Berichte 03.02.2015 | 12:56von chess24 staff

GRENKE Classic Runde 1: Umkämpfte Remis

64 hart umkämpfte Züge, doch ohne Sieger bei Aronian-Carlsen | Foto: Georgios Souleidis, Offizielle Webseite

Ein echter Schwergewichtskampf zwischen Levon Aronian und Magnus Carlsen war das Highlight in der ersten Runde des GRENKE Classic 2015, wobei beide Spieler in einzelnen Partiephasen es schafften, echten Druck auf ihren Gegner auszuüben, bevor sie nach 64 Zügen dann doch ein Remis vereinbarten. Ansonsten überstürzte sich Etienne Bacrot, als er gerade dabei war, David Baramidze zu vernichten, während Caruana-Anand und Adams-Naiditsch weniger ereignisreich waren. Es gab jedoch tolle Kommentare nach der Partie, die ihr euch unten anschauen könnt.

Es ist zwei Jahre her, dass Viswanathan Anand vor Fabiano Caruana das erste GRENKE Chess Classic gewann, aber das Wetter in dem deutschen Kurort hat sich nicht verändert:

"Verschneites Frühstück in Baden-Baden #GrenkeChess. Die Partien und meine Kommentare mit GMJanGustafsson beginnen um 15:00!"

Was sich seitdem verändert hat, ist, dass es damals bei sechs Spielern und zehn Runden keinen einzigen Tag mit Remis in allen Partien gab. Dieses Mal wurde dieser Rekord am allerersten Tag gebrochen:

GRENKE Classic 2015 Ergebnisse Runde 1 (klicke auf ein Ergebnis, um die Partie mit Computeranalyse nachzuspielen)

SNrNameRatingRes.NameRatingSNr
1Caruana Fabiano2811½ - ½Anand Viswanathan27978
2Bacrot Etienne2711½ - ½Baramidze David25947
3Aronian Levon2777½ - ½Carlsen Magnus28656
4Adams Michael2738½ - ½Naiditsch Arkadij27065

Das war nur der Anfang der Nervenprobe für den (Fast-)Neuling bei Superturnieren, David Baramidze | Foto: Georgios Souleidis, Offizielle Webseite

Es sah jedoch zunächst nicht danach aus, als David Baramidze nach einiger harter Arbeit auf einmal gegen Etienne Bacrot in Schwierigkeiten kam. Zunächst nahm er auf g6 mit einem scheinbar falschen Bauern (Short nannte 22…fxg6 “einen schockierenden positionellen Fehler”), und nach dem Zurückschlagen eines anderen g-Bauern mit 26…hxg4 sah es noch finsterer aus, obwohl es in diesem Stadium schon keine einfachen Lösungen mehr gab:


Der 26-jährige David Baramidze hatte sich für das diesjährige GRENKE Chess Classic qualifiziert, indem er in dem Event 2014 mit ausschließlich deutschen Teilnehmern Zweiter wurde. Seine Elo liegt dieses Jahr mit 2594 mindestens 100 Punkte unter seinen Gegnern. Er wusste, dass ihm eine harte Probe bevorstand, obwohl Jan Gustafsson darauf hinwies, dass es sogar noch schlimmer war:

Ich weiß nicht, ob David das verstanden hat, aber jeder außer ihm ist ein aktueller oder vorherigen Baden-Baden-Spieler und der Plan war, sich gegen ihn zu verbünden!

Jan fügte jedoch hinzu, dass David das Skript nicht gelesen hatte.
Es wäre aber vielleicht korrekter zu sagen, dass Etienne seinen Text vergessen hatte, da er an dieser Stelle ein Matt "halluzinierte": er spielte 27.Sce4 gxf3 28.Th8+ Kg7, bevor er erkannte, dass sein geplanter Zug 29.Tdh1?? auf 29…Sd2+ treffen würde und tatsächlich Schwarz gewinnt! 

Die Springergabel, welche alle heimtückischen Pläne Bacrots durchkreuzte (mit dem Videobild von der nervenaufreibenden Begegnung zwischen Aronian und Carlsen) 

Daher war er gezwungen, eine Punkteteilung durch Zugwiederholung zu akzeptieren.

Hinterher, als David zu seinen Zielen beim Turnier befragt wurde, gab es einen amüsanten Wortwechsel:

Baramidze: Ich versuche, die Eröffnungen zu überleben und normales Schach zu spielen.

Short: Das ist normalerweise Carlsens Plan…

Die ganze Partieanalyse könnt ihr euch hier anschauen:

Es gab zwei Remis, die nie richtig in Fahrt kamen, obwohl die Interviews nach den Partien zeigten, dass wir wie immer nur die Spitze des Eisbergs gesehen hatten.

Ein souveränder Start für Vishy Anand in seinem ersten Turnier seit dem London Chess Classic | Foto: Georgios Souleidis, Offizielle Webseite

Fabiano Caruana eröffnete mit der "patriotischen" Italienischen Partie, und war vielleicht etwas verblüfft, als Nigel Short die Pressekonferenz mit den Worten "Deine Eröffnung war etwas schlaff" begann. Ein topfitter Vishy Anand erwiderte darauf: "Der englische Kommentator profiliert sich!".

Caruana sagte, dass 6.b4 eine Brett-Entscheidung war und beschrieb sein 10.h3?! als "vermutlich unnötig". Es hätte sehr unterhaltsam werden können, da Caruana darauf hinweis, dass er sich große Sorgen um Varianten wie  19…Lxh3 20.gxh3 Dh4 21.Kg2 und dann den atemberaubenden Zug 21…Td2 machte!!


Vishy witzelte, "Ich nehme an, dass du ohnmächtig geworden wärst!"

Aber noch ein anderer Wortwechsel ist hier relevant:

Short: Das ist tolle Taktik, aber funkioniert vermutlich nicht.

Anand: Wie jede tolle Taktik!

Stattdessen schien die Partie zu Caruanas Gunsten zu verlaufen, nachdem er drastische Maßnahmen ergriff, um den weißen Springer daran zu hindern, es auf c4 oder einen anderen Vorposten zu schaffen:


20…Lxe3!? Es sah risikoreich aus, aber wie Jan Gustafsson in der Live-Übertragung kommentierte:

Er hat so viele Partien, wo er einfach so mühelos mit einem Springer und einem Läufer gegen das Läuferpaar remis hält. Es sieht nicht nach viel aus, bis man es selbst einmal versucht…

Und tatsächlich geriet Vishy nie in Gefahr und im 38. Zug wurde in einer toten Stellung Remis gegeben.  Schaut euch unten die Session nach der Partie an:

"Schlaff" wäre vielleicht noch zu großzügig gewesen für die Tarrasch-Variante der Französischen Verteidigung, die Michael Adams selbst "etwas trübselig" nannte. 

Arkadij Naiditsch wird seine restlichen Partien gewinnen oder verlieren müssen, um seine Quote von 80% entschiedener Partien beim Event von 2013 zu erreichen | Foto: Georgios Souleidis, Offizielle Webseite

Er kam gegen Arkadij Naiditsch schnell in Schwierigkeiten und beide Spieler waren sich einig, dass 14.g3?! ein schlechter Zug war:


Naiditsch hatte das Gefühl, es sei eine Einladung, um Nb4-d5 zu spielen – “Ich denke nicht, dass ich dabei eine schlechtere Stellung riskiere”. Natürlich drückte Arkadij, aber Adams machte sich an die Arbeit und fand, er habe seine beste 15-Zug-Sequenz der Partie gehabt, als er anfing, Figuren abzutauschen. Es sah alles nach einem frühen Remis aus, aber Naiditsch, der in 10 Partien im Event von 2013 nur 2 Remis machte, drückte immer weiter, um Adams Abend zu runieren. Es war kompliziert, aber die Nerven des Engländers hielten stand. Als er hinterher zu seinen Zielen für das restliche Turnier befragt wurde, fasste er sich kurz:

Etwas besser als heute zu spielen!

Es wurde angemerkt, dass Naiditsch vor zehn Jahren, im Jahr 2005 in Dortmund sein letztes Superturnier gewann. Er fügte hinzu, dass er ein Jahrzehnt vorher, 1995, die U10-Europameisterschaft gewonnen hatte, worauf Jan hilfsbereit erwähnte, "und du wurdest 1985 geboren!" Ist 2015 Arkadijs Jahr? 

Schaut euch die vollständige Pressekonferenz nach der Partie hier unten an:

Damit bleibt nur der Kampf der Schlagzeilen zwischen Weltmeister Magnus Carlsen und dem "ehemaligen Weltranglistenzweiten" (wie er von Jan getauft wurde), Levon Aronian. 

Carlsen zeigte seine übliche Entschlossenheit, jede Chance zu nutzen, um den Gegner unter Druck zu setzen - wenn er in Baden-Baden gewinnt, kann er anscheinend dieselbe Superturnier-Ausbeute wie Anand and Kramnik verbuchen |  Foto: Georgios Souleidis, Offizielle Webseite

Der Armenier hatte in einem Interview Ende letztes Jahr gesagt, dass seine Lieblingsgegner Kramnik und Carlsen seien, da "gegen sie zu spielen am komplexesten ist, aber mich reizt Komplexität." Pass auf, was du dir wünschst, denn die heutige Partie war auf jeden Fall komplex, auch wenn keiner der Spieler zum tödlichen Schlag ansetzen konnte.

Carlsen beschrieb die Eröffnung als "nicht die verwegenste Variante", verbrachte aber dann fast 40 Minuten mit 13…Sf6 und 14…Sfd7, die er später "dumme, aber vielleicht gute Züge" nannte. Es war für beide Seiten schwer zu spielen, aber auf einmal wurde Aronian mit 27.g4! "ganz aufgeregt":

"Aronian-Carlsen wird endlich lebendig!"

Als er später 34.e4! draufsetzte, wurden den schwarzen Figuren Knoten in die Beine gespielt. Carlsen:

Ich werde gezwungen, meine Figuren auf ein paar seltsame Felder zu stellen. Es ist immer noch recht solide, aber etwas blöd.

Aronian hatte mit 36.Tg1 immer noch die Kontrolle:


Aber die Art, wie er den Zug spielte, war das Problem: “36.Tg1 war ok, aber sieben von meinen letzten acht Minuten darauf zu verschwenden…” Nach 36…Td8 spielte er den “lächerlichen” Zug (Zitat Aronian) 37.Dh2?! und der Vorteil war weg. Genau zu diesem Zeitpunkt hatte Jan kommentiert, "wenn Carlsen die nächsten drei  Züge überlebt, könnte er seine Stellung verbessern". Das stellte sich als Prophezeiung heraus, aber wieder einmal, wie es so oft zu Beginn eines Superturniers ist, war der Verteidiger auf der Höhe. Selbst die legendären Foltertechniken des Norwegers konnten ihm nicht den ganzen Punkt einbringen.


Schaut euch die Kommentare der Spieler nach der Partie hier unten an:

Runde 2 beginnt heute wieder um 15:00 MEZ mit den folgenden Paarungen:

SNrNameRatingRes.NameRatingSNr
8Anand Viswanathan2797Naiditsch Arkadij27065
6Carlsen Magnus2865Adams Michael27384
7Baramidze David2594Aronian Levon27773
1Caruana Fabiano2811Bacrot Etienne27112

Jan wies darauf hin, dass hier die vier Spieler mit den höchsten Elos gegen die mit den niedrigsten Elos spielen, also "kann man davon ausgehen, dass es heute nicht vier Remis geben wird". Wenn das mal nicht den Teufel an die Wand gemalt hat... aber wir hoffen eben darauf!

Schaut euch alles live bei chess24 mit Kommentaren von Jan Gustafsson und Nigel Short an! Ihr könnt auch mit unseren kostenlosen Handy-Apps jeden Zug verfolgen:

         

Siehe auch:


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