Features 30.01.2015 | 18:01von chess24 staff

Ist Ivanchuk ein Genie?

Vassily Ivanchuk verlor in Wijk aan Zee nur eine Partie und sagte hinterher in einem Interview, dass der Grund dafür gewesen sein könnte, dass er nicht genug philippinische Volksmärchen gelesen habe, um seinen Gegner, Wesley So, zu verstehen. Für diese Exzentrizität lieben wir Vassily, aber ist er, wie viele behaupten, ein Genie? Ist es von Bedeutung, dass er nie Weltmeister oder Weltranglistenerster war oder die Schachwelt dominiert hat? Vlad Tkachiev untersucht die Beweise für und gegen die Genialität von 'Chucky' und bittet uns abzustimmen... nachdem wir sie uns durchgelesen haben!

Der folgende Artikel erschien ursprünglich auf Russisch bei ChEsSay.



Urteil: Genie
Vorbehaltlich Anfechtung

von Vlad Tkachiev

Im Dezember 2013 in der Schweiz, in der kleinen Stadt Wohlen in der Nähe von Zürich, 13:02 Ortszeit. In der Kantine der örtlichen Seniorenklinik werden wir lustlos von etwa zwanzig Leuten beobachtet - wir sind eine Gruppe von drei Leuten, die aus Moskau angereist sind. Irgendwie will man nicht so recht glauben, dass Viktor Lvovich Korchnoi nun hier lebt, was vielleicht den Umweg erklärt, den wir letztlich gehen. Endlich öffnet sich eine Tür zu einem der oberen Stockwerke: “Wo wart ihr denn – ich warte seit einer ganzen Stunde auf euch!” Alles ist in Ordnung - “Viktor der Schreckliche” ist nach seinem Schlaganfall immer noch in Kämpferlaune. Direkt im Flur ist ein Holzbrett aufgestellt mit der Stellung von der Carlsen-Ivanchuk-Partie in London. Willkommen im Museum der parallelen Schachgeschichte, wo die bedeutendsten Helden die sind, die nicht Weltmeister wurden – Keres, Bronstein, der Eigentümer der Wohnung selbst. Und natürlich Vassily Ivanchuk.

Vassily Ivanchuk | Foto: Irina Stepaniuk

Er gewann diese Partie übrigens. Und dann noch eine andere – gegen Vladimir Kramnik, womit er den Namen des aktuellen Trägers der Schachkrone bestimmte. Das hatte jedoch keinen Einfluss mehr auf Ivanchuks persönliches Schicksal, da er zu diesem Zeitpunkt in dem Turnier bereits komplett abgeschlagen war. Genau wie er es in fast allen offiziellen Weltmeisterschafts-Wettbewerben getan hat, an denen er teilnahm - außer 2001.

Als ich Material für diesen Artikel sammelte, überraschte mich die Entdeckung, dass Vassily gar nicht so viele offizielle Titel hat: Europameister von 2004, vierfacher Olympiasieger – zweimal mit der Mannschaft der UdSSR und zweimal als Anführer der Ukraine. Der 1. Platz in der Mannschaftsweltmeisterschaft 2001, Blitzweltmeister von 2007. Und das ist alles!

Gleichzeitig hat Ivanchuk jedoch zahlreiche Events unterschiedlicher Arten und Levels gewonnen, einschließlich des Wimbledons der Schachwelt – Linares, und zwar drei (!) Mal. Aber das ist nicht der zentrale Punkt. Er ist ein Genie. Zugegeben. Zu Lebzeiten. Und das ist der Punkt, mit dem ich mich eingehender befassen will.

Das Schachpublikum tendiert nicht stark dazu, diesen inoffiziellen Titel einfach so zu vergeben und die ganze Geschichte der Genies kann an einer Hand abgezählt werden: Morphy, Capablanca, Alekhine, Fischer, Kasparov. Für einige gibt es ein paar mehr, für andere weniger, aber diese Namen würden in jeder Umfrage auftauchen. Beachte: alle von ihnen, einschließlich Morphy, waren die stärksten Spieler ihrer Zeit – Champions. Und dann ist da Vassily Ivanchuk. Für kurze Zeit war er der zweitbeste Spieler der Welt, aber nicht mehr. Und trotzdem war er schon seit dem Alter von 16 Jahren in den Augen der meisten Leute ein Genie. Man höre und staune!

Was ist aber, wenn wir das allgemein akzeptierte Klischee in Frage stellen und versuchen, zu einem objektiven Urteil zu kommen? Versuchen wir es!

Öffentliche Wahrnehmung

Es ist allgemein bekannt, dass sie Genies schafft und stürzt, also wollen wir damit beginnen. Hier sind ein paar typische Kommentare im chess24-Chat vom 13. Januar:

trendelas4: >> Chucky ist ein Genie
minne.danhieux: >> chucky ist der coolste
kalmah: >> Chucky als Präsident der Vereinten Nationen
kalmah: >> Chucky ist ein Mann der Renaissance, er entwickelte sein Schach ohne Computer, nur mit seinem Hirn, das ist bei diesem Turnier der Unterschied
SensibleHare: >> lol…jeder mag Chucky!!
SensibleHare: >> bei Ivanchuk…dreht sich ALLES um Schach…Morgens Mittags in der Hochzeitsnacht…24/7 Schach Schach Schach

imek.prezimek: >> Ivanchuk ist süß
BullDogDavery: >> deshalb bezeichne ich Chucky als Champion des Volkes, er ist pragmatisch
BullDogDavery: >> Chucky vs die Computer!!!
marcepolak: >> Ivanchuk gräbt in seiner Nase nach Gold?:D

Ich habe absichtlich die wichtigsten Kommentare am Schluss aufgeführt, anhand derer man das Phänomen einer solchen Beliebtheit verstehen kann. Chucky wird also als "Champion des Volkes" wahrgenommen und führt den Kampf der menschlichen Rasse gegen die Invasion der Computer an. Er ist menschlich und cool, aber auch exzentrisch - während einer Partie liebt er es, in der Quelle für seine zahllosen Ideen zu stochern- seiner Nase. Jedem ist klar, dass dieses Organ für die Superkräfte von Chucky-Superman verantwortlich ist - in einem noch nicht veröffentlichten Comicbuch mit unsicheren Aussichten auf eine Verfilmung.

Hou Yifan und Ivanchuk während der letzten Runde in Wijk aan Zee | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Die Meinung professioneller Kollegen

Auch wenn einige davon ehemalige oder aktuelle Rivalen sind, kann man auf diese Perspektive nicht verzichten - wer sonst hat Ivanchuk so tiefgreifend analysiert? Insgesamt fragte ich zehn Großmeister: Grischuk, Gelfand, Eljanov, Riazantsev, Rublevsky, Miroshnichenko, Kazhgaleyev, Chuchelov, Sulypa, Mikhalchishin und einen Journalisten, der über unzähle Turniere mit Vassily berichtet hatte – Yury Vasiliev. Ich vergaß mich dabei auch selbst nicht, sodass es also, wie in jeder anständigen Jury, 12 Stimmen gab. Die Meinungen waren genau zu 50:50 geteilt, hier ist eine komprimierte Fassung:

Genie:

Ivanchuk hat einen Spielstil wie kein anderer und ein außergewöhnlich breites Eröffnungsrepertoire. Er kann Dinge sehen, die der Mehrheit entgehen. Das Kreative dominiert in seiner Spielweise deutlich den sportlichen Aspekt. Vassily lebt Schach und entwickelt nicht nur individuelle Züge, sondern ganze Ideen - egal, wo er ist. Ein phänomenales Gedächtnis zusammen mit einer fanatischen Liebe ist die Grundlage für Ivanchuks wahnsinnige Bildung.

Garry Kimovich fürchtete keinen Spieler so sehr wie diesen, und zwar so sehr, dass sogar sein Name bei Kasparov nur geflüstert wurde. Ivanchuk wiederum ist so direkt wie ein Kind, was John Turturro in dem Film Lushins Verteidigung gut einfing. Das Einzige, was Vassilys Stärke in dem jeweiligen Moment beeinflusst, ist seine aktuelle Verfassung, und es gibt keinen stärkeren Schachspieler als Ivanchuk in Topform.

Kein Genie:

“Talent trifft ein Ziel, das kein anderer trifft; Genialität trifft ein Ziel, das kein anderer sieht” – das betrifft nicht Ivanchuk. Er war seiner Zeit nicht voraus und konnte seine Zeitgenossen nicht überwinden, obwohl das Können, mit dem er startete, bemerkenswert war. Man kann seinen Beitrag zur Eröffnungtheorie nicht mit dem Erbe von Kasparov, Kramnik oder Anand vergleichen. Manchmal nutzt Vassily das Bild von sich aus und erlaubt sich Dinge, die nicht ganz korrekt sind, zum Beispiel bei schnellen Zeitkontrollen. Und im Allgemeinen wird die Rolle des zerstreuten Genies ein wenig simuliert. Das macht es einfacher für ihn, sein wahres "Ich" zu verstecken.

Wie ihr sehen könnt, sind die Verfechter Ivanchuks Genialität ein wenig eloquenter und redsamer, was im Allgemeinen verständlich ist. Ich habe nicht angegeben, welcher der Befragten welche Meinung hatte, und versucht lieber nicht, zu erraten, wer wie gestimmt hat – glaubt mir, es ist unmöglich! Bei manchen Gelegenheiten war es bemerkenswert, wie sehr es hier an normaler, linearer Logik fehlt.

Wer ist der echte Ivanchuk? | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Partien als Beweise

Ich schaute mir die 3649 Partien von Ivanchuk in meiner Datenbank genau an, soweit es mir möglich war. Sie waren ohnehin ein konstanter Begleiter meines Lebens, da ich meine Schachkarriere genau in dem Moment begann, als Ivanchuk sein bemerkenswertes Debüt auf der Schachbühne hatte. Was auffällt: eine wirklich große Auswahl an Eröffnungen, eine brillante Bildung in allen Stadien des Spiels und eine raffinierte Technik. Im Jahr 2015 erscheint mir die Originalität seiner Ideen jedoch nicht mehr so überirdisch wie zuvor - Vassily ist im Grunde immer noch ein sehr klassischer Schachspieler. Es ist erstaunlich, wie oft die eine oder andere seiner Ideen eine Kopie einer bereits gespielten Partie ist, aber Ivanchuk klärt uns auf, indem er dieses heilige Wissen weitergibt. (Klicke auf "Partie wählen", um mehr Partien auszuwählen)  

Gleichzeitig hat er viele, unglaublich viele, eigene Neuerungen, dabei fällt aber auf, wie wenige davon zu vollwertigen Eröffnungstrends wurden.

Chuckys berühmte Fantasie-Ausbrüche könnten ein Thema für einen anderen Artikel sein. Ich habe diese Beispiele mit besonderer Freude ausgesucht und hoffe, dass einige davon euch überraschen werden. 

Ivanchuk bei der Arbeit | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Bei den ungewöhnlichen Elementen seines Spiels bemerkte ich eine Tendenz, mit einem Turm und einer Leichtfigur gegen die Dame zu spielen. Man bekommt den Eindruck, als wäre das materielles Ungleichgewicht das, was Vassily als besondere Kunstform reizt.

Seine Endspiel-Technik kann man gar nicht genug loben - sein Wissen über theoretische Stellungen und typische Schemata ist unfassbar. Wenn sein Gegner außerdem kein klar definiertes Gegenspiel hat, macht das Ivanchuk üblicherweise noch stärker.

Und nun kommen wir zu den Schwächen, wobei das wichtigste Manko sein Spiel in passiven Stellungen ist. Manchmal endet alles darin, dass er völlig absurd und frühzeitig aufgibt. Und natürlich seine berüchtigen Nervenzusammenbrüche - tragisch und manchmal unerklärlich…

Aus seiner Akte

Vassily Ivanchuk begann im Alter von 10 Jahren Schach zu spielen und gewann als 15-Jähriger die Juniorenmeisterschaft der UdSSR. Eine beeindruckende Leistung - der Junge lernte alle 48 Partien des ersten Karpov-Kasparov-Matches auswendig. Die Leidenschaft fürs Training und ein unbestreitbar außergewöhnliches Gedächtnis sind ihm über die Jahre hinweg geblieben: Ivanchuk spricht vier Fremdsprachen – Englisch, Spanisch, Türkisch und Polnisch, hat sich die zweite Potenz der Zahlen 1 bis 30 eingeprägt und kann viele Lieder und Gedichte auswendig.

  • Seine beste Leistung in der Weltratingliste: Zweiter Platz im Jahr 1991 und im Jahr 2007. Das fällt mit seinen insgesamt zwei Hochzeiten zusammen.
  • Er gab selbst zu, dass er viele originelle Ideen bei Gottesdiensten in der Kirche fand.
  • Neujahr 2009 präsentierte er auf ChessPro ein neues Spiel mit den Schachfiguren namens "Kiss the queen".
  • Er interessiert sich sehr für das Damespiel, spielt auf dem Level eines Candidate Masters und nahm an der Meisterschaft von Lviv teil. Er spielt ebenfalls leidenschaftlich gerne Roulette in Casinos - mit guten Ergebnissen.
  • Er schaut sich lieber Sportarten an, bei denen sich die Spieler persönlich gegenüberstehen: Tennis und Boxen.
  • Er studiert Schach normalerweise ohne einen Computer, entweder blind oder mit einem großen Schachbrett und Figuren.
  • Bei Linares 2009 bot er Dominguez im 47. Zug in einer Gewinnstellung remis an, da er sein Verhalten bei beiderseitiger Zeitnot unpassend fand (das Angebot wurde angenommen).

Medizinisches Gutachten

Eine Nahaufnahme von Ivanchuk | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Aber was ist ein Genie? Es gibt schließlich keine klare Definition des Konzeptes. Ihr müsst zugeben, dass das unsere Untersuchung etwas ungewöhnlich macht. Von den Studien, die ich zu dem Thema fand, gefiel mir Cesare Lombroso’s “Genie und Irrsinn” am besten. Lasst euch nicht vom Titel abschrecken - ich bin mir sicher, dass viele von uns die außergewöhnlichen Fähigkeiten gewisser Personen mit einer Art Geisteskrankheit assoziieren. Und es gibt sogar noch mehr, die diese Last gerne tragen würden, wenn das möglich wäre. Auf jeden Fall sind hier die Haupt-Unterscheidungsmerkmale für Genialität, die der italienische Wissenschaftler in seinem Buch aufführt:

  1. Die unnatürliche Entwicklung eines Talents in einem besonderen Feld und ab einem frühen Alter
  2. Gewohnheiten, die schädlich dafür sind, in Form zu bleiben
  3. Der Drang, sich zu bewegen, Ruhelosigkeit
  4. Die Tendenz, den Beruf und die Tätigkeit zu wechseln
  5. Den Wunsch, die kompliziertesten Fragen der Wissenschaft, der Kunst und des Lebens zu beantworten
  6. Ein besonderer - bunter und leidenschaftlicher - Schreibstil
  7. Tiefes, inneres Leiden aufgrund religiöser Zweifel
  8. Abnormale Sprachmuster
  9. Erhöhtes Interesse an den eigenen Träumen

Tatsächlich identifizierte Lambroso noch mehr charakteristische Eigenschaften, die typisch für psychisch labile Genies sind, aber die könnt ihr selbst herausfinden, wenn ihr Interesse habt. Meiner Meinung nach - auf der Grundlage meiner persönlichen Beobachtungen - scheint sein System recht zutreffend zu sein.

Aus erster Hand

…Schach bringt mich jetzt einfach um. Es spielt gegen mich! Es zerstört mich! 

(2009)

 Ich war nach der Niederlage sehr verärgert, aber ich plane absolut nicht, Schach aufzugeben…! 

(2009)

Ich lief die Arbat Straße entlang, unterhielt mich mit Malern, verbrachte etwas Zeit im Puschkin-Museum, ging in eine Kirche, die etwa 50m vom Hotel entfernt war, und sah denselben Priester, der mir letztes Jahr die Beichte abgenommen hatte… 

(2008)

Ich kann mich als einen der stärksten Schachspieler der Welt bezeichnen. Mich mit den großen Schachspielern der Vergangenheit zu vergleichen ist meiner Meinung nach nicht völlig unpassend, da diese Leute bereits viel erreicht haben, während ich hoffe, dass ich noch viel erreichen werde. Was das Konzept eines "Genies" angeht, so ist das Geschmackssache. Tal wurde als Genie bezeichnet, aber niemand nannte z.B. Botvinnik ein Genie. Oder Lasker, der 27 Jahre lang Weltmeister war, er wurde auch nicht Genie genannt. Man kann sich über Genialität streiten und es gibt keine klaren Kriterien dafür.

(2008)

…vor der Partie gegen Ponomariov hatte ich folgenden Traum. Ich sollte gegen Milov spielen und der Sieger hätte sich qualifiziert, um gegen Carlsen zu spielen. Und ich bereitete mich auf Milov vor und sagte meinem Sekundanten: "Du musst den letzten 'Informator' besorgen, da er dort oft die Partien kommentiert, und er spielt auch in Turnieren, die es vielleicht nicht in die Datenbank schaffen..." Beim Frühstück sah ich dann Milov und dachte mir, ich muss mir auf jeden Fall Milovs Partien anschauen. Ich denke nicht, dass der Traum ein Zufall war. 

(2008)

Nein, ich studierte nicht Mathematik an der Universität - es war nur ein Hobby. Manchmal reizt es mich jedoch so, dass ich die ganze Nacht damit verbringe. Ich erinnere mich an einen Fall bei einem Superturnier im Jahr 1996 in Las Palmas. Ich interessierte mich für die Frage, was eine Zahl kennzeichnet, die durch Sieben teilbar ist? Und wie kann man sie berechnen? Natürlich erkannte ich, dass Mathematiker die Antwort wussten, aber ich wollte selbst darauf kommen. Also saß ich nachts da und dachte nach... Eine Stunde, zwei, drei... Am nächsten Tag traf ich auf Anatoly Karpov, aber das war unwichtig. Und erst um fünf Uhr früh erfasste ich es auf einmal: ich verstand alles, was ich verstehen musste. Man kann sich nicht vorstellen, was das für ein angenehmes Gefühl ist. 

(2008) 

Ivanchuk auf die Frage, wen er als Schachgenie ansieht:

Capablanca – definitiv. Fischer – definitiv.

Eine Pause.

Alekhine? – schlug jemand vor.

‌Ja. – Vassily “bestätigte” Alekhine.

Kasparov?

Ja.

Karpov?

Nein.

Und Tal?

Ein Rätsel. Ich kann kein klares Ja oder Nein geben. Ich verstehe Tal nicht.

Und bei den Damen?

Judit Polgar.

Und Magnus Carlsen?

Ein großes Talent, aber ich würde ihn nicht voller Überzeugung ein Genie nennen. 

(2009)

Zwei Genies treffen aufeinander? | Foto: Alina l'Ami, Tata Steel Chess Facebook

Es ist nicht einmal unbedingt nötig, am Computer oder am Schachbrett zu sitzen. Ich kann auch im Park spazieren und eine wichtige Stellung im Kopf analysieren. Außerdem ist es auf keinen Fall sicher, dass das Arbeiten mit so einer Methode weniger effektiv sein wird, als wenn ich am Computer sitzen würde. Es hängt viel mehr davon ab, dass man in den Geisteszustand gelangt, in dem man neue Ideen entdecken kann. 

(2011)

Ich denke, ich kann immer noch Weltmeister werden, aber nur unter der Bedingung, dass ich die Meisterschaft und die Qualifikation als normale Turniere - nichts Besonderes- ansehe. Dann kann ich mich darauf vorbereiten. Ich kenne mich - wenn ein Turnier sehr wichtig ist, dann war es das, ich kann mich darauf nicht vorbereiten - weder am Computer noch am Schachbrett. Wenn die Spannung etwas sinkt, dann kommt wieder die Lust, Schach zu spielen, und neue Ideen tauchen auf. Warum das so ist? Ich weiß es nicht. 

(2011)

Ein wichtiger Aspekt von Carlsens Erfolg ist seine Widerstandsfähigkeit nach Niederlagen. Natürlich gewinnt er lieber, wie jeder andere Schachspieler auch, aber wenn so etwas passiert, gelangt er schnell aus diesem "groggy" Zustand heraus - um einen Begriff aus dem Boxen zu verwenden. Das funktioniert bei mir nicht so gut. 

(2011)

Wenn ich mich für etwas interessiere, wenn es mich reizt - dann mache ich stundenlang eine Sache und nichts anderes. 

(2011)

Von Kasparov habe ich gelernt, dass ich mir in Stressmomenten erlaube, schnell zu explodieren und mich dann genauso schnell wieder zu beruhigen. 

(2011)

Es heißt, dass das Konzept eines "Genies" in seiner heutigen Bedeutung erst im 18. Jahrhundert aufkam. Tja, das war in der Welt der normalen Leute, im Schach war es zweifellos sehr viel früher - ich kann mir nicht vorstellen, dass Al-Suli oder Greco als Normalsterbliche angesehen wurden. Der Titel ist inoffiziell, wird widerstrebend vom Publikum vergeben und ist noch schwerer zu behalten, obwohl er auf lange Sicht mehr wert ist als alle Preise, die im Verlauf des ganzen Lebens gewonnen wurden. Ob Vassily Mikhailovich Ivanchuk mit diesem höheren Titel geehrt werden sollte oder nicht - das entscheidet jetzt ihr.

GM Vlad Tkachiev

Vlad wurde in Russland geboren, wuchs aber in Kasachstan auf und vertritt nun Frankreich. Er war kasachischer und französischer Landesmeister und Sieger der Europameisterschaft von 2007, aber seine erste Liebe galt immer dem Schnellschach, das seinem Wunsch nach zur Hauptdisziplin werden soll. In den letzten Jahren startete er die Webseite WhyChess und verfasst nun einen Blog, ChEsSay. | Foto: Irina Stepaniuk


Wie denkt ihr nun darüber? Jetzt abstimmen!


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