Berichte 22.04.2019 | 14:45von Colin McGourty

GRENKE Chess R2: Carlsen gewinnt seltenes Endspiel

Magnus Carlsen gewinnt seine fünfte Partie in Folge, dieses Mal gegen Paco Vallejo in der 2. Runde der  GRENKE Chess Classic. Damit behält er die alleinige Führung im Turnier und mehr als 50 Elo Vorsprung auf Fabiano Caruana in den Live-Ratings. Er gewann die Partie in einem Endspiel, dass er "einmal in seinem ganzen Leben gewinnt", wie er selbst meinte. Und natürlich würde man auf keinen anderen wetten, wenn es darum geht, in einem solchen Endspiel den vollen Punkt einzufahren. Auf den anderen Brettern gelang es Peter Svidler und Vishy Anand, auf Platz zwei vorzurücken, indem sie Siege gegen Arkadij Naiditsch und Vincent Keymer feierten, während Caruana-MVL und Meier-Aronian mit Remisen endeten.

Magnus ist zurück auf dem allerhöchsten Niveau | Foto: Eric van Reem, GRENKE Chess   

Alle Partien der GRENKE Chess Classic kannst du hier nachspielen:

Und hier gibt es eine kurze Video-Zusammenfassung der zweiten Runde:

Vallejo 0-1 Carlsen

Alle Partien im klassischen Schach zwischen Vallejo und Carlsen sahen einen Sieger. Nun liegt der Score bei 5:2 zu Gunsten des Norwegers | Foto: Eric van Reem, GRENKE Chess  

Wenn Magnus Carlsen in seiner derzeitigen Form spielt, findet er immer irgendwie einen Weg, auch wenn die Partie gegen die spanische Nummer 1 Paco Vallejo lange Zeit so aussah, als ob nichts großartiges passieren würde. Magnus gab zu:

31.f4+ hatte ich gar nicht auf dem Zettel, von daher denke ich, dass ich zu diesem Zeitpunkt einfach Glück hatte, nicht signifikant schlechter zu stehen.


Magnus spielte 31…gxf3 und wies darauf hin, dass er glücklicherweise auf 32.h4+ über den "kleinen taktischen Trick" 32…Sxh4! 33.gxh4+ Kf4! verfügt, nachdem Schwarz aufgrund diverser Drohungen, unter anderem ...Tg8-g1, auf Gewinn steht. In der Partie folgte 32.Lxf3 h4 und Magnus merkte an, dass Paco schlicht auf b7 hätte nehmen sollen (33.Lxb7! ist auch die Wahl des Computers):

Es gibt keinen Grund für ihn, auf Remis zu spielen. Meiner Meinung bin ich schon glücklich, irgendwie remis machen zu können, wenn er mit irgendeiner Figur auf b7 schlägt. Ich gehe davon aus, dass es schon noch in der Remisbreite sein sollte, aber er ist derjenige, der etwas besser steht.

Paco spielte stattdessen 33.Nc4?! und es wurde schnell unangenehm für Weiß, aber der Spanier schaffte es bis zur Zeitkontrolle und schien aus praktischer Sicht gesprochen dem Remishafen sehr nah zu sein, als Magnus die Partie in ein ungewöhnliches bauernloses Endspiel überführte:


Jan Gustafsson fragte Magnus, ob er das Gefühl hatte, hier auf Gewinn zu stehen:

Ich denke, ein ungleichfarbiger Läufer und ein Turm sollten prinzipiell zum Gewinn ausreichen, aber ich fragte den Schiedsrichter, wie viele Züge ich zum Gewinnen hatte. Denn ich ging davon aus, dass es in manchen Stellungen Ausnahmen gibt und man 75 Züge Zeit hat, aber vielleicht schwirrte mir das auch nur im Kopf herum. Ich wusste, dass es prinzipiell immer gewonnen sein sollte, aber ich hatte keine Ahnung, wie. Ich war mir aber sicher, dass es gegen eine gute Verteidigung womöglich mehr als 50 Züge brauchen würde... Als der Schiedsrichter sagte, ich hätte 50 Züge Zeit, war mir klar, dass es verdammt schwer werden würde. Aber ich tippe mal, dass man so ein Endspiel einmal in seinem Leben bekommt und heute bekam ich es. Von daher bin ich gespannt darauf, wie man das Endspiel behandeln sollte, auch wenn ich dieses Wissen vermutlich niemals mehr nutzen werden kann!

Die Tablebases geben Magnus Recht, denn nach Paco 51.Lf3 gewinnt Schwarz innerhalb von 54 Zügen bei bestem Spiel. Das nicht-menschliche Schachorakel gab dann Zug für Zug an, ob Magnus den Gewinn rechtzeitig erreichen konnte oder nicht. Schlussendlich erwischte Magnus seinen Gegner aber doch und Vallejo streckte bereits nach 23 Zügen nach Beginn der Folter die Waffen:

chess24: Wer braucht schon Tablebases, wenn du Magnus Carlsen hast, der seine fünfte Partie in Folge gewinnt und damit die alleinige Führung bei den Grenke Chess Classic mit 2/2 behält!

Verpass' nicht, wie Magnus seine Partie detailliert erläutert (und dabei seine Erwartungen zu Game of Thrones teilt):

Auch kannst du dir hier die letzten Züge der Partie anschauen:

Und so du lieber die ganze Partie sehen möchtest, kannst du dir hier die Analyse des spanischen GM Pepe Cuenca ansehen:

Dieser Sieg, der fünfte in Folge für den Weltmeister, katapultiert ihn in neue Ratinghöhen - ganze 50 Punkte vor dem Zweitplatzierten Fabiano Caruana in den Live-Ratings:


GrenkeChess2019: Viele Fans warten darauf, dass Magnus im Anschluss an seine lange Partie gegen @Chessidhartha Zeitschriften und Bücher signiert.

Es gab nicht viel, was man hätte kritisieren können. Aber das ist natürlich kein Grund, es nicht dennoch zu versuchen! 

Dan: Wer ist stärker: Der Magnus mit Bart oder der Magnus mit Brille? DAS WOLLEN DIE MENSCHEN WISSEN, TARJEI!

Anish Giri: Jemand sollte ihn mit einer Heckenschere packen. Sein verrückter Bart ist sonderbar.

Magnus spielte wieder sechs Stunden lang, als bereits alle anderen Partien ihr Ende gefunden hatten. Meier-Aronian war ein 29-zügiges Remis in einer 3.Lb5+-Nebenvariante des Sizilianers, in der die Geschwindigkeit, in der Aronian seine Züge machte, vermutlich beeindruckender war als die Stellung, die er damit erreichte.

Levon bekritzelt ein Schachbrett | Foto: Eric van Reem, GRENKE Chess  

Caruana-MVL war interessant, weil Fabiano mit 2.Sc3, 4.Dxd4, 5.Dd2, 6.b3 eine Sizilianisch-Variante spielte, die Magnus beim Shamkir Chess Turnier 2018 nutzte, um Radek Wojtaszek zu verblüffen:


Jonathan Tisdall: Fabiano folgt WIRKLICH Magnus in der Eröffnung...

Maxime antwortete mit 7…d5 statt Wojtaszeks 7…a6, wonach eine große theoretische Debatte angestoßen wurde. Wenn überhaupt, dann stand Caruana ein wenig besser, aber es sah nie so aus, als ob MVL wirklich in Schwierigkeiten geraten wäre, bevor die Partie nach 49 Zügen mit Remis endete.

Fabi folgt Magnus... | Foto: Jakob Baum

Anand 1-0 Keymer

Vincent Keymer hat zwar den gleichen Blick wie letztes Jahr, aber bisher nicht die Resultate, die er sich für dieses Turnier gewünscht hätte | Foto: Oliver Koeller  

Der 14 Jahre alte Vincent Keymer hat eine Feuertaufe zu bestehen, die so heiß ist, wie sie zu erwarten war, nachdem er die zweite Niederlage innerhalb von zwei Tagen einstecken musste. Für fehlenden Mut kann man ihn sicher nicht kritisieren, denn gegen einen der besten Najdorf-Spieler unserer Zeit entschied er sich, eben jenen Najdorf selbst zu spielen. Und das Ergebnis der Eröffnung war zumindest eine gut spielbare Stellung:


In dieser Stellung war Vishy Anand der Meinung, dass der kritische Moment gekommen ist:

Ich hatte das Gefühl, dass es eine sehr schwierige Partie war. Für mich war es sehr schwer zu beurteilen, was passiert, wenn Schwarz seine Bauern noch weiter noch vorne rückt. Aber ich hatte diesen Lg5-Zug und wenn er Lf6 spielt, dann wollte ich meinen Springer nach b5 bringen. Ich war nicht in der Lage, das zu beurteilen. Ich hatte aber das Gefühl, dass Schwarz ok sein sollte, weil mein Plan mit a3, b4 ein wenig langsam ist. Aber dann machte er einen wirklich großen Fehler, indem er Sf4 spielte, was es mir erlaubt, meinen Turm nach e6 zu bringen. Danach ist es meiner Meinung nach unangenehm für Schwarz, so oder so.

Die Computer stimmten dieser Einschätzung nicht vollkommen zu, denn sie mögen die weiße Stellung nach 24…Lf6 25.Sb5, erachten aber Vincents 24…Nf4!? als den besten Zug. Lediglich Vincents Wahl nach 25.Lxf4 exf4 26.Te6 sehen sie als ernsten Fehler an:


Die Engines schlagen vor, mit 26...Txe6 27. dxe6 Sc5 fortzusetzen, wonach Schwarz gute Chancen hat, die Stellung zu überleben. Aber Vincent spielte 26…Se5?! 27.Le2 Txe6 28.dxe6 Te8 29.Dd5 und diese Stellung zu halten war keine leichte Aufgabe. Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen war das junge Talent in horrender Zeitnot. Und dieses Mal schaffte er es nicht mehr, großen Widerstand zu leisten.

Hier kannst du dir anschauen, was Vishy im Anschluss an die Partie zu sagen hatte:

Und hier sprach er zu Jan und Vincents Trainer Peter Leko:

Naiditsch 0-1 Svidler

Es brauchte nur zwei Runden, bis Svidler seinen ersten Sieg bei seinem Debüt bei den Grenke Chess Classic einfuhr | Foto: Eric van Reem, GRENKE Chess  

Arkadij Naiditsch überraschte Peter Svidler mit dem Abtauschspanier 4.Lxc6. Doch auch wenn diese Variante die Reputation einer Remiswaffe hat, war sich Peter sicher, dass das sicher nicht der Plan von Weiß gewesen ist:

Arkadij spielt den Abtauschspanier von Zeit von Zeit, und wie es so mit allem ist, was er spielt, tut er das nicht, um ein Remis zu forcieren - für ihn ist es eine aggressive Eröffnung, eine ambitionierte Eröffnung, die man spielt, um zu gewinnen. Und auch wenn ich das alles für nicht sehr wahrscheinlich hielt, ging es bei meiner Vorbereitung um ... wir diskutierten das ein wenig mit meinem Sekundanten und er sagte schlicht, ich solle diese eine Variante spielen, die sei sicher. Und das war es auch schon.

Den Zug 5…Df6 spielte Svidler bereits gegen Dmitry Jakovenko im Khanty-Mansiysk Grand Prix des Jahres 2015. Ob er die Partie im Kopf hatte oder nicht, ist nicht völlig klar, aber die Partie nahm einen ähnlichen Verlauf. Peter machte auch in dieser Partie erst sehr methodisch Druck auf den weißen e-Bauern, bevor er diesen schlussendlich gewann. Dieses Mal hatte Peter das Gefühl, dass der kritische Moment kam, als er den folgenden Zug spielte: 19…Ba6


Peter sagte, Weiß "hätte hier definitiv 20.f5!? spielen sollen" mit unklaren Konsequenzen. Nach dem passiven 20.Sf2 jedoch übernahm Schwarz das Ruder. Die restliche Geschichte der Partie ist schnell erzählt: Der Springer, der derzeit auf g6 steht, machte sich auf die Reise und schnappte schlussendlich auf a3 einen wichtigen Bauern!


Peter fasste das so zusammen:

Eine schöne Partie von mir, denke ich. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Arkadij darüber nicht glücklich sein wird, denn normalerweise verlierst du solch eine Stellung mit Weiß nicht

Hier kannst du dir ansehen, was Peter über die Partie denkt:

Das bedeutet, dass sich bereits nach zwei Runden das Feld ein wenig differenziert:


In Runde 3 hat Magnus nun die Chance, seinem Rating einen weiteren Boost zu verschaffen und seine dritte Partie in Folge gegen seinen alten Rivalen Vishy Anand zu gewinnen. Zum dritten Mal hat er ebenfalls die weißen Steine. Die Chancen auf entschiedene Partien sind auf anderen Brettern allerdings höher, denn Svidler, Caruana, MVL und Aronian sind gegen Meier, Keymer und Naiditsch und Vallejo die klaren Favoriten.

Die ganze Action kannst du ab 15:00 Uhr MEZ verfolgen. Jan Gustafsson kommentiert zusammen mit Peter Leko live hier auf chess24.   

Weitere Links:


Sortieren nach Datum (absteigend) Datum (absteigend) Datum (aufsteigend) meiste Likes Benachrichtigung bei neuen Kommentaren

Kommentare 0

Guest
Guest 7647254606
 
chess24 beitreten
  • Kostenlos, Schnell & Einfach

  • Sei der Erste, der kommentiert!

Registrieren
oder

registriere dich und leg los!

Ich bin älter als 16 Jahre.

Mit einem Klick auf 'Registrieren' stimmst du unseren Nutzungsbedingungen zu und bestätigst, dass du unsere Datenschutzrichtlinie und den Abschnitt über die Verwendung von Cookies gelesen hast.

Lost your password? We'll send you a link to reset it!

Nach der Übermittlung deiner E-Mail-Adresse erhältst du von uns eine E-Mail mit einem Link zum Zurücksetzen des Passworts. Wenn du dann weiterhin nicht auf deinen Account zugreifen kannst, melde dich bitte beim Kundendienst.

Welche Funktionen möchtest Du aktivieren?

Wir respektieren Deine Privatsphäre und Datenschutzbestimmungen. Einige Komponenten erfordern das Speichern von personenbezogen Daten in Cookies oder dem lokalen Speicher.

Show Options

Hide Options