Berichte 13.10.2019 | 16:46von Colin McGourty

Grand Swiss 3: Nur Caruana & Wang Hao bei 100%

Fabiano Caruana wird versuchen, sein bisheriges Ergebnis gegen Wang Hao zu verbessern, denn bisher steht er bei 0 Siegen zu 5 Niederlagen. Beide Spieler haben beim FIDE Grand Swiss auf der Isle of Man 3/3 und treffen in Runde 4 aufeinander. Fabiano Caruana behielt seine perfekte Punktzahl bei, indem er Alexei Shirov am Ende eines aufregenden Najdorfs überspielte, während Wang Hao seinen Landsmann Bu Xiangzhi austrickste. Alexander Grischuk gehört zu den 10 Spielern, die einen halben Punkt zurückliegen, während Magnus Carlsen nach dem Unentschieden gegen Rustam Kasimdzhanov einen ganzen Punkt zurück liegt. Die Partie seines Viertrundengegners Vladislav Kovalevs dauerte epische 8 Stunden und 151 Züge!

Fabiano Caruana setzte sich schlussendlich gegen Alexei Shirov durch, doch war es ein wilder Ritt | Foto: John Saunders, Turnierseite

Alle Partien des Turniers kannst du hier nachspielen:

Caruana und Wang Hao auf Konfrontationskurs

Fabiano Caruana bekam und bekommt die Chance, vergangene Ergebnisse auf der Isle of Man zu korrigieren! Als junger, hungriger Spieler unter 2700 gegen einen erfahrenen 2750er musste Caruana zum ersten Mal gegen Alexei Shirov 2010 antreten. Als Fabi die 2700 überschritt, hatte Shirov aber bereits bis 2011 eine 3:1 Führung herausgearbeitet. Danach trafen sie erst wieder bei der Olympiade 2014 (Remis) aufeinander und nun auf der Isle of Man. Dieses Aufeinandertreffen wäre beinahe nicht passiert, wie der 47-jährige Shirov auf Emil Sutovskys Facebook-Seite anmerkte (wo es eine russische Diskussion darüber gab, warum etwa 50 Spieler aus dem Bereich 2620-2690 eine Einladung zum Turnier ablehnten, obwohl alle ihre Kosten übernommen worden wären), sodass er sich erst eine Stunde vor Ablauf der Frist entschied, am Turnier teilzunehmen.

Alexei Shirov bleibt weiterhin ein gefährlicher Gegner | Foto: John Saunders, Turnierseite

Die Partie erfüllte die hohen Erwartungen an ein Aufeinandertreffen zweier solch dynamischer Spieler, obwohl Alexei im Nachhinein wahrscheinlich die 5 Minuten bereut hat, die er bereits für den dritten investierte, bevor er sich dann doch für die Najdorf-Variante entschied. Es folgte eine ultrascharfe Partie mit entgegengesetzten Rochade, ungewöhnlichen Materialverhältnissen und originellen strategischen Plänen. Shirov schien gut zu stehen, bis er in große Schwierigkeiten geriet, obwohl sein Fehler schlussendlich von Fabi nicht bestraft wurde. Nach der Zeitkontrolle schätzten Mensch und Computer, dass die Stellung "dynamisch ausgeglichen" sein müsste. Es war aber immer noch fantastisch kompliziert, und erst ganz am Ende gelang es Fabiano, die Oberhand zu erringen:


51...Tg2!! war ein brillanter Zug, der nach nur 3 Minuten des Nachdenkens gespielt wurde. Die Frage, warum g2 und nicht beispielsweise f2, wird nach 52.Dd3 Db8 beantwortet! Die verheerende Drohung lautet ...d1=D gefolgt vom Matt auf b2, aber während man nach 52...Tf2 noch 53.Lb3 zur Hand hätte, läuft dieser Zug nach dem Partiezug in das erstaunliche 53...Tg3!, wobei die Dame auf b8 den Turm verteidigt. Alexei gab auf:

Einige Steine galt es aus dem Weg zu räumen, doch am Ende übertölpelte Fabiano Caruana Alexei Shirov und hat nun 3/3. Morgen wird er in Runde 3 gegen den Co-Führenden Wang Hao antreten.

Doch das ist nicht das Ende der Geschichte, denn der australische GM David Smerdon bloggte über die Möglichkeit Shirovs, 52.Dd5! zu spielen. Die Idee liegt darin, dass Weiß nun nach 52...Db8 zu 53.Dxg2! d1=D 54.gxh7! greifen kann:


Es scheint hoffnungslos für Weiß zu sein, aber er spielt gleich Lg6, wie es auch in den Topvorschlägen der Engine zu lesen ist. Schwarz kann diesen Läufer niemals vertreiben und somit seinen König befreien - ist diese Stellung also womöglich eine Festung? Schwarz sollte daher vielleicht zu 54...Kxh7 greifen, doch nach 55.h6! erzwingt die Mattdrohung 55...g5 und nach 56.Dxg5 Dd4 stellt sich wiederum die Frage, ob Schwarz es ohne Bauern schafft, die weiße Festung zu stürmen.

Wang Hao vs. Bu Xiangzhi | Foto: Maria Emelianova/Chess.com, Turnierseite

Es gab keine solche Unklarheit in der Partie eines weiteren Führenden, Wang Hao, der eine der merkwürdigsten Figuren in der Welt des Schachs ist. Sein großes Talent war offensichtlich, als er 2005 im Alter von 16 Jahren den IM-Titel übersprang, um Großmeister zu werden. Der chinesische Star sollte weiterhin ein regelmäßiger Teilnehmer an Superturnieren werden und 2013 als 23-Jähriger eine Höchstelo von über 2750 vorweisen können. Danach jedoch brachen einige gesundheitliche Probleme über ihn heran und womöglich ein Mangel an, sodass er aus dem Kreis der Elitespieler herausfiel. Irgendwann fiel er auf 2670, aber obwohl er im Alter von 30 Jahren fast ausschließlich ein Spieler offener Turniere geworden ist, war er ein äußerst effektiver Spieler - er kletterte die Elolisten weiter und weiter nach oben. Das Grand Swiss ist eine Chance für ihn, sein Können wieder unter Beweis zu stellen und sich vielleicht sogar für das Kandidatenturnier zu qualifizieren. Es gibt keinen Grund, an ihm zu zweifeln, wenn er sagte, dass er nach seiner Partie in Runde 3 nicht einmal darüber nachgedacht hat, und man fragt sich, ob er die Herausforderung des Kandidatenturniers genießen würde - aber er wäre sicherlich ein sehr interessanter Außenseiter!

Auf jeden Fall drehte sich das Aufeinandertreffen mit seinem Landsmann Bu Xiangzhi (der in gewisser Weise eine ähnliche Biographie hat) um einen taktischen Trick:


17.c4!!, was die wacklige Stellung des Lc5 ausnutzt, war ein Gewinnzug. 17…Sxc4 18.Lxc4 Dxc4 19.Tc1 gewinnt einfach eine Figur, daher entschied sich Bu für 17…Dd6 (der Läufer muss gedeckt bleiben). Doch dies lief wiederum in 18.Sg5!. Wäre der Zug ohne c4 gespielt worden, dann wäre nach ...Lxe2 Dxe2 könnte Schwarz den Turm ziehen und immer noch eine vernünftige Stellung haben, aber nun ginge Sge4, was wiederum den Lc5 gewinnen würde. Deshalb entschied sich Bu für 18…Lf5 19.Sxf7 Kxf7 wonach er eine Qualität weniger hatte und kurze Zeit später noch ein Taktik Wang Haos zum Opfer fiel. Eine wahrlich vernichtende Partie.

Wang Hao hat nun Schwarz in Runde 4 gegen Caruana und wir dürfen davon ausgehen, dass diese Partie ein zäherer Kampf wird als sein letztes Aufeinandertreffen mit der Nummer 2 der Welt!

Das Verfolgerfeld

Schaut man genau hin, kann man Magnus entdecken | Foto: John Saunders, Turnierseite

Aber wo ist Magnus Carlsen? Der Weltmeister sackt ein wenig weiter ab, nachdem er in Runde 3 nicht über ein frustrierendes Remis gegen Caruanas Sekundanten Rustam Kasimdzhanov hinaus kam. Auch wenn die Computer Magnus einen Vorteil von +2 in einem komplizierten Endspiel gaben, das aus einer Englischen Eröffnung entstanden war, gab es keinen klaren Weg zum Sieg. Auch die Spieler waren sich unsicher, was eigentlich los war:

Weltmeister Magnus Carlsen und der ehemalige FIDE Weltmeister Rustam Kasimdzhanov analysieren ihre kämpferisches Remis in Runde 3

In Runde 4 hat Magnus Schwarz, aber er wird nicht allzu enttäuscht sein, dass sein Gegner der weißrussische Großmeister Vladislav Kovalev ist. Das liegt nicht daran, dass Kovalev mit Elo 2661 ein leichter Gegner sein wird - schließlich gewann er letztes Jahr das unglaublich harte Aeroflot Open - sondern daran, dass Kovalevs Partie in der dritten Runde sage und schreibe 8 Stunden und 151 Züge dauerte!

Vladislav Kovalev und Vladimir Fedoseev vor Turnierbeginn | Foto: John Saunders, Turnierseite

Die Zeitkontrolle auf der Isle of Man ist eine der längsten, die derzeit im Turnierzirkus gespielt werden: 100 Minuten für 40 Züge, danach 50 Minuten für 20 Züge und dann 15 Minuten für den Rest plus ein Inkrement von 30 Sekunden beginnend mit Zug 1. Das macht Partien von über 7 Stunden Länge an jedem Tag fast unvermeidlich und nur die härtesten der Kommentatorenteams schaffen es, bis zum Ende durchzuhalten:

Die letzte Partie des FIDE Grand Swiss dauerte nun fast acht Stunden!! Denke, dass mir viele zustimmen werden, dass diese Zeitkontrolle etwas zu lang ist.

Im Falle von Kovalev schien es, als ob seine Anstrengung ins Leere hätten laufen können. Als er gegen den 16-jährigen rumänischen IM David Gavrilescu ein Damenendspiel erreichte, war die Stellung nach Zug 59 laut Tablebases remis. Es war immer noch ein Remis bei Zug 136, doch als der König auf a4 statt auf a2 oder b2 auftauchte, war es plötzlich ein "Matt in 46". Das spielte jedoch keine Rolle, da David nur überleben musste, um Zug 154 zu erreichen (der letzte Bauernzug war der 104. Zug) und er gemäß der 50-Züge-Regel ein Remis hätte reklamieren können. Doch vier Züge vor dem Ziel griff er mit 150...Kc1? fehl:


Vladislavs Hartnäckigkeit zahlte sich aus, da nach 151.Dh1+! die Aufgabe erzwang. Der Freibauer geht zur Dame und das Zählen der Züge ist obsolet.

Alexander Grischuk ist der bekannteste Name im Verfolgerfeld | Foto: John Saunders, Turnierseite

Während Kovalev und Carlsen einen ganzen Punkt hinter den Führenden liegen, gibt es eine Gruppe von 10 Spielern mit 2,5/3. Der Spieler davon mit er höchsten Elo ist Alexander Grischuk, der dafür belohnte wurde, ein Turmendspiel gegen Grigoriy Oparin lange zu kneten. Zu ihm gesellen sich Adhiban, Vitiugov, Vidit, Sargissian, Cheparinov, Fedoseev, Alekseenko, Maghsoodloo und der Engländer Luke McShane, der den Vietnamesen Ngoc Truong Son Nguyen mit einem Bauernsturm am Königsflügel auf der schwarzen Seite einer Anti-Berliner-Variante zerstörte. 

McShane beantwortete die Frage so halb, ob er weiterhin ein Schachamateur ist, indem er meinte, dass er derzeit viel Schach spielt - den World Cup, auf der Isle of Man, bei den Europamannschaftsmeisterschaften und bei den London Chess Classic | Foto: John Saunders, Turnierseite

Passend dazu sagte Luke, dass er sich fragte, "Was würde Kramnik spielen?", als er sich für 20...Dg5! entschied und als er die Fortsetzung 21...f5! fand, welche die schwarzen Türme in den Kampf miteinbezieht. Daraufhin war er sicher, dass er gewinnen würde (er dachte, das Schlagen von f3 würde Weiß Gegenspiel ermöglichen):

...f5! von McShane, danach steht er kurz vor einem vernichtenden Sieg mit Schwarz: "Sieht wie ein Kandidat für die Partie des Tages aus!" gemäß Daniel King

Der Vietnamese verteidigte sich hartnäckig und erreichte ein Endspiel, doch nach 33 Zügen stand McShanes Sieg fest.

An den anderen Brettern gab es Siege für Levon Aronian (der den 17 Jahre alten russischen GM Andrey Esipenko besiegte ("Du musst sie schlagen, solange sie jung sind!", meinte Levon im Anschluss)) und für Sergey Karjakin (der froh darüber sein konnte, dass sein Gegner Rinat Jumabayev schachlich absolut nachvollziehbar eine Stellungswiederholung ablehnte, und dann in Zeitnot fehlgriff).

Sergey Karjakin fand eien Taktik, die Rinat Jumabayev in Zeitnot entging | Foto: John Saunders, Turnierseite

Anhänger von Turmendspielen mögen sich über Ivan Cheparinovs Sieg gegen Baadur Jobava und Harikrishnas Sieg gegen Erwin l’Ami freuen:

Super-GMs analysieren dieses unsagbar komplexe Turmendspiel! Der indische Star Harikrishna schlägt den Holländer l’Ami in einem lehrreichen Turmendspiel. Und hier mischt sich der ehemalige WM-Herausforderer Sergey Karjakin ein und legt seine Gedanken dar.

Lasst uns den Bericht mit einem Kandidaten für den Zug des Tages beenden. Luke McShane hatte sicherlich Spaß, und genauso wie er der englische Großmeister David Howell. Dieser spielte gegen den Italiener Daniele Vocaturo:


David kam hier mit 26…Txe3+!! um die Ecke. Der Grund, warum Vocaturos vorheriger Turmzug nach h4 ein Fehler war, liegt in 27.fxe3 Dxg2+ 28.Kd1 Dxc2 29.Kxc2 und nun verfügt Schwarz über 29…Lg3!, was einen ganzen Turm gewinnt.


In der Partie versucht Daniele 27.Kxe3 Dxe1+ 28.Kf3, doch nach 28…Ld6! konnte David es sich leisten, den a-Turm aufzugeben (Dh7+, Dh8+, Dxa8), wenn Dame und Läufer setzen den weißen König im Alleingang matt.

Wird es nach 4 Runden einen alleinigen Führenden geben? Schau dir hier die Partien der vierten Runde live an!

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