Berichte 08.11.2019 | 07:48von Colin McGourty

Hamburg GP, 1.2: Nepo, Wei Yi, Hari & Naka sind raus

Am zweiten Tag des Hamburger FIDE Grand Prix half es einfach nichts, an 8 Remis kam man nicht vorbei. Das bedeutet, dass Ian Nepomniachtchi, Wei Yi, Harikrishna und Hikaru Nakamura allesamt die Heimreise antreten müssen, nachdem sie am Vortag ihre Partien verloren hatten. Lediglich Nepo kam dem Ausgleich des Matchs einigermaßen nah, musste aber nach 132 Zügen dem Remis schließlich zustimmen. Die größte verpasste Gelegenheit war jedoch die von Yu Yangyi, der bereits den schwersten Teil hinter sich hatte gegen Dmitry Jakovenko. Das bedeutet, dass es am Donnerstag vier Tiebreaks gibt.

Jan-Krzysztof Duda warf mit Ian Nepomniachtchi einen der Favoriten aufs Kandidatenturnier aus dem Wettbewerb | Foto: Valeria Gordienko, Turnierseite

Alle Partien des Hamburger FIDE Grand Prix kannst du hier nachspielen:

Und hier kannst du dir noch einmal Evgeny Miroshnichenkos Kommentar am zweiten Tag in Hamburg anhören:

Kein Zurück

Frankreichs Nr. 1 Maxime Vachier-Lagrave und sein Sekundant Etienne Bacrot in Hamburg | Foto: Valeria Gordienko, Turnierseite

Wieder einmal sahen wir am Mittwoch, wie schwer es offenbar ist, einen Rückstand in einem Match über nur 2 Partien gegen einen starken Spieler aufzuholen. Keiner der vier schaffte es. Für Maxime Vachier-Lagrave und Veselin Topalov bedeutet das eine Wiederholung ihres Viertelfinals von Rigaer Grand Prix:


Wei Yi versuchte 6.Sb3 gegen MVLs Najdorf und startete am Königsflügel einen Bauernsturm, doch nach 12.Ne2?! h6! übernahm Schwarz das Kommando und stand bereits besser:


In einer anderen Situation hätte Maxime womöglich bis zum Ende gespielt, aber stattdessen begnügte er sich mit einer Zugwiederholung im 27. Zug, womit er in die nächste Runde einzog.

Er hatte Zeit, sich zu erholen, da er nach dem World Cup nicht bei der Isle of Man oder in Batumi mit am Start war. Dazu sagte er:

Ich hatte ein wenig Erholung und konnte etwas an meinem Schach arbeiten. Bisher zahlt sich das aus, aber es gibt keinen Grund, sich zu früh zu freuen.

Bisher hat er Mamedyarov und Grischuk, die Führenden in der Grand Prix Wertung mit 10 Punkten, dank seines Achtelfinaleinzugs eingeholt.

Hikaru Nakamura hatte in Hamburg kein Glück | Foto: Valeria Gordienko, Turnierseite

Wie in Riga lautet sein Gegner nun Veselin Topalov, der ebenfalls aus einer starken Position gegen Hikaru Nakamura in nur 25 Zügen ein Remis erzielte. Veselins 1.d4 kam bereits als Enttäuschung für Hikaru, der auf 1.e4 gehofft hatte, und nach 3 Minuten wählte der US-Star das angenommene Damengambit. Hikaru gab danach zu, dass Veselin die Damen schon früh gegen ein fast garantiertes Remis hätte abtauschen können, aber der Bulgare fühlte sich besser und spielte um mehr, eine Entscheidung, die er später als "ein wenig riskant" empfand. Aber für ihn zahlte sich das alles aus und jetzt hofft er, dass der Ruhetag es ihm ermöglichen wird, sich vorzubereiten und es besser zu machen als in Riga, wo er im Viertelfinale gegen MVL ausschied.

Peter Svidler kennt sich in Hamburg bestens aus! | Foto: Valeria Gordienko, Turnierseite

Peter Svidler ist gegen Harikrishna ebenfalls weiter, nachdem der "ruhige Italiener" seinem Namen alle Ehre machte und nie Fahrt aufnahm. Doch die eine verbliebene "must-win"-Partie hatte es dafür in sich. 

Nepo probierte wirklich alles, konnte aber Dudas Verteidigung nicht durchbrechen | Foto: Valeria Gordienko, Turnierseite

Jan-Krzysztof Dudas Entscheidung, in wichtigen Partien bei Notwendigkeit ein Remis mit Schwarz zu erzielen, war fraglich, als er beim Moskauer Grand Prix in der zweiten Runde gegen Wesley So auf den Drachen zurückgriff, eine Qualität opferte und schließlich verlor. Hatte der junge Pole also seine Lektion gelernt? Naja, dieses mal spielte er den hyperbeschleunigten Drachen (1.e4 c5 2.Sf3 g6) gegen Ian Nepomniachtchi! Zumindest konnte er dieses Mal die Damen früh vom Brett nehmen, auch wenn das einen hohen Preis hatte:


Weiß steht bombensicher, hat mehr Raum und kann die schwachen Bauern b6 und e7 belagern, wobei die halboffene e-Linie ihm helfen wird. Nepo versuchte, aus seinem Raumvoteil den benötigten Punkt zu erzwingen, doch obwohl er einen Bauern gewann, konnte er das resultierende Endspiel nicht gewinnen. Nach 117 Zügen musste er frustriert das Turnier verlassen.

Ein Remis nach 132 Zügen und Jan-Krzysztof Duda steht im Viertelfinale beim Hamburger FIDE Grand Prix. Damit haben Nepos Chancen zur Qualifikation fürs Kandidatenturnier einen herben Schlag abbekommen.

Das bedeutet, dass Jan eine große Chance verpasste, aus seinen 9 Punkten für den Sieg in Moskau noch etwas Greifbares zu machen. Zwar würde ihm ein Sieg in Jerusalem den Weg zum Kandidatenturnier ebnen, doch einfach wird auch das nicht. Er sah zumindest einen Silberstreif am Horizont:

Das Rezept der Organisation von WorldChess: Das teuerste und schönste Hotel, aber gleichzeitig die billigste und am wenigsten geeignete Spielstätte auswählen. Zumindest freue ich mich, dort nicht mehr hingehen zu müssen. Viel Erfolg den verbliebenen Spielern :)

World Chess/Agon zeigte zum wiederholten Mal, wie schlecht sie Öffentlichkeitsarbeit verstehen - und dass für eine Organisation, die das hauptsächlich betreibt:

The venue is the Kehrwieder Theater in Hamburg's restored Warehouse District | photo: Valeria Gordienko, official website

Sorry, dass du verloren hast, Kumpel.

Zum Glück bin ich nicht euer Kumpel, ihr Goldstandard pathetischer Organisation. Ihr solltet zur Gewichts- und Maßabteilung gebracht werden.

Auf dem Weg ins Stechen

Grischuk und Wojtaszeks zweite Partie war bedeutend weniger spannend wie ihr Krimi aus Runde 1 | Foto: Valeria Gordienko, Turnierseite

In den meisten anderen Matches wurde kein großes Risiko gegangen. Alexander Grischuk bot nach 15 Zügen Radek Wojtaszek in einer Stellung Remis an, in der er womöglich ein wenig besser steht, aber er dank Radeks guter Vorbereitung 45 Minuten weniger auf der Uhr hatte. Georgios Souleidis sagte er im Anschluss:

Ich denke, wir enttäuschten die Zuschauer nicht – gestern hatten sie mehr als genug Spaß!

Er fügte noch hinzu:       

Ich bin kein Träumer. Einen Computer werde ich nicht überspielen.

Daniil Dubov spielte ein Gambit gegen Teimour Radjabov, aber das endete nach 18 Zügen im Remis, während Nikita Vitiugov das Gefühl hatte, dass seine Partie gegen David Navara ebenfalls dem Remis entgegen schipperte, bis sein Gegner "versuchte, zu verlieren."

David Navara und Harikrishna als Models für Winterbekleidung | Foto: Valeria Gordienko, Turnierseite

Der Abtausch der ungleichfarbigen Läufer, um ein Turmendspiel mit Minusbauer zu erreichen, war nicht die offensichtlichste Entscheidung. Aber Navara erklärte seine Entscheidung damit, bei der Olympiade 2018 gegen Ding Liren eine ähnliche Partie verloren zu haben und so wusste er genau, was er tun musste. Im 59. Zug endete die Partie im Patt.

Damit bleibt nur noch Yu Yangyi-Jakovenko. In diesem Aufeinandertreffen war der Chinese nah dran am Tor zum Viertelfinale. Doch dann wackelte er erst im 47. Zug und gab seine zweite Chance mit Zug 52 dann endgültig aus der Hand:


Man muss nicht sonderlich betonen, dass diese Art von Tablebase-Endspielen trickreich ist. Jene Tablebases sagen uns, dass 52.Kd5 und 52.Kd6 gewinnen, doch nach dem natürlichen 52.Kc7 Sc4! konnte Dmitry das Remis halten.

Yu Yangyi konnte Dmitry Jakovenko nicht aus dem Wettbewerb werfen, wird dazu aber im Stechen eine weitere Chance erhalten | Foto: Valeria Gordienko, Turnierseite

Damit lauten die Paarungen im Stechen: Yu Yangyi-Jakovenko, Navara-Vitiugov, Wojtaszek-Grischuk und Dubov-Radjabov. Die Partien kannst du dir hier ansehen!    

Weitere Links:


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