Berichte 13.06.2018 | 07:54von Colin McGourty

Leuven GCT, Tag 1: So mit glänzendem Start

“Er hat äußerst gut gespielt” war Nigel Shorts Urteil, nachdem Wesley So an Tag 1 der Your Next Move Grand Chess Tour in Leuven Fabiano Caruana und Shakhriyar Mamedyarov besiegt und die Führung übernommen hatte. Sos Auftritt erinnerte ans Vorjahr, wo er ebenfalls gut startete, sich am Ende aber mit Platz 2 hinter Magnus Carlsen begnügen musste. Der Weltmeister fehlt dieses Jahr, und außer So haben nach einem Tag der verpassten Chancen nur Sergey Karjakin und Levon Aronian eine positive Bilanz.

Wesley So, Levon Aronian und Maxime Vachier-Lagrave erweisen Fabiano Caruana ihren Respekt | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Gespielt wird auch dieses Jahr im geschichtsträchtigen Rathaus von Leuven | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Alle Partien könnt ihr wie immer mit einem Klick auf die Runde bzw. das Ergebnis nachspielen:

Und ihr könnt euch noch einmal die gesamte Live-Show mit Yasser Seirawan, Jovanka Houska und Cristian Chirila in St. Louis und Maurice Ashley in Leuven anschauen:

Gewinner und Verlierer

Wesley So spielte flüssiges und kraftvolles Schach | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Der klare Gewinner des ersten Turniertages der Grand Chess Tour 2018 war Wesley So. Zuletzt hatte der 24-Jährige beim Altibox Norway Chess seine Schlussrundenpartie verloren, als er zunächst seine Gewinnchancen verpasste und nach der Zeitkontrolle einfach Remis hätte machen müssen. Sein Gegner Fabiano Caruana wurde Erster und heimste den gesamten Ruhm ein, während So nach dem Sieg beim Eröffnungs-Blitz und seiner ersten gewonnenen Turnierpartie gegen Magnus Carlsen nur Fünfter wurde. Zum Glück musste er nicht lange auf die Revanche warten!


Wieder hatte er Schwarz gegen Fabiano, aber dieses Mal überspielte er seinen Gegner in einer technischen Stellung und führte seine Gewinnstellung glanzvoll zum Sieg. Hier die Schlussstellung nach 48…Txg4!


Ähnlich sah es gegen Shakhriyar Mamedyarov und Maxime Vachier-Lagrave aus, doch während Shak sich fast noch gerettet hätte, hätte sich MVL über eine Niederlage nicht beschweren können. 2,5 aus 3 sind daher ein gerechtes Zwischenergebnis für So. 

MVL holte drei Remis, obwohl er in allen Partien mehr oder weniger auf Verlust stand! | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour 

Wesley meinte hinterher:

Zuerst möchte ich dem Herrn dafür danken, dass er mir diesen ausgezeichneten Start an Tag 1 geschenkt hat. Schaut man auf die Paarungen, sieht man, dass ich zweimal Schwarz und Weiß gegen Shak hatte. Alle Gegner hatten eine höhere Elo, daher dachte ich, dass 50 Prozent ein gutes, vielleicht sogar großartiges Ergebnis gewesen wären, aber +2 ist natürlich noch viel besser!

Als die Rede darauf kam, dass So zum Schnellschach- und Blitzspezialisten geworden ist, stellte er fest, wie viel wichtiger die schnellen Disziplinen geworden sind:

Ich habe das Gefühl, dass Schnellschach und Blitz in Zukunft noch populärer werden, daher müssen sich die Spieler daran gewöhnen. Es dreht sich nicht mehr alles um die klassische Bedenkzeit! 

Nigel Short ist kein Fan davon, dass Wesley sich beim lieben Gott bedankt, aber er ist ein großer Bewunderer seines angeborenen Talents. Zu dessen Leistung meinte er:

Er hat äußerst gut gespielt. Seine Partien haben mich sehr beeindruckt; auch in der letzten Partie spielte er auf Gewinn, musste sich aber mit Remis begnügen. Er ist in ausgezeichneter Form... 

Nigel Short und Malcolm Pein unterhielten sich vermutlich über die anstehenden FIDE-Präsidentschaftswahlen  | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Sos Start erinnerte ans Vorjahr, als er ebenfalls gegen MVL remisierte, aber Vladimir Kramnik und einen gewissen Magnus Carlsen schlug. In der Folge sicherte er sich den Sieg beim Schnellschach, musste sich am Ende aber mit Platz 2 in der Gesamtwertung begnügen, da der Weltmeister eine brillante Leistung beim Blitzen zeigte. Dazu wird es dieses Jahr nicht kommen, oder wie So am Ende seines Gesprächs mit Maurice Ashley meinte, “Und kein Magnus dabei…”

Fabiano Caruana erlebte einen Tag zum Vergessen | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Eindeutige Verlierer des ersten Tages waren Fabiano Caruana und Vishy Anand, die beide nur je ein Remis erreichten. Nigel Short meinte zum WM-Herausforderer:

… dagegen war Fabiano Caruanas Leistung, der in diesem Jahr noch um die WM spielt, ziemlich überraschend. Er wurde in mehreren Partien auseinandergenommen, zunächst von Wesley So und dann in einer grausamen Partie von Grischuk. Er wurde direkt aus der Eröffnung heraus überspielt.

Fabiano bezeichnete diese letzte Partie gegen Grischuk, die einzige entschiedene der letzten Runde, als “besonders traurig”, da er eine normale Stellung hatte und sie mit 12…Lf6 ruinierte. Noch trauriger ist aber vielleicht, dass der Computer das anders sieht und erst den 14.Zug als entscheidend brandmarkt:


Nach 14…Lxf3?, nach 3 Sekunden gespielt, war es wirklich vorbei. 15.gxf3! wäre der beste Zug gewesen, doch nach 15.Lxd6 Lh5? 16.Lc7! sah die schwarze Stellung ebenfalls schlimm aus. Stattdessen hätte Schwarz mit 14…Se4! den Schaden begrenzen und mit einem Minusbauern ums Remis kämpfen können.

Fabi erwähnte auch, dass er in der zweiten Partie gegen MVL Gewinnchancen hatte und nach 33…Tc5 eine gute Gelegenheit ausließ: 


Er deckte den Läufer mit 34.b3, und die Partie endete remis, aber 34.Dg5! hätte gewonnen – z.B. 34…Txc4 35.Se7+ Kf8 36.Tf1+ und Schwarz ist verloren.

Vishy Anand holte gleich viele Punkte wie Caruana, erlitt aber nur eine schlimme Niederlage, als er von Anish Giri in einer ruhigen Stellung überspielt wurde:

Danke, mein Freund! | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Anands zweite Niederlage gegen Shakhriyar Mamedyarov war eine gut gespielte Partie von beiden, doch der Aseri fand einen Zug, dessen Konsequenzen kaum zu berechnen waren:


21…Lxg2!! brachte Shak schließlich seine erste Gewinnpartie nach den schlimmen Zahnschmerzen ein, die er während dem Norway Chess-Turnier zu erleiden hatte, obwohl Vishy lange dagegen hielt und erst in einem komplizierten Endspiel den Faden verlor.

Anand-Mamedyarov war ein harter Kampf | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Verpasstes Matt in einem Zug

Die denkwürdigsten Momente des Tages waren aber die verpassten Chancen, von denen zwei herausragten. Mamedyarov hatte diese Stellung nach Anish Giris 26. und 28. Zug, und fügte sich hier in die dreimalige Zugwiederholung:


Die Stellung ist aber gewonnen! 27.Txh7!! Kxh7 28.Th1+ Kg8 29.Th6! und mit dem schwarzen g-Bauer fällt der letzte Schutz des schwarzen Königs. Selbst wenn man das nicht gesehen hat, musste man aber weiterspielen:

Giri hatte einige Gründe zum Grübeln... | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Immerhin endete diese Partie noch remis, während Alexander Grischuk nach seiner verpassen Chance gegen Sergey Karjakin sogar verlor. Der meinte danach:

Ich spielte 34.d4? und sah sofort, dass ich einen Fehler begangen hatte. Danach hat er 30 Sekunden überlegt, die Widerlegung aber nicht gefunden. Das war natürlich Glück für mich! 


34…Dxg2+! 35.Dxg2 Txg2 36.Kxg2 fxe3 und Schwarz hat eine ganze FIgur mehr. Nach 34…Tf6? 35.Te4 Dg3+ 36.Dxg3 fxg3+ dagegen steht Weiß nicht mehr schlechter, und am Ende gewann Karjakin sogar noch! 

"Ich kann einfach nicht glauben, dass Grischuk nicht Dg2 gespielt hat. Absolut elementar!"

"Fast so schlimm wie ein Matt in einem Zug zu übersehen."

Aua! Da denkt man doch sofort daran, oder?

Der Gott der Fehler schaut auf... | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

"Ich habe überhaupt keine Probleme, Alexander" | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

Der Zwischenstand nach Tag 1 sieht so aus (beim Schnellschach gibt es für einen 2 Punkte und für ein Remis einen Punkt):


Vor uns liegen zwei weitere Tage mit je drei Runden Schnellschach und ein Tag mit 18 Blitzpartien. Ihr könnt jeden Tag ab 14:00 Uhr live dabei sein!

Auch ihr solltet das nicht verpassen! | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour

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