Allgemein 14.07.2018 | 08:17von Colin McGourty

Kramnik auf der Jagd nach dem 11. Dortmund Titel

Das 46. Sparkassen Chess Meeting beginnt am Samstag in Dortmund, Deutschland. Die Nummer 5 der Weltangliste Vladimir Kramnik wird versuchen, seine Bilanz von zehn Titeln in Dortmund aufzustocken. Starke Konkurrenz hat er von Anish Giri, der sich dieses Jahr (wieder) auf Platz 6 der Weltrangliste verbesserte, und dem immer gefährlichen Ian Nepomniachtchi, Titelverteidiger ist Radek Wojtaszek. Er verlor vor kurzem seinen Status als polnische Nummer 1 an den 20-jährigen Jan-Krzysztof Duda, der nun auch weltbester Junior ist. Könnte dies der Durchbruch des Jungstars werden?

Die Teilnehmer von Dortmund 2018 vor dem Turnier | Foto: Sparkassen CM Twitter

Wie immer in Dortmund wurden die Paarungen Monate im Voraus ermittelt, Du kannst sie Dir unten anschauen:

Dortmund ist eines der traditionellsten Turniere der Schachszene, aber dieses Jahr haben nur drei der acht Teilnehmer (Kramnik, Wojtaszek und Nisipeanu) auch im Vorjahr mitgespielt. Betrachten wir das Teilnehmerfeld:

1. Vladimir Kramnik alias Mr Dortmund

Vladimir Kramnik spielte erstmals 1992 im Alter von 16 Jahren im Dortmund Open, bei dem er den ersten Platz teilte. Ein Jahr später wurde er im GM-Turnier Zweiter hinter Anatoly Karpov, und in den 25 Jahren seither fehlte er nur zweimal. Im Zeitraum 1995-2001 gewann er den Titel sechsmal, dann nochmals viermal zwischen 2006 und 2011. Aber überraschenderweise war dieser 10. Titel der bisher letzte: Caruana (3-mal), Adams, MVL und Wojtaszek gewannen seither "Kramniks Pokal".

Kann er endlich wieder in Dortmund siegen? Nun, im Alter von 43 Jahren ist er an eins gesetzt, und hat sich neu definiert als der mutigste Angriffsspieler der Weltelite. Wenn er so spielt wie in letzter Zeit, wird er wohl die längsten Partien spielen und am meisten riskieren, dabei sind die Ergebnisse ziemlich unvorhersehbar. Zu Jahresbeginn spielte er in Wijk aan Zee nur in 5 seiner 13 Partien Remis, danach nur 3 Remisen in den 10 ersten Runden des Berliner Kandidatenturniers. Beinahe hätte er Caruana besiegt und zu Turnierbeginn 3.5/4 erzielt, später lehnte er in dieser Partie ein Remisangebot ab, verlor und spielte danach im Kamikaze-Modus.

In Paris behielt Kramnik seine gute Laune! | Foto: Lennart Ootes/Grand Chess Tour

Sein Ergebnis als Wildcard bei der Paris Grand Chess Tour war kein Grund für Selbstvertrauen, aber vielleicht hat er sich im Schnell- und Blitzschach nur aufgewärmt um nun in Dortmund zuzuschlagen.

2. Anish Giri & Ian Nepomniachtchi: die anderen Favoriten

Vielleicht ist es ein gutes Zeichen für Kramnik, dass Giri zuvor nur 2011 in Dortmund mitspielte - das Jahr von Kramniks letztem Sieg. Damals war Anish 17 Jahre alt und hatte Elo 2701, seither hat er sich weiterentwickelt. Nun ist er 24, verheiratet und Vater, aus schachlicher Sicht wichtiger: nach ungeschlagenen +5 beim Tata Steel Masters 2018 ist er wieder in der top10 vertreten. Er hatte Pech, dass es in Wijk aan Zee inzwischen einen Stichkampf um den Turniersieg gibt, und dass er da auf Magnus Carlsen traf. Sonst hätte er dort seinen ersten unbestrittenen Sieg in einem Superturnier erzielt (Reggio Emilia 2011-2012 ist umstritten). Er will sicher diese Diskussionen einmal und für immer beenden - vielleicht hilft es, dass er gegen einen Spieler, den er in Wijk aan Zee besiegte, zuvor bei 7 Niederlagen nie gewonnen hatte: Vladimir Kramnik.

"Kenne Deinen Feind" - Giri-Sekundant Erwin l'Ami mit letzten Vorbereitungen...

Ian Nepomniachtchi hat derweil gerade im Schnellschach den Gideon Japhet Cup gewonnen, danach teilte er seine Ambitionen mit Emil Sutovsky:

Ehrlich gesagt glaube ich, dass für einen Schachprofi, der sich das zutraut, Qualifikation für ein WM-Match das einzige Ziel sein sollte.  

Wenige bezweifeln, dass Nepomniachtchi rein aufgrund seines Talents ein WM-Kandidat wäre. Er war zuvor russischer Meister, gewann das Tal Memorial 2016 und unterlag beim London Classic 2017 nur im Stichkampf gegen Fabiano Caruana. Auch in Dortmund hat er bereits gespielt, erstmals als 17-jähriger 2008, damals teilte er Platz zwei hinter Leko mit Ivanchuk, Mamedyarov und Gustafsson, ein voller Punkt vor Kramnik. Danach spielte er jedoch nur 2015 mit und belegte einen enttäuschenden 6. Platz. Jeweils hatte er sich als Aeroflot-Sieger qualifiziert, nun wurde er "einfach so" eingeladen.

3. Wojtaszek vs. Duda: das polnische Duell

Mehrere Spieler aus Deutschland und Russland sind keine Überraschung, aber dieses Jahr spielen auch zwei Polen mit. Den 31-jährigen Radek Wojtaszek muss man nicht vorstellen, schliesslich ist er Titelverteidiger. 2017 besiegte er Wang Yue und Liviu-Dieter Nisipeanu und wurde mit ungeschlagenen +2 Turniersieger, ein halber Punkt Vorsprung auf Fedoseev und MVL und ein voller Punkt vor Kramnik. Er schrieb im wörtlichen Sinne Schachgeschichte...

‌Begeistert (und aufgeregt), mein erster Sieg in einem Superturnier. Ich habe einfach keine Worte dafür, wie ich mich gerade fühle :)

Es war der bisherige Höhepunkt von Radeks Karriere. Aber derzeit ist er Nummer 24 der Weltrangliste und konnte immer noch nicht den Durchbruch zum absoluten Weltklassespieler schaffen.

Wenn er dafür weitere Anreize braucht, hat er sie nun sicherlich. Jan-Krzysztof Duda, der dieses Jahr 20 wurde, erzielte mehrere Meilensteine. Im Mai besiegte er Wojtaszek auf dem Weg zu seinem ersten ponischen Meistertitel, ungeschlagene +4 waren vielleicht noch beeindruckender, da er anscheinend nicht einmal Topform zeigte. Da er in der letzten Runde nicht gewann sondern Remis spielte musste er noch einige Wochen auf die nächsten Meilensteine warten, aber nach ungeschlagenen +3 in der französischen Mannschaftsmeisterschaft (Top12) überholte er Wojtaszek und Wei Yi und war nun polnische Nummer 1 und nach Elo weltbester Junior. Kurzzeitig war er auch in der top20 vertreten, auch wenn er vor Dortmund offiziell Nummer 21 der Weltrangliste ist. 

Bei der diesjährigen polnischen Meisterschaft besiegte Duda den formschwachen Wojtaszek | Foto: Michał Walusza, Turnierseite

Es scheint, dass die Welt Duda zu Füssen liegt, wobei er in seinem Alter im Vergleich zur Weltelite eventuell Nachholbedarf hat - Spieler wie Carlsen und Kramnik waren mit 20 bereits Weltranglistenerste. Die nächsten Monate sind für Duda vielleicht entscheidend, wenn er sich in der Elite etablieren will, die regelmässig hochkarätige Einladungen bekommt. Ein Spitzenergebnis in Dortmund wäre ein guter Beginn - dann würde Duda sich vielleicht auch nochmals überlegen, ob er zu diesem wichtigen Moment seiner Karriere weiterhin an der Uni studieren will!

4. Nisipeanu und Meier: die Lokalmatadoren

Der deutsche Schachbund konnte dieses Jahr zwei einheimische Spieler nominieren, die Wahl fiel auf die nationale Nummer 1 Liviu-Dieter Nisipeanu und die Nummer 4 Georg Meier (wir sind vertraglich verpflichtet zu erwähnen, dass Jan Gustafsson derzeit deutsche Nummer 2 ist ). Beide sind keinesfalls Prügelknaben, vor allem Nisipeanu war die letzten Jahre super-solide – seine Niederlage gegen Wojtaszek letztes Jahr kam nach zuvor ununterbrochen und turnierübergreifend 13 Remisen in Dortmund. Beide teilten bereits den zweiten Platz in Dortmund, wurden allerdings beide auch bereits Letzte. Beim diesjährigen GRENKE Chess Classic wurde Georg Meier mit sieglosen -3 Letzter, verpasste dabei jedoch die grosse Chance, einen gewissen Magnus Carlsen zu besiegen!

5. Vladislav Kovalev: der Aeroflot-Qualifikant

Bisher ein gutes Schachjahr für Weißrussland - Kovalev gewann Aeroflot und nun wurde gerade entschieden, dass die Schacholympiade 2022 in Minsk ausgetragen wird | Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband

Der 24-jährige Kovalev verdiente sich seinen Platz in Dortmund im Februar als Sieger des stark besetzten Aeroflot-Opens in Moskau. Auch 2017 hatte er beim Aeroflot Open eine Turnierleistung von 2791 - der junge Weißrusse hat sicher Talent, bisher hat er dabei kaum Erfahrungen auf Superturnier-Niveau. Letzten Monat spielte er in Poikovsky Remis gegen Nepomniachtchi und erzielte bei zwei Siegen und zwei Niederlagen insgesamt 50%. Aber wie wird er gegen Spieler wie Vladimir Kramnik und Anish Giri abschneiden, die in den letzten Monaten Schwächen in seinem Spiel untersuchen konnten? Demnächst wissen wir Näheres!

Die Liveübertragung aus Dortmund ab Samstag 14.7. jeweils ab etwa 15:30 MESZ (meist als Anti-Cheating Massnahme um 15-30 Minuten verzögert), auch hier auf chess24!  

Siehe auch:


Sortieren nach Datum (absteigend) Datum (absteigend) Datum (aufsteigend) meiste Likes Benachrichtigung bei neuen Kommentaren

Kommentare 2

Guest
Guest 7819379541
 
chess24 beitreten
  • Kostenlos, Schnell & Einfach

  • Sei der Erste, der kommentiert!

Registrieren
oder

registriere dich und leg los!

Ich bin älter als 16 Jahre.

Mit einem Klick auf 'Registrieren' stimmst du unseren Nutzungsbedingungen zu und bestätigst, dass du unsere Datenschutzrichtlinie und den Abschnitt über die Verwendung von Cookies gelesen hast.

Lost your password? We'll send you a link to reset it!

Nach der Übermittlung deiner E-Mail-Adresse erhältst du von uns eine E-Mail mit einem Link zum Zurücksetzen des Passworts. Wenn du dann weiterhin nicht auf deinen Account zugreifen kannst, melde dich bitte beim Kundendienst.

Welche Funktionen möchtest Du aktivieren?

Wir respektieren Deine Privatsphäre und Datenschutzbestimmungen. Einige Komponenten erfordern das Speichern von personenbezogen Daten in Cookies oder dem lokalen Speicher.

Show Options

Hide Options