Berichte 26.10.2018 | 10:13von Colin McGourty

Isle of Man, R6: Nakamura & MVL schließen zur Spitze auf

Hikaru Nakamura hat die Erfolgsserie von Abhijeet Gupta beendet und steckt nach seinem Sieg gegen den Inder mitten im Kampf um die Siegprämie von £50.000, die es beim Chess.com Isle of Man International Open zu gewinnen gibt. Neben ihm schlossen auch Maxime Vachier-Lagrave und Radek Wojtaszek mit beeindruckenden Gewinnpartien und nun 5 aus 6 zu den bisher Führenden Wang Hao, Jeffery Xiong und Arkadij Naiditsch auf. Einen halben Punkt zurück liegen Vladimir Kramnik und Vishy Anand, die ihre Partien nach ihrem gestrigen Ruhetag gewannen, und Sergey Karjakin, der eine scheinbar hoffnungslose Stellung gegen Mircea-Emilian Parligras remis hielt.

Hikaru Nakamura wehrte sich erfolgreich gegen Superman | Foto: John Saunders, Turnierseite

Alle Partien von der Isle of Man könnt ihr hier nachspielen:

Ominöse Züge

Nachdem die entscheidende Turnierphase begonnen hat, griffen die meisten Favoriten aktiv ins Geschehen ein. Von der vier Führenden vor Runde 6 nahm nur Arkadij Naiditsch, der Geburtstag hatte, ein sogenanntes Bye, während sich Jeffery Xiong und Wang Hao nach hartem Kampf remis trennten.   

Jeffery Xiong konnte seinen Mehrbauern gegen Wang Hao nicht verwerten | Foto: John Saunders, Turnierseite

Das bot den Verfolgern die Chance, zur Spitze aufzuschließen, und vor allem Hikaru Nakamura konnte sich gegen den vierten Spitzenreiter Abhijeet Gupta mit den weißen Steinen einiges ausrechnen. 

Hikaru Nakamura hat viermal in Gibraltar den ersten Platz belegt, er weiß also genau, wie man ein Open gewinnt!  | Foto: John Saunders, Turnierseite  

Gupta trug wie an den Vortagen seine Supermann-Kappe, doch der dritte 2700er-Skalp blieb ihm verwehrt. Sein aggressives Vorgehen mit den schwarzen Steinen zahlte sich nicht aus, und nach mehreren Abtauschaktionen folgte das starke 28.Sd4!

"Lasst euch nicht täuschen. Es gibt nur einen echten Superman."

Hikaru hat nach seinem dritten Sieg in Folge eine Menge Selbstvertrauen und wies im Hinblick auf Jeffery Xiong darauf hin, dass dieser einige leichte Gegner hatte. Offenbar hat er dabei den Namen Maxime Vachier-Lagrave überlesen!

Natürlich liegt Nakamura insofern richtig, als einige Spieler – wie der von ihm erwähnte Levon Aronian – extrem starke Gegner hatten, und auch Nigel Shorts Belohnung, sich nach Karjakin, Grischuk und So mit der armenischen Nummer 1 messen zu müssen, ist eher zweifelhaft:

"Es fühlt sich an, als würde ich beim Altibox-Turnier mitspielen, denn ich muss hintereinander gegen Karjakin, Grischuk, So und Aronian antreten."

Und natürlich trifft Hikaru in der nächsten Runde auf Jeffery Xiong!

Radek Wojtaszek nahm nach anstrengenden Wochen mit der Schacholympiade und dem Europacup ein Bye | Foto: John Saunders, Turnierseite

Zwei weitere 2700er haben mit Nakamura zur Spitze aufgeschlossen. Radek Wojtaszek musste nach einem Ruhetag gegen Rasmus Svane antreten, der in der Runde zuvor den ehemaligen WM-Kandidaten Boris Gelfand überrascht hatte:

"Nach einem Remis gegen Vishy Anand hat der deutsche GM Rasmus Svane nun Boris Gelfand besiegt." 

Dieses Mal aber saß Svane auf der falschen Seite des Bretts. Zahllose Schachpartien wurden mit dem Schlagen auf f7 entschieden, aber diese war zweifellos ein besonders attraktives Exemplar:

Nach 22…Qxf7 23.Sxf7 Kxf7 brächte die Springergabel 24.Sd6+ die Entscheidung. Svane versuchte sein Glück mit 23…Tf8, konnte das Unvermeidliche aber nicht mehr abwenden.

Maxime Vachier-Lagrave und Rinat Jumabayev sorgten für Chaos auf dem Brett | Foto: John Saunders, Turnierseite

Derweil forderte der Kasache Rinat Jumabayev die französische Nummer 1 Maxime Vachier-Lagrave in einer extrem scharfen Stellung heraus, musste sich am Ende aber ins (meist) Unvermeidliche schicken. Obwohl Weiß zeitweilig gut stand, setzte sich MVL in gegnerischer Zeitnot gekonnt durch. 33.f4? - womit der Kasache die Zugwiederholung ausschlug - war mit 17 Sekunden auf der Uhr der Verlustzug:


33…Txb2!, womit Schwarz die Drohung ignoriert, muss ein schwerer Schlag für den Weißen gewesen sein, dessen Stellung nach 34.Sf1 Sxe4 35.fxe5 dxe5 36.Sg3 exd4 in einer malerischen Schlussstellung kollabierte:

Anand und Kramnik auf der Verfolgung

Elf Spieler haben einen halben Punkt Rückstand auf die Führenden, darunter auch die ehemaligen Weltmeister Vishy Anand und Vladimir Kramnik, die sich am Vortag mit einem Bye noch einen Ruhetag gegönnt hatten. Vlad erklärte, dass man im fortgeschrittenen Alter bei neun Runden eine Pause benötige, und nannte als weiteren Grund, dass er wahrscheinlich gegen einen starken Gegner Schwarz gehabt hätte und ein Remis ohnehin der wahrscheinliche Ausgang gewesen wäre.

Kramnik erinnerte gestern an seine besten Zeiten | Foto: John Saunders, Turnierseite

In Runde 6 hatten beide Weiß, und Kramnik hatte eine Menge Spaß. Er spielte gegen Erwin l’Ami, dessen Angriff mit den schwarzen Steinen zu einer Stellung mit zwei Minusbauern führte. Da diese auch noch verbunden auf der d- und e-Linie unterwegs waren, musste man kein Nostradamus sein, um den Ausgang der Partie zu prognostizieren. Schön war sie dennoch, denn Kramnik beendete sie mit einem Damenopfer…

…und Erwin l’Ami ließ den schönsten Partieschluss zu:

"Verbundene Freibauern laufen bei Kramnik immer zur Dame, sofern der Gegner nicht vorher aufgibt..."

Vishy Anand hart umkämpfter Sieg nach 72 Zügen gegen Daniel Fridmans Russische Verteidigung wird es sicher nicht in die Sammlung seiner schönsten Partien schaffen, er könnte sich aber noch als wichtig erweisen.

Auftakt zu einer langwierigen Kampfpartie | Foto: John Saunders, Turnierseite

Und auch Sergey Karjakin hat nach seinem Remis gegen Mircea-Emilian Parligras 4,5 aus 6, doch ist es keine Überraschung, dass er in Runde 7 ein Bye nimmt. Nach seinem grandiosen Sieg in der Runde zuvor musste der Verteidigungsminister dieses Mal eine Stellung mit zwei verbundenen Minusbauern verteidigen, in denen mancher Spieler bereits aufgegeben hätte:

Seine Verteidigung war aber nicht fehlerlos, denn nachdem Karjakin bereits eine Remisstellung erreicht hatte, ließ er laut Tablebase noch einige Gewinnmöglichkeiten zu, doch der halbe Punkt, den er nach 91 Zügen erreicht hatte, war mehr als verdient.

Karjakins Verteidigung in einer hoffnungslosen Stellung war fast genauso beeindruckend wie sein Zwei-Springer-Matt am Tag zuvor | Foto: John Saunders, Turnierseite

Aus deutscher Sicht gab es an diesem Tag eine weitere Niederlage für Alexander Donchenko gegen Richard Rapport, doch Dennis Wagner und Elisabeth Pähtz errangen gegen die favorisierten Zoltan Almasi und David Howell zwei beachtliche Remis. Im deutsch-deutschen Duell besiegte Vincent Keymer den FM Thomas Höfelsauer.

Hier der Stand an der Spitze nach 6 Runden, wobei Levon Aronian, Anish Giri, Wesley So und Alexander Grischuk sic hunter den 20 Spielern befinden, die mit 4 aus 6 Anschluss suchen:

Rk.SNo NameFEDRtg TB1 
13GMVachier-Lagrave MaximeFRA27805,0
8GMNakamura HikaruUSA27635,0
10GMWojtaszek RadoslawPOL27275,0
12GMWang HaoCHN27225,0
13GMNaiditsch ArkadijAZE27215,0
29GMXiong JefferyUSA26565,0
74GMKramnik VladimirRUS27794,5
6GMAnand ViswanathanIND27714,5
9GMKarjakin SergeyRUS27604,5
11GMRapport RichardHUN27254,5
15GMAdams MichaelENG27124,5
17GMArtemiev VladislavRUS27064,5
24GMJones Gawain C BENG26774,5
25GMSethuraman S.P.IND26734,5
36GMParligras Mircea-EmilianROU26234,5
45GMAntipov Mikhail Al.RUS25934,5
47GMGupta AbhijeetIND25884,5

Kleinere Katastrophen

Kommen wir zum Schluss noch zu einigen Fehlern, die dem normalen Zuschauer sicher aus eigener Praxis gut bekannt vorkommen dürften! Glenn House überzeugte in Runde 1 und 3 gegen favorisierte Gegner, aber in Runde 6 musste er gegen Landsmann Lawrence Trent bereits die dritte Niederlage in Folge hinnehmen:


Wie soll Schwarz f7 verteidigen? Die richtige Antwort lautet 20…Tf8!, denn nach 20…0-0?? 21.Tc1! konnte Schwarz aufgeben. Wo liegt der Unterschied?  Die Dame kann nicht den Bauern auf g2 schlagen und entwischen, da die Fesselung Tg1 entscheidet.

Das nächste unglückliche Turnier für Pavel Eljanov! | Foto: John Saunders, Turnierseite 

Glenn House hat als FM eine Elo von 2180, aber Fehler können jedem passieren! GM Pavel Eljanov aus der Ukraine, der noch bei Elo 2703 steht, hätte gegen IM Ilja Schneider mit 41.Db8! und einigen weiteren Zügen gewinnen können, doch stattdessen zog er 41.Sb8?

Fairerweise muss man sagen, dass auch das einfach gewinnen würde, wenn Schwarz nicht das grandiose 41…Df2!!, wonach Weiß sogar aufpassen und 42.Db5 finden muss, um nicht schlechter zu stehen. Die Partie endete nach 42…Te1! (die Pointe) 43.Dg5+ mit weißem Dauerschach.

Auch in Runde 7, in der die Spieler eine möglichst optimale Ausgangsposition für die beiden Schlussrunden schaffen wollen, gibt es wieder attraktive Paarungen:

Alle Partien könnt ihr auch heute ab 15:30 Uhr live auf chess24 verfolgen!

Weitere Links:


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