Berichte 06.11.2019 | 09:45von Colin McGourty

Hamburg GP, 1.1: Siege für MVL, Svidler, Topalov & Duda

Maxime Vachier-Lagrave gewann beim Grand Prix in Hamburg gegen Wei Yi, während Ian Nepomniachtchi seine Partie gegen Jan-Krzysztof Duda einstellte, womit der Tag für die Favoriten auf den Gesamtsieg nicht unterschiedlicher hätte verlaufen können. Siege feierten zudem Peter Svidler gegen Harikrishna und Veselin Topalov, der gegen Hikaru Nakamura gewann. An den anderen Brettern gab es drei Kurzremis und die extrem spannende Partie zwischen Wojtaszek und Grischuk.

Maxime Vachier-Lagrave feierte zum Auftakt einen souveränen Sieg gegen Wei Yi | Foto: Valeria Gordienko, Turnierseite

Alle Partien vom FIDE Grand Prix Hamburg könnt ihr hier nachspielen:

Und hier die Bilder von der gestrigen Live-Übertragung:

Der erste Turniertag in Hamburg begann mit einer Enttäuschung, denn bei Jakovenko-Yu YangyiNavara-Vitiugov und Radjabov-Dubov machten sich die Spieler die Regel zunutze, dass beim Grand Prix Remis jederzeit erlaubt sind. Vor allem in der letztgenannten Partie kam der Remisschluss überraschend, da Dubov wieder seine Königsflügelbauern nach vorn geschickt hatte und die Stellung sehr unübersichtlich wirkte. Schwarz schnitt in dieser Variante bisher gut ab, aber Dubov nahm dann die Remisofferte von Radjabov an. Natürlich ist ein Schwarzremis in einem Match mit Hin- und Rückspiel kein schlechtes Ergebnis, aber…

"Ich finde, Remisangebote sind okay, aber die Annahme ist das Problem. Sie sollte verboten werden."

Die anderen Partien entschädigten für diese Langweiler aber voll und ganz:

Maxime Vachier-Lagrave probierte es gegen Wei Yis Najdorf mit 8.Lg5 und damit einer Variante, die auf höchstem Niveau fast nie gespielt wird. Spätestens nach 19.Dc4! war aber klar, dass Weiß am Ruder war:


Wegen des Angriffs auf f7 entschied sich Wei Yi zum Damentausch, aber Maxime hatte gesehen, dass nach 19…Dxc4 20.Sxc4 die schwachen Bauern auf b6, d6 und e5 eingesammelt werden konnten, obwohl letztlich der Verlust des Bauern auf a6 und der anschließende Marsch des weißen a-Bauern entscheidend war. Damit ist Alireza Firouzja nun vor Wei Yi der beste Junior der Welt:

Die Freude beim Franzosen wurde noch größer, als einer seiner größten Rivalen im Kampf um einen Platz beim Kandidatenturnier, Ian Nepomniachtchi, mit dem unglaublichen 23…e4?? seine Partie gegen Jan-Krzysztof Duda einstellte:


“Ich traute meinen  Augen nicht, als ich diesen Zug gesehen habe“, meinte Duda nach der Partie. 24.dxe4? hätte nach 24…Txd2 25.Dxd2 Sxe4 zum Ausgleich geführt, aber Duda spielte nach 40 Sekunden die Widerlegung 24.Lxe4! Schwarz kann wegen des Matts auf g7 nicht auf e4 schlagen, aber wozu hatte er dann den Zentrumsbauern geopfert? Nepo fand darauf keine Antwort und gab nach 44 Zügen auf.

Duda setzte Nepo unter Druck, aber mit diesem Zug war nicht zu rechnen| Foto: Valeria Gordienko, Turnierseite

Bei Svidler-Harikrishna erwies sich ein scheinbar harmloses Endspiel als gefährlich für Schwarz, doch Svidler vergab zunächst einige Chancen. Zum Beispiel verpasste er die beste Fortsetzung nach 30…f5:


Er zog 31.axb6 und stand immer noch besser, aber der klarste Weg zum Gewinn wäre 31.d6! gewesen, denn der c-Bauer ist nach 31…fxe4 32.dxc7 schlicht zu stark. Weiß kann mit Td2-d8 seine Umwandlung unterstützen und die Drohung axb6 existiert weiterhin. 

Wie in Riga sind die Bildschirme für die Spieler nützlich, aber für die Zuschauer zu klein| Foto: Valeria Gordienko, Turnierseite

Natürlich war die ganze Sache aber höchst kompliziert und es macht viel Spaß, diese Partie zu analysieren, doch am Ende reichte der weiße Vorteil aus… und der letzte taktische Witz war schön! Svidler schlug den schwarzen Läufer auf d5, obwohl Schwarz danach offenbar seinen a-Bauern umwandeln konnte:

Wäre die Partie weitergegangen, wäre 47…a2 48.Td7+! (einziger Gewinnzug) 48…Txd7 49.Ta8 die Folge gewesen, womit Weiß den a-Bauern aufhält und wegen seiner verbundenen Freibauern leicht gewinnt.

Die merkwürdigste Partie des Tages war vermutlich Nakamura-Topalov. Das Tempo, mit dem Nakamura die Eröffnung herunterblitzte, spricht dafür, dass seine Neuerung im Anti-Berlin vorbereitet war, doch als er anfing zu überlegen, stand er bereits schlechter. Sein Springerzug 12.Sh4 konnte schon nicht überzeugen, und dann landete der andere Springer auch noch am Rand:


16.Sa4!? Lc6 17.Sb2 war ein keineswegs offensichtliches Manöver, und Evgeny Miroshnichenko fragte sich im Anschluss mehrmals, ob Nakamura es nicht bereut habe. Topalov kam früh in Vorteil, brauchte aber lange, bis er diesen verwerten konnte. Er quälte seinen Gegner und dessen Probleme mit den deplatzierten Springern löste sich nicht auf. So sah die Stellung nach 52.Sxf2 aus:


Beide sind zu Verteidigungsaufgaben gezwungen, nun aber bereits überlastet, denn nach 52…Sa5 53.Kh2 Sxc4 hatte Schwarz den entscheidenden Durchbruch geschafft. Nach 66 Zügen und einem verzweifelten Figurenopfer war die Partie schließlich vorbei.

Topalov hat es geschafft | Foto: Valeria Gordienko, Turnierseite

Damit bleibt nur noch die fantastische Kampfpartie zwischen Radek Wojtaszek und Alexander Grischuk, die beide noch Chancen auf einen Platz im Kandidatenturnier haben. Nach 22 Zügen hatte Grischuk nur noch drei Minuten, während Wojtaszek eine halbe Stunde mehr und eine vielversprechende Stellung hatte. Nicht zum ersten Mal drehte Grischuk dann aber auf, und nachdem Wojtaszek zunächst einen passiven Zug nach dem anderen gemacht hatte, ging der Pole schließlich All-In. 

Wojtaszek-Grischuk war eine tolle Partie | Foto: Valeria Gordienko, Turnierseite

Gegen optimale schwarze Verteidigung hätte es nicht funktioniert, aber in der Partie sah es richtig gut aus!


33.Sf7+! Dxf7 (33…Txf7 scheitert an 34.Dxb8) 34.Sxg5 Dg6 35.Sxh7! Dxh7 36.Th4 Dxh4 37.Dxh4+ Kg7 38.Le4 (das subtile 38.Lf3!, um die Verteidigungsroute des schwarzen Königs über f7 mit Lh5+ zu verhindern, war besser) 38…Kf7 39.Tg1 Sf6:


Wojtaszek hatte nur noch 37 Sekunden für seinen letzten Zug vor der Zeitkontrolle und knallte 40.Dh6?! statt des “einzigen Zugs” 40.Tg7+! aufs Brett. Die Pointe ist, dass Schwarz nach 40…Kxg7 41.Dg5+ Kf7 42.Lg6+ nicht nach e7 flüchten kann, da 42.Dxc5+ Kd8 43.Dxf8+ danach Haus und Hof gewinnt. Nach 40.Dh6 kann Schwarz auf mehrere Arten in Vorteil kommen, doch Grischuk spielte mit einer guten Minute auf der Uhr 40…Ke7?!. Wojtaszek hatte nun genug Zeit, um die Konsequenzen von 41.Tg7+! auszurechnen, und nach 41…Kd8 42.Dd2! konnte Schwarz das Remis nicht mehr verhindern. Ein fantastischer Kampf!

Damit müssen Wei Yi, Nakamura, Harikrishna und Nepomniachtchi heute bereits gewinnen, um nicht auszuscheiden. Ab 15:00 Uhr könnt ihr wieder live auf chess24 dabeisein.    

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