Berichte 14.03.2016 | 10:56von Colin McGourty

Kandidatenturnier, Runde 3: Aronian schließt zur Spitze auf

Levon Aronian begeisterte seine Fans mit einem Sieg über Veselin Topalov in der 3.Runde des Kandidatenturniers 2016. Mit der einzigen entschiedenen Partie schloss der Armenier zu den Führenden Vishy Anand und Sergey Karjakin auf, während Topalovs Hoffnungen, im November gegen Carlsen antreten zu können, bereits den zweiten schweren Dämpfer erhielten. Außerdem zeigte Peter Svidler gegen Hikaru Nakamura eine ausgezeichnete Eröffnungsvorbereitung, die ihm einen Mehrbauern einbrachte. Letztlich reichte der aber nicht zum Sieg.

Anhand des Bildes ist nicht schwer zu erkennen, dass Aronian gewann, aber wer würde denken, dass Topalov verlor! | Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband

Kandidatenturnier Moskau 2016, Ergebnisse der 3.Runde

Topalov 0-1 Aronian

Das Kandidatenturnier ist ein vierzehnrundiger Marathon, doch schon jetzt sieht es so aus, als wäre Ex-Weltmeister Veselin Topalov aus dem Rennen. Der Bulgare ließ sich mit seiner Anreise nach Moskau bis zum letzten Moment Zeit, doch möglicherweise muss er für die fehlende Akklimatisierung nun Tribut zollen. Er verlor zwei der ersten drei Partien und musste trotz der weißen Steine die sonntägliche Pressekonferenz (nur auf Russisch…) mit diesen Worten eröffnen: „Die Eröffnung verlief schlecht, sehr schlecht…“

Schafft es Levon Aronian dieses Mal, sich für das von vielen ersehnte Match gegen Magnus Carlsen zu qualifizieren? | Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband  

Im 17.Zug stellte er einen Bauern ein, später folgte ein weiterer, und sein womöglich einziger Trost war, dass die Partie länger dauerte, als man angesichts des einseitigen Verlaufs und annähernd fehlerlosen Spiels Aronians annehmen durfte.  

"Und Aronian erzielt seinen ersten Sieg!"

Jan Gustafsson führt uns durch eine Partie, die für Topalov glatt zum Vergessen war:


Topalov scheint eine Niederlage nie aus der Bahn zu werfen, und so verwunderte es auch nicht, dass er die Pressekonferenz nach der Partie komplett absolvierte. Sie lohnt sich allein schon wegen Aronians Bemerkung: „Ich dachte, du wolltest mich zu irgendwas verführen.“

Giri ½-½ Karjakin

Karjakin und Giri auf der Suche nach der Wahrheit| Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband

Diese Partie war kurz, aber spektakulär und enthielt ein kurioses Detail. Sergey Karjakin entschied sich für dieselbe Variante, die Hikara Nakamura am Vortag gegen ihn gewählt hatte, und nach 10 Zügen war die identische Stellung erreicht. Karjakin hatte Nakamura damit besiegt und überraschte Anish Giri ganz offensichtlich:

Nach seinem hübschen Sieg war ich davon ausgegangen, dass er die Variante nie wieder spielen würde!

Die Parallelen setzten sich fort, als Karjakin seinen h-Bauern wieder zwei Felder nach vorn schob (dieses Mal nach h5 statt nach h4), was Giri laut eigenen Worten „völlig verwirrte“. Und dann opferte Karjakins Gegner auch noch einen Springer auf g6!


24.Sxg6! Dieses Mal handelte sich aber nicht um einen Einsteller, denn nach 24…fxg6 25.Dxg6+ Kh8 hätte Giri auf Gewinn spielen können:


26.e4!? war der ehrgeizige Zug, doch Giri wurde, wie er sagte, von den vielen schwarzen Möglichkeiten abgeschreckt. Stattdessen entschied er sich für das spektakuläre Opfer 26.Sc5!?, um dem Läufer auf b2 die Diagonale zu öffnen, doch nach 26…bxc5 27.dxc5 Tf8 sah er sich zur Zugwiederholung mit 28.Dh6+ Kg8 29.Dg6+ gezwungen – und rief damit wieder die „Hasser“ auf den Plan, die scherzten, dass Giri nun schon so remissüchtig sei, dass er dafür zwei Figuren opfere!

Schauen wir uns an, was die Spieler über ihr Duell zu sagen hatten:

Anand ½-½ Caruana

Vishy Anand scheint auch dieses Mal ausgezeichnet auf das Kandidatenturnier vorbereitet und zudem in glänzender Form zu sein, was seine Gegner sich nicht freuen wird. Gegen Fabiano Caruana machte er zunächst gute Fortschritte, doch dann traf er mit 30.a4?! eine “schlechte Entscheidung”, nach der sein König exponiert stand ( Caruana opferte einen Bauern, um die weiße Stellung zu öffnen) und etwaige Gewinnversuche schwierig wurden.

Der siebenjährige Moskauer Jungstar Timur Azimov setzte die Uhr beim Duell des Ex-Weltmeisters mit einem seiner potentiellen Nachfolger in Gang| Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband

Die Partie endete im höheren Sinne mit dem Zug 35.Qg3?!:


35.h5!? wäre die ehrgeizigere Variante gewesen, wobei fast alle Züge vorzuziehen waren, die keinen sofortigen Generalabtausch zulassen. In der Partie folgte 35…Lxe4! 36.Lxe4 Sxe4 37.Sxe4 Txe4 38.Txe4 Txe4 39.Txd6 Dxh4 40.Dxh4 und bevor zum 11.Mal in Folge eine Figur geschlagen wurde, einigten sich die Spieler auf Remis.

Hier die anschließende Pressekonferenz:

Nakamura ½-½ Svidler

Hikaru Nakamura, einer der Favoriten des Turniers, wäre um ein Haar in derselben Ausgangslage wie Veselin Topalov gelandet, konnte die zweite Niederlage aber gerade noch abwenden. 

Die Post-mortem-Analyse von Nakamura-Svidler zog sich lange hin |Foto: Eteri Kublashvili, Russischer Schachverband 

Nakamura zeigte sich zunächst glänzend vorbereitet, umso stolzer war deswegen Svidler, dass er statt des offensichtlichen 17.Lb7 den starken Zug 17…Lf6 fand:


Ich war hochzufrieden, als ich die heute gespielte Variante fand, denn der Computer schlägt sie, etwas überraschend im modernen Schach, nicht als beste vor, sondern sieht Weiß zunächst recht klar im Vorteil. Ich dachte mir, dass sie deswegen vielleicht ignoriert werden würde und meine Gegner nicht so gut vorbereitet wären.    

Der Zug sieht zunächst wie ein Fehler aus, da Nakamura nun 18.d5 Dc7 18.d6 spielen und den Läufer auf f6 abtauschen konnte, doch Svidler hatte alles analysiert und war zu dem Schluss gekommen, dass Schwarz nicht schlechter steht. Der Bauer schaffte es anschließend bis nach d7, ehe 26.Dh7!? den siebenfachen russischen Meister aus der Vorbereitung brachte:


Svidler befand sich in einer exemplarischen Situation für den modernen Schachspieler: Er wusste aufgrund seiner Vorbereitung, dass der gespielte Zug nicht zu den beiden besten (26.Le2 or 26.Lc2) zählte, musste aber den Grund herausfinden. Das gelang ihm, und beginnend mit 26…h5! gewann er zunächst einen Bauern. Die Partie ging danach in ein Turm-Springer-Endspiel mit vier gegen drei Bauern am selben Flügel über, aus dem Svidler rasch in ein reines Turmendspiel abwickelte. Vom praktischen Standpunkt aus war diese Entscheidung fragwürdig, doch wie es aussieht, konnte er gewinnen!


54…Kf5! war der Gewinnversuch, wie Svidler später lamentierte:

Ich war komplett auf Autopilot, da ich keine Ahnung hatte, was los war, und ich langsam aber sicher den Verstand verlor.   

Er stufte den potentiellen Gewinnzug fälschlich als klares Remis ein, während nach 54…Te2? 55.h4! tatsächlich überhaupt nichts mehr los ist. In der Pressekonferenz erfahrt ihr noch mehr darüber, wie Schwarz Gewinnversuche unternehmen konnte:

Damit sind drei Runden des Kandidatenturniers 2016 gespielt, und vor dem ersten Ruhetag liegen drei erfahrene Kandidatenturnier-Routiniers an der Spitze:

Zwei der Führenden, Karjakin und Anand, treffen am Dienstag in Runde 4 aufeinander, wir übertragen dann wie gewohnt ab 13 Uhr live auf chess24. 

Ihr könnt alle Partien auch mit unseren kostenlosen Apps verfolgen:      

         

Weitere Links:


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