Berichte 25.05.2020 | 13:10von Colin McGourty

Lindores Abbey Rapid Challenge Viertelfinale Tag 2: Carlsen & Dubov siegen klar

Magnus Carlsen bezwang Wesley So klar mit 2,5:0,5, und Daniil Dubov fegte Sergey Karjakin sogar mit einem 3:0 vom Brett – das waren die Ergebnisse an einem kurzen Turniertag der Lindores Abbey Rapid Challenge. Dubovs Sieg fiel sehr überzeugend aus, während Magnus einräumte, dass er in Partie 2 das Glück ganz schön strapaziert habe. Zur Eröffnung meinte er, „Peter Svidler hätte in dieser Phase sicher daran gedacht, die Partie aufzugeben“. In der dritten Partie hätte So einen Sieg gebraucht, ließ sich aber schon nach 18 Zügen auf eine Zugwiederholung ein.

Was die Anzahl der Partien betrifft, hätte Tag 2 des Viertelfinals nicht schneller vorbei sein können:


Hier die Bilder von der englischen Live-Übertragung mit Peter Svidler, Jan Gustafsson und Lawrence Trent:

Die deutsche Live-Berichterstattung gibt es hier:


Und hier die englische Zusammenfassung mit Pascal Charbonneau und seiner Aftershow:

Beginnen wir mit dem rein russischen Duell:

Dubov 3:0 Karjakin

Bei Daniil Dubovs Partien können in der Eröffnung merkwürdige Dinge passieren, und seine Duelle mit Karjakin waren keine Ausnahme. In Partie 1 entschied er sich für eine seltene Variante, die Vidit schon ein paar Mal ausprobiert hat. Man kann aber davon ausgehen, dass die Topspieler mehr Theorie kennen, als dies in den bisherigen Partien zu sehen war:

"Ein merkwürdiges Endspiel bei Dubov-Karjakin."

"Giri: Das ist Theorie"

Dubov erklärte hinterher die Stellung, die nach der Aufgabe des Läufers für den Bauern f3 entstanden war:

Meine Freunde und ich haben über diese Stellung einige Diskussionen geführt, und ich war derjenige, der meinte, dass sie für Schwarz in einer praktischen Partie sehr riskant sei. Man hat eine Qualität weniger und ist im Prinzip auf der Suche nach einer studienartigen Verteidigung.

Dubov meinte weiter, in einer Turnierpartie wäre die Stellung für Schwarz womöglich in Ordnung, da er sich dann 30 Minuten Zeit nehmen könnte, um seine Probleme zu lösen. In diesem Fall jedoch konnte Karjakin zwar durch den Vormarsch des c-Bauern die Qualität zurückgewinnen, doch unterm Strich landete er so in einem verlorenen Springerendspiel, in dem die weißen Königsflügelbauern zu stark waren.    

"In manchen Stellungen findet sogar Karjakin keine Rettung mehr." 

Mit der Führung im Rücken hätten viele Spieler in Partie 2 als Schwarzer möglichst solide gespielt, nicht aber Dubov:

"Partie 2: typisch Dubov."

Hinterher erklärte er, dass seine Eröffnungswahl durchaus ihre Gründe hatte:

Ich will einfach zeigen, dass es viele interessante Pläne gibt. Wenn ich etwas spiele, glaube ich auch daran. Ich weiß, was Stockfish von der Philidor-Verteidigung hält, glaub mir, ich kann damit umgehen! Spiele ich so, bedeutet dies vermutlich, dass es noch einen anderen Computer gibt oder dass ich einige Ideen habe.

Es könnte auch sein, dass seine Wahl gegen diesen konkreten Gegner gut war. Sergey Karjakin ist ein großartiger Techniker, gilt aber als schwächer, wenn nach der Eröffnung nicht klar ist, was strategisch richtig ist. Peter Svidler hielt dies für eine clevere Matchstrategie:

„Svidler über Dubovs Strategie: "Er hat aus meiner Sicht richtig erkannt, wo er beim Schach besser als Karjakin ist, und daher sagt er sich einfach, das mache ich mit beiden Farben so. Ich lasse einfach in keiner Partie zu, dass du dich sicher fühlst.“

Weiß steht vermutlich eine Weile besser, aber die Stellung war unklar und erforderte, dass man nach Dubovs 19…Sf4! den richtigen Zug findet:


Das wäre 20.Sc5!! gewesen. Als Daniil den Zug gezeigt bekam, fragte er, was dann nach 20…Lxf5 passiert…

…aber dann gewinnt Weiß sogar nach 21.Dxc6! Lc8 22.Sb5! dank der Drohung Sxa7. “So zu verlieren wäre ziemlich überraschend gewesen!”, merkte er dazu an.

Stattdessen kam 20.Sd2 Lxf5 21.Dxc6 Lc8 und Karjakin überschritt die Zeit, wobei er mit 22.Lxb6! cxb6 23.gxf4 durchaus noch Chancen gehabt hätte:

„Sergey Karjakin verliert in schwieriger Stellung auf Zeit, womit Dubov im ersten Mini-Match 2:0 führt und nur noch ein Remis braucht.“

Später meinte Karjakin:

„Seltsames Match heute. In der zweiten Partie stimmte etwas mit der Uhr nicht, denn es gab keine Zeitgutschriften. In der dritten Partie verlor ich die Internetverbindung und dachte schon, dass ich verloren habe, doch der Schiedsrichter meinte, die Partie gehe weiter. Trotzdem spielte ich schlecht und hoffe, dass es beim nächsten Mal besser läuft.“

Erst am Ende stellte Karjakin also fest, was alle anderen übersehen hatten – dass es für beide Spieler keine Zeitgutschriften gab, obwohl er vor der Partie auf den richtigen Button geklickt hatte. Das übliche Verfahren in solchen Fällen ist, dass das Resultat Bestand hat, und so war es auch hier.

Dadurch brauchte Karjakin unbedingt einen Sieg und versuchte es mit dem für solche Situationen typischen Prinzip, mit d6 und g6 im Trüben zu fischen. Richtig gut stand er damit nie, aber zumindest sah die Stellung zeitweilig attraktiv aus: 


23…Txe3!? 24.fxe3 und mit dem demnächst auf e5 auftauchenden schwarzen Springer konnte Schwarz zumindest weiterkämpfen. Das dauerte sogar noch länger als erwartet, da Karjakins Internetverbindung abbrach und es lange brauchte, bis die Partie weiterging. Dubov frustrierte die lange Pause, und danach war er nicht mehr in der Stimmung, sich mit dem für das Weiterkommen ausreichenden Remis zufrieden zu geben!

Er ergriff die Chance mit 77.g4! hxg4 78.Lxg4!, was dem Weltmeister ein wenig übertrieben vorkam!

"Magnus über Dubovs Zug 78.Lxg4! Mit diesem Zug zeigt er mehr Talent, als die Stellung erfordert hätte."

Die Pointe zeigte sich nach Karjakins 78…Tb7, worauf Weiß 79.Txf7! Sxf7 80.Le6! spielen konnte und auf Gewinn stand. Wieder hätte Dubov das Remis mit Dauerschach absichern können, ließ sich den Sieg aber nicht entgehen. 

Carlsen 2,5:0,5 So

Das Match Carlsen-So war sogar noch schneller vorbei. In Partie 1 entschied sich Wesley So für die gleiche Eröffnung, mit der Ding Liren sich gegen Magnus beim Sinquefield Cup 2019 nur hauchdünn ins Remis gerettet hatte. So wich nach 12 Zügen ab, verfiel nach 17 Zügen in tiefes Nachdenken und stellte zwei Züge später die Partie ein:


19…Sc6! und Schwarz steht vermutlich gut, doch 19…Tc8? verliert einfach wegen 20.gxh6+ Kh8 21.Dxc8+! Lxc8 22.Txc8+ Kh7:


Laut Carlsen hoffte So vermutlich auf 23.Kf2?, wonach sich Schwarz mit 23…Dd2+ 24.Le2 Sc6! und Schlagen auf d4 retten kann. Nach 23.Sf3!, mit der Drohung Sg5+, stand Weiß aber auf Gewinn. Während der weiße König einen sicheren Hafen fand, wurde Schwarz mattgesetzt:

So brauchte dringend einen Sieg und kam diesem in der nächsten Partie sehr nah. Er spielte 4.d3 gegen Carlsens Spanier, und Magnus räumte ein: "In der Eröffnung habe ich mehrere fragwürdige Entscheidungen getroffen". Er verwies zu Recht auf 22…Tde8?, was er für sinnvoll hielt, um für späteres h4 einen Turm auf der h-Linie zu behalten, doch dann überraschte ihn So damit, dass er selbst h4 spielte:

"Peter hätte in dieser Phase sicher daran gedacht, die Partie aufzugeben" meinte Magnus nach der Partie

Schwarz hatte in komplizierter Stellung Probleme, und nach 32.Sf7 war die Lage kritisch:


Wie kann Schwarz alle weißen Drohungen parieren? Magnus rechnete aus, dass er mit 32…Dc7 33.Dxc7+ Kxc7 34.Sxh8 ins Endspiel gehen konnte, da er mit seinen Damenflügelbauern genug Gegenspiel bekommt, bis der weiße König den e-Bauern unterstützen kann. Und so kam es auch:

„Peter: "Magnus malt hier gerade ein wunderschönes Bild, aber wie macht er nach b4 Fortschritte?"
Jan: "Ein Maler kümmert sich nicht um Fortschritte, sondern er malt!"

Nach 43.d4 Kd6 44.Te5 war die Stellung vermutlich ausgeglichen, doch nach 44…a2 hätte Weiß mit 45.T5e3! in Vorteil kommen können. Diesen Zug sah Magnus erst, als er ihm gezeigt wurde:

‌„In der Partie habe ich schon Schlimmeres gesehen….“

Später gab er dann zu, dass er ziemlich schlecht gestanden hätte. In der Partie musste dann aber So aufpassen, und als er im 61. Zug seine Chance verpasste, setzte der schwarze f-Bauer zum Triumphmarsch an:


61.Tc5! droht Matt in einem mit Td8# und nach 61…Kd7 hat Weiß mit 62.Ta7+ Dauerschach. Nach 61.Td8+ Kc7 62.Tda8 f3! stand Schwarz aber auf Gewinn, und So gab wenige Züge später auf.

So hätte nun beide Partien und das Armageddon gewinnen müssen, doch stattdessen schickte er sich nach 18 Zügen ins Remis:

“Das war natürlich eine angenehme Überraschung,” meinte Magnus. Er vermutete, dass Wesley sich auf das nächste Match am Dienstag und die eventuelle Entscheidung am Mittwoch konzentrieren wollte:  „Soll er sich doch rehabilitieren!"

Nach den ersten vier Viertelfinalmatches sehen die Zwischenstände so aus:


Weitere Ausrutscher können sich Aronian, Ding Liren, Karjakin und So nicht mehr erlauben, sondern sie müssen das nächste Match gewinnen, um noch einen Stichkampf am Mittwoch zu erzwingen. Hier der komplette Spielplan:


Am Montag treffen wieder Aronian-Nakamura und Yu Yangyi-Ding Liren aufeinander, auf Englisch kommentieren werden dabei einmal mehr Peter Leko, Tania Sachdev und Jan Gustafsson! Den deutschen Livestream kommentieren erneut Niclas Huschenbeth und Makan Rafiee.  Los geht es wieder ab 16 Uhr auf chess24 (die Vorberichte beginnen wieder schon um 15:30 Uhr.

Siehe auch:


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