Berichte 25.10.2018 | 17:17von Colin McGourty

Isle of Man, R4-5: Superman und andere führen

Der indische Großmeister Abhijeet Gupta trug bei zwei Siegen nacheinander gegen die 2700er Le Quang Liem und Vidit eine Superman-Kappe. Vier Runden vor Turnierende führt er nun zusammen mit Arkadij Naiditsch, Wang Hao und Jeffery Xiong, alle haben 4,5/5. MVL, Hikaru Nakamura und Sergey Karjakin sind die bekanntesten Spieler mit einem halben Punkt Rückstand. Karjakin stand in Runde 5 im Mittelpunkt, da er ein seltenes Matt mit zwei Springern gegen einen Bauern geben konnte.

Abhijeet Gupta ist bei Vidits Geburtstagsparty wohl nicht mehr willkommen ... | Foto: John Saunders, Turnierseite

Du kannst Dir im Viewer unten die Paarungen anschauen und bisherige Partien des Isle of Man Opens nachspielen:

Vier Spieler führen

Nach der vierten Runde hatten nur noch Wang Hao und Arkadij Naiditsch einen perfekten Score, nachdem beide mit Weiß Partien gewannen, die bis kurz vor der Zeitkontrolle etwa ausgeglichen waren. Arkadij spielte gegen Pavel Tregubov plötzlich nicht mehr auf Bauerngewinn, sondern überführte seine Dame nach g4, von wo sie auch das Feld c8 im Auge behielt. In beiderseitiger Zeitnot suchte Pavel nach einer Verteidigung, aber es gab keine ausreichende mehr: 

‌Arkadij Naiditsch besiegt Pavel Tregubov und wird beim Isle of Man Open alleine führen, außer wenn Wang Hao einen Sieg gegen Erwin l'Ami herausquetschen kann.

Auf 40…Th6 käme wieder 41.Tc8+ mit Matt in drei Zügen.

Wang Hao war früher Dauergast bei Superturnieren, und wirkt gegen die Weltspitze immer noch nicht fehl am Platz | Foto: John Saunders, Turnierseite

Wang Haos Partie verlief in Zeitlupe, der Chinese konnte seinen Raumvorteil konkretisieren und entscheidend in die Stellung von Erwin l'Ami eindringen. 50.g5! war der Schlusspunkt.

‌Am Ende gewinnt Wang Hao und teilt nun mit 4/4 die Führung auf der Isle of Man mit Arkadij Naiditsch! Sie treffen morgen in Runde 5 aufeinander.

Beide perfekten Scores verschwanden dann jedoch, da die Führenden in 36 umkämpften Zügen Remis spielten. Damit konnten sie von Verfolgern eingeholt werden, zwei Spieler nutzten ihre Chance. Der eine war Abhijeet Gupta, der nun für zwei von sechs Siegen gegen 2700+ Spieler auf der Isle of Man zuständig ist.

Vidit bremste Praggnanandhaas Aufstieg und besiegte den Knirps in Runde 4 | Foto: John Saunders, Turnierseite

In Runde 4 gewann Gupta mit Schwarz gegen Le Quang Liem durch einen sizilianischen Angriff, in Runde 5 verdarb er den 24. Geburtstag seines Landsmanns Vidit. Allerdings war es vor allem Vidits eigene Schuld, mit 25…Dd7? schenkte er dem Gegner den vollen Punkt:


Auf den ersten Blick ist das eine Einladung zu Damentausch nebst schnellem Remis. So war es vielleicht auch gemeint, aber das kleine Problem ist, dass Weiß nach dem Damentausch einfach einen Bauern gewinnt: 26.Dxd7 Txd7 27.b4! Sc4 (27…Sc6 28.Lxa6!) 28.Sxd5! und fast 40 Züge später gab Schwarz auf.

‌"Wie konntest Du mir das an meinem Geburtstag antun?" sagt Vidit offenbar seinem Freund Abhijeet Gupta.

Diesen Fehler wollte Arkadij Naiditsch offenbar nicht machen, für seinen 33. Geburtstag am Tag der sechsten Runde nahm er ein bye!

Jeffery Xiong hielt gegen MVL Remis und besiegte dann Richard Rapport | Foto: John Saunders, Turnierseite

Der Vierte im Bunde der Führenden ist der 17-jährige US-Star Jeffery Xiong. Nach seinem Sieg bei der Junioren-Weltmeisterschaft ging sein weiterer Aufstieg langsamer als erwartet, aber offenbar ist die Zeit für den nächsten Schritt gekommen.


In Runde 4 bremste er Maxime Vachier-Lagrave, der zuvor 100% hatte; tags darauf eroberte er den Skalp von Richard Rapport (Elo 2725). Es war eine wilde und wunderschöne Partie, in der Jeffery zuvor mit Schwarz eine Figur für zwei Bauern geopfert hatte. Dramatisch wurde es dann kurz vor der Zeitkontrolle:


Die Position ist im Stil eines kreativen Spielers wie Richard Rapport, aber hier überspannte er nun wohl den Bogen. Der Springer konnte auf d3 ausharren, da Qxd3 an Qxe6 scheitert. Aber er beschloss, die attraktive schwarze Bauernstruktur mit 35.Nxf4!? zu zerstören. Offensichtlich kann Schwarz den Springer nicht nehmen, aber nach 35…Rf6! hatte Weiß Probleme. Anscheinend kann der Springer nicht zurück auf das Blockadefeld d3 (auch wenn 36.Sd3!? Dxd3 37.Dxe5 laut Engines spielbar ist). Richard wählte 36.Se2 und wurde nach 36…d3! 37.Sc3? (37.Sg3) 37…Tg6! 38.Te7? b4! überrollt.


Wie Du siehst, war es keine fehlerfreie Partie, aber dennoch eine extrem beeindruckende Demonstration von Rechenkunst und Fantasie des jungen Amerikaners.

Wo sind die Weltklassespieler?

Der grosse Reiz auf der Isle of Man ist, dass einige der weltbesten Spieler bei einem Open dabei sind, aber manchmal kann man sie schwer finden! Zum Beispiel spielten in Runde 4 Anish Giri, Vladimir Kramnik, Vishy Anand and Hikaru Nakamura alle mit Weiß an Brett 14-17.

Zwei Ex-Weltmeister, ein ehemaliger WM-Herausforderer und ein zukünftiger Weltmeister? | Foto: John Saunders, Turnierseite

Alle gewannen an diesem Tag, aber nicht alle spielten tags darauf an einem höheren Brett: Kramnik und Anand nutzten das Recht, für eine Runde ein bye zu nehmen - dafür gibt es einen halben Punkt. In einem Turnier ohne Ruhetage war es verständlich, für einige kam es dennoch überraschend:

‌Sie wissen etwas, das wir nicht wissen?!

Giri selbst erschien zur fünften Runde, aber nur für ein Kurzremis gegen seinen festen Sekundanten Erwin l’Ami.

‌In Runde 5 endet das niederländische Duell zwischen Erwin l'Ami und Anish Giri mit einem schnellen Remis

Das hat die Frage vielleicht beantwortet!

‌Nun weisst Du warum

Weise Männer! Man kann von Weltmeistern lernen...

Da Weltklassespieler sich abmühten, bekamen Spieler mit etwas niedrigerer Elozahl schwere Paarungen, u.a. Nigel Short:

‌Ich traf an aufeinander folgenden Tagen auf Sergey Karjakin und Alexander Grischuk. Ich bin es einfach nicht mehr gewöhnt, gegen Weltklasseleute zu spielen. Es ist sehr anstrengend.

Die Belohnung für Remisen gegen Sergey Karjakin and Alexander Grischuk – als nächster Gegner Wesley So!

Short übertrieb es einmal beinahe betrifft "erwische sie solange sie jung sind" - bei einem Autounfall in Griechenland sass auch der 15-jährige Karjakin im Wagen | Foto: John Saunders, Turnierseite

Allerdings enthält die Gruppe einen halben Punkt hinter den Führenden vier 2700er. Hikaru Nakamura verpasste in Runde 3 den Sieg, überlebte eine schlechtere Stellung mit Weiß in Runde 4 und bekam in Runde 5 von Alexei Shirov ein Qualitätsopfer vorgesetzt. Aber diese Partie gewann er und kann nun noch in den Kampf um den Turniersieg eingreifen.

Kur stand das Brett in Flammen, aber es wurde schnell gelöscht und Nakamura bekam den vollen Punkt | Foto: John Saunders, Turnierseite

Er hat Gesellschaft von Radek Wojtaszek, der nach drei Siegen ein bye nahm. und von Maxime Vachier-Lagrave, der sich nach drei Siegen nun zweimal mit Remis begnügen musste. Die französische Nummer 1 konnte in Runde 5 gegen Mircea-Emilian Parligras ein ungewöhnliches Endspiel mit Bauern gegen einen Springer nicht gewinnen:


Ein anderer Spieler zeigte perfekte Technik in einem Springerendspiel: der 17-jährige Sam Sevian bekam eine Gratis-Trainingsstunde von Sergey Karjakin. 

Sergey Karjakin bezwang Sam Sevian (die deutsche Fahne daneben für Donchenko gegen Artemiev) | Foto: John Saunders, Turnierseite

Es ist wohlbekannt, dass man mit zwei Springern nicht mattsetzen kann, aber wenn der Gegner noch einen Bauern hat gibt es eine Chance: man kann den gegnerischen König mit einem Springer in die Ecke jagen und dann mit dem anderen Springer den Matt-Gnadenstoss erteilen. Dafür hat man ebenso viele Tempi wie Felder des gegnerischen Bauern bis zum Umwandlungsfeld, in dieser Stellung waren drei Felder für Schwarz nicht genug!


Mit perfektem Spiel kann Schwarz sich immer noch halten, aber das ist hart nach fünf Stunden am Brett (und überhaupt!). Hier ist 81…Ke8! remis, während es nach 81…Kf6 keinen Weg mehr zurück gab. Sergey zeigte danach die siegbringende Technik, Sam gab nach 92 Zügen auf:


Schwarz bekommt eine neue Dame, aber parallel kann Weiß mit z.B. Sd6-f7 mattsetzen.

Die vordersten Bretter mit deutscher Beteiligung in Runde 4 und 5: In Runde 4 unterlag Georg Meier tief im Läuferendspiel gegen Richard Rapport, der entscheidende Fehler im 61. Zug. Erwartungsgemäss verloren Martin Zumsande und Nikolas Lubbe gegen Nakamura und Shirov, Georg Seul konnte dagegen nach tags zuvor Sieg gegen Ganguly nun gegen Sutovsky Remis halten.

In Runde 5 sind vor allem zwei souveräne Weißsiege erwähnenswert - von Daniel Fridman gegen Vincent Keymer entsprechend der Elo-Erwartung, von Rasmus Svane (zuvor Remis gegen Anand) gegen Boris Gelfand überraschend. Mit Schwarz spielten Donchenko, Meier, Wagner und Seul jeweils Remis gegen Großmeister (Artemiev, Sethuraman, Praggnanandhaa und Mekhitarian).

Mit nur noch vier Runden zu spielen sollten die Stars Gas geben. Zum Beispiel hat Hikaru Nakamura in Runde 6 Weiß gegen Gupta und riecht sicher Blut. Verfolge alles live hier auf chess24 ab 15:30 MESZ!

Siehe auch:


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