Berichte 27.10.2017 | 13:55von Colin McGourty

Hoogeveen: Ivanchuk schlägt Wei Yi

Zwar konnte Wei Yi mit einem Sieg gegen Vassily Ivanchuk das Match in Hoogeveen in der sechsten Partie ausgleichen, doch dann schlug der Ukrainer mit zwei Siegen im Blitz zurück und fuhr unterm Strich einen 5:3-Sieg ein. Einen ganz ähnlichen Verlauf nahm das andere Match, das Jorden van Foreest beim Stande von 3:3 mit zwei Siegen im Blitzen für sich entschied. Roeland Pruijssers lag im Open nach 7 Runden allein in Führung, muss sich nun aber noch im K.O.-System gegen drei Konkurrenten beweisen.

Ivanchuk hatte nicht nur Grund zur Freude, aber am Ende blieb er im Blitzen siegreich | Foto: Lennart Ootes, Offizielle Turnierseite

Nach Ivanchuks Sieg in Partie 3, in der er ein inkorrektes Opfer widerlegte, rannte Wei Yi einem Rückstand hinterher. In Runde 6 gelang es ihm schließlich, eine Partie zu gewinnen. Alle Partien könnt ihr hier nachspielen:

In der 4. Partie spielte Ivanchuk wieder Sizilianisch, und Wei Yi opferte abermals einen Bauern, aber gerade als sich sein Entwicklungsvorsprung bemerkbar zu machen schien, stiftete Vassily mit 20…h3!? Verwirrung:


Mit diesem kleinen Seitenhieb provozierte Ivanchuk die Schwächung, die ihm im Schwerfigurenendspiel den Weg zum Remis ermöglichte.

Wei Yi-Ivanchuk bot viel Unterhaltung |Foto: Lennart Ootes, Offizielle Turnierseite

Auch die nächste Partie verlief unterhaltsam, denn Wei Yi opferte kurzerhand die Dame, als sich die Gelegenheit bot:


19…dxe4! Ivanchuk hatte dagegen aber offenbar nichts einzuwenden, denn nach 20.Txd6 Lxd6 21.Dd1 Le5 22.Le2 Lxb2 23.Tb1 Lc3 24.Lxa6 Lxa2?! hatte er einen Zug in petto, dessen Stärke Wei Yi nach eigenen Angaben unterschätzt hatte:


25.Lxc3! folgte nach 17 Minuten, und danach hatte Weiß keine Probleme mehr. Als sich der Rauch endgültig verzogen hatte, konnte Weiß mit seiner Dame gegen das schwarze Turm-Springer-Duo aber keine entscheidenden Fortschritte machen.  

Gebete helfen gegen Wei Yi selten | Foto: Lennart Ootes, Offizielle Turnierseite

Damit brauchte Wei Yi in der letzten Turnierpartie auf jeden Fall einen Sieg mit den weißen Steinen. Viele Spieler hätten womöglich nicht noch einmal einen Sizilianer riskiert, aber Ivanchuk ließ sich nicht beirren. Dieses Mal allerdings drang sein junger Konkurrent durch und konnte seinen e-Bauern auf e6 etablieren.


Beide Spieler waren sich hinterher einig, dass Schwarz hier mit 22...Sf6 größeren Widerstand leisten konnte. Ivanchuk meinte, er habe nach 23.Lxh6 nicht mehr weitergerechnet, aber nach 23…Sxd7! 24.exd7 Tf7 gibt es keinen direkten Ausmacher und Schwarz hat gute Chancen, sich zu konsolidieren. Ivanchuk kommentierte nach der Partie:

Wie konnte ich das übersehen? Weiß steht vermutlich leicht besser, aber die schwarze Stellung ist spielbar.

Wei Yi sah das genauso und fügte hinzu, dass er obendrein bereits in Zeitnot war. Stattdessen spielte Ivanchuk aber 22…h5 und konnte schließlich nicht verhindern, dass die weiße Dame entscheidend auf g5 eindrang:


Der Rest war Agonie, denn die schwarze Dame und der weißfeldrige Läufer waren aus dem Spiel und konnten dem eigenen König nicht zu Hilfe eilen.

Eine Niederlage tut immer weh | Foto: Lennart Ootes, Offizielle Turnierseite

Durch Wei Yis Ausgleich in der letzten Turnierpartie ging das Match in die Verlängerung und musste mit zwei Blitzpartien entschieden werden. In der ersten Partie war der Chinese erneut am Drücker und hatte als Schwarzer aus der Eröffnung heraus einen Bauern mehr. Dann aber gewann Ivanchuk den Bauern zurück und schließlich auch die Partie.

Noch ein Zuschauer... | Foto: Lennart Ootes, Offizielle Turnierseite

In der zweiten Partie feierte Wei Yi einen kleinen psychologischen Triumph, denn Ivanchuk verzichtete nun auf den Sizilianer. Dazu passt dieser Dialog:

Loek van Wely: Es war schön, dass Vassily Sizilianisch spielte.

Ivanchuk: Du hast mich darum gebeten - ich hatte keine Wahl! (lacht) Nur im Blitzen habe ich mir Skandinavisch gestattet.

Der Wechsel zahlte sich aus, denn Wei Yi kam bald vom richtigen Weg ab und musste nach 18…b5! aufgeben.


Ivanchuk dachte zwar stolze 34 Sekunden über seinen Zug nach, doch als er ihn schließlich ausgeführt hatte, war die Partie vorbei. Der Springer auf f4 ist mehr zu retten.

Damit war das Match abrupt zu Ende, doch werden die interessanten Turnierpartien auf jeden Fall in guter Erinnerung bleiben.


Beim Match zwischen Adhiban und Jorden van Foreest gab es zwei Gewinnpartien mehr, aber die Qualität war nicht so hoch. In Partie 4 konnte sich Adhiban offenbar nicht mehr an seine Analysen in einer extrem scharfen Eröffnungsvariante erinnern und stand nach 15...g4?! bereits auf Verlust.


Nach 16.dxe5! versuchte der Inder noch mit 16…Lxf2+ 17.Txf2 g3!? Verwirrung zu stiften, doch Jorden hatte einfach zwei Bauern mehr und gewann mühelos.

Wieder einmal bot Adhiban attraktives Schach | Foto: Lennart Ootes, Offizielle Turnierseite

Direkt im Anschluss wählte Adhiban aber in der fünften Partie einen völligen anderen Ansatz und gewann ein ruhiges Endspiel mit minimalem Vorteil. Die sechste Partie endete remis, womit der Wettkampf ebenfalls beim Blitz entschieden werden musste.

Ende gut, alles gut für den 18-jährigen Jorden van Foreest | Foto: Lennart Ootes, Offizielle Turnierseite

Van Foreest gewann die erste Blitzpartie als Weißer recht problemlos, doch bei der Revanche sah es zunächst ganz anders aus. Nach wildem Verlauf stand Adhiban komplett auf Gewinn:


27.Dd7! gewann mehr oder weniger sofort, aber nach dem verführerischen 27.Txg7+ Kxg7 28.Lh6+ Kg8 29.Dd7 hielt 29…Te7! den Laden zusammen. Van Foreest gewann in der Folge die Partie und das Match:


Für die Zuschauer waren die Stichkämpfe natürlich eine Attraktion  | Foto: Lennart Ootes, Offizielle Turnierseite

Jorden van Foreest und Loek van Wely sind zwar schon auf dem Weg nach Kreta zur Europäischen Mannschaftsmeisterschaft, aber in Hoogeveen wird noch gespielt. Roeland Pruijssers lag im Open mit 6/7 allein in Führung, aber er spielt nun mit Dmitrij Kollars, Dinar Saduakossova und Thomas Beerdsen im K.O.-System um den Turniersieg. Die restlichen Spieler absolvieren das Open normal zu Ende.

Vassily Ivanchuk mit einem Andenken an das Match gegen Wei Yi | Foto: Lennart Ootes, Offizielle Turnierseite

Damit ist aber immer noch nicht Schluss. Wei Yi und Adhiban tragen noch einen zweirundigen Wettkampf im Baskischen Schach aus, bei dem zwei Partien gleichzeitig gespielt werden:

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