Allgemein 07.04.2016 | 09:01von Colin McGourty

Karjakin sagt Teilnahme beim Norway-Chess-Turnier ab

Sergey Karjakin hat die Teilnahme am Altibox Norway Chess-Turnier abgesagt und seinen Verzicht damit begründet, dass er sich vom anstrengenden Kandidatenturnier erholen und auf den WM-Kampf gegen Magnus Carlsen im November vorbereiten müsse. Damit gibt es keine Generalprobe für das WM-Match in Stavanger, und Karjakin kann den Titel nicht zum dritten Mal erringen. Wie am 8.April bekannt wurde, wird Li Chao den Platz des Russen einnehmen.

Haben die vielen Medienauftritte ihren Tribut gezollt oder beginnt bereits die Vorbereitung auf den WM-Kampf?| Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband

Update vom 8. April: Li Chao wird Karjakin ersetzen

Der Chinese Li Chao, aktuell die Nummer 15 der Welt mit einem Rating von 2755, wird Karjakins Platz beim Altibox Norway Chess-Turnier einnehmen. Der 26-Jährige vollzog seinen Aufstieg in der Weltrangliste fast ausschließlich in Opens und war so heiß auf seine erste Teilnahme bei einem Superturnier, dass er sogar seine für den 30.April geplante Hochzeit verschob. Aktuell ist Li Chao in Deutschland, wo er am Bundesligawochenende wieder für Schwäbisch Hall antritt.

Zuvor hatte nach Karjakins endgültiger Absage (der Russe ließ die Frist verstreichen, einen Rückzieher vom Rückzieher zu machen), Peter Svidler das Angebot bekommen, dessen Platz einzunehmen, er verzichtete aber und wird stattdessen zur Freude der chess24-Gemeinde als Kommentator vor Ort sein.

Das Altibox Norway Chess-Turnier beginnt am 18. April, und wie stark das Feld ist, sieht man daran, dass Karjakin als Nummer 8 der Welt lediglich an Sechs gesetzt gewesen wäre:

  1. Magnus Carlsen, 2851, Nummer 1 der Welt, Norwegen
  2. Vladimir Kramnik, 2801, Nummer 2 der Welt, Russland
  3. Anish Giri, 2790, Nummer 4 der Welt, Niederlande
  4. Maxime Vachier-Lagrave, 2788, Nummer 5 der Welt, Frankreich
  5. Levon Aronian, 2784, Nummer 7 der Welt, Armenien
  6. Sergey Karjakin, 2779, Nummer 8 der Welt, Russland
  7. Pavel Eljanov, 2765, Nummer 12 der Welt, Ukraine
  8. Pendyala Harikrishna, 2763, Nummer 13 der Welt, Indien
  9. Veselin Topalov, 2754, Nummer 16 der Welt, Bulgarien
  10. Nils Grandelius, 2649, Nummer 112 der Welt, Schweden

Karjakin nahm aber natürlich aus anderen Gründen eine herausragende Rolle ein. Nach seinem Sieg beim Kandidatenturnier durfte man sehr gespannt sein, wie er sich bei dem Turnier, das er schon zweimal gewonnen hatte, gegen Magnus Carlsen schlagen würde.

Karjakins überraschender Rückzug

Die enttäuschende Nachricht erreichte die Schachfans durch Karjakins Manager Kirillos Zangalis, der RSport telephonisch diese Worte übermittelte:

Karjakin wird an dem prestigereichen Turnier in Stavanger nicht teilnehmen. Natürlich hat Sergey die Einladung der Organisatoren sehr gern angenommen, zumal er das Turnier 2013 und 2014 bereits gewinnen konnte. Die Erklärung für seine Absage ist aber ziemlich simpel: Niemand kann vorher wissen, wer das Kandidatenturnier gewinnt. Sergeys Ausgangslage hat sich verändert und er will sich nun voll auf die Vorbereitung auf das WM-Match konzentrieren, zumal das Kandidatenturnier ihm sämtlich Energie geraubt hat.

Die Führung des Russischen Schachverbands unterstützt ihren Sportler völlig, und derzeit arbeiten wir einen exakten Zeitplan für die Vorbereitungen auf den WM-Kampf aus.

Karjakin mit seinem Manager nach dem Sieg in Moskau| Foto: Vladimir Barsky, Russischer Schachverband 

Von den beiden genannten Gründen – Vorbereitung und Erschöpfung – ist der letztere eher überzeugend, da Karjakin nach seinem Sieg in Moskau etliche Pressetermine absolvieren musste. In seiner Vorschau auf das Turnier in Norwegen sagte Jan Gustafsson dem Russen kein besonders gutes Abschneiden voraus:

Karjakin wird eine Weile brauchen, bis er sich auf seinen neuen Status eingestellt hat. Ich gehe nicht davon aus, dass er um die Spitzenplätze mitspielt, sondern erwarte ihn im Mittelfeld.

Die Vorbereitung auf die WM beginnt

Rund sieben Monate vor der WM in New York ist es vermutlich noch etwas zu früh für die intensive Vorbereitung auf das Match, aber natürlich wird Karjakin die größte Chance seines Lebens sehr, sehr ernst nehmen.  In einem Interview mit SovSport.ru sprach er über seine Vorbereitung:

Du musst jetzt dein Team für das Match gegen Carlsen zusammenstellen. Wird es größer als sonst sein?

Auf jeden Fall. Ich brauche vermutlich mindestens fünf Trainer. Bisher unterstützten mich vier Großmeister. Ich brauche zudem einen Trainer für die psychologische Vorbereitung und vielleicht einen Koch. Diese Vorbereitung wird sehr viel Geld kosten, aber ich habe Sponsoren und das Sportministerium hat seine Unterstützung zugesagt.

Was kostet ein Spitzentrainer am Tag?

Im Schnitt 500 Euro. Arbeitet man länger zusammen, sinken die Kosten.

Um das gleiche Thema ging es auch in einem Video-Interview mit Match TV, die Karjakin auf Twitter zitierten und einen Betrag von 300.000 Euro nannten, den die Vorbereitung auf das WM-Match verschlinge.    

Sergey spielt Blitz gegen den Chef des russischen NOK Alexander Zhukov | Screenshot: Russischer Schachverband/Match TV

Sergey widersprach dieser Summe!

"chess24: 'Karjakin: Die Vorbereitung auf das WM-Match kostet 300.000 Euro.'"

"Karjakin: 'Ich sagte, sie koste mehr als 300, außerdem war das im Kontext mit meinem alten Team, das etwa zehnmal so groß ist.

Ein Problem für die Organisatoren

Natürlich sorgt der später Rückzug für Probleme. Turnierchef Jøran Aulin-Jansson war uns gegenüber zu keiner Stellungnahme bereit, teilte später aber Tarjei J. Svensen mit, dass er im Gespräch mit dem Russischen Schachverband sei und "es einen Vertrag gebe, an den man sich halten müsse". 

Jøran ergänzte diese Stellungnahme mit einer Pressemitteilung auf der offiziellen Website, die den Titel trug, "Karjakins Respektlosigkeit". Er hofft weiterhin, dass Karjakin es sich anders überlegt:

Karjakin hat mit uns Organisatoren einen Vertrag geschlossen. In ihm steht nichts, dass er seine Teilnahme nach der Qualifikation für das WM-Match im November zurückziehen kann. Wir finden sein Verhalten nicht nur respektlos uns Organisatoren gegenüber, sondern auch den anderen Spielern, ganz zu schweigen von der gesamten Schachwelt, die sich auf die Generalprobe des WM-Matchs zwischen Karjakin und Magnus Carlsen freute.

Sergey Karjakin ist ein sehr guter Schachspieler und als Teilnehmer des Altibox Norway Chess-Turniers weiterhin willkommen. Immerhin hat er das Turnier bei seinen beiden Teilnahmen jeweils gewonnen. Natürlich ist die Situation für Karjakin vor seinem ersten WM-Match sehr aufregend, aber wir hoffen, dass Karjakin und seine Berater erkennen, dass sie nicht einfach nur deshalb einen Vertrag brechen können, weil die Teilnahme nicht in die Vorbereitung für ein Match passt, das in mehr als einem halben Jahr beginnt. 

Dies sind nicht die ersten Unstimmigkeiten zwischen den Parteien, denn im Vorjahr war Karjakin keineswegs begeistert, als er nach seinen beiden Siegen nicht wieder eingeladen wurde. Er schrieb auf Facebook:

Ich wurde oft gefragt, warum ich nicht in Stavanger dabei bin. Schlimmer noch ist, dass die Organisatoren mich zwar persönlich einluden, dann aber ihre Zusage zurücknahmen und sich dabei auf veränderte Umstände bezogen, wonach es sich nicht mehr um ein einzelnes Superturnier, sondern eine Turnierserie handele. Zweifellos hatten sie deshalb ein mulmiges Gefühl und luden mich … zu einem Qualifikationsturnier ein! Ungeachtet der Tatsache, dass der Termin mit dem Grand Prix in Khanty-Mansiysk kollidiert, finde ich es milde ausgedrückt merkwürdig, dass ich mich für ein Turnier qualifizieren soll, das ich zweimal in Folge gewonnen habe. Aus diesem Grund hätte ich das Qualifikationsturnier auch nie gespielt. Jeder soll aus dieser Geschichte seine eigenen Schlüsse ziehen – ich jedenfalls habe erklärt, warum ich nicht mitspiele.

Nach seinem Sieg in Moskau haben Karjakin und sein Team natürlich eine bessere Verhandlungsposition gegenüber Turnierorganisatoren, doch wie Ruslan Ponomariov kann das auch zu Nachteilen führen:

"Beinahe hätte ich wegen "meiner Manager" 2002 in Linares nicht teilgenommen. Am Ende spielte ich eines meiner besten Turniere."

Wer wird Karjakins Platz einnehmen?

Jøran meinte, es sei noch keine Entscheidung gefallen, aber Magnus Carlsen brachte den offensichtlichen Kandidaten ins Spiel, gegen den er letztes Jahr in einer berühmten Partie verloren hatte:

"Verdammt, konnte dem Hammer nicht aus dem Weg gehen."

Jon Ludvig Hammer verlor beim kürzlich ausgetragenen Altibox Norway Chess-Qualifikations-turnier beide Partien gegen Nils Grandelius, wurde aber dennoch Zweiter und wäre als norwegische Nummer 2 die logische Wahl für den Freiplatz. Hammer findet das selbst aber nicht so klar:

"Danke, aber ich meine, ein weiteres Qualifikationsturnier wäre die faire Lösung."

Nur 12 Tage vor Turnierbeginn muss auf jeden Fall eine schnelle Entscheidung her. Zwar geht es nicht um die Weltmeisterschaft, aber ein Turnier mit fünf Spielern der Top Seven ist auch nicht zu verachten!

Der Fuhrpark des Altibox Norway Chess-Turnier steht schon bereit... | Foto: Norway Chess Twitter

Wir halten euch auf dem Laufenden, wenn es neue Informationen gibt.

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