Berichte 12.12.2014 | 14:29von Colin McGourty

London Classic 2: Kramnik zerstört den Königsinder

Vladimir Kramnik wird nachgesagt, selbst Garry Kasparov den Königsinder abgewöhnt zu haben. In Runde zwei der London Chess Classic war er wieder zerstörerisch gestimmt.Eine seltene und sehr gefährliche Idee drängte Hikaru Nakamura in die Defensive, bevor dieser mit zwei Ungenauigkeiten sein Schicksal besiegelte.
Andernbretts remisierte Geburtstagskind Vishy Anand in 17 Zügen gegen Fabiano Caruana, während Anish Giri mit guter Technik den vollen Punkt gegen Michael Adams holte und sich damit zu Kramnik an die Spitze gesellt.

Kramnik 1-0 Nakamura (Partie zum Nachspielen)

Wie soll ich denn so Königsindisch aufs Brett kriegen? Kramnik nannte 1.e4 "zu verpflichtend"! | Foto: Ray Morris-Hill

Kommen wir gleich zum Thema des Tages. Hikaru Nakamura hat einen hervorragenden Score gegen Magnus Carlsen Vladimir Kramnik (fünf Siege bei drei Niederlagen)  und die beiden haben sich diverse brutale Prügeleien zu unserer Unterhaltung geliefert.

Heute war es einseitig. Nakamura rannte in eine Idee, die Kramnik bereits seit über einem Jahr in der Schublade liegen hatte:

9.Be3 ist eine sehr seltene Idee, aber extrem gefährlich, besonders für eine Partie am Brett. Ich rechnete mir hier gegen jeden Gegner gute Siegchancen aus.

Schnell konnte selbste Red Bull nicht mehr helfen:


Großmeister Jan Gustafsson hat sich zum Erklären der Partie diesmal Verstärkung ins Studio eingeladen.

Ja, wir glauben auch, dass Jan sein Mikro absichtlich lauter gestellt hat.

Kramnik genoß es nach der Partie sichtlich, seine Gedanken über die Partie zu teilen (englisch):

Ein paar Zitate:

Ich habe wirklich jede Menge Partien gegen Königsindisch gewonnen, ohne falsche Bescheidenheit (grinst) Objektiv halte ich es für ungesund, aber es gibt jede Menge Tricks.Ich muss gestehe, dass ich mich immer freue, Königsindisch auf dem Brett zu sehen. Man kriegt seine Bauern nach e4, d4, c4. Ich kenne keine andere Eräffnung, in der einem das Zentrum kampflos überlassen wird. Strategisch steht Weiß immer besser, und mit einem strategischen Vorteil fühle ich mich wohl.

Hikara Nakamura versuchte derweil, sich auf die schönen Dinge zu konzentrieren...

Der Rest des Tagesgeschehens konnten mit dieser Partie nicht mithalten.

Anand 1/2 – 1/2 Caruana (Partie zum Nachspielen)

Vishy Anand feierte seinen 45. Geburtstag:

Leider wollte Jan kein Video zu dessen Partie machen. Dabei kannte er sich aus...

... und hatte bestimmt auch hiermit recht:

Wir anderen verfolgten die Partie währenddessen eher aus dem Blickwinkel von GM Daniel King, der darauf hinwies, dass Vishy's Stellung nicht nach Geburtstagsparty aussah:

Am Ende behielt Anand seine Serie, an seinem Geburtstag noch nie verloren zu haben. Obwohl die Partie nur 17 Züge dauerte, nahm sie durchaus Zeit in Anspruch, da die Spieler zusammen eine Stunde brauchten, sich zu der finalen Zugwiederholung durchzuringen. In der Nachbetrachtung erklären sie, warum - und zeigen ein paar spannende Varianten, die hinter den Kulissen blieben:

Giri 1-0 Adams (Partie zum Nachspielen)

Gestern hui, heute pfui | Foto: Ray Morris-Hill

Caissas Gunst ist vergänglich. Gestern führt Michael Adams das Turnier an und wird für seinen hart erkämpften Sieg gegen Caruana gelobt. Heute leidet er sieben Stunden, verliert und sieht seinen Gegner und Kramnik an sich vorbeiziehen.

Dies war natürlich Anish Giris Verdienst. Seine Eröffnungsvorbereitung war weniger glitzernd als Kramniks, aber ebenso effektiv. Wie er selbst erklärte, war es die halbe Miete, eine trickreiche Nebenvariante etwas besser zu kennen als sein Gegner. Bald ging es nur noch um die Frage, unter welchen Umständen Adams einen Bauern einbüßen werde und ob die entstehende Stellung Remischancen birgt. Giri identifizierte den Zeitnotzug 38…Ta1? als entscheidenden Fehler:


Nach dem überraschend kräftigen 39.Se8+ eroberte der Holländer einen zweiten Bauern und ließ sich die Wurst nicht mehr vom Teller nehmen.

Dies ist Anish Giri nach der Partie:

Nach zwei Runden liege also Kramnik und Giri in Front.  Muss nichts bedeuten, das kennen wir noch aus Katar.

Nr.NameFed.Rating123456ScoreTPR
1Kramnik, Vladimir2769  1 342977
2Giri, Anish2768 3  142953
3Adams, Michael2745 0 3 32799
4Anand, Viswanathan27931  1 22799
5Caruana, Fabiano2829  01 12576
6Nakamura, Hikaru277501   12576

Kramnik gewann die London Chess Classic 2011 und wurde zweimal Zweiter | Foto: Ray Morris-Hill

In Runde 3 kriegt Caruana zum ersten Mal Weiß und Kramnik zum ersten Mal Schwarz. Nakamura hat es mal wieder mit einem Exweltmeister zu tun.

Hikaru Nakamura-Vishy Anand
Mickey Adams-Vladimir Kramnik
Fabiano Caruana-Anish Giri

Los geht es um 16:00 Londoner  Zeit (17:00 CET), hier auf chess24 gibt es alle Züge und die offizielle Liveshow zu sehen.

Natürlich könnt ihr das Turnier auch auf unseren Apps verfolgen:

         

Siehe auch:


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