Berichte 06.08.2019 | 22:19von Colin McGourty

Levitov Chess Week 2: Nepo schnappt Vishy die Führung weg

Ian Nepomniachtchi besiegte Vishy Anand in der letzten Partie des zweiten Tages und übernahm damit im Schnellschachturnier die alleinige Führung, bevor es am Dienstag in die finalen beiden Runden geht. Zuvor hatte es den Anschein, als ob "Vishy so spielte wie zu seiner besten Zeit" (Svidler), da er drei Partien hintereinander gewann und dabei unter anderem Boris Gelfand und Vladimir Kramnik überspielte. Für Vladimir war es ein Tag zum Vergessen, denn der zurückgetretene Weltmeister verlor alle drei Partien.

Schach mit Ausblick im Waldorf Asturia Hotel in Amsterdam | Foto: Jan Gustafsson

Das Levitov Chess Week Turnier wird nicht live übertragen, da der Ausrichter Ilya Levitov ein bisschen der alten Atmosphäre aufleben lassen möchte, als die Schachwelt nicht sofort alles von den Spielern mitbekam. Aber alle Partien des Turniers kannst du hier nachspielen:

Der achtfache Russische Meister Peter Svidler führt uns durch die Höhepunkte des zweiten Tages:

Der zweite Tag war von unterschiedlichen Narrativen geprägt. Zu Beginn machte Vishy dort weiter, wo er in Paris aufgehört hatte und übernahm die Kontrolle. In der ersten Partie gegen Boris Gelfand kam ein Rossolimo-Sizilianer aufs Brett und Peter Svidler beschrieb die Partie als "aus theoretischer Sicht sehr wichtig". Die Partie an sich war dann eine totale positionelle Kontrolle, wobei solch eine Kontrolle oftmals auch nur mit taktischen Details zu rechtfertigen ist. Peter macht das an einem kritischen Moment deutlich. Nach Vishys 22.g3 hätte Boris gerne 22...Dh3? gespielt, wonach ...h4 droht und Schwarz besser stehen würde...


…doch Weiß verfügt über 23.Dxd5!! exd5 24.Sg5 und die Dame ist gefangen. Der Computer ist der Ansicht, Schwarz stünde nur leicht schlechter im Vergleich zu 22...De7, was in der Partie geschah. Dort war es keine Überraschung, dass Vishy die Partie in der Folge ohne größere Probleme für sich entscheiden konnte.

Da scheinen sich welche einig zu sein... | Foto: Jan Gustafsson/Boris Dolmatovsky

In der nächsten Runde besiegte Anand seinen alten Rivalen Vladimir Kramnik in einer Partie, die Svidler als "einen sehr schönen und lehrreichen Sieg" bezeichnete. Kramnik spielte den gleichen Aufbau im Italiener, den auch Grischuk zuvor in Paris nutzte und damit eine der besten Partien seiner Karriere gegen Fabiano Caruana spielte. Aber am Ende des Kramniks hatte ein Tempo weniger. Das nutzte Anand, um am Damenflügel die Initiative an sich zu reißen, wonach seine vom Springer und den Schwerfiguren unterstützten Freibauern nicht mehr aufzuhalten waren.


Vishy ging als alleiniger Führender mit einem halben Punkt auf Nepomniachtchi in die letzte Runde, doch der junge Russe sollte ihn besiegen und die Führung übernehmen. Und auch hier war Svidler der Meinung, dass wir etwas gesehen hatten, "was vom theoretischen Standpunkt her Einfluss nehmen könnte". Vishy wiederholte eine Variante, die er im Armageddon gegen Magnus Carlsen beim Norway Chess spielte, nur um dann im zehnten Zug direkt in eine Neuerung zu laufen. Was wie ein recht harmloser Zug aussah, entpuppte sich als sehr schwer für Schwarz zu spielen. Die Partie endete auf schöne Weise nach 33.Tb1! La8:


Hier verwies Peter auf eine alte Weisheit, dass "der größte Vorteil des Läuferpaars darin besteht, es für einen größeren Vorteil abtauschen zu können". Das gipfelte in 34.Lxf6! und Vishy gab auf, da 34…Txf6 35.Tb8 den schwarzen Läufer fängt.

Nepo war zuvor in Schlagdistanz, weil er seine erste Partie des Tages gewonnen hatte, obwohl er sich in der für ihn typischen Konstellation widerfand, gegen Vladimir Kramnik ausgangs der Eröffnung mit Bauern weniger und nicht vorhandener Kompensation dazustehen. Doch Peter erklärte, dass "Ian ein sehr, sehr ressourcenreicher Spieler ist, der jede kleine taktische Idee sofort erblickt." Die erste schöne Taktik sahen wir dann nach 22…Lxe5! 23.dxe5 f6!


Der Trick liegt darin, dass 24.exd6? mit 24...Dxe3+ 25.Kh1 Txh2+! 26.Kxh2 Th8 mit Matt im nächsten Zug beantwortet wird.

Kramnik ist und bleibt ein Gigant! | Foto: Jan Gustafsson

Vladimir stand trotzdem nach 24.Dc3 immer noch besser, aber der Druck war unnachgiebig, bis dann plötzlich mit 34…c3! ein unerwarteter Blitz auf dem Brett einschlug:


Der ehemalige Weltmeister dachte sechs Minuten lang nach, aber die Messe ist bereits gelewesen. Nach 35.Txc3 Td1+ 36.Kf2 Dd8! gab es für den weißen König kein Entkommen, da er sich schnell in einem Mattnetz wiederfand.

Bei noch zwei verbleibenden Runden sieht die Tabelle so aus:


Nepomniachtchi hat noch Schwarz gegen Giri und Weiß gegen Bareev. Die Partien werden wie bereits zuvor nicht live übertragen, aber wir werden sie hier hinzufügen, sobald sie verfügbar sein werden.

Weitere Links:


Sortieren nach Datum (absteigend) Datum (absteigend) Datum (aufsteigend) meiste Likes Benachrichtigung bei neuen Kommentaren

Kommentare 1

Guest
Guest 7332178948
 
chess24 beitreten
  • Kostenlos, Schnell & Einfach

  • Sei der Erste, der kommentiert!

Registrieren
oder

registriere dich und leg los!

Ich bin älter als 16 Jahre.

Mit einem Klick auf 'Registrieren' stimmst du unseren Nutzungsbedingungen zu und bestätigst, dass du unsere Datenschutzrichtlinie und den Abschnitt über die Verwendung von Cookies gelesen hast.

Lost your password? We'll send you a link to reset it!

Nach der Übermittlung deiner E-Mail-Adresse erhältst du von uns eine E-Mail mit einem Link zum Zurücksetzen des Passworts. Wenn du dann weiterhin nicht auf deinen Account zugreifen kannst, melde dich bitte beim Kundendienst.

Welche Funktionen möchtest Du aktivieren?

Wir respektieren Deine Privatsphäre und Datenschutzbestimmungen. Einige Komponenten erfordern das Speichern von personenbezogen Daten in Cookies oder dem lokalen Speicher.

Show Options

Hide Options