Berichte 18.05.2018 | 20:14von Colin McGourty

Ju Wenjun ist die 17. Schachweltmeisterin

Ju Wenjun besiegte Tan Zhongyi 5,5-4,5 und ist damit neue Schachweltmeisterin. Die chinesische Nummer 2 der Damen-Weltrangliste dominierte die zehnte und letzte Partie des Matches in Chongqing, wobei sie sich am Ende mit einem für den WM-Titel ausreichenden Remis begnügte. Tan Zhongyi kann stolz darauf zurückblicken, dass sie nach einem schrecklichen Start ein Match über die volle Distanz erzwang. Bereits im November kann sie bei der WM im KO-Format den Titel zurück erobern.

Ju Wenjuns 3.5/5 in der ersten Hälfte in Shanghai reichte am Ende für den WM-Titel | Foto: Gu Xiaobing, Turnierseite

Das WM-Match der Damen 2018 ist vorbei, Ju Wenjun übernahm den Titel von ihrer Freundin und Landsfrau Tan Zhongyi. Du kannst alle Partien im Viewer unten nachspielen:

In der letzten Partie befand Tan Zhongyi sich in einer der schwierigsten Situationen im Schach - mit Schwarz musste sie unbedingt gewinnen. Sie versuchte alles, aber ihr aggressives Spiel hatte den gegenteiligen Effekt, wie zuvor bei Fabiano Caruana gegen Sergey Karjakin in der Schlussrunde des Kandidatenturniers 2016, oder bei Vladimir Kramnik 2013 gegen Vassily Ivanchuk.

Vor der Entscheidung im Match | Foto: Chinesischer Schachverband

Tan wählte einen modernen/Pirc/Hippopotamus Aufbau, eine übliche Methode unter Siegzwang. Es gelang ihr, eine komplizierte Stellung zu erreichen - bis zum 30. Zug waren noch alle Figuren auf dem Brett.

Tan Zhongyi musste gewinnen und beantwortete 1.d4 mit 1...g6 | Foto: Chinesischer Schachverband

Das waren allerdings die guten Nachrichten aus ihrer Sicht: das weitere Geschehen zeichnete sich ab, sobald sie einen für diese Match thematischen Zug spielte, 19…g5?!


14…g5? erwies sich in der dritten Partie als selbstmörderisch, danach hatte Tan Zhongyi zwei Punkte Rückstand - die Gefahr eines bereits hoffnungslosen Matches schon vor der zweiten Hälfte in ihrer Heimatstadt war vorhanden. In der nächsten Partie gab Ju Wenjun dann das Geschenk zurück, mit 26...g5? ruinierte sie ihre eigene Stellung und gab der Gegnerin den ersten Sieg im Match. In der letzten Partie war 19…g5 ein verständlicher Versuch, etwas zu forcieren, aber nach der Antwort 20.h4! hatte nur Weiß Angriffschancen. Es folgte 20…g4 21.Sh2 h5 22.f3 gxf3 23.Dxf3 Sg6 24.Lg5 f6 und dies war einer der Momente, in denen Ju stilvoll gewinnen konnte:


25.Ld3!! wäre eine hübsche Pointe, nach 25…fxg5? ist 26.Bc4+ usw. Matt in fünf Zügen, wobei die weiße Dame auf h5 mit Schach schlägt.

Ju Wenjun brauchte noch ein Remis zum WM-Titel und behielt die Nerven | Foto: Chinesischer Schachverband

Aber wer braucht derlei Komplikationen in der letzten Partie eines WM-Matches? Ju wählte 25.Dxh5 Sdf8 26.Le3 mit Mehrbauer und komfortabler Gewinnstellung. Sie war jedoch nicht maximalistisch eingestellt und wäre mit Remis durch Stellungswiederholung einverstanden, was Tan Zhongyi mehrfach verweigerte. Die folgende Stellung war typisch für die gesamte letzte Partie:


Wenjun konnte nun mit 51.Dxb6 beginnen, Bauern einzusammeln, aber wollte stattdessen durch forcierten Damentausch jegliches Risiko vermeiden, daher 51.Sg7 – Schwarz musste dies zulassen, da alles außer 51…De7 oder 51…Df7 nach 52.Sxh5 verliert, aufgrund der Mattdrohung auf g7 kann Schwarz die Figur nicht zurück nehmen.

Tan Zhongyi kämpfte bis zum Ende, und konnte sich immerhin damit trösten, dass sie die zweite Matchhälfte in ihrer Heimatstadt Chongqing "gewann"| Foto: Chinesischer Schachverband

Im Endspiel hatte Weiß mit Läuferpaar und Mehrbauer sehr gute Gewinnchancen, aber Ju Wenjun begnügte sich damit, die Stellung komplett abzuriegeln - Remis und damit war sie Weltmeisterin!


Trotz des Wechsels zwischen KO- und Matchformat in den letzten Jahren ist die 27-jährige Ju Wenjun erst die 17. Schach-Weltmeisterin:


Diesen Status wird sie eventuell schon bald wieder verlieren, die nächste Damen-WM im KO-Format ist für den 1.-25. November dieses Jahres angesetzt - leider parallel zum WM-Kampf Carlsen-Caruana. Ju Wenjun ist in diesem Turnier eine von 64 Spielerinnen und bekommt als Weltmeisterin keinerlei Privilegien.

Ju Wenjun, die neue Schach-Weltmeisterin | Foto: Chinesischer Schachverband

Zunächst kann sie jedoch den Höhepunkt ihrer Karriere geniessen. Glückwunsch an die sehr würdige Weltmeisterin!

Siehe auch:


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