Berichte 25.05.2020 | 13:07von Colin McGourty

Lindores Abbey Rapid Challenge Viertelfinale Tag 1: Doppeltes Armageddon

Hikaru Nakamura besiegte Levon Aronian im Armageddon im ersten ihrer drei Mini-Matches des Viertelfinales der Lindores Abbey Rapid Challenge. Danach gab er zu: „Ich weiß nicht, ob ich es verdient habe, dieses Match zu gewinnen“. Levon hatte die Führung gleich in der ersten Partie übernommen, indem er ein Endspiel gewann, das eigentlich ein Remis hätte sein sollen. Auch das andere Match ging ins Armageddon; hier verlor Ding Liren auf Zeit in einer gewonnen Position..


Hikaru Nakamura und Yu Yangyi gewannen im Armageddon am ersten Tag der Viertelfinale in den Lindores Abbey Rapid Challenge Viertelfinalen:


Hier alle Partien der Lindores Abbey Rapid Challenge. Klicke auf ein Ergebnis, um die Partie mit Computer-Analyse anzusehen:

Und hier die Live-Kommentierung mit Peter Leko, Tania Sachdev und Jan Gustafsson:

Für die Rückschau auf die Action des Tages sieh dir unsere Aftershow an mit GM Pascal Charbonneau:

Yu Yangyi edges close battle

China hätte drei Spieler im aktuellen Kandidatenturnier gehabt, wenn Yu Yangyi Ding Liren im World-Cup-Finale 2019 geschlagen hätte, da Ding dieses Spiel sicher hätte verlieren können und es aufgrund der höchsten Durchschnittsbewertung des Jahres dennoch in das Kandidatenturnier geschafft hätte. Verschwörungstheoretiker dachten, es würde Druck auf die Spieler geben, um dies zu erreichen, aber stattdessen gewann Ding Liren, und Yu Yangyi verpasste es.

Wir haben mehr Beweise für den Kampfgeist der chinesischen Spieler bei der Lindores Abbey Rapid Challenge gesehen, aber diesmal haben sie sich gegenseitig aufgehoben. Yu Yangyi baute im ersten Spiel mit Weiß einen scheinbar enormen Positionsvorteil auf, der jedoch letztendlich zu einem Remis führte. Nach zwei weiteren engen Spielen war es Ding Liren, der im vierten Spiel einen gefährlichen Vorteil hatte, aber es ging wieder friedlich zu Ende und wir hatten Armageddon. Ding hatte Schwarz, und nachdem sein Gegner im 20. Zug vom Weg abgekommen war, schien alles gut für ihn zu gehen:


e3 droht aufgrund der Fesselung entlang der d-Linie Material zu gewinnen, so dass Yu Yangyis 22.De1 eine schwierige Entscheidung war, die aus Verzweiflung geboren wurde. Nach 22…e3 23.Lc1 Lxf4 hatte Ding die Partie im Griff und ab Zug 29 hatte er bereits das 1-Minuten-Zeitdefizit beseitigt, mit dem er begonnen hatte.

Alles, was er brauchte, war ein Remis, um das Mini-Match zu gewinnen, aber seine Online-Blitzfähigkeiten ließen ihn letztendlich im Stich. Er hatte am Ende eine gewonnene Position aber keine Zeit mehr, während Yu noch 2,8 Sekunden auf der Uhr hatte.

Ein schwerer Verlust, aber zumindest ist noch nicht alles vorbei. Ding kann immer noch das Halbfinale erreichen, wenn er beide kommenden Mini-Matches gewinnt.

Nakamura übersteht einen schweren Start und gewinnt im Armageddon  

Hikaru Nakamura fasste den Matchverlauf später so zusammen:

Ich weiß nicht, ob ich es verdient habe, dieses Match zu gewinnen, aber ich habe immerhin einen Weg ins Armageddon gefunden, und dann war alles offen.

Es ist vielleicht keine Übertreibung zu sagen, dass wir allein in der ersten Partie von Nakamura-Aronian interessantere Schachinhalte erhalten haben als im gesamten rein chinesischen Match. Hikaru hatte erneut Schwarz und spielte das abgelehnte Damengambit, auf das er in seinen letzten Online-Zusammenstößen setzte:

Diesmal lief er in eine sehr interessante Idee von Levon, der 29.Lc7 Ld8?! 30.La5! spielte:


Der Trick hier ist, dass 30…Lxa5? 31.Dxa4 eine Figur gewinnt, wegen der Fesselung entlang der a-Linie. Hikaru gab natürlich keine Figur her, konnte die Idee aber nicht aufhalten, mit der Levon dann einen Bauern gewann. Hikaru kommentierte:

Im Grunde war ich nicht wach genug in der ersten Partie, und Levon hat einfach gute Züge gespielt. Ich habe wirklich alles übersehen … erst dachte ich, ich ziehe 29…Ld8 und stehe gut, und nach 20.La5 war es wirklich unangenehm, aber irgendwie ließ mich Levon vom Haken, und dann, denke ich, ging es mir gut in der Partie.

37.Sg6!? war einer der Hauptgründe, warum Hikaru „vom Haken“ kam:

Es sah aus, als könte Schwarz die Partie übernehmen, aber Levon passte auf. 46…Tf7 sah finster aus für Weiß:


47.Lb8 scheint der einzige Weg zu sein, den Läufer zu halten und den Springer auf f4 zu decken, aber dann hätte 47…Le3! ernsthafte Fragen gestellt. Stattdessen spielte Levon 47.Ke2!, sich auf den Trick verlassend, dass 47…Txc7 in 48.Se6! rennt, das den Läufer auf d4 gewinnt.

Ungefähr hier ließ Hikaru den Schild herunter, wie er später zugab:

Ich dachte, es sei unmöglich, dass ich die Partie verlieren könnte, hielt den Rest für risikofrei, aber da lag ich sehr falsch.

Stattdessen sah er sich gezwungen in ein Endspiel mit Turm gegen Turm plus Läufer zu gehen. Doch obwohl er überzeugt zu sein schien, merkte Peter Leko an, dass Selbstvertrauen nicht unbedingt hilft:

In der Praxis gewinnt die Seite mit mehr Material sehr oft, und Hikaru hatte das Gefühl, bereits in Schwierigkeiten zu sein, als er zuließ, dass sein König abgeschnitten wurde. Er war jedoch kurz vor dem Überleben. Ein Vorteil dabei, die Position online zu verteidigen, besteht darin, dass man nicht zählen muss. Nach 50 Zügen erklärt das System automatisch ein Remis, und als Hikaru den ersten objektiven Fehler machte, waren nur noch 13 Züge übrig:


113…Ka3 ist immer noch Remis, aber nach 113…Ka1 sagen die Tablebases ein Matt in 23 an. 

Bei perfekter Verteidigung wäre es vielleicht immer noch knapp gewesen, wenn Weiß hätte Material gewinnen können, bevor die 50-Züge-Regel in Kraft trat, aber Hikaru gab 5 Züge später auf, als er einen Turm aufgeben musste, um das Matt aufzuhalten.

Also spielte Hikaru Aufholjagd und hatte einige Chancen in der zweiten Partie, das er als das „wahrscheinlich das ruhigste“ und „die einzige gut gespielte Partie“ bezeichnete. Es war jedoch nicht ohne Zwischenfälle, als Levon das spielte, was möglicherweise eine Brillanz war, ein positionelles Qualitätsopfer in der Tradition Tigran Petrosians:

Oder war es ein Blunder? Hikaru kommentierte später:

Ich bin mir sehr sicher, dass er geblundert hat, aber er hat perfekt geblufft. Er verzog keine Miene und spielte weiter.

Levon verteidigte jedoch gut, und die Partie endete Remis. Auch in der dritten Partie sahen wir wieder Hikarus Abgelehntes Damengambit und eine Neuerung Levons: 11.Db1!? Hikaru versank hier für 4 Minuten in Nachdenken. Etwas später spielte Levon das Manöver des Tages:

Doch auch diese Partie endete mit einem Remis. Levon brauchte jetzt nur noch ein Remis, um das Mini-Match zu gewinnen, aber es sollte Hikarus Partie werden. Der sagte später: „Ich habe ihn mit der Zugfolge ein wenig ausgetrickst“, als er 12.h5 spielte.

Levon antwortete mit 12…Lg4 und hier fand Hikaru, dass er nichts zu verlieren habe, und er spielte 13.Tde1, obwohl es ihm selbst wie ein Bluff vorkam. Danach gab er zu, dass er dachte 13…Lxh5 sei für Schwarz möglich gewesen:


War es aber nicht, wegen 14.Lxh7! Kxh7 15.g4! - Hikaru war schockiert:

Ich habe das nicht einmal gesehen – es ist wirklich nicht mein Tag!

Stattdessen, nach 13…Dd7 14.h6, fand Nakamura, seine Stellung sei einfacher zu spielen, obwohl Levon Chancen auf Remis hatte, nachdem Hikaru einen Bauern geschlagen hatte. Als 29.c4! auf dem Brett war, war die Partie schon vorüber:

Wir gingen ins Armageddon, und eine Belohnung, die Hikaru für den ersten Platz in der Vorrunde bekam, war, dass er sich die Farbe aussuchen durfte. Er nahm Schwarz, bekam eine Minuten weniger auf der Uhr, aber die Möglichkeit, durch Remis zu gewinnen. Er erklärte:

Wenn ich die Chance habe, werde ich im Allgemeinen Schwarz gegen die meisten Leute wählen, es sei denn, ich habe große Probleme bei den Partien mit den schwarzen Steinen.

Er fand auch, dass das besonders für seine Partie gegen Levon galt, der nicht so oft im Internet Blitz spielt.

Es gab einen Schreckensmoment für Hikaru, als er  29…g6 spielte, was er als „einfach einen Blunder“ bezeichnete. Er erwartete nur 30.Ld3, wurde aber von 30.Lb5 überrascht. Der Moment war aber nur sehr kurz, denn er sah fast sofort, dass 30…De6! die Situation rettet:

Danach hatte Aronian einen leichten Vorteil, aber der war nie deutlich, und als er dem schwarzen d-Bauern erlaubte, das Brett herab zu laufen, waren die Chancen für ein glückliches Ende nur noch gering. Die Partie endete stattdessen eher plötzlich bei Zug 60: 60.Tc4? Te6+!

Der Turm kommt nach e1, und der d-Bauer wird zur Dame.

Das war ein schmerzhafter Verlust für Levon, aber der Silberstreif am Horizont ist, dass er noch im Turnier ist: Die KO-Begegnungen werden ja durch „Best of 3“ entschieden:


Er muss jetzt am Montag gewinnen, ansonsten gewinnt Hikaru das Match und einen freien Tag. Hier der weitere Plan für Viertelfinale:


Der Sieger aus Nakamura-Aronian wird gegen den Sieger aus Carlsen-So im Halbfinale antreten.

Siehe auch:


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