Berichte 12.10.2019 | 21:21von Colin McGourty

Grand Swiss 2: Caruana mit 5 weiteren Spielern in Führung

Fabiano Caruana schlug Sam Sevian in Runde 2, womit er nun zusammen mit Wang Hao, Bu Xiangzhi und Alexei Shirov und Adhiban beim FIDE Chess.com Grand Swiss mit 2/2 in Führung gegangen ist. Es ist nahezu unglaublich dass nach nur zwei Runden eines solchen Events nur fünf Spieler die Führung übernehmen, aber wie wir gesehen haben, ist dies kein gewöhnliches Turnier. Magnus Carlsen gehörte zu denen, die zu kämpfen hatten, nachdem der 19-jährige Alexey Sarana 24 Züge häuslicher Eröffnungsvorbereitung herunterblitzte. Die Hälfte der Überraschungssiege entfiel auf weibliche Spielerinnen, wobei Batkhuyag Munguntuul, Antoaneta Stefanova, Marie Sebag und Elina Danielian alle die höher bewertete männliche Konkurrenz besiegten.   

Caruana spezialisierte sich auf offene Turniere, bevor er in die absolute Weltspitze vorstieß. Auf der Isle of Man scheint er gut in Form zu sein | Foto: John Saunders, Turnierseite

Alle Partien des Turniers kannst du hier nachspielen:

Alexei Sarana hatte einen Plan und führte ihn perfekt aus | Foto: John Saunders, Turnierseite

Der 19-jährige russische Großmeister Alexei Sarana erklärte, dass sein Hauptplan, bevor er sich Magnus Carlsen in Runde 2 stellte, darin bestand, gut zu schlafen, aber obwohl das vielleicht auch ein wenig geholfen hat, schadete es auch nicht, die ersten 24 Züge der Partie richtig vorhergesagt zu haben! Magnus hielt an seiner WM-Vorbereitung fest, indem er 1.e4 mit dem Sveshnikov Sizilianer beantwortete. Aber mit der alten Hauptvariante 7.Lg5 wich Sarana von 7.Sd5 ab, der das Londoner WM-Match dominierte.

Daniel King: "Alexey Sarana hat den Mut, Magnus in seinem Sveshnikov zu stellen... Hier gibt es WM-Vorbereitung zu sehen."

Mit 9.Lxf6 spielte er anders als Dominguez, So, Giri und Radjabov, die allesamt gegen Magnus in 2019 spielten. Und mit 15.Dh5 wich Sarana auch noch von 15.Df3 ab, was er bereits gegen Magnus Carlsens Sekundanten Daniil Dubov bei der Russischen Meisterschaft 2018 spielte:


Magnus hatte diese Stellung selbst bereits dreimal gespielt, als er in Saranas Alter war, aber er hatte sich immer für 15...Tb8 entschieden. Diesmal entschied er sich für 15...d5, einen Zug, mit dem Evgeny Vorobiov kürzlich einen Kurzsieg gegen Carlsens Landsmann Aryan Tari erzielt hatte. Sarana aber war nicht geschockt und beide Spieler blitzten ihre Züge weiter herunter, bis wir ein stark vereinfachtes Endspiel erreichten. Der junge Russe sagte später, er habe die Stellung mit dem Computer bis zu 24.g3 betrachtet und gedacht, dass sie gut für ihn ist:


Es fühlte sich zwar so an, als ob die Partie schnell ins Remis verflachen sollte, doch als 33.g4! auf dem Brett auftauchte (und damit eine Stellungswiederholung abgelehnt wurde), war es klar, dass Schwarz absolut keinen Spaß haben sollte:

Alles was du über den Verlauf von Sarana-Carlsen wissen musst, mit freundlicher Genehmigung von Anish Giri auf Instagram

Nach 38.f4 war die Stellung kritisch:


Zu diesem Zeitpunkt war Carlsens 38...h6! der einzige Zug, während er nach 39.Sg4 17 Minuten damit verbrachte, eine etwas trockene, aber hochwirksame Möglichkeit zu finden, das Spiel zu remisieren: 39....La3! 40.Sxh6 Le7! (die mentale Flexibilität, diese Art von "Pendelbewegung" zu finden, ist eines der Merkmale von Carlsens Fähigkeit, die Artur Jussupow in seiner chess24-Videoserie identifiziert hat) 41.Td7 Lxg5! 42.Sxf7 Tb2+! 43.Kf3 Lxf4! und Magnus konnte das Endspiel Turm gegen Turm und Springer leicht erreichen. Es war eine seltene, perfekt gespielte, aber dennoch interessante Schachpartie:

Und es ist remis, weil Alexe Sarana beschließt, dass Magnus vermutlich weiß, wie man mit Turm gegen Turm und Springer remis hält!

Insgesamt gab es nur 6 Siege auf den ersten 20 Brettern, wobei Fabiano Caruana der einzige Favorit vor dem Turnier war, der den zweiten Sieg nacheinander erzielte. Er ließ sich wieder einmal Zeit, war aber absolut überzeugend, als er seinen jungen Landsmann Sam Sevian überspielte. Dessen Versuche, am Ende mit einem Patt zu entkommen, gingen gegen die Nr. 2 der Welt nie auf.

Caruana holt einen weiteren beeindruckenden Sieg und muss in Runde 3 nun gegen Alexei Shirov ran | Foto: John Saunders, Turnierseite

In Runde 3 hat Fabiano Schwarz gegen Alexei Shirov, der nach seinem Sieg über Alina Kashlinskaya mit der französischen Verteidigung Erwin l'Ami besiegte. Etwas lief bei Erwin sehr früh schief, und als er versuchte, am Königsflügel vorzurücken, ermöglichte das nur eine schöne Taktik für Alexej (21...Sxe5!), obwohl der ästhetischste taktische Schlag später kommen sollte: 36...La4! und der Läufer konnte nicht geschlagen werden, ohne dass der b-Bauer zur Dame geht. Es war nicht ganz sein berühmtes 47...Lh3!! aus Topalov-Shirov, Linares 1998, aber diese Partie kam Erwin natürlich in den Sinn:

Ich muss zugeben, dass mir die Erinnerung während der Partie ein Lächeln auf mein Gesicht zauberte.

Nach 37.Sf4 spielte Alexei das präzise 37…d2! und erst nach 38.Ke2 setzte er fort mit 38…Lxb3. 39.Kxd2 Lc4! war das Ende einer feinen Partie.

Die anderen Führenden sind Bu Xiangzhi, der gegen  Alexander Riazantsev plötzlich einen Mattangriff aus dem Hut zauberte, Wang Hao, der Rauf Mamedov mit den schwarzen Steinen überspielte, und der indische Schachzündler Adhiban, der im Mittelspiel einen Fehler des 18 Jahre alten Jeffery Xiong auf brutale Art ausnutzte.

Die Gegner nehmen Raunak Sadhwani nun sehr sehr ernst | Foto: John Saunders, Turnierseite

Stars wie Wesley So, Levon Aronian und Sergey Karjakin kamen nicht über Remisen hinaus, wobei der 13 Jahre alte Inder IM Raunak Sadhwani nach seinem Sieg gegen einen starken russischen Großmeister nun auch problemlos mit den schwarzen Steinen gegen Sergey Karjakin den halben Punkt festhielt.

Veteran Boris Gelfand konnte dem kommenden Top-Mann Nihal Sarin einen vollen Punkt abluchsen | Foto: John Saunders, Turnierseite

Mit Nihal Sarin hatte ein weiterer indischer Jungstar einen harten Tag vor sich, da Boris Gelfand die ganze Kraft des Läuferpaars demonstrierte. In der Schlusstellung konnte Nihal endlich die Leichtfiguren vom Brett nehmen, doch wäre das Bauernendspiel leicht für Weiß gewonnen.

Die 51 Jahre alte Schachlegende Boris Gelfand gibt dem 15 Jahre alten indischen Jungstar Nihal Sarin eine Gratislehrstunde in Sachen Läufer gegen Springer!

Der 51 Jahre alte Gelfand darf zum Dank nun gegen den ebenfalls nicht mehr so jungen, 47 Jahre alten Vladimir Akopian in Runde 3 spielen!

Während es an der Spitze vielleicht eng zuging, spannten einige Starspieler ihre Muskeln an den mittleren Brettern an, wobei Radek Wojtaszek, Hikaru Nakamura, Peter Svidler und Maxim Matlakov sich die Klinke in die Hand gaben, ihre Gegner mit den weißen Steinen zu überrollen.


Insbesondere Wojtaszek war mit seinem Sieg nach der Partie sehr zufrieden: 40.Le4! Tc8:


Aryan Tari schien die Partie in die Länge ziehen zu können, doch nach 41.De7! ist der Ofen sofort aus. Nach 41..Dxe4 42.Df6+ Kg8 43.De6+ sammelt Weiß den Turm mit Schach ein (oder es kommt 43…Kg7 44.Txb7+ mit schnellem Matt).

Vishy Anand analysiert seinen Comeback-Sieg gegen Tal Baron | Foto: John Saunders, Turnierseite

Vishy Anand konnte gegen Tal Baron am 62. Brett einen überwältigenden Sieg feiern, doch der Preis für den spektakulärsten Sieg gegen an Eltaj Safarli, der den höher bewerteten Maxim Rodshtein in der Caro-Kann Abtauschvariante erwischte. Es stellte sich heraus, dass 20...Kg7? der Verlustzug war. Eltaj spielte daraufhin zügig den Gewinnzug 21.Dh3!


Die Geschwindigkeit, mit der Maxim hier reagierte, deutet darauf hin, dass er bereits wusste, dass es hoffnungslos war. Es ist ein wenig wie die Wahl zwischen Pest und Cholera. Ein Zug wie 21...h5 rennt in 22.Sxe6+! fxe6 23.Txe6 und nach z.B. 23...Dd8 ist der einzige Gewinnzug 24.f5!, was die schwarze Königsstellung öffnet. Stattdessen entschied sich Maxim für die Verteidigung von h7 mit 21...Rh8, die in das hübsche 22.Dh6+! lief, natürlich mit der Idee 22...Kxh6 23.Sxf7+ und Weiß gewinnt die Dame mit zwei Bauern und einer leicht gewonnenen Stellung zurück. Die Partie wurde fortgesetzt mit 22...Kg8 23.f5! exf5 24.Txf5! (wieder die unglückliche, unverteidigte Dame auf d6!) 24...Tf8 und der Coup de grâce 25.Se6!

Safarli-Rodshtein machte sehr viel Spaß! (für Weiß)

Eine tolle Partie zum Durchspielen der Varianten, was du hier tun kannst.

Die andere Geschichte des Tages war, dass, nachdem viele der Frauen an den unteren Brettern in der ersten Runde fast überraschende Siege erzielen konnten, haben vier von ihnen in Runde 2 tatsächlich gewonnen. Gawain Jones schien das Problem mit der Grundreihe zu übersehen, als er sich für ein Qualitätsopfer gegen die ehemalige Frauen-Weltmeisterin Antoaneta Stefanova entschied, und als sie die Qualität für positionelle Dominanz zurückgab, gab es für Gawain keine Möglichkeit mehr, eine zweite Niederlage in Folge zu vermeiden.

Gawain Jones musste gegen Antoaneta Stefanova eine Niederlage quittieren | Foto: John Saunders, Turnierseite

Zhang Zhong, der am Vortag gegen Caruana spielte, patzte in Zeitnot gegen Marie Sebag, so wie auch Sethuraman gegen Elina Danielian, und zwar mit 36.De3? (36.Dc3!):


Elinas 36...Se4! gewinnt die weiße Dame, da der Springer das Fluchtfeld d2 abdeckt und 37.Dxb6 Ta1# matt wäre. Sethuraman versuchte noch 37.Da3, gab jedoch bald auf.

Den vielleicht beeindruckendsten Sieg erzielte Batkhuyag Munguntuul aus der Mongolei, die Sergei Movsesian in einem komplizierten Mittelspiel überspielte. Die Partie wurde erst nach Zug 60 so richtig spannend und mit Zug 83 gab Movsesian auf. Die letzte Partie des Tages war das Unentschieden von Peter Leko gegen Avital Boruchovsky, wo Peter spät in der 7. Stunde den Sieg schlussendlich verpasste.

Chinas Wang Hao wurde in den letzten Jahren zu einem wahren Open-Spezialisten und gehört derzeit zu den Führenden mit 2/2 | Foto: John Saunders, Turnierseite

Am Samstag warten spannende Paarungen, unter anderem Shirov-Caruana, während Caruanas Trainer Rustam Kasimdzhanov alle WM-Vorbereitung brauchen wird, wenn er sich mit Schwarz gegen Magnus Carlsen erwehren muss. Schau dir hier die Partien an

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