter Svidler und seine erste Geschwätzblitz-Session. Dabei lief es nicht so schlecht!


Hier könnt ihr alle Partien noch einmal nachspielen:

Werfen wir einen kurzen Blick auf alle Partien:

1. MagzyBogues 1-0 ProselitoFritz69 | 3-Minutenpartie | im Video ab 01:17

Es ist normal, dass es zu Beginn eines Geschwätzblitz immer einige technische Schwierigkeiten gibt, und so war es auch hier. Carlsen musste wegen eines Problems mit der Webcam seinen Computer austauschen und hatte auch sonst einige Startschwierigkeiten, aber beim Schachspielen selbst lief dann alles glatt!

Nach 8 Zügen schob er seinen g-Bauern zwei Felder nach vorn:


Der erste Top-Spieler, der so gespielt hat, war Carlsens aktueller Trainer:

Dieser Zug, g4, ist nichts Tolles. Ein gewisser Peter Heine Nielsen, der damit bei der Schacholympiade in Dresden im Jahr 2008 eine Partie gewonnen hat, ich glaube gegen Veselin Georgiev, hat ihn populär gemacht…

Im Allgemeinen bin ich kein Freund von einer solchen, wie soll ich sagen, unerwünschten Brutalität. Normal glaube ich an das, was Steinitz gesagt hat, dass man angreifen soll, wenn man Vorteil hat. Ich schätze aber, dass es hier um gute Unterhaltung geht, also warum nicht!

Später meinte er:

Ich könnte 13.Lh6 spielen, aber das wäre allzu primitiv, daher mache ich das nicht, wie schon Meat Loaf einst meinte…

Später zog Magnus den Läufer doch nach h6, und das ist einer der seltenen Fälle, in denen man fragen kann, “was hätte Magnus stattdessen spielen sollen?”


Carlsen wollte sich zwischen zwei Zügen entscheiden, die ihm intuitiv korrekt erschienen  – 16.Lh6 oder 16.Lf4, doch es gab einen direkten Ausmacher: 16.Txd7! und Weiß gewinnt, egal wie Schwarz schlägt.

16.Lh6 gewann aber auch schnell, da Schwarz nicht mit 16…g6 die Qualität opferte, sondern nach 16…Se8? 17.Dxa8 Dxh2 18.Dh1 (“Einfach zum Spaß!” – Magnus) 18…Dxh1 19.Txh1 mit einem Turm weniger aufgab.

2. MagzyBogues 1:0 Galactic | 5-Minutenpartie | im Video ab 06:19

Magnus ist bekannt dafür, dass er online und auch in großen Blitzturnieren gern unerforschte Eröffnungen spielt, aber in dieser Session überließ er nichts dem Zufall. Noch einmal gab er ein wenig Wissen preis, als er eine seiner „Lieblingsvarianten“ spielte – eine Französisch-Variante mit 6.De2+:


Ich hatte diese Stellung gegen Caruana auf dem Brett – man kann sie auch im Russisch erreichen, wenn Weiß mit d3-d4 ein Tempo verliert wie ich gegen Caruana. Nachdem ich eine großartige Partie des armenischen Großmeisters Melkumyan gesehen hatte, habe ich die Variante selbst ausprobiert. Er gewann damit in der Türkischen Liga eine sehr schöne  Partie gegen Moiseenko, und danach wollte ich mein Glück auch mal damit versuchen.

Galactic spielte gut und hätte im Mittelspiel in Vorteil kommen können, geriet dann aber in einen vernichtenden Angriff. Man muss kein Weltmeister sein, um die letzte taktische Wendung zu sehen:


31.Te8+!

3. MagzyBogues 1:0 Aleksandar-K (Sieg auf Zeit) | 5-Minutenpartie | im Video ab 15:01

Es gehört zu den traurigen Wahrheiten des Internet-Schachs, dass einige Spieler sogar bei solchen Gelegenheiten betrügen, aber in diesem Fall hatte Aleksandar-Ks Fehlverhalten zumindest etwas Positives: Wir wurden Zeuge, wie die weltmeisterliche Endspieltechnik mit Stockfish mithalten kann! 

Die Partie begann mit den Zügen 1.Sf3 f5 2.d3, die Carlsen laut eigenen Angaben schon als 13-Jähriger gespielt hatte:

Als Kind habe ich mit dieser Variante gegen Dolmatov eine meiner besseren Partien gespielt – und eine Kurzpartie gewonnen.

Diese Partie haben sich auch Sopiko Guramishvili und Anna Rudolf in ihrer Videoserie über den jungen Magnus angesehen:

Nach 7 Zügen wurden die Damen getauscht, doch nach dem Bauernopfer 10…Sc6 wusste Magnus, dass die Partie hart werden würde:

Diese Kerle haben keinen Respekt. Da haben sie auch ganz schön Recht, man braucht sich vor mir nicht zu fürchten!

Recht schnell war klar, dass in diesem Fall hinter der Furchtlosigkeit eine gute Portion Silizium stand, doch beeindruckend war auch, wie Magnus die Partie danach fehlerlos zu Ende spielte. Nicht nur, dass er eine Art Festung errichtete – das reicht gegen Computer schon länger nicht mehr – sondern dass er mehrere Tricks fand, um in der Partie zu bleiben, und sogar selbst Druck aufbauen konnte. Hier ein Beispiel: 


31.c3! funktionierte wegen 31…Sxb3 32.h4!, wonach Weiß leicht besser stünde. Stattdessen spielte Schwarz die erste Wahl von Stockfish, 31…Sf5, und verlor nach 35 Zügen auf Zeit. Der US-Meister Sam Shankland erklärte kürzlich, warum Magnus ein Genie ist:

Wüsste ich, wie Magnus zu dem Genie wurde, das er heute ist, wäre vermutlich ich und nicht er Weltmeister. Er schaut einfach aufs Brett und weiß, welches die kritischen Züge sind – nicht unbedingt die besten, sondern die kritischen. Er erinnert an Fischer, wenn man ihm zuschaut. Ich habe eine Statistik gesehen, laut der er derjenige Top-Ten-Spieler ist, der am seltensten den Zug macht, den der Computer als besten empfiehlt… aber er macht fast immer einen Zug, der beim Computer unter den Top drei rangiert, was bedeutet, dass er aufgrund seines Stellungsgefühls fast nie einen ernsten Fehler begeht… 

Laut unserem System zog Magnus in dieser Partie in 54% der Fälle die erste Wahl des Computers (Schwarz 62%), doch 89% seiner Züge gehörten zu den Top drei (Schwarz 82%). Unnötig zu erwähnen, dass Aleksandar-K umgehend aus der Playzone entfernt wurde.

4. Roland 0-1 MagzyBogues | 5-Minutenpartie | im Video ab 24:33

Die erste Schwarzpartie von Magnus, in der sein Gegner dann auch den Anzugsvorteil ausnutzen wollte:

Ich muss zugeben, er spielt sehr mutig. Ich weiß nicht, wie gut er wirklich steht, aber sein Angriff hat durchaus seine Berechtigung!

Als der weiße König auf Wanderschaft ging, leitete Magnus aber mit 13…e6! den Gegenangriff ein. “Ich weiß nicht, ob das etwas taugt, aber zumindest werden wir ein wenig Spaß haben." Bald war es nur noch eine Frage der Zeit, bis Schwarz gewann, aber auch dann erwies sich der Weltmeister als Maximalist: 


Die Frage ist, ob ich mit Df2+ einfach gewinne oder auf Matt spiele? Ich will mattsetzen, oder? 

Einer der Reize des Geschwätzblitz ist, dass man in Echtzeit mitverfolgen kann, wie ein Weltklassespieler denkt. Magnus suchte das schnellste Matt: 19…Txf4+! 20.Sxf4, aber dann sah er nur 20…Se5+ und wandte sich von der Variante ab. Der Schlüsselzug wäre 20…Sh2+! 21.Ke3 Ld4# gewesen, doch stattdessen meinte er, “Sorry, Leute, ich bin faul!” als er sich für das Matt in fünf mit 19…Df2+ 20.Kxg4 Dxg2+ 21.Sg3 h5+ entschied, vor dessen Ausführung Weiß aufgab.

5. MagzyBogues 1-0 Zoltar | 5-Minutenpartie | im Video ab 31:32

Magnus besiegte seinen Gegner mit Elo 1290 in elf Zügen, ließ es sich aber nicht nehmen, einige Ratschläge loszuwerden:


Jetzt bettelt er um Lxh7, und ich lasse mich nicht zweimal bitten. Nach allem, was ich über Schach weiß, ist dieser Angriff durchschlagend. Wenn man früh e5 zulässt, muss man immer aufpassen, ob Lxh7 geht. Mit mehr Erfahrung wird dir das nicht mehr passieren.

Die Partie endete mit den Zügen 9.Lxh7+! Kxh7 10.Sg5+ Kg8 (“Auch hier weiß man, dass nur Kg6 gehen kann…”) 11.Dh5 Schwarz gab auf

6. MagzyBogues 1-0 Cicero28 | 5-Minutenpartie | im Video ab 34:35

Carlsens Erklärungen in der Eröffnung bezogen sich hier auf die Partie Jussupow-Speelman (Linares  1991):

An dieser Stelle lohnt es sich zu erwähnen, dass Artur Jussupow und Jan Gustafsson eine spannende Videoserie über den Weltmeister aufgenommen haben:

Magnus hat auch ein gutes Kurzzeitgedächtnis und bemerkte, dass sein Gegner im 4.Zug von seiner Wahl in einer gerade gespielten Partie abwich. 

Es ist recht witzig, dass wir jetzt die gleiche Stellung auf dem Brett haben wie vorher gegen Roland. Entweder hat Cicero die Partie nicht gesehen oder er hatte die Befürchtung, dass ich eine Verbesserung in petto habe, denn er hat nicht c5 gespielt, sondern Sf6 und 0-0, was natürlich auch völlig okay ist.

Die Partie blieb spannend, obwohl Magnus darauf hinwies, dass sein Gegner zu viel Zeit für die Vorbereitung des Durchbruchs b5 investierte, der taktisch schon früher gegangen wäre (z.B. 12…b5! und auf 13.axb5 axb5 14.Sxb5 geht 14…Lxd5!). In dieser Stellung schlug Magnus dann zu:


Er bezeichnete 17.Sf4! Se5 18.Sxh5! als “netten Angriff”, und nach 18…gxh5 brach die schwarze Stellung schnell zusammen. 18…b4 hätte bessere Verteidigungschancen geboten.

7. babyseal 0-1 MagzyBogues | 5-Minutenpartie | im Video ab 45:50

“Babyseal, das ist ein schöner Name”, meinte Magnus, bevor er den Sizilianischen Drachen auspackte und Weiß verschlang … allerdings griff Weiß nur einmal im 16.Zug fehl, wonach es rapide bergab ging.

8. Supermichi66 0-1 MagzyBogues | 5-Minutenpartie | im Video ab 51:14

Supergroßmeister, die auf der Suche nach neuen Eröffnungsideen gegen Magnus sind, bekamen nach 1.e4 c5 2.c3 einen Hinweis!

In der Alapin-Variante habe ich mich als Schwarzer noch nie wohl gefühlt..

Die Statistik scheint dies zu bestätigen, denn Ian Nepomniachtchi, Sergei Tiviakov und Vlad Tkachiev (im Blitz) haben den Weltmeister in dieser Variante schon besiegt, und auch der australische GM David Smerdon hatte Gewinnchancen, bevor die Partie 2016 bei der Schacholympiade in Baku remis endete. Dieses Mal hatte Magnus keine Probleme und meinte, “Ich habe einen Trick in petto, verrate ihn aber nicht…”, wonach er kurzfristig keine Skype-Verbindung mehr hatte…

Der Trick funktionierte trotzdem! Weiß hatte gerade zweimal auf e6 geschlagen:


15…Sd4! und nach 16.Txb6 (16.cxd4 Dxe6 ist noch schlechter für Weiß) 16…Sxc2 17.Lxc2 axb6 hatte Schwarz eine Qualität mehr. Ein weiterer Fehler beschleunigte das Ende, womit Magnus seine weiße Weste in der ersten Geschwätzblitz-Session wahrte. Am Ende meinte er, „Alle, die mich herausgefordert haben und nicht drankamen, bekommen eine weitere Chance!“ Und das schon bald!


Am Mittwoch und am Samstag tritt Magnus erneut gegen die Premium-Mitglieder von chess24 an: Los geht es um 18:00 Uhr, und so könnt ihr dabei sein: 

  1. Werdet Premium-Mitglied, falls ihr es noch nicht seid.
  2. Klickt die Show an: Geschwätzblitz mit Magnus Carlsen, 20. März, 18:00 Uhr
  3. Fahrt über den Usernamen MagzyBogues und klickt auf "Fordern!", wenn Magnus online ist. 
  4. Klickt auf “Challenge” (dann fordert ihr in zu einer 5-Minutenpartie heraus, was seine bevorzugte Wahl zu sein scheint).
  5. Danach heißt es warten, und ihr könnt euch in Ruhe die Show ansehen, bis ihr direkt am Brett landet, wenn ihr ausgewählt werdet!
  6. Viel Erfolg! 

Weitere Links:


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