Berichte 11.12.2014 | 10:33von Colin McGourty

London Classic 1: Adams schlägt Caruana

"Ziemlich mühelos" scherzte Michael Adams über seinen Auftaktsieg bei den London Chess Classic gegen Fabiano Caruana, der 73 Züge und 6 Stunden dauerte. Diese Partie voller Zeitnot, Wechseln in der Bewertung und verpassten Chancen rettete uns vor einem eher ruhigen Tag 1.

Adams konnte seine Blitz-Form in der ersten Partie mit klassischer Bedenkzeit bewahren | Foto: Ray Morris-Hill

Hikaru Nakamura und Anish Giri wiederholten früh die Züge, während Vladimir Kramnik und Vishy Anand zwar eine auf den ersten Blick packende Partie spielten, dabei aber nie auf unbekanntes Terrain gelangten.

GM Jan Gustafsson analysiert die spannenderen Partien per Video.







Eröffnet wurde das Hauptturnier der London Chess Classic von niemand geringerem als dem Londoner Bürgermeister Boris Johnson.

Auch ein gewisser Garry Kasparov war im Gebäude, sodass die Spieler einiges an Konkurrenz im Buhlen um die Gunst der Zuschauer hatten.

Kasparovs Leserschaft wird auch täglich jünger| Foto: Ketevan Kantaria, Chess-News 

Der Beginn verlief eher ruhig. Als erstes vorbei war Hikaru Nakamura gegen Anish Giri, in der Anish von einem mysteriösen alten Bekannten namens 11.Te2 heimgesucht wurde, zuerst gesehen in Biel.


Giri gab an, "auf die harte Tour" gelernt zu haben, was dieser Zug soll.Diesmal war er vorbereitet und überraschte Nakamura mit seinem eigenen subtilen Turmzug auf der e-Linie, 14…Te6. Wenig später leitete er mit 18…Sxe3 Vereinfachungen ein:


Nakamura wählte 19.fxe3, zur Überraschung seines Gegners und der Kommentatoren. Dies handelt ihm einer Bauerninsel mehr ein als nötig war, die erhofften Angriffschancen auf der f-Linie materialisierten sich nicht und die Partie endete bald friedlich.

Zu diesem Zeitpunkt schien Kramnik – Anand die Partie zu sein, die es zu verfolgen galt:

Nachdem der Junge 1.d4 spielte, fragte Malcolm Pein nach: "Ein guter Zug für dich?" Kramnik: "Ein guter Zug, aber ich werde einen anderen machen!" Er wählte 1.c4 | Foto: Ray Morris-Hill

Es ist nicht zu leugnen, dass diese Partie Interesse erweckte, aber nicht unbedingt aus den zu erwartenden Gründen. Anish Giri gehörte zu den Skeptikern:

Ich hätte mir gewünscht, Kramnik hätte in Katar gegen mich auch etwas so harmloses gespielt. Es sieht aufregend aus, stand aber in bestimmt 50 Computerpartien schon auf dem Brett.

Er lag nicht weit daneben und Nigel Short wurde nicht müde, sich brutale und unverhältnissmäßige Strafen für Fernschachspieler zu überlegen. 

 Jan Gustafsson wurde von den Livekommentatoren Nigel, Danny King und Lawrence Trent häufig als Experte für diese variante erwähnt, also lassen wir ihn doch erzählen was passiert ist:

Nach der Partie packte Vishy aus, dass er diese Variante schon seit 2008 im Gepäck hat, als seine Sekundanten sie gegen einen gewissen Kramnik empfahlen:

Als ich die Stellung zum ersten Mal gesehen habe, wollte ich alles zurück nehmen und was anderes angucken, aber es gab viel Fernschach- und Computer Aktivität in diesem Bereich, die schwarzen Statistiken sind gut.

Als Kramnik hörte, dass die Endstellung bereits auf dem Brett stand, witzelte er, “Wenn dies in Computerpartien war, haben wir gut gespielt!"


Dann wurde er philosophisch:

Natürlich habe ich eine Computerschach Datenbank, um die 10 Millionen Partien, aber ich hab sie gerade weggeschmissen, es ist einfach Zeitverschwendung. Ich will nicht zu konservativ klingen, aber ich würde es bevorzugen, wenn es diese Partien nicht geben würde. Dies ist der Grund, warum die Leute heutzutage irgendwelche Nebenvarianten spielen, sie wollen diesem Dschungel entkommen. Computer töten das Schach nicht, aber sie machen uns das Leben schwerer. Computer sind der Grund, warum Leute 1.b3 spielen.

Anand konterte:

Ich würde stark empfehlen, dass jemand den Computer auf 1.b3 ansetzt!

Zum Glück wurden wir von der alten Diskussion über den Remistod des Schachs abgelenkt, in Adams-Caruana wurde es nach einer ruhigen spanischen Eröffnung plötzlich hochspannend:

Michael Adams zeigt seinem Boss (?) Magnus Carlsen schon einmal, wie es geht. | Foto: Ray Morris-Hill

Mickey Adams’ 21.c4!? öffnete die Büchse der Pandora, Caruana ließ sich mit 27…c4?! nicht lumpen, wonach er noch 4 Minuten für 13 Züge hatte. Und dabei gab er doch schnelleres Spiel als einen der Hauptgründe für seinen Erfolg in St.Louis an! Jan Gustafsson widmet sich zu nachtschlafender Stunde diesem Wechselbad der Gefühle

Hier die Schlusstellung nach langem Kampf:

Somit geht Adams nach vielen Irrungen und Wirrungen zunächst alleine in Führung!

Nr.NameFed.Rating123456ScoreTPR
1Adams, Michael2745     133564
2Anand, Viswanathan2793   ½  12769
3Nakamura, Hikaru2775    ½ 12768
4Kramnik, Vladimir2769 ½    12793
5Giri, Anish2768  ½   12775
6Caruana, Fabiano28290     02010

Nachleben lässt sich das ganze auf unserem Livestream Kanal, hier gibt es zum Aufwärmen die letzten 5 Stunden der Show:

In Runde 2 wird es für Caruana nicht leichter, er hat wieder Schwarz, diesmal gegen Anand. Kramnik-Nakamura ist ebenfalls eine Paarung, die im modernen Schach für enormes Blutvergießen gesorgt hat.

Vishy Anand-Fabiano Caruana 
Anish Giri-Mickey Adams 
Vladimir Kramnik-Hikaru Nakamura

Weiter geht's um 16:00 Londoner Zeit (17:00 CET), alle Spiele, alle Tore und die offizielle Liveshow gibt es bei uns auf chess24.

Natürlich gibt es die Show und die Partien auch in unseren kostenlosen Apps:

         

Siehe auch: 


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