Berichte 10.11.2019 | 23:14von Colin McGourty

Hamburg GP, VF: MVL, Grischuk & Duda sind weiter

Das Halbfinale Maxime Vachier-Lagrave gegen Alexander Grischuk wird von größter Wichtigkeit dafür sein, wer sich über die Grand Prix Serie für das Kandidatenturnier qualifizieren wird. MVL gewann seine erste Partie gegen Topalov und remisierte die zweite aus einer Position der Stärke heraus, während Grischuk David Navara in seiner zweiten Partie auseinandernahm. Jan-Krzysztof Duda durfte einen wunderschönen Gewinnzug gegen Yu Yangyi spielen, nachdem dieser einen Fehler gemacht hatte. UPDATE: Duda wird gegen Daniil Dubov spielen, da dieser den achtfachen Russischen Meister Peter Svidler im Stechen am Sonntag aus dem Wettbewerb warf.

Deja vu für Topalov! | Foto: Valeria Gordienko, Turnierseite

Alle Partien des Hamburger FIDE Grand Prix kannst du hier nachspielen:

Und hier findest du den Live-Kommentar zur zweiten Runde des klassischen Schachs im Viertelfinale:

Drei Viertelfinals wurden bereits im klassischen Schach entschieden und die Gewinner bekommen daher einen Sonderpunkt, weil sie das Stechen nicht benötigt haben:

MVL 1,5:0,5 Topalov

Veselin Topalov hatte gehofft, dass ein zusätzlicher Tag zur Vorbereitung ihm helfen würde, zu vermeiden, dass sich Geschichte wiederholt. Aber es machte dann doch keinen Unterschied. Wie schon beim Rigaer Grand Prix Anfang des Jahres besiegte er Nakamura in Runde 1 und wurde dann nach der Niederlage in der ersten Partie und einem Remis in Partie 2 von MVL aus dem Wettbewerb gekickt. In der ersten Partie wurde ein Hybrid aus Grünfeldindisch und Benoni diskutiert und damit eine Variante, für die Maxime sich bewusst entschied. Und obwohl Veselin mit Weiß gut stand, drehte sich die Partie nach einem Qualitätsopfer des Bulgaren. Dieses Opfer ist schwer zu kritisieren, da er danach irgendwann trotzdem einmal besser stand, aber Maxime übernahm in den Komplikationen das Ruder. Die letzte Chance, zumindest nach Aussage der Computer, kam nach 35...Qd2:


36.Kh2!! wäre der einzige Remiszug gewesen, weil 36…Dxe2? sogar dank 37.De7! Tc8 38.Df6 verliert, da die schwarze Dame nicht mehr rettend den d4-Läufer schnappen könnte.

Topalov beim Verlassen des Gebäudes | Foto: Valeria Gordienko, Turnierseite

Veselin spielte stattdessen das allzu menschliche 36.Lf1 und stand schnell platt,obwohl er später sogar eine Figur "gewann" und es kurz so aussah, als ob es für Weiß noch nicht vorbei wäre:


Doch MVL hatte eine hübsche Idee im Köcher: 43…De2+! 44.Kg1 Dd1+ und Weiß gab auf, weil nach 45.Kf2 Dc2+ 46.Dxc2 bxc2 der c-Bauer zur Dame geht.

Maxime und seine hochgradig beeindruckende Technik des Verwertens.

Im Rückspiel griff Veselin zur Französischen Verteidigung, aber erreicht nicht wirklich etwas Greifbares. Um ehrlich zu sein, stand er auf Verlust, als er Remis anbot. Maxime nahm das Remisangebot an und sagte: "Zum Schluss könnte ich weiterspielen, nur warum sollte ich das tun!?" Eine Antwort wäre, um Elopunkte zu gewinnen. Aber es ist jetzt klar, dass Maxime seine ganzen Hoffnungen auf das Kandidatenturnier auf den Einzug über die Grand Prix Serie setzt!

Grischuk 1,5:0,5 Navara

Alexander Grischuk führt die Grand Prix Serie mit 14 Punkten an, aber seine Rivalen MVL (13) und Mamedyarov (10) haben in Jerusalem noch einen weiteren Versuch | Foto: Valeria Gordienko, Turnierseite

Maximes Gegner im Halbfinale wird sein Hauptkonkurrent Alexander Grischuk sein, der in der zweiten Partie gegen David Navara im 15. Zug von einem Vorläufer abwich, die sein Gegner im vergangenen Jahr in der Bundesliga gegen Kacper Piorun gewonnen hatte. Grischuk fand einen nachdrücklichen Weg zum Ausgleich und nutzte dann, als Navara weiterhin ehrgeizig spielte, die Gelegenheit, auf den vollen Punkt zu gehen:


22…Txe4! 23.h6+ Kf8 24.fxe4 Lxe4+ 25.Ka1 Lxh1


Nach 26.Txh1 Db6 ist Weiß dazu gezwungen, ein kniffliges Turmendspiel mit Minusbauern zu verwalten. Doch das war kein Grund, sich für 26.Df6?! zu entscheiden, da nach 26...Lc6! Schwarz seine Mehrfigur einfach behält (doch Achtung, es war nicht zu spät, sich mit 26...Lb7?? 27.Td8+ Txd8 28.Dxd8# selbst auszutricksen). Zwar war es immer noch kompliziert, aber keine der taktischen Möglichkeiten funktionierte für Weiß und Grischuk gewann schließlich.

Duda 1,5:0,5 Yu Yangyi

Jan-Krzysztof Duda (2759,4) passierte Vishy Anand und ist nun die Nr. 13 auf der Live-Rating Liste | Foto: Valeria Gordienko, Turnierseite

Wie in seiner Erstrundenpartie gegen Dmitry Jakovenko übte Yu Yangyi mit den weißen Figuren enormen Druck auf Jan-Krzysztof Duda aus, aber nach einem Fehler endete die erste Partie unentschieden. In der Zweiten war es Duda, der mit Weiß drückte, aber gerade als die Partie hätte Remis enden können, beging Yu Yangyi einen fatalen Fehler, obwohl er zuvor 12 Minuten lang dachte: 32...Kh3??


33.Lxg4+! war ein leichter, aber hübscher taktischer Gewinneinschlag. 

Grischuks Reaktion auf Yu Yangyis Fehler 32...Kh3, für den er 12 Nachminuten nachdachte und die JKD das hübsche 33.Lxg4+! erlaubte.

Schwarz kann nicht zurückschlagen, da 33…Lxg4 den Turm und 33…hxg4 den König verliert (34.Rh8#). Weiß gewann zwar nicht die ganze Figur nach 33.Kh4 34.Txc8 Ta1+ 35.Kg2 hxg4, doch nach 36.Te8 gab Schwarz dennoch auf, weil Duda mit drei Mehrbauern verbleiben wird.

Peter Svidler und Daniil Dubov treffen am Sonntag im Stechen aufeinander | Foto: Valeria Gordienko, Turnierseite

Duda muss entweder gegen Peter Svidler oder Daniil Dubov antreten, da deren Match am Sonntag im Stechen entschieden wird. Ihre klassischen Partien endeten nach 23 und 21 Zügen Remis, doch kam es in den Partien zu hochklassigen theoretischen Duellen. Peter beschrieb die Tatsache, seine Eröffnungsdatei gegen Daniils Grünfeldanalysen zu spielen, wie folgt auf ironische Weise:

Ich habe während der Partie versucht herauszufinden, ob diese Datei älter ist als mein Gegner. Es ist wahrscheinlich und weniger vertrauenswürdig, aber die Sache ist, dass Daniil einer meiner Lieblingsgegnertypen ist, als Zuschauer und auch als Spieler, gegen den man spielen kann. Denn als Zuschauer ist er ein brillanter, kreativer Spieler und als Gegner kann ich die Vorbereitung einfach völlig ignorieren, weil er alles spielt und ich sage mir, dass ich sowieso nie erraten werde, was der erste Zug sein wird. So kann ich einfach ein Buch lesen. Es ist sehr angenehm!

Nach der zweiten Partie meinte Svidler, "Gegen ihn ist 1.a3 sicherlich die bessere Wahl!", weil sein Versuch, Dubovs Wissen im Rossolimo-Sizilianer zu testen (eine Variante, die sein "Chef" Magnus Carlsen beim WM-Match in London anwandte), sich als unclever herausstellte. Peter spielte eine Variante, mit der Anish Giri Le Quang Liem vor ein paar Tagen beim Schnellschach in Bukarest besiegte:


Hier spielte Le Quang Liem 13...Dc7 und Giri dachte 10 Minuten nach, bevor er 14.Le3 spielte. Vielleicht erwartete Giri 13...Da5, wie von Dubov gespielt, obwohl das der Grund für Peter war, selbst 13 Minuten für 14.Le3 zu investieren. Daniil, dessen Vorbereitung keineswegs durch das, was wir in der Partie gesehen haben, erschöpft war. Daniil lobte Peters Bemühungen und sagte, dass Weiß vielleicht in fünf Jahren einen Weg gefunden haben wird, einen echten Vorteil zu erlangen!

UPDATE: Dubov steht im Halbfinale

Daniil Dubov wird gegen Duda im Halbfinale antreten, da er die erste 10-Minuten-Partie gegen Svidler gewann.


Die zwei 25-Minuten-Partien sahen Peter das Brett, aber nicht die Uhr dominieren. Insbesondere in der zweiten Partie machte das einen großen Unterschied:


Es bedurfte eines mutigen und brillanten Schachs, um so weit zu kommen, wobei der weiße König alles in der Mission riskierte, den g-Bauern zu eskortieren. Es stellt sich heraus, dass der einzige gewinnende Zug hier 41.Kg5! war. Der Punkt ist, dass das sofortige 41...Dd7, was wir in der Partie sahen, unmöglich ist. Nach 41...Th5 42.Kf6 wird der Zug 42...Dd7 von 43.g7 Dd6+ 44.Kf7! gekontert und Weiß gewinnt. 

With the black rook lured to h5 there's no longer the saving Rxf4+ here for Black

Der Unterschied? Nach 41.Kf6 Dd7 42.g7 Dd6+ kann der König nicht nach f7 gehen, da der Turm auf h4 auf f4 schlagen kann. 43.Kf5 Dd7+ folgte ein Remis durch Dauerschach. Viel Glück beim Ausarbeiten solcher Nuancen mit 1 Minute auf der Uhr!

Keiner sagte, es wäre leicht | Foto: Valeria Gordienko, Turnierseite

In der ersten 10-Minuten Partie hatte Peter Weiß, aber etwas lief schief und Duda konnte in ein gewonnenes Turmendspiel abwickeln. Svidler musste dann mit Schwarz gewinnen und spielte Holländisch, aber der Lauf der Partie wird ihm die Eröffnung nicht sympathischer machen. Er nahm im 18. Zug in hoffnungsloser Stellung ein Remisangebot an.   

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