Berichte 29.05.2019 | 09:06von Colin McGourty

GP Finale zwischen Grischuk und Nepomniachtchi geht in den Tiebreak

Alexander Grischuk beschrieb die erste Partie beim FIDE Grand Prix in Moskau als "Eröffnungskatastrophe". Nach der Eröffnung hatte er mit Weiß spielend bereits nach 18 Zügen eine Stunde weniger auf der Uhr. Ian Nemponiachtchi war allerdings nicht in der Lage, einen Killerzug zu finden. Nachdem die Partie remis ausging, witzelte Grischuk, dass er zumindest in der nächsten Partie von der Grundstellung aus "einige Konterchancen" besitzen wird. Genau das passierte auch und Schwarz hatte Chancen auf Vorteil, bevor die Partie nach 23 Zügen dann doch ebenfalls remis gegeben wurde. Damit muss die Entscheidung im heutigen Tiebreak fallen!

Die 10 Jahre alte Albina Ysmailova spielt in Anwesenheit von FIDE Präsident Arkady Dvorkovich den Eröffnungszug | Foto: Niki Riga, World Chess

Hier kannst du dir alle Partien des FIDE Grand Prix anschauen:

Partie 1: Grischuk ½-½ Nepomniachtchi

Es war ein ziemlicher harter Einstand ins Finale für Alexander Grischuk | Foto: Niki Riga, World Chess

Ian Nepomniachtchi ist dafür bekannt, sehr schnell zu spielen und hier und da vielleicht auch zu schnell, während Alexander Grischuk den Ruf hat, die Zeit gerne auch mal zu vergessen....

Mr. Dodgy: Grischuk bedeutet, "Das Verständnis, dass Zeit ein menschliches Konstrukt ist und keine Auswirkungen auf die Realität hat". Ich lerne so viel von Google translate

Damit war die Bühne für die erste Finalpartie perfekt bereitet, in der sich Nepomniachtchi für eine alte Variante im Grünfeldinder entschied, die ein Qualitätsopfer beinhaltete. Ian verbrauchte für seine ersten 17 Züge keine Bedenkzeit. Im folgenden Diagramm wurde Grischuk vor allem unerwartet mit 15...Ld7 konfrontiert, das zugegebenermaßen aber auch eine Neuerung darstellt:


Es war eine Eröffnungskatastrophe für mich - nicht nur, dass er eine sehr gute Variante wählte, es schien auch so, als ob er nichts anderes vorbereitet hatte! Ich weiß nicht, warum. Und selbst in dieser Stellung, in der Schwarz eine Qualität weniger hat, da steht er gut. Natürlich. Dort gibt es zehn normale Zugmöglichkeiten für ihn, aber zumindest hat Weiß einfaches Spiel und die Initiative, auch wenn es kein Vorteil ist. Aber 14.0-0 Db6 15.Dc3 Ld7 ist mir einfach entgangen. Es muss eine Möglichkeit geben, auszugleichen, aber ich konnte sie nicht finden. Danach war es eine schrecklich Stellung, aber irgendwie schaffte ich es, meine Verteidigung zu organisieren. Mit h4 und g3 hält es zumindest und ich habe keine Probleme mit der Grundreihe. Und die schwarze Dame auf b6... denn wenn die Bauern nach b4 und a5 kommen, dachte ich, kann das auch schnell böse für mich ausgehen. Irgendwie schaffte ich es, die Stellung zu verteidigen.

Wirklich? Du willst den Bauern ziehen? | Foto: Niki Riga, World Chess

Mit dem Zug 18.Df3 hatte Grischuk noch 36:43 auf seiner Uhr, während Nepos Zeit bei 1:36:55 stand (die Spieler starteten mit 1:30!). Bei Zug 26 kam Grischuk zum ersten Mal unter drei Minuten, während sein Gegner immer noch mehr als eine Stunde auf der Uhr hatte. Das ist natürlich für jedermann eine sehr unangenehme Position, in der man sich dann befindet, aber für Alexander auch wiederum nicht völlig ungewohnt. Er schaffte es, keine nennenswerten Fehler vor der Zeitkontrolle zu machen und die Partie endete nach 38 Zügen mit der Punkteteilung. Keiner der Verbesserungen, die die Spieler im Anschluss vorschlugen, beeindruckten allerdings den Computer, der immer eine Widerlegung fand.

Zum Beispielte nach 25.Lf3 spielte Nepomniachtchi 25…Le8 und schlug dann vor, er hätte vielleicht lieber 25...b4 probieren sollen (die Drohung lautet ...Lb5 und die Dame von Weiß ist komplett aus dem Spiel genommen):


Allerdings hält 26.Le2! die Partie im Gleichgewicht, wie Ian selbst auch noch klarstellte. Er fasste die Partie mit folgenden Worten zusammen:

Es sah sehr, sehr verdächtig aus für Weiß. Aber ok, Sasha hat sich gut verteidigt, denke ich.

Eteri Kublashvili nahm noch einmal allen Mut zusammen, um Alexander Grischuk eine Frage zu stellen! | Foto: Niki Riga, World Chess

Nach einem schwierigen Tag hatte Alexander Grischuk zumindest die Chance, während der Pressekonferenz zu glänzen:

Das einzig Gute an der Partie heute ist, dass es sich so anfühlt, als ob ich morgen noch einmal Weiß habe. Zumindest kann es nicht viel schlechter laufen als das, was ich heute aus der Eröffnung erreicht habe. Die Startposition morgen ist bestimmt besser als die Stellung, die ich heute hatte. Es gibt also zumindest Konterchancen!

Partie 2: Nepomniachtchi ½-½ Grischuk

Für Grischuk sollte es entspannter werden als noch in Partie 1 | Foto: Niki Riga, World Chess

Nachdem die zweite Partie mit der 5.Te1-Variante gegen die Berliner Verteidigung begonnen hatte, waren alle Hoffnungen auf eine spannende Partie bereits dahin, aber Nepomniachtchi wählte zumindest eine der ausgefalleneren Varianten moderner Eröffnungstheorie mit 10.Te2:


Das ist die Art von Zügen, die wie ein Fingerfehler aussehen, aber seitdem Magnus Carlsen es im WM-Kampf gegen Sergey Karjakin angewandt hatte, müssen es auch andere Spieler als seriösen Zug auf der Rechnung haben. Das Ziel ist, den Zug 10...b6 zu provozieren, bevor der Turm dann endgültig nach e1 geht. Hier kopierte Grischuk nun Vladimir Kramnik gegen Vladimir Fedoseev zu Beginn des jahres in Wijk aan Zee mit 10…Sc4. 12.a4 (nicht Fedoseevs 12.c3) war bereits ein neuer Zug. Doch auch wenn Nepo davon überzeugt war, einen handfesten Vorteil erringen zu können, fehlte dafür immer noch irgendwas. Vielleicht fehlte einfach eine weitere Reihe hinter dem Brett!

Denes Boros: Ich denke, es wäre fair, wenn man Nepo noch eine weitere Reihe geben würde, damit er die "Aljechin-Kanone" aufs Brett stellen kann.

In der Zwischenzeit geschah am Brett…

Mr. Dodgy: Wo sind die Spieler? Wir brauchen Hilfe, um Grischuk zu finden. Und... auch Nepo.

Die Partie wurde bereits im 23. Zug remis gegeben:


Es gab eine lebhafte Analyse nach der Partie | Foto: Niki Riga, World Chess

Nepomniachtchi war ein wenig besorgt darüber, dass sein König zu weit weg vom schwachen Punkt c2 wäre und entschied sich für das Remisangebot, "bevor es zu spät ist". Grischuk nahm an, auch wenn er annahm, dass die Initiative gerade auf ihn übergegangen sei:

Vielleicht stehe ich ein wenig besser, aber ich war mir nicht sicher. Und die Partie lief auch gar nicht in meine Richtung. Ich stand zuvor definitiv ein wenig schlechter, von daher war das nicht der beste Start, um mit voller Kraft auf Sieg zu spielen.

Möglicherweise hätten wir aber auch einfach zwei Remis im klassischen Schach erwarten sollen, wenn wir uns die Ausgeglichenheit der Spieler auf der Live-Rating-Liste anschauen!


Nun geht es in die Tiebreaks mit bis zu 7 Partien, darunter Armageddon. Die Partien werden heute in Moskau gespielt. Was können wir erwarten? Naja, "ich bin nicht Nostradamus!" war alles, was man Grischuk zu diesem Thema entlocken konnte. Die einzige Gewissheit ist, dass das Turnier enden wird. Nepomniachtchi kommt das sehr entgegen!

Irgendwie war ich vor dem Turnier sehr optimistisch und ich wollte bis zum Ende spielen, aber gerade bin ich mehr oder weniger einfach froh, dass es dann der letzte Tag für diesen Grand Prix sein wird. So haben wir beide nach den Playoffs endlich ein wenig Ruhe. Ich glaube, der Tiebreak wird Spaß bringen!

Evgeny Miroshnichenko und Daniil Yuffa kommentieren live ab 14:00 Uhr MEZ hier auf chess24!

Weitere Links:


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