Berichte 22.10.2018 | 15:00von Colin McGourty

Isle of Man, R1-2: Schwierigkeiten für die Favoriten

Vishy Anand und Vladimir Kramnik gehören zu den Stars, die in den ersten beiden Runden des Chess.com Isle of Man International Open Probleme bekamen. Von den neun Spielern der Top 15 schafften nur MVL und Levon Aronian einen optimalen Start mit 2 aus 2, und dabei war Letzterer noch darauf angewiesen, aus dem Verlustzug einen vollen Punkt zu machen! Viele weitere Stars hatten ernste Probleme, schafften es aber immer, zumindest ein Remis zu erreichen. 100 Prozent haben bislang auch Boris Gelfand, Arkadij Naiditsch, Wang Hao und Vidit auf dem Konto, wobei dem Inder sogar das Kunststück gelang, in beiden Partien die Dame zu opfern!

Der 12-jährige Raunak Sadhwani hätte um ein Haar sein Idol besiegt! | Foto: John Saunders, Turnierseite

In diesem Jahr fehlen auf der Isle of Man Titelverteidiger Magnus Carlsen, dessen Herausforderer im Kampf um die WM Fabiano Caruana, und die Nummern 3 und 4 der Welt, Shakhriyar Mamedyarov und Ding Liren, doch ansonsten sind die restlichen Spieler der Top 10, 20 Spieler mit einer Elo von über 2700 und insgesamt 75 Großmeister vertreten!

Schon in Runde 1 trafen diverse Großmeister aufeinander, und in Runde 2 mussten Vladimir Kramnik, Wesley So und Hikaru Nakamura an Brettern Platz nehmen, die nicht live übertragen wurden (32 Bretter werden live übertragen) – was ihnen sicher nur auf der Isle of Man passiert (ein Bereich dieses fantastischen Opens, der noch verbessert werden kann). Zum Glück werden alle Partien aber hinterher eingegeben, sodass ihr sie hier nachspielen könnt:

Perfekt gestartet

Normalerweise haben die Top-Spieler es zu Beginn recht leicht, doch beim Masters auf der Isle of Man gibt es nur wenige schwächere Spieler. Schon in Runde 1 treffen die Stars daher auf starke IMs. Aus diesem Grund ist es auch wenig überraschend, dass nur 19 Spieler nach zwei Runden 2 aus 2 haben. Und die einzigen Top-10-Spieler mit einer weißen Weste sind Maxime Vachier-Lagrave und Levon Aronian. 

Nikolas Lubbe-MVL - und viele weitere Stars um sie herum! | Foto: John Saunders, Turnierseite

MVL unterstrich in der 1.Runde sein positionelles Übergewicht gegen Nikolas Lubbe, indem er seinen f5-Bauern mit einem schönen Zug deckte:


22.Sd4! Die schwarze Stelllung wäre nach 22…exd4 23.Te6! Dc7 24.Tc1! nicht zu halten, daher spielte Nikolas 22…Tg8. Später konnte er mehr Widerstand leisten, doch unterm Strich sicherte sich MVL einen sicheren Sieg. Einen Tag später legte er gegen den Inder GM Puranik nach und beschenkte sich selbst zum 28. Geburtstag mit 2 aus 2.

Levon Aronian schlug Dennis Wagner, aber nicht gerade überzeugend... | Foto: John Saunders, Turnierseite

Levon Aronian feierte in der ersten Runde ebenfalls einen sicheren Sieg, doch in Runde 2 brauchte er gegen den deutschen GM Dennis Wagner viel Geschick und Selbstvertrauen (und ein bisschen Glück), um den ganzen Punkt einzufahren. Mit einem gut getimten Qualitätsopfer hatte er die Initiative übernommen, doch außer auf der Uhr hatte er nie größeren Vorteil. Dann aber erlebte die Partie ihre dramatische Wende. 50.Sxb3? erwies sich als einer der Fehler, die gelegentlich Partien gewinnen (50…Sxf5! war gemäß Computer der einzige Zug):


Auf einmal steht Weiß auf Gewinn, wenn er einen seiner Türme nach g4 zieht, den a4-Bauern verteidigt und die schwarze Dame angreift. Stattdessen investierte Wagner drei seiner letzten vier Minuten (Aronian hatte noch 45) für 51.Ka3? und musste nach 51…d4! 52.Dc4 Sa5 aufgeben.

While Kramnik machte bisher 144 Züge und wartet noch auf einen Sieg - Vidit zeigt, wie es geht, mit Damenopfern! | Foto: John Saunders, Turnierseite

Am spektakulärsten erreichte vermutlich der Inder Vidit 2 aus 2. In Runde 2 hatte der englische IM David Eggleston auf g5 eine Figur geopfert, doch nach 16.Sc4 bekam er kräftigen Gegenwind zu spüren:


Es folgte das Damenopfer 16…Sxd5!, und nach 17.Lxe7 Sdxe7 hatte Schwarz drei Figuren und zwei Bauern für die Dame. Vidit hatte in der Folge viel Freude, den gegnerischen König übers Feld zu jagen und schließlich auf der anderen Seite des Bretts mattzusetzen!


In Runde 2 folgte gegen Landsmann GM Debashis das nächste Damenopfer 25.Dh5!, das die Partie auf der Stelle beendete:


25…Sxh5 26.Lxf7+ Kh8 27.Tg8# führt nach dem Schlagen der Dame zum Matt, aber es gab keine bessere Alternative.

Wang Hao ist einer der Spieler, der dank eines Sieges gegen den 14-jährigen Nihal Sarin 2 aus 2 hat | Foto: John Saunders, Turnierseite

Favoriten mit Problemen, aber ohne Niederlage

Angesichts der Ereignisse an anderen Brettern bedeutete ein Remis gegen einen stark aufspielenden schwächeren Gegner keinen Grund zur Klage. Das sah auch Anish Giri so, der sich in Runde 1 gegen Alina Kashlinskaya mit einem Remis begnügen musste ... 

Natürlich kosten solche Remis Elo-Punkte…:

Selbst ein Remis bekommt man gelegentlich aber nicht so einfach. Fragt Vishy Anand! In Runde 1 musste der Ex-Weltmeister gegen seinen 12-jährigen Landsmann Raunak Sadhwani antreten und hätte um ein Haar bereut, dass er einen Schachboom in seinem Heimatland verursacht hat. Diese Partie war ein echter Brocken…

Vishy meinte nach der Partie, dass er beim “selbstmörderischen” 18…Dg4?! die Stärke des Zuges 20.Ta7! übersehen habe:


Der Computer empfiehlt das traurige 20…Dc4, doch die Stellung sieht nach dem Qualitätsopfer ebenfalls miserabel für Schwarz aus. Stattdessen setzte Vishy seine Hoffnung auf 20…Kd7!?, aber nach 21.Td1 drohte Weiß bereits, auf d6 zu schlagen. Objektiv ist die Stellung schlicht verloren, doch Vishy kämpfte und behielt am Ende sogar die Oberhand, nachdem er seinen König in Sicherheit gebracht hatte:

Nach diesen 74 Zügen hoffte Anand sicher, dass er eine Weile keine Probleme hätte, doch in Runde 2 überraschte ihn der amerikanische GM Robert Hess mit Französisch, gewann einen Bauern und hatte im Turmendspiel sogar zwei Bauern mehr. Offenbar verließ die Partie nie die Remisbreite, aber Anand musste 78 Züge kämpfen, bis das Unentschieden unterschriftsreif war.

Anand war aber nicht der Einzige, der leiden musste. Der Inder GM Krishna hatte in Runde 1 als Schwarzer eine Stellung mit einem Vorteil von mehr als -3 gegen Wesley So, doch der hielt die Partie remis.

Vladimir Kramnik hatte im Vorjahr einen schlechten Start auf der Isle of Man, als er in Runde 1 gegen Fabiano Caruana gelost wurde und verlor. Dieses Jahr lief es nicht ganz so schlecht für ihn, doch zunächst schaffte er gegen den Inder GM Sundararajan aus schlechterer Stellung nur ein Remis, ehe er tags darauf an Brett 33 gegen Alina Kashlinskaya regelrecht ums Überleben kämpfte:


49…Tc5! hätte den Druck aufrechterhalten, da 50.Sxb3? wegen 50…cxb3! 51.Txc5 b2 verliert. Nach 49…Lxa4 50.Ta1! c3 51.Txa4 c2 52.Se2 konnte Weiß aber das entstehende Turmendspiel remis halten.

Alina Kashlinskayas Mann Radek Wojtaszek kann nach Remis gegen Anish Giri und Vladimir Kramnik stolz auf seine Frau sein! | Foto: John Saunders, Turnierseite 

Und selbst wenn die Favoriten völlig verloren schienen, fanden sie noch einen Ausweg. Ein eklatantes Beispiel lieferte der deutsche Großmeister Alexander Donchenko, der erst kürzlich gegen Magnus Carlsen Remis gehalten hatte:

Es folgte 62…Tf4 63.Td7+ Kc8 64.Txd4 Kb8, doch statt 65.Td8+ oder einem anderen Gewinnzug spielte Deimante Cornette 65.Ld7? und Donchenko konnte sich nach 65…e3 66.Txd3 e2 67.Te3 sehenswert retten:


67…Tf3! sicherte Schwarz eine neue Dame und obwohl die Stellung remis war, gelang es Donchenko, seinen g-Bauern bis nach g2 zu treiben und die Partie zu gewinnen!

Überraschungen

Richtige Überraschungen, in denen nominell schwächere Spieler gewannen, gab es nur wenige. Das einzige Beispiel der ersten Runde war der Sieg des 55-jährigen Engländers FM Glenn House (2180), der die gewagte Eröffnungsbehandlung des indischen GM Swapnil (2493) bestrafte. House durfte als Belohnung in Runde 2 gegen Anish Giri antreten, was weniger gut ausging.

Giri spielte in Runde 2 gar nicht so solide| Foto: John Saunders, Turnierseite

Ein paar Überraschungen mehr gab es in Runde 2, denn WIM Laura Unuk (2272) besiegte Natalia Zhukova (2403) und FM Michal Paterek (2311) bezwang GM Pia Cramling (2465), doch nur zwei Außenseitersiege konnte man an den Live-Brettern bewundern.

GM Vishnu Prasanna (2504) schlug GM Tami Nabaty (2692) und GM Sethuraman (2673) unterlag seinen Landsmann IM Harsha Bharathakoti (2492). Tags zuvor hatte Sethuraman noch Grund zur Freude:

20…exd5 21.Dh3+! war das Problem, und nach 20…Db8 21.Dxf7 gewann Sethuraman sicher. In Runde 2 hatte aber nur sein Gegner Spaß. Die Partie endete mit 29.Sxf5!


Hatte Harsha 29…Se4 ? übersehen? Nein! Nach 30.Ke2 Sxd2 31.g7! gab Schwarz auf.

In Runde 3 kommt es zu vielen interessanten Duellen, wie etwa Levon Aronian gegen Sam Sevian, MVL-Tari, Artemiev-Keymer und Praggnanandhaa-Eljanov. Alle Partien könnt ihr ab 15:30 Uhr live auf chess24 verfolgen!

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