Berichte 17.11.2019 | 23:52von Colin McGourty

Hamburg GP Finale 2: Dudas Ritt auf der Rasierklinge

Jan-Krzysztof Duda zeigte Nerven aus Stahl und herausragende Rechenfähigkeiten und überlebte damit eine brandgefährliche Stellung gegen Alexander Grischuk, womit er das Stechen beim Finale des Hamburger FIDE Grand Prix erreicht hat. Grischuk sollte das später so kommentieren: "Vielleicht hätte ein besserer Rechner wie Maxime Vachier-Lagrave etwas gefunden, aber er hätte niemals diese Stellung bekommen. Denn er spielt nicht das Damengambit, was die vielleicht aggressivste Eröffnung ist!"

Grischuk machte in der Eröffnung Druck, aber Duda bricht einfach nicht unter dem Druck zusammen | Foto: Valeria Gordienko, Turnierseite

Alle Partien des Hamburger FIDE Grand Prix kannst du hier nachspielen:

Und während du dir hier den Kommentar von Christof Sielecki und Kamil Plichta ansehen kannst,...

...gibt es hier auch noch die Live-Kommentierung von Evgeny Miroshnichenko. Evgeny Tomashevsky schaut ebenfalls vor der Kamera kurz vorbei:

In der zweiten Partie des Finals wurden die Farben getauscht, doch das Szenario glich der ersten Partie. Wieder einmal kam Jan-Krzysztof Duda nicht gut aus der Eröffnung und hatte bereits im 7. Zug 18 Minuten verbraucht.

Schach kann manchmal ein einsames Spiel sein! | Foto: Valeria Gordienko, Turnierseite

Sein 8‌.Tc1 war durchaus noch Theorie ebenso wie der Zug 11.a3!?, der womöglich ein Fehler sein könnte. 11...Ld7! folgte nach 30-minütigem Nachdenken und stellte bereits ein paar giftige Fragen an den Weißspieler:


...La4 ist eine reale Drohung, die schwarze Dame ist bereit, auf a5 aufzutauchen und Weiß fehlt schlicht ein Tempo, um den König mit der Rochade aus der Gefahrenzone zu bugsieren. Duda dachte 37 Minuten nach und traf mit 12.Dxd5!? eine mutige Entscheidung, die mit dem trickreichen 12...Tc8 beantwortet wurde:


Der Turm auf c1 ist ungedeckt und Schwarz droht, mittels ...Sd3+ den Turm auf c1 zu gewinnen. Der Zug, der vom Computer bevorzugt wird, ist einer, den man als Mensch gern übersieht. Aber nicht etwa Duda an diesem Tag, der trotz geringer werdender Zeitreserven nichts übersah. Er spielte 13.e4!, was es dem Lf4 erlaubte, den Turm auf c1 zu decken.

Duda fand immer und immer wieder die richtigen Entscheidungen | Foto: Valeria Gordienko, Turnierseite

Grischuks 13…Db6!? ist womöglich nicht ganz genau (13…De8! scheint mehr Druck zu machen), doch musste Duda im Anschluss daran viele einzige Züge finden: 14.b4! Tfd8 15.bxc5 (Duda hatte hier bereits nur noch 10 Minuten auf der Uhr!) 15…Lxc5 16.Le2! Lb5 17.Txc5! Txc5


Evgeny Miroshnichenko dachte, dass für Weiß hier die Partie bereits gelaufen sei, doch Duda fand den einzigen Zug 18.Db3!, was den Laden zusammenhält - wenn auch knapp! Das Schach auf a5 kann nun mit Db4 beantwortet werden. Doch auch weiterhin mussten einzige Züge gefunden werden: 18…Dc6 19.Le3! Lxe2 20.Lxc5! Lxf3 (20…Dxe4 war ebenfalls eine Überlegung wert) 21.Dxf3 Dxc5 und Duda muss ein Stein vom Herzen gefallen sein, als er den folgenden Zug spielen durfte: 22.0-0 und sein Ritt auf der Rasierklinge war vorbei:

Nachdem er einzigen Zug um einzigen Zug unter großem Druck fand, konnte Jan-Krzysztof Duda endlich rochieren und steht plötzlich nur noch leicht schlechter in einem trockenen Endspiel.

Schwarz hatte in der anschließenden technischen Stellung leichten Druck, aber Duda war nicht im Begriff, jetzt zu stolpern. Er steuerte die Partie in 38 Zügen ruhig zu einem Unentschieden, nachdem es eine fantastische hochrangige Schachschlägerei gewesen war. 

Leider bekommen wir das Interview mit den Spielern in Hamburg erst am nächsten Tag, aber das eine Grischuk-Zitat von FIDE-Pressesprecher Georgios Souleidis ist ein wirklich Gutes:

Vielleicht hätte ein besserer Rechner wie Maxime Vachier-Lagrave etwas gefunden, aber er hätte niemals diese Stellung bekommen. Denn er spielt nicht das Damengambit, was die vielleicht aggressivste Eröffnung ist!

Daher muss nun am Sonntag das Stechen in Hamburg entscheiden. Alles beginnt mit zwei Schnellschachpartien (25+10) und dann, falls notwendig, zwei verkürzte Schnellschachpartien (10+10) und Blitzpartien (5+3), bevor es, falls es immer noch keinen Sieger geht, ins Armageddon geht. Wie bereits zuvor gilt, dass Grischuk gewinnen muss, wenn er sich keine Gedanken um den letzten FIDE Grand Prix in Jerusalem machen möchte - und damit Auswirkungen auf die Qualifikation für das Kandidatenturnier.

Die Partien beginnen ab 15:00 Uhr, doch womöglich könnte deine Aufmerksamkeit von einem anderen Event beeinträchtigt werden: Magnus Carlsen spielt wieder einmal gegen Chess24-Premium-Mitglieder Geschwätzblitz.

Die Partien des Hamburger FIDE Grand Prix kannst du hier ab 15:00 Uhr auf chess24 verfolgen!

Weitere Links:


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