Berichte 14.06.2018 | 11:15von Colin McGourty

Leuven GCT, Tag 2: Wesley baut seine Führung aus

Wesley So überzeugt bei der Your Next Move Grand Chess Tour in Leuven weiterhin, im Stil von Magnus Carlsen. Auch am zweiten Tag konnte er as einziger Spieler zwei Partien gewinnen, damit hat er seine Führung auf den derzeit Zweiten Levon Aronian auf zwei Punkte ausgebaut. Fabiano Caruanas und Vishy Anands Hoffnungen auf ein Comeback nach Tag 1 erwiesen sich als vorübergehend, immerhin mussten auch Anish Giri und Alexander Grischuk leiden.

Gegen Wesley So spielen macht derzeit einfach Spass... | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Du kannst alle Partien der Your Next Move Grand Chess Tour im Viewer unten nachspielen:

Und hier der Livekommentar zu Tag 2:

Wieder ist "Sieger und Verlierer" das Leitmotiv:

Der bzw. die Sieger

Wesleys geheime Waffe? | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Wieder ist die Liste der Spieler, die mit ihrem zweiten Tag in Leuven komplett zufrieden sein können, kurz - nur ein Name: Wesley So. Er dankte wiederum "the Lord", und Hilfe von oben hatte er schon früh: gegen Anish Giri klappte alles nach 22…f5 (nicht wirklich ein Fehler, seine Stellung war bereits kritisch):


23.Nxa6! Wesley: “Ich dachte, das wird ein schöner Tag!”

Damit räumte er die c-Linie, wodurch auf 23…bxa6 24.d6! folgt und Schwarz kann diesen Bauern nicht nehmen. Nach dem Partiezug 23…Sf7 kam dennoch 24.d6!. Auch wenn Weiß "nur" einen Mehrbauern erhielt, war es eine Traumstellung - Wesley in seiner derzeitigen Form konnte diesen Vorteil sicher verwerten.

Giri war Wesleys erstes Opfer | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Die zweite Partie war nicht so einseitig, aber es war wirklich der Tag von Wesley So - er gewann dieses Bauernendspiel gegen Alexander Grischuk:


Es war allerdings bereits kompliziert, und vielleicht hätte Schwarz die Damen nicht abtauschen sollen. Nach 30…Kf7 31.Kf1 f5 32.gxf5 h5 33.Ke2 Kf6 34.Ke3?! (34.f4!) 34…Kxf5 war es für Weiß schon problematisch. Die Uhr war Grischuks Feind, und nachdem Wesley als Erster eine neue Dame bekam, konnte er die weissen Bauern einsammeln und die Partie gewinnen.

Levon Aronian hatte einen guten Tag mit u.a. einem überzeugenden Schwarzsieg gegen Anish Giri, und falsche Bescheidenheit kennt er nicht:

‌Aronian über seine Favoriten für den Sieg in Leuven: "Natürlich muss ich auch einen großartigen Spieler wie mich erwähnen".

Die Überschrift "Levon gewinnt in Leuven" wäre natürlich hübsch, und mit einem Sieg gegen Wesley in der letzten Partie des Tages konnte er zur Spitze aufschliessen. Das wusste So natürlich und verzichtete auf jegliches Risiko. Wie glatt das Turnier für ihn bisher lief, zeigt der einzige Moment, in dem er etwas in Gefahr schwebte:


Wesley sagte, dass er 17...La3! sah, sofort nachdem er 16.Lf4?! spielte. Danach müsste Weiß genau spielen, um das Gleichgewicht zu halten. #FirstWorldProblems, verglichen mit dem, was andere Spieler mitmachten! 

Aronian überzeugte bisher auch, aber So war effizienter | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour 

Interessanter war im Interview with Maurice Ashley als Wesley erklärte, dass er nur 15 Sekunden nach seinem fatalen 41…Rd3?? gegen Caruana in der letzten Runde von Norway Chess entdeckte, dass 41…Td2! “so viel stärker" war. Mit seinem Erfolg in Leuven kann er derlei Geister vertreiben.

Maxime Vachier-Lagrave ist vielleicht der andere Spieler, den man am ehesten als Sieger nennen kann, da auch für ihn alles lief. Er gab zu, dass er zu Beginn des Turniers "praktisch in jeder Partie um Remis bettelte". Es schien, als ob er nach dem zweiten Tag sechs Remisen auf seinem Konto haben würde, aber dann besiegte er Vishy Anand nach 46.a4:


MVL sagte, dass Vishy “einfach auf a4 schlagen musste”, und erwähnte auch das Engine-Urteil 0.00 nach 46…Rh4! Stattdessen spielte Anand nach fast vier Minuten 46…Kb8?! 47.a5 Th3? und der weisse König konnte mit 48.Kd6 vernichtend eindringen.

MVL und Nakamura spielten eine turbulente Partie | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Der andere Grund, um Maximes Spiel zu erwähnen, ist der vielleicht schönste Zug des Tages. In einer ereignisreichen Partie entstand diese Stellung:


Und hier entkorkte Maxime das Damenopfer 26…Te8!! ("Ich hatte praktisch keine Wahl" - MVL), worauf Hikaru Nakamura 8 Minuten nachdachte. Widerwillig und zu Recht stellte er fest, dass er nichts Besseres hatte als 27.Sxf5 Txe1+ 28.Df1, und nach 28…d2 war 29.Ne3 absolut der einzige Zug. Die Partie endete mit einer spektakulären Wiederholung:

‌Eine hübsche Schlusstellung, aber MVL ist der einzige Spieler, der nach wie vor alle Partien Remis spielen kann!

Der Computer und Livekommentator Evgeny Miroshnichenko dachten, dass Schwarz weiterspielen kann, aber objektiv gesehen würde es auch dann wohl Remis.

Verlierer

Es gab Hoffnungsschimmer für die Spieler, die nach dem ersten Tag Letzte waren. Fabiano Caruana begann mit einem überzeugenden Sieg gegen Hikaru Nakamura. 

Caruana gewann das US-Duell | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Er sagte “Ich wollte etwas besser spielen als gestern". Vishy Anand war in derselben Situation und erklärte “gestern habe ich beschlossen, so zu tun als ob das Turnier erst heute beginnt". Das schien zu funktionieren, nach einem Remis gegen Karjakin ein Sieg gegen… Caruana, bei dem der Ex-Weltmeister positionell glänzte und ein scheinbar harmloses Leichtfigurenendspiel gewann. Wir sahen allerdings bereits, dass der Tag für Vishy kein gutes Ende hatte, und Fabiano verlor danach nochmals.

Vishy und Fabi vor dem zweiten Turniertag | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Shakhriyar Mamedyarov war wieder der unternehmungslustige Spieler, den wir kannten und liebten bevor er zuletzt super-solide wurde. Ein Spieler in besserer Form hätte ihn vielleicht dafür bestraft, aber Fabiano machte in ihrer Partie den letzten Fehler. 48.Tf2? war einen Zug zuvor gut, aber nun nicht mehr!


48…Tf3 gewinnt, aber warum so spielen wenn 48…Txh2+! Matt in zwei ist! Caruana gab auf, ohne sich 49.Txh2 Df3+ 50.Tg2 Dxg2# zeigen zu lassen. Shaks Tag wäre übrigens genauso gut gewesen wie Wesleys, wenn er nicht mehrere Gewinnchancen gegen Sergey Karjakin verpasst hätte. Das war wohl die offensichtlichste und einfachste:


61.Rg7+, Turmtausch und mit dem König eindringen, und selbst der Verteidigungsminister wäre machtlos gewesen. Nach 61.Ke5 war dieser Moment vorbei, wobei Shak im Endspiel Turm und Läufer gegen Turm noch mehrfach gewinnen konnte.

Shak hatte gute Laune, aber am Ende lachte Karjakin | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Sergey bleibt ungeschlagen, jedenfalls im Schach…

‌Diesmal war Basketball nicht so erfolgreich. Ich denke, dass ein Schachspieler mich für eine meiner heutigen Remispartien bestrafen wollte.

Es gab weitere Verlierer. Wir sahen bereits die beiden Niederlagen von Anish Giri, die Wildcard hat damit bisher 3 Niederlagen und 1 Sieg. Alexander Grischuk verlor in Zeitnot gegen Wesley So und danach auch gegen Hikaru Nakamura, der sagte “die Moral der Geschichte ist, dass man nicht nur eine Minute haben kann wenn der Gegner noch 5 hat”.

Am Schachbrett zeigt er zwar noch keine Topform, aber Grischuk ist ein Traummotiv für Fotografen | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Grischuk kennt derlei in seiner gesamten Karriere, aber der Unterschied ist vielleicht, dass er Inkrement gewöhnt ist und damit sehr gut zurecht kommt. Hier gibt es kein Inkrement, nur delay - einmal Zeitnot, immer Zeitnot bis Partieende:


Grischuk konnte hier immer noch Remis halten, wenn er mit 39.Kd4 usw. zum schwarzen b-Bauern läuft, aber der Durchbruch 39.e6? scheiterte an 39…Txg4+ 40.Ke5 Tg5+ 41.Ke4 Td5!

Weiß kann Turmtausch nicht vermeiden, und dann sind die schwarzen Bauern unaufhaltsam.

Damit hat Hikaru als einziger Spieler 50%, und So 2 Punkte Vorsprung auf Aronian sowie 3 Punkte auf Karjakin, Mamedyarov und MVL:


Wiederum der Warnhinweis, dass noch viel passieren kann, alle Spieler können noch 24 Punkte einsammeln. Verpasse nicht den letzten Schnellschach-Tag ab 14:00 MESZ!

Siehe auch:


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