Berichte 01.07.2017 | 10:53von Colin McGourty

Leuven GCT, Tag 3: Wesley So ist Schnellschachkönig

Wesley So gewann gegen Levon Aronian, spielte zwei weitere Male remis und gewann damit den Schnellschach-Abschnitt der Your Next Move Grand Chess Tour in Leuven. Maxime Vachier-Lagrave wurde Zweiter, nachdem er noch irgendwie eine Partie gewann, die wegen eines brillanten Zuges Anands in Erinnerung bleiben geblieben wäre. Obwohl er sich danach von Magnus Carlsen remis trennte und Baadur Jobava besiegte, meinte ein deprimierter Vishy anschließend: "Es hat keinen Sinn, so Schach zu spielen." Magnus liegt nach drei Punkteteilungen am Freitag drei Punkte zurück. Giri machte dasselbe und gestattete Baadur Jobava dadurch, die schwindelerregenden Höhen von 1 aus 18 zu erreichen.

Wesley So blickte nach dem Sieg über Magnus Carlsen am ersten Tag niemals zurück | Foto: Lennart Ootes

Bei der Grand Chess Tour in Leuven sahen wir am Freitag zum ersten Mal mehr Remisen als entschiedene Partien, aber es war trotzdem nicht weniger spannend. Ihr könnt alle Partien mit dem Selektor unterhalb nachspielen - klickt auf ein Ergebnis, um die Partie mit Computeranalyse zu sehen, oder bewegt den Mauszeiger über einen Spielernamen, um dessen bisherige Ergebnisse einzublenden

Radio Jan erzählt, wie es wirklich ist, und konzentriert sich dabei auf Magnus Griffin, Wesley Spock und den Franzosen!

Es gibt keinen Ausweg, ihr müsst es euch ansehen, oder ihr versteht nicht, worüber sie sprechen 

@RadioJan: Ich entbinde dich hiermit von deinen vertraglichen Verpflichtungen!

@Vachier_Lagrave: Du kannst mich nicht feuern, ich kündige!

Wesley So gewinnt den Schnellschach-Abschnitt mühelos

Wesley hatte wie schon am zweiten Tag einen etwas unsicheren Beginn, als er den thematischen positionellen Zug 19. ... c4? spielte:


Das hatte den kleinen Nachteil, dass 20. Dxc4! einfach einen Bauern einstellt, aber Ian Nepomniachtchi nahm das Angebot nicht an und hatte nach 20. Sd4? bald selbst einen Bauern weniger. Für keinen der Spieler entstand jedoch großer Schaden, da diese ereignisreiche Partie durch Dauerschach beendet wurde.

Levon Aronian hatte eine schwierige Partie gegen Wesley, glich das gegen MVL aber wieder aus | Foto: Lennart Ootes

Wesley spielte in der zweiten Runde des Tages aber wieder mit Stil und zeigte gegen Levon Aronian gutes Urteilsvermögen und Einfallsreichtum:


Hier opferte er seine Dame - eine Idee, die er schon vor vielen Zügen gesehen haben musste: 46. Dxa1! Dxa1 47. Txe6. Er zeigte danach, warum seine aus Turm, Läufer und Bauern bestehende Armee der schwarzen Dame mehr als nur ebenbürtig war.

Nachdem niemand Druck auf Wesley ausübte, war er mit einem Remis nach 33 Zügen gegen Vassily Ivanchuk in einer noch immer unausgeglichenen Stellung zufrieden. Er beendete den Schnellschach-Abschnitt mit ungeschlagenen +5:


MVL: “Ich kämpfe weiter, weil wir das so machen”

Die Geschichte der ersten Runde am Freitag schien einfach ein sensationeller Zug von Vishy Anand zu sein. MVL spielte sein geliebtes Najdorf-Sizilianisch und hat soeben das komplizierte 20. ... Lg5 gezogen:


Das einfache 21. h5 ist gut für Weiß, aber Vishys 21. Lb5!! war viel dramatischer! Die weißen Türme sind mit einem Mal verbunden, und was immer Schwarz auch macht, Weiß hat großen Vorteil. Maxime spielte das traurige 21. ... Lf4 22. Lxd7+ Kxd7 und wusste, dass er auf Verlust stand. Er erklärte jedoch nach der Partie, dass seine Strategie lautete, einfach weiterzurechnen und jene Stellungen zu finden, in denen er zumindest keinen klaren Gewinnzug für Vishy entdeckte. Das funktionierte besser als er sich erwarten hätte können, allerdings ließ er eine Chance ungenutzt, um einen brillanten Zug nach 34. Sc4? mit einem brillanten Zug zu beantworten:


34. ... Dh8!! ist ein wunderschöner Gewinnzug. Es ist nicht nur, dass 35. Txh8? abrupt zu Matt führt (35. ... Tg1+ 36. Kc2 Tc1#) - der Turm kommt nirgendwo zur Ruhe: Td1 - Dh5, Tf1 - Dh3, Te1 - Dh4, und die schwarzen Figuren stehen bereit, Jagd auf den weißen König zu machen.

Wer weiß, wo die Spieler Inspiration finden... | Foto: Lennart Ootes

Maxime hatte nach Gegenspiel gesucht, gab jedoch zu, dass "diese Idee mir nicht in den Sinn gekommen ist". Er spielte 34. ... Sxe4, wonach Vishy wieder die Initiative übernahm. Maxime kämpfte aber wie in der Partie gegen Vladimir Kramnik weiter und wurde dieses Mal mit mehr als einem Remis belohnt. Vishy hatte den Vorteil mit nur zwei Zügen aus der Hand gegeben:


47. Db6? ließ den Turm auf h7 ungedeckt (47. Da7! war am besten, aber man versteht MVLs Pointe, dass es hier keinen klaren Gewinnzug gibt), und nach 47. ... Dg8! setzte Vishy seine Idee mit 48. Df2+ weiter um. Nach 48. ... Kg4 stellte sich jedoch heraus, dass Schwarz nach der folgenden taktischen Zugfolge einfach eine Qualität mehr hatte. Maxime gewann diese Partie schließlich noch, die genug beinhaltet, um einen ganzen Tag auszufüllen (die wir hier nicht entsprechend würdigen können).

Auch Vishy musste lächeln | Foto: Lennart Ootes

Das war die Inspiration für Maxime in seiner nächsten Partie, als er in einer wilden Partie gegen Ian Nepomniachtchi mit 39. e7! durchbrechen konnte:


Nepo antwortete mit 39. ... Dxe7 und gab damit den Springer auf f4 preis, da auf 39. ... Lxe7 40. Sf5! folgt, was den Läufer auf e7 angreift und Matt auf g7 droht. Beide Drohungen lassen sich durch das Wegziehen mit dem Läufer abwehren, aber dann folgt im nächsten Zug verheerend 41. Te7+!.

Maxime hätte mit einem Sieg in seiner letzten Schnellschachpartie gegen Levon Aronian noch zu Wesley aufschließen können, aber trotz absolut heldenhafter Gegenwehr nach einem Qualitätsverlust im 23. Zug war das Glück nicht mehr auf seiner Seite: er gab nach 88 Zügen auf. Somit liegt er mit zwei Punkten Rückstand auf So ungeteilt auf dem zweiten Platz:


Magnus Carlsens (ziemlich) ruhiger Tag

Magnus hat endlich wieder die Kontrolle übernommen... über seine Haare | Foto: Lennart Ootes

Wie ihr seht, liegt Magnus Carlsen nach drei abschließenden Punkteteilungen im Schnellschach vor den 18 Runden Blitzschach drei Punkte zurück. Man könnte sagen, er sei von der ersten Runde angesteckt worden, als er sich unentschieden von Anish Giri trennte. In der letzten Runde gab es ein ereignisarmes Remis gegen seinen Freund Ian Nepomniachtchi, doch dazwischen gab es einen weiteren absolut spannenden Krimi mit Co-Star Vishy Anand. Der ehemalige Weltmeister beschloss, hier mit 21. ... g6 die große Frage zu stellen:


Magnus' Antwort lautete, den Springer mit 22. e4! zu opfern, und nach 22. ... gxh5 23. exf5 tat Vishy es ihm gleich und antwortete mit 23. ... e4 24. Lxe4 Txe4!, und danach brach die Hölle los:   

Ihr wollt das sehen, glaubt mir.

Carlsen opfert eine Figur wie eine Bestie, während Anand ein brillantes Gegenopfer einfällt, mit dem er Linien und Diagonalen geschlossen hält.

Die Brille wurde abgenommen... | Foto: Lennart Ootes

Magnus stand zu einem Zeitpunkt fast auf Gewinn, hatte allerdings - nicht zum ersten Mal bei der Grand Chess Tour 2017 - nur noch wenig Zeit übrig und erlaubte Vishy, in seine Stellung einzudringen und zwei Figuren für einen Turm zu gewinnen:


Diese Stellung ist vielleicht für Schwarz gewonnen, aber Carlsen zog mit seinem König, dem g-Bauern und dem Turm genug Gegenspiel auf, um die Partie ausgeglichen zu halten.

Jobavas großer Moment

Vladimir Kramnik kann man mit heftigen Opferangriffen nicht so leicht erschrecken... | Foto: Lennart Ootes

An den meisten anderen Geschichten des Tages war Baadur Jobava beteiligt. Seine Mission lautete einfach, im Schnellschach 0 aus 18 zu vermeiden; gegen einen Vladimir Kramnik in glänzender Form gelang aber kein perfekter Start:


Kramnik hat soeben seine Dame gegen die zwei weißen Türme getauscht und greift den Läufer auf b1 an, aber Jobava spielte mit 33. f5! korrekt gegen den König. Was folgte waren wundervolle Berechnungen von Vladimir, der zehn Züge lang der Versuchung widerstand, den b1-Läufer zu schlagen. Im elften Zug scheint Baadur auf Zeit verloren zu haben:


Es war ein guter Moment, um auf Zeit zu verlieren - Schwarz ist es endlich gelungen, die sieben Züge früher aufgestellte Mattdrohung auf h7 abzuwehren, wonach der Rest nur noch Aufräumarbeiten sind.

Vassily Ivanchuk spielte zweimal remis und verlor gegen Kramnik | Foto: Lennart Ootes

Kramniks zweiter Sieg war ebenfalls beeindruckend, da es ihm gelang, seinen Gegner Vassily Ivanchuk trotz eines ins Stocken geratenen Königsangriffs und wenig Bedenkzeit am Ende noch übers Ohr zu hauen:


49. a4! war der Gewinnzug, da Weiß nur seinem König etwas Luft verschaffen muss, um ein Dauerschach mit Dg1+ und Dd4+ zu verhindern. Vassily gab nach 49. ... bxa3 50. a7 a2+ 51. Ka1 auf.

In der letzten Runde spielte Kramik gegen Giri remis und steht damit vor dem Blitzschach-Abschnitt bei 50%, was uns wieder zurück zu Jobava führt! Nach sieben Niederlagen traf er auf Anish Giri, und einmal mehr war es ihm gelungen, mit Weiß nach zehn Zügen schlechter zu stehen. 

Baadur wusste, dass sein Moment gekommen war... | Foto: Lennart Ootes

Dieses Mal waren die Götter jedoch auf seiner Seite, und nach 84 Zügen, in denen Anish ein kniffliges Damenendspiel zu gewinnen versuchte, hatte er es geschafft! Baadur hatte gepunktet:


Jobava sagte zu Maurice, er habe von den Veranstaltern Champagner erwartet, doch stattdessen musste er noch die letzte Partie gegen Vishy Anand bestreiten. Baadur verlor wieder, und dieses Ergebnis war einfach eine zu gute Gelegenheit, um großmeisterlich zu trollen - selbst Anish hielt sich nicht an seinen Beschluss, mehr zu gewinnen und weniger zu twittern!

Wie"ironisch" von @anishgiri, Jobavas perfektes Turnier zu ruinieren! :)

@GMHikaru Ich habe genau dasselbe gedacht. Wenigstens wissen wir jetzt was passiert, wenn Feuer auf Eis trifft. :)

(Der Bezug zu "ironisch" wird klar, wenn ihr das Ende von Jobava - Das Gute, das Schlechte und das Hässliche lest)

@GMHikaru @anishgiri Das Punktesystem im Schnellschach muss für Anish sehr hart sein, ihr wisst, wie er es hasst, ganze Punkte zu gewinnen.

@ChrisBirdIA @GMHikaru Bird=>Word!

Dieser Letztrundensieg konnte Vishy nicht aufheitern, der dazu meinte: "gehört eben dazu, dieser Unsinn". Es ist richtig, dass er Baadur Auswege ermöglichte, aber es ist klar, dass sich die verpassten Siege gegen MVL und womöglich auch Magnus auf ihn auswirkten. Als Ashley versuchte, Vishys Spiel diplomatisch zu beschreiben, antwortete der große Champion:

Es ist nett, "einfach etwas daneben" zu sagen - ich dachte, ich werde einfach verrückt! ... Es hat keinen Sinn, so Schach zu spielen.

Hoffen wir, dass Vishy am Samstag beim Blitzschach wieder guter Dinge ist, da er trotz aller verpassten Gelegenheiten einige der Züge des Tages spielte!

Schreibt Vishy noch nicht ab! | Foto: Lennart Ootes

Wesley So meinte vor dem kommenden Blitzschach:

Ich bin wegen morgen sehr aufgeregt, weil ich in meiner Laufbahn nie wirklich ein Blitzschachturnier gewonnen habe. Meine Ergebnisse im Blitzschach sind unterdurchschnittlich.

Er wird versuchen, das zu ändern, aber ein anderer großer Champion - Garry Kasparov - tippte ebenfalls auf Magnus Carlsen und MVL. Ihr könnt das Interview mit Maurice Ashley sowie dem restlichen Tagesgeschehen unterhalb ansehen:

Ab Samstag geht es also mit Blitzschach weiter - chess24 überträgt ab 13:50 Uhr MEZ! Die ersten neun Runden werden am Samstag gespielt, die Rückrunde am Sonntag. 

Ihr könnt bei allen Partien auch über unsere kostenlosen Apps zusehen:

         

Weitere Links:


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