Berichte 21.05.2020 | 16:33von Colin McGourty

Lindores Abbey Rapid Challenge Tag 2: Magnus zweimal geschlagen, Nakamura & Karjakin führen

Schachweltmeister Magnus Carlsen beschrieb sein Spiel als „völlig inakzeptabel“, nachdem er eine gute Position verdarb und gegen Yu Yangyi in ein Mattnetz stolperte, bevor er an Tag 2 der Lindores Abbey Rapid Challenge von Jan-Krzysztof Duda umfassend ausgespielt wurde. Zwischendurch holte er sich einen Sieg gegen Wei Yi und sollte kurz vor der Qualifikation für das Viertelfinale stehen, aber es sind Hikaru Nakamura und Sergey Karjakin, die sich nach einem Sieg und jeweils 3 Remisen wirklich ausruhen können, um die Führung auf 5,5/8 zu halten.

Jan war überzeugt, dass Magnus versuchte, wie ein Löwe auszusehen, und zu Beginn der Partie Yu Yangyi-Carlsen machten die Züge den gleichen Eindruck.

Hier alle Partien der Lindores Abbey Rapid Challenge. Klicke auf ein Ergebnis, um die Partie mit Computer-Analyse anzusehen

Die Live-Kommentierung auf Englisch mit Peter Svidler, Tania Sachdev und Jan Gustafsson:

Die Live-Kommentierung mit Niclas Huschenbeth:


Pascal Charbonneau hat wieder eine Zusammenfassung mit den wichtigsten Momenten erstellt:

Ein schwerer Tag für den Weltmeister

Magnus Carlsen beendete den ersten Tag mit 3/4, nachdem er mit allen Topspieler gespielt hatte, die nicht Magnus heißen. Er konnte erwarten, dass die beiden letzten Tage der Vorrunde eine Chance für ein wenig Spaß sein würden. Während der ersten 18 Züge gegen Yu Yangyi in Runde 5 schien das der Fall zu sein:


Hier entschied sich der Weltmeister für 18…g5! 19.Le3!? g4! und war am Gewinnen, aber Yu Yangyi machte weiterhin gute Züge und schaffte es, zu überleben bis zu einem Endspiel, in dem seine beiden Türme plötzlich den Turm plus zwei Leichtfiguren mehr als ausglichen. 40…a3? war die Idee hinter Carlsens vorherigem Spiel, aber auch der Punkt ohne Wiederkehr!


41.Tg8+! Kf7 (41...Kh7 42.g6+! setzt bald matt) 42.Kf5!, und der König, der fünf Züge zuvor noch auf g1 stand, hatte sein Gegenüber gefangen. Die Partie endete mit 42…Sd7 43.g6+ Ke7 44.e5!, und Magnus gab auf mit Matt in 2 auf dem Brett:

Strategisch alles richtig gemacht, dann alles verpasst und wurde mattgesetzt. Auf zum nächsten, denke ich.

Magnus konnte sofort zurückkommen, nachdem er eine Wiederholung der Züge gegen den jungen chinesischen Star Wei Yi in einer Position abgelehnt hatte, in der objektiv der beste Zug darin bestanden hätte, das Remis anzunehmen. Es gab unterschiedliche Erklärungen für die Entscheidung, weiterzuspielen!

War die Ordnung im Universum wiederhergestellt? Nicht ganz, denn als nächster kam der 22-Jährige polnische Großmeister Jan-Krzysztof Duda. In unserem Portrait Dudas gibt es ein Zitat von Magnus:

Seine Partien sind immer interessant, da er nie auf Remis, sondern stets auf Sieg spielt!

Das tat Duda auch in dieser Partie, und warum auch nicht? Die Eröffnung lief sehr gut. Wichtiger als die Position war vielleicht die Situation auf den Uhren:

Hier tauschte Magnus die Damen nach 4 Minuten Nachdenken mit 16…Dd5!? 17.Dxd5 cxd5 18.f3 Te8, und Jan-Krzysztof pausierte hier für fast 4 Minuten weil er so viele großartige Optionen hatte:


Peter Leko erklärte, dass 19.b5 einfach positionell gewinnend aussieht, und in Blitz hätte man das vielleicht sofort gespielt, aber Duda konnte auch direkt einen Bauern gewinnen mit 19.Sb5 Te7 20.Lxf6, und das tat er dann auch. Peter fand, das sei Magnus vielleicht entgegengekommen, denn es gab ihm die Chance, mit La6 aktiver zu werden – andererseits ist ein Bauer ein Bauer!

Die Struktur auf dem Brett wurde im Laufe der Partie immer seltsamer …

… aber sie war immer besser für Duda und erstaunlicherweise gab Magnus zum zweiten Mal innerhalb von drei Partien auf, mit einem Matt in 2 auf dem Brett. Man kann sehen was es für Duda bedeutete, erstmals den Weltmeister zu schlagen!

Sein Sieg wurde im polnischen Fernsehen gezeigt, und der polnische Präsident selbst gratulierte ihm, der sagte, er sei noch stolzer, weil beide den gleichen Nachnamen tragen!

Das hieß, dass Magnus, der in der letzten Partie des Tages nur ein Remis gegen Wesley So erzielte, das Muster wiederholte, in dem er gut mit Weiß spielt, aber Mühe mit den schwarzen Steinen hat. Das haben wir bei ihm auch im Steinitz-Memorial gesehen und teilweise im Magnus Carlsen Invitational. Er war natürlich verärgert:

Andererseits: Er ist nicht alleine! Die Gesamtstatistik zeigt jetzt 21 Siege für Weiß und nur 5 für Schwarz. Nachdem er Magnus geschlagen hatte, verlor Yu Yangyi gegen Levon Aronian mit Schwarz, und genau das gleiche Schicksal suchte Duda heim. Es gelang ihm jedoch irgendwie, sich aus einer verlorenen Stellung zu winden, und Peter Leko kommentierte:

Das ist die junge Generation – die glauben noch an sich. Ich glaube nicht mehr …


Nakamura und Karjakin in Kontrolle

Magnus ist immer noch bei +1 und ein klarer Favorit dafür, in den besten 8 zu landen und sich für das Viertelfinale zu qualifizieren, aber nur für Hikaru Nakamura und Sergey Karjakin sieht das bisher sicher aus. Beide begannen den Tag in Führung, spielten dreimal Remis und gewannen einmal. Hikarus gewann gegen Levon Aronian, und wie der US Großmeister später erklärte, war er glücklich über den isolierten d-Bauern, denn er erwartete, dass das Levon dazu bringen würde, zu sehr nach vorne zu drücken. Der kritische Fehler war 35…c5?



Es sieht aus, als gewänne Schwarz den d-Bauern, aber Hikaru hatte das im letzten Zug vorbereitet und ließ die Falle jetzt zuschnappen mit 36.De4! Für Levon gab es nichts Besseres als 36…cxd4 und nach 37.Lxb5! Dd6 38.Db7 hatte sich die Situation umgekehrt: Schwarz hatte schwache Bauern, die ihn irgendwann die Partie kosteten.

Wesley So begann den Tag auch als Mitführender und erzielte drei Remisen, aber er endete nur auf dem gleichen Stand wie Magnus nach einem Patzer in Runde 6, und da bringt uns zum nächsten Thema:

Die Blunder des Tages

Wesleys Blunder war das Schlagen auf c3, das Daniil Dubov erlaubte 11.Td8+! zu spielen.

Hatte er übersehen, dass der Springer auf c6 gefesselt war? Vielleicht, aber Peter vermutete, dass Wesley vielleicht zu tief gerechnet hatte und darauf hoffte, den Turm zu fangen nach 11…Ke7 12.Txh8 Le5 zum Beispiel mit 13.Lxe5 Sxe5, und Sg6 im Anschluss. Aber 13.Lxc6! erhielt für Weiß die Extra-Qualität, und Dubov fuhr einen wichtigen Sieg ein

Andere Blunder waren schwerer zu erklären, zum Beispiel als Alexander Grischuk Ding Lirens Dame angriff mit 22…Sf6:


Nach 23.Dxc6 beispielsweise hat Weiß einfach einen Bauern mehr, aber nach 45 Sekunden Nachdenken spielte Ding Liren 23.Txd8?? und erlaubte 23…Sxe4. Er stolperte weiter mit 24.Txf8+ Lxf8 25.Sd4 Db6, ehe er aufgab, denn er hatte schlicht nur einen Turm für die Dame.

Falls Karma existiert, dann schlug es zurück auf Grischuk, denn in der letzten Runde des Tages spielte er den „raffinierten“ Zug 54.Th6?? statt einfach Dubovs Bauern auf h7 zu schlagen:


54…f2? könnte natürlich mit 55…Tf6+ beantwortet werden, aber Grischuk hatte 54…Txc3+! 55.Kxc3 f2 übersehen, und dann war es Zeit aufzugeben, denn der f-Bauer kann nicht mehr aufgehalten werden.

Manche dieser Fehler richteten Chaos in der Tabelle an, in der jetzt 10 Spieler entweder innerhalb oder nur einen Punkt entfernt von den Abstiegsplätzen sind:


Nur für Wei Yi sieht es fast aussichtslos aus. Er muss endlich eine Partie gewinnen und fängt am dritten Tag gegen Nakamura an. Aber alle anderen Spieler werden glauben, noch in den ersten 8 landen zu können, wenn sie gut spielen. Eine besondere Partie wird Firouzja-Carlsen in Runde 11 werden!


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