Allgemein 12.07.2019 | 13:10von Colin McGourty

Ist GM Igors Rausis ein Betrüger?

Der 58-jährige Großmeister Igors Rausis wurde Berichten zufolge während des Strasbourg Open in flagranti erwischt, wie er auf der Toilette ein Handy benutzt hat. Schon länger war Rausis, der bereits für Lettland, Bangladesh und Tschechien angetreten ist, Gegenstand von Spekulationen geworden, nachdem sich er als bisher solider GM mit einer Elo um 2500 innerhalb der letzten sechs Jahre auf fast 2700 verbessert hatte. Statt nach einer Geschichte mit Vorbildcharakter sieht es nun so aus, als hätten die Zweifler richtig gelegen. 

Igors Rausis kletterte die Elo-Leiter bei kleineren Turnieren hoch, aber wenn man an die 2700 anklopft, werden die anderen trotzdem auf einen aufmerksam | Quelle: FIDE

Die jüngste Entwicklung von Igors Rausis hat in der Schachwelt gleichzeitig Erstaunen, Bewunderung und Zweifel ausgelöst. IM Lawrence Trent etwa twitterte im Vorjahr:

„Gibt es noch jemanden, der von den letzten Elo-Zugewinnen von GM Igor Rausis so stark beeindruckt ist wie ich? Ich habe 2013 und 2008 gegen ihn gespielt, als er 2518 bzw. 2486 hatte, aber jetzt hat er sich auf 2651 verbessert!! Ich habe nie an seiner Klasse gezweifelt, aber mit über 50 noch 200 Punkte zuzulegen ist echt krass.“

Die Entwicklung seiner Elo-Zahl ist wirklich erstaunlich, denn Rausis explodierte in einem Alter, in dem moderne Großmeister normalerweise ihren Zenit überschritten haben:

Igors Rausis war mit 58 auf dem Sprung in den 2700er-Club! | Quelle: FIDE

Zuletzt hatte die Entwicklung ihren Höhepunkt erreicht, denn Rausis war mittlerweile nicht nur der älteste Spieler in den Top 100 (sieben Jahre älter als Boris Gelfand), sondern sogar auf dem Sprung in den elitären Club der 2700er.  Er erhielt eine Einladung für das Grand Swiss Open in diesem Jahr, und vor seiner möglicherweise letzten Partie hatte er sich auf 2694,5 Elo und Platz 40 in der Live-Elo-Liste verbessert:


Natürlich gab es Spekulationen, ob Rausis betrogen hatte, wobei FIDE-Generaldirektor Emil Sutovsky in dieser Hinsicht zuletzt mehrere Andeutungen machte, doch war auch eine andere Erklärung denkbar – dass Rausis geschickt die 400-Punkte-Regel dazu ausnutzte, gegen schwächere Gegner 0,8 Elo-Punkte pro Partie gut zu machen. Laut dieser Regel kann der Elo-Unterschied zwischen zwei Spielern nie mehr als 400 Punkte betragen. Spielt ein 2600er gegen einen Spieler mit 1800, wird dieser als 2200er betrachtet und der 2600er kann dennoch Elo-Punkte gewinnen.

Wie mehrfach herausgestellt wurde, ist es jedoch keineswegs eine leichte Aufgabe, gegen schwächere fast immer zu gewinnen, und ein denkbarer Grund für die Teilnahme an schwächeren Open könnte auch gewesen sein, ernsthaften Vorkehrungen gegen Betrug aus dem Weg zu gehen. Falls dies der Plan war, ist dieser nun diese Woche beim Strasbourg Open gescheitert, denn die Fairplay-Kommission der FIDE hatte sich dort auf die Lauer gelegt. Yuri Garrett gibt auf seiner Facebook-Seite einige Details preis:

Das Resultat war, dass wir in der Toilette ein Telefon und schließlich auch dessen Besitzer gefunden haben. Auf den Vorfall folgt nun die übliche Vorgehensweise und danach eine Untersuchung, bei der die Geschehnisse komplett aufgeklärt werden.

Den ganzen Beitrag könnt ihr hier nachlesen:

Aktuell ist ein Foto im Umlauf, auf dem zu sehen ist, wie Igors Rausis auf der Toilette im Sitzen ein Handy benutzt. 

Igors stood to make €1,000 for first place in Strasbourg | source: Cercle d'Echecs de Strasbourg

Emil Sutovsky schreibt zudem (auf Russisch) auf seiner Facebook-Seite:

Igors Rausis wurde bei einem Turnier in Strasbourg in flagranti erwischt. Ich danke Yuri Garrett und Laurent Freyd, die dafür gesorgt haben, dass ein Spieler erwischt wurde, der schon lange unter Verdacht stand. Rausis wurde vom Turnier ausgeschlossen, und alle Beweise gehen nun an die Ethik-Kommission. Gleichzeitig wurde die Angelegenheit an die französische Polizei übergeben. Vor zehn Tagen habe ich geschrieben, dass ich niemandem raten kann zu betrügen. Der Fall Rausis ist erst der Anfang. Die FIDE hat ihre Maßnahmen verschärft. Betrug lässt sich nach wie vor nicht ausschließen, aber das Risiko, erwischt zu werden, ist deutlich gestiegen und die Strafen werden erheblich empfindlicher. Der Kampf gegen den Betrug wird Jahre dauern, und darauf sind wir vorbereitet.

Wir halten euch auf dem Laufenden, wie die Geschichte weitergeht.


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