Berichte 22.11.2017 | 11:40von Colin McGourty

Junioren-WM: Praggnanandhaa mit GM-Norm, Tari führt

Der 12-jährige Inder Praggnanandhaa gewann in Runde 8 der Junioren-WM gegen Awonder Liang und sicherte sich damit bei einer bisherigen Elo-Leistung von 2749 seine erste GM-Norm. Drei Runden vor Schluss liegt er nur einen halben Punkt hinter dem führenden Aryan Tari und könnte bei einem Turniersieg den Großmeistertitel direkt verliehen bekommen. Gelingt ihm dies, würde er Sergey Karjakin als jüngster Großmeister aller Zeiten ablösen.

Praggnanandhaa gewann beim Match of the Millennials 1,5 zu 0,5 gegen Awonder Liang und legte nun einen weiteren Sieg gegen den Amerikaner nach | Foto: Lennart Ootes, St. Louis Chess Club Flickr 

Alle Partien der Junioren-WM könnt ihr mit Computeranalyse mit Klick auf das Ergebnis bzw. die Runde nachspielen:

Praggnanandhaas erringt endlich seine erste GM-Norm

Praggnanandhaa ist zwar erst 12 Jahre und 3 Monate alt, doch hat er bereits als jüngster Spieler aller Zeiten den IM-Titel errungen und schon länger die Spielstärke, um GM-Normen zu erfüllen. Die notwendigen Elo 2500 für den Titel hat er seit August, doch mit einer Niederlage in der Schlussrunde gegen Eduardo Iturrizaga verpasste er beim HZ-Turnier seine erste Norm.  

Praggnanandhaa hätte ein Remis gereicht, aber es sollte nicht sein| Foto: HZ Turnier

Anschließend verpasste er auch beim Sants Open, dem Isle of Man International und dem Chigorin Memorial die GM-Norm, sodass Zweifel aufkamen, ob er Sergey Karjakins Rekord von 12 Jahren und 7 Monaten noch knacken und damit jüngster Großmeister aller Zeiten werden kann. Nun allerdings hat er als Nummer 26 der Setzliste in einem Feld mit Spielern bis zu zwanzig Jahren bereits drei Runden vor Schluss seine erste GM-Norm unter Dach und Fach gebracht.


Für viele seiner Fans gleichen seine Partien einer Achterbahnfahrt, da er mit seiner Zeiteinteilung stark an Alexander Grischuk und Wei Yi erinnert. Zuletzt berichteten wir nach Runde 4 von den Ereignissen, als er die Nummer 1 des Turniers Jorden van Foreest besiegte. In der Runde darauf opferte sein Landsmann Sunilduth in einer messerscharfen Spanisch-Variante im 13.Zug eine Figur und obwohl die Partie bis zum 18.Zug der Theorie folgte, hatte Praggnanandhaa bereits eine Stunde verbraucht. Es sah nicht gut aus für ihn, zumal sein Gegner seine Züge bis dahin aufs Brett geblitzt hatte, doch dann verbrauchte Sunilduth 18 Minuten für 18.Ta3, und wich damit von den Vorgängerpartien wie Sutovsky-Bosiocic ab, in denen stets 18.Df3 aufs Brett kam. Als er für 20.e5? (20.Df3!) fast weitere 40 Minuten aufwandte, war klar, dass die Partie für Weiß aus dem Ruder gelaufen war:


Praggnanandhaa dachte hier 10 Minuten nach, ehe er die Gewinnabwicklung 20…Lxf2+! 21.Kxf2 Db6+ 22.Kf1 dxe5 fand, wonach der Springer auf f6 nicht mehr gefesselt ist und ins Geschehen eingreifen kann. Schwarz stand auf Gewinn, aber es war nicht klar, ob das Wunderkind die restlichen Züge bis zur Zeitkontrolle ohne Patzer schaffen würde. Obwohl er nur noch von den Zeitgutschriften lebte, hatte Praggnanandhaa erstaunlich wenig Mühe, die Partie nach Hause zu bringen.

In der nächsten Partie schien es so, als schwebte Praggnanandhaa gegen den Chinesen Xu Xiangyu bei erneut schwindender Bedenkzeit in Gefahr, doch er war so schlau, im 34.Zug ins Remis einzuwilligen.

Der Gewinner des Chigorin Memorial, Kirill Alekseenko, liegt gemeinsam mit Praggnanandhaa einen halben Punkt hinter der Spitze| Foto: Russischer Schachverband

In Runde 7 hieß Praggnanandhaas Gegner Kirill Alekseenko. Der 20-jährige Russe gewann zuletzt dreimal in Folge das Chigorin Memorial und schien den Inder im Mittelspiel sukzessive zu überspielen. Letztlich erwies sich das schwarze Gegenspiel am Königsflügel aber als ausreichend, um die Stellung in der Balance zu halten. Das änderte sich nicht bis zu dem Moment, in dem in dieser Stellung Remis vereinbart wurde:


Hier wiederholten die Spieler die Züge, indem Schwarz seinen Springer zwischen c5  und d3 hin- und herzog, während Weiß seinen Turm von f1 nach e1 und wieder zurückstellte. Praggnanandhaa war offenbar erleichtert, dass er das komplizierte Mittelspiel überlebt hatte, denn in dieser Stellung hätte er gut noch weiterspielen können.

In Runde 5 trennten sich Awonder Liang und Grigoriy Oparin remis | Foto: Ardeshir Ahmadi, Twitter-Account von Reza Mahdipour

Ein Schwarzremis gegen einen starken Großmeister ist natürlich trotzdem ein starkes Resultat, und schon eine Runde später setzte der junge Inder den US-Amerikaner Awonder Liang die gesamte Partie unter Druck. Kurz vor der Zeitkontrolle gelang dem Weißen der entscheidende Durchbruch, ehe er sich  seine Aufgabe mit einem übereilten Zug noch einmal erschwerte:


Die Feinheit 45.Se5! hätte die Partie direkt gewonnen, während Liang nach 45.b7 Sc6 seinen Springer für die neue Dame geben konnte. Die Stellung war weiterhin für Weiß gewonnen, aber die Gefahr des Remisendspiels Turm + Springer gegen Springer schwebte ständig über ihm. Am Ende gelang es dem Amerikaner tatsächlich, alle weißen Bauern zu beseitigen, doch die daraus entstehende Stellung war keineswegs remis!


Hier gab Schwarz wegen des unabwendbaren Matts auf. Damit hat Praggnanandhaa seine erste GM-Norm im Kasten, doch bekommt er den Titel automatisch verliehen, wenn er den Weltmeister wird. Drei Runden vor Schluss ist noch alles drin, da er nur einen halben Punkt Rückstand auf Aryan Tari hat und den Norweger in Runde 9 mit Schwarz fordert.

Noch ein norwegischer Weltmeister?

Aryan Tari gilt schon länger als größtes norwegisches Talent seit einem gewissen Magnus Carlsen, der vielleicht das größte Talent aller Zeiten war. Mittlerweile hat sich der 18-Jährige zu einem starken Großmeister entwickelt, der auch gegen härteste Gegner zu bestehen weiß. Beim Weltcup eliminierte er David Howell und erreichte beim Open auf der Isle of Man gegen Short, Adams, Leko, Vallejo und Fressinet jeweils ein Remis. Bei der Junioren-WM greift er nun sogar nach dem Titel.


In Runde 5 schlug er den Russen Alexey Sarana in einem Najdorf-Sizilianer und legte anschließend in Runde 6 mit einem Sieg gegen Kirill Alekseenko nach. Der Russe stand gut, übersah aber einen Trick:


28...Lh6! hätte Weiß in die Defensive gezwungen, da 29.Lxh6 wegen 29...Db6+ verliert. Auch Aleksenkos 28…Sh5 war in Ordnung, doch dann verlor er den Faden und ging unter:

Aryan droht Schlagen auf g7 und d8 oder einfach den Springer heranzuführen. 

Aryan Tari hat bereits viele Sponsoren | Foto: Ruggero Percivaldi, Offizielle Turnierseite 

In Runde 8 schlug Tari in einer spektakulären Caro-Kann-Partie die Nummer 2 der Setzliste Grigoriy Oparin, indem er den Russen für seinen frühen Angriff mit g4 und e6 heftig bestrafte:


9…g5!!? 10.fxg5 Se4 sorgte dafür, dass Weiß sich nicht konsolidieren konnte. Oparin opferte eine Qualität, doch dann wurde ihm erneut das Feld g5 zum Verhängnis:


Mit 21…Dxg5! eliminierte der Norweger einen der beiden gefährlichen Bauern, denn 22.Dxg5 scheiterte natürlich an der Springergabel 22…Sf3+. Danach ging die Stellung für Oparin rapide in den Keller, während Tari die Partie sauber nach Hause brachte: 22.Sf4 Tae8 23.De2 Sg6! 24.Se6 Sf4! 25.Dg4 Sxh3+! 26.Dxh3 Dxf5 Weiß gab auf

Damit liegt Tari mit 7 aus 8 und einer Elo-Leistung von 2825 allein in Führung, doch mit nur einem halben Punkt Rückstand lauern Kirill Alekseenko und Praggnanandhaa auf einen Ausrutscher des Norwegers, während die deutschen Teilnehmer Svane, Donchenko und Keymer mit der Titelvergabe nichts zu tun haben:

Rk.SNo NameFEDRtgPts. TB1  TB2  TB3 Rprtg+/-
15GMTari AryanNOR25817,00,036,040,0282520,2
211GMAlekseenko KirillRUS25636,50,539,043,0271814,7
326IMPraggnanandhaa RIND25096,50,537,541,0274924,1
430IMLomasov SemenRUS24906,00,039,043,0269021,1
521IMXu XiangyuCHN25436,00,037,541,526349,2
66GMKarthikeyan MuraliIND25786,00,036,540,526638,4
756FMLiu YanCHN24226,00,036,539,0268928,7
832FMSorokin AlekseyRUS24836,00,034,537,5267320,0
916GMPetrosyan ManuelARM25546,00,034,038,026236,7
17GMBai JinshiCHN25536,00,034,038,026216,7
1122GMTran Tuan MinhVIE25386,00,032,535,526046,4

Abdumalik gerät ins Wanken

Die 17-jährige Zhansaya Abdumalik hat bei der WM der Juniorinnen bereits eine Silber- und Bronzemedaille gewonnen, und nachdem sie mit 6,5 aus 7 startete, sah dieses Mal alles nach einem Sieg für die Kasachin aus. Der ist immer noch drin, doch in Runde 8 musste sie einen überraschenden Rückschlag gegen die Russin Anastasya Paramzina hinnehmen. Ein unbedachter Zug, 15…f6?, führte zu riesigen Problemen:


Die weißen Felder um den schwarzen König herum sind geschwächt, und Paramzina nutzte dies mit einem schönen Bauernopfer aus: 16.d4! exd4 17.Dd3! An dieser Stelle wäre sogar direkt 17.Lxh6 gegangen, doch das Opfer folgte wenig später und führte zu einem klaren Sieg der Weißspielerin. Damit liegt sie mit der Kasachin gleichauf mit 6,5 aus 8 an der Spitze.

Abdumalik schaut, was die Gegnerschaft macht

Die Griechin Stavroula Tsolakidou befindet sich mit 6 aus 8 unter den Verfolgerinnen, sie erhielt in Runde 7 ein nettes Geschenk von Nomin-Erdene Davaademberel in Form von 15…h6?:


16.Lxf7+! Kxf7 17.Db3+ gewann einen Bauern und schließlich die Partie.

Hier der Stand bei den Juniorinnen nach Runde 8 (Paramzina hat bisher 77 Elo-Punkte hinzugewonnen!):

Rk.SNo NameFEDRtgPts. TB1  TB2  TB3 Krtg+/-
144WGMParamzina AnastasyaRUS21236,51,036,036,52077,2
21IMAbdumalik ZhansayaKAZ24286,50,037,040,5109,9
310IMOsmak IulijaUKR23456,00,038,543,01012,0
413FMYu JenniferUSA23216,00,035,038,02025,6
514WIMObolentseva AlexandraRUS23206,00,034,037,02032,8
611WGMTsolakidou StavroulaGRE23406,00,032,535,52022,2
716WGMTokhirjonova GulrukhbegimUZB23066,00,032,535,5205,2
815WIMAakanksha HagawaneIND23125,50,037,541,02020,4
98IMNomin-Erdene DavaademberelMGL23585,50,037,541,0104,8
1012WIMVaishali RIND23255,50,036,540,5208,4
117Zhu JinerCHN23635,50,036,040,0201,4
125WIMShuvalova PolinaRUS23865,50,035,539,010-2,9
136WIMBadelka OlgaBLR23745,50,030,534,020-5,6
1422WIMInjac TeodoraSRB22445,50,029,533,0207,4

Ab 15 Uhr könnt ihr täglich alle Partien auf chess24 verfolgen: Open | Juniorinnen Dies ist auch mit unseren kostenlosen Apps möglich:

         

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