Berichte 26.01.2018 | 15:57von Colin McGourty

Gibraltar, R1-3: Naka und Duda mit perfektem Start

Titelverteidiger Hikaru Nakamura und Jan-Krzysztof Duda sind die einzigen 2700er, die beim Tradewise Gibraltar Masters einen perfekten Start hinlegten. Der Amerikaner benötigte aber 135 Züge und fast acht Stunden, um Valentina Gunina in die Knie zu zwingen. Die Nummer 1 des Turniers, Levon Aronian, wandelte in der 1.Runde gegen IM Anita Gara am Abgrund, konnte sich aber noch ins Remis retten. David Navara, Nikita Vitiugov, Wang Hao, Ivan Cheparinov und Daniil Dubov dagegen sind nur einige der Favoriten, die gegen Außenseiter sogar verloren.

Auftakt zu einem 135-zügigen Marathon! | Foto: John Saunders, Tradewise Gibraltar Chess Festival

Wer sich ein Video vom Tradewise Gibraltar Masters 2018 anschauen will, sollte sich das unten eingebundene nicht entgehen lassen. Nach der Eröffnungsfeier wurden einige Spieler gefragt, wie sie sich in drei Wörtern beschreiben würden. Im Video bekommt ihr die Antworten von Aronian, Nakamura, Adams, Howell, Short, Zhukova, Harikrishna, Saduakassova, MVL und Stefanova zu sehen:

Alle Partien der ersten drei Runden könnt ihr mit einem Klick auf das Ergebnis bzw. die Runde nachspielen:

Favoritensterben

Am Anfang eines großen Open geht es bei der Berichterstattung immer um die großen Überraschungen, doch meist gibt es nicht viele. Beim Gibraltar Masters 2017 etwa musste man in Runde 1 bis zum 10.Brett scrollen, um eine Partie zu finden, die der Favorit nicht gewann (Robert Bellin hielt gegen Boris Gelfand remis). An den Brettern 16 und 19 gab es weitere Überraschungen, doch erst an Brett 25 verlor Abhijeet Gupta mit einer Elo von 2645 gegen den Deutschen Frank Buchenau.

Anita Gara hätte gegen die Nummer 1 des Turniers Levon Aronian um ein Haar für die große Sensation gesorgt | Foto: John Saunders, Tradewise Gibraltar Chess Festival

2018 jedoch gab es an den ersten 24 Brettern acht Remis und zwei sensationelle Niederlagen für Ivan Cheparinov und Daniil Dubov. Zu den Spielern, die ein Remis abgaben, zählten Harikrishna (2745), Le Quang Liem (2737) und Levon Aronian, der gegen die fünffache ungarische Meisterin Anita Gara nicht über den halben Punkt hinauskam. Es hätte aber noch schlimmer kommen, denn nachdem er darauf verzichtete hatte, das Remis zu forcieren, stand er laut eigenen Angaben sogar auf Verlust:


Hier empfahl Aronian 27.f4!, und der schwarze Springer muss zurückgezogen werden, da 27…exf3? wegen 28.Sxc8 und Doppelangriff auf den Springer auf e5 verliert. Stattdessen spielte Anita direkt 27.Sxc8 und wickelte in ein Endspiel mit Mehrbauer ab, das Aronian recht leicht remis halten konnte. Dennoch war es ein wunderbarer Tag für Anita:

Für die beiden Gara-Schwestern war es ein toller Tag, denn Ticia hielt gegen Nigel Short ebenfalls remis.

Ticia Gara sorgte für einen perfekten Start der Geschwister in Gibraltar | Foto: John Saunders, Tradewise Gibraltar Chess Festival

Ein Spieler aus dem 19.Jahrhundert meldete sich zu Wort:

Gary Quillan schlug den russischen Aufsteiger Daniil Dubov | Foto: John Saunders, Tradewise Gibraltar Chess Festival

Star der Runde war jedoch der 47-jährige Liverpooler IM Gary Quillan, der das russische Supertalent GM Daniil Dubov im großen Angriffsstil überspielte. Der Brite sah sich bei 18.Dh4! zwei Tempi im Vorteil und konnte nach 22.f5! keine Verteidigung mehr erkennen. Hier die finale Gewinnabwicklung:


25.Txh5! gxh5 26.Td2 d5 27.Sxd5 Tfe8 28.Tg2 Sg6 29.Sf6+ Kf8 30.Sh7+ Kg8 31.Dxg6:

Im Anschluss sprach er mit Tania Sachdev und thematisierte dabei auch seine Nervosität in der Schlussphase der Partie:

Erst dachte, dass ich in einer Gewinnstellung nicht nervös werden würde, aber als es soweit war, wurde ich sogar sehr nervös. Zum Glück musste ich am Ende nicht mehr viel leisten, da ich nur noch wenig Zeit hatte und zittern begann – ich konnte kaum noch die Figuren ziehen! Als ich vom Brett aufstand, war ich natürlich froh, aber ich wollte nicht interviewt werden, weil ich so nervös war.

Quillan stand auch in der nächsten Runde unter Beobachtung - seine Partie gegen den 12-jährigen Praggnanandhaa endete remis | Foto: John Saunders, Tradewise Gibraltar Chess Festival

Das Favoritensterben ließ in Runde 2 aber nicht nach, sondern nahm sogar zu, da die zwei indischen GM Debashis und Gagare die hohen Favoriten Navara und Vitiugov schlugen und die ehemalige Damenweltmeisterin Antoaneta Stefanova den Chinesen Wang Hao besiegte. Erwähnenswert war auch der Sieg des norwegischen GM Johan Salomon gegen David Anton, der bei seinen letzten vier Teilnahmen in Gibraltar lediglich gegen Veselin Topalov und Hikaru Nakamura verloren hatte! 

In Runde 3 gab es weniger Überraschungen, aber Nino Batsiashvilis Sieg gegen Grigoriy Oparin (durch den sie sich mit 3 aus 3 an die geteilte Spitze setzte) war zweifellos eine | Foto: John Saunders, Tradewise Gibraltar Chess Festival

Siege auf Bestellung

Levon Aronian fand sich also in der Verfolgerrolle wieder, doch in den beiden nächsten Runden gelangen ihm zwei hübsche Partien. Erst besiegte er den indischen IM Hemant in 28 Zügen und ließ dann auch unserer deutschen WGM Sarah Hoolt in Runde 3 keine Chance. Die Manövrierphase endete mit 33…Kh8?


34.Sf6! Direkt nachdem Hoolt diesen Zug durch den Seitenschritt des Königs verhindern wollte, kam er doch! Er war der Auftakt zu einer taktischen Phase, die bis zum Ende der Partie fortdauerte. Nach 34…gxf6 35.Dxf6+ Tg7 greift Weiß den gefesselten Turm mit seinen eigenen Türmen auf g3 und c7 an, worauf der Läufer auf b7 verloren geht...

Levon Aronian und MVL stehen nach überzeugenden Siegen bei 2,5 aus 3 |Foto: John Saunders, Tradewise Gibraltar Chess Festival

Levon sprach nach der Partie darüber, wie sich das Schach verändert hat, seit er zum letzten Mal an einem Open teilnahm (was womöglich 2005 war, als er beim Gibraltar Masters geteilter Sieger wurde!):

Ich bin immer froh, wenn ich gewinne. Grundsätzlich glaube ich, dass das Niveau bei der Eröffnungsvorbereitung und die allgemeine Spielstärke enorm zugenommen haben. Das letzte Open, an dem ich teilgenommen habe, war einfacher.

Aronian sprach auch darüber, dass sein traditionell schlechter Auftakt in einem Turnier etwas sei, das er mit Mikhail Tal gemeinsam habe, wobei er seine Leistung als „mehr als schlecht“ bezeichnete. Gleichwohl genießt er es, nicht zu wissen, gegen wen er antreten muss:

Immer wenn ich gegen einen Spieler antreten muss, gegen den ich noch nicht gespielt habe, ist das eine Art Herausforderung. Und ich liebe Herausforderungen!

Der viermalige Sieger und dreifache Titelverteidiger Hikaru Nakamura weiß genau, wie man ein solches Turnier gewinnt, aber das macht es nicht einfach. Um auf 3 aus 3 zu kommen, musste er in Runde 2 Valentina Gunina in einer Stellung bezwingen, in der er ab dem 38.Zug mit zwei Türmen gegen die gegnerische Dame spielte. Er meinte zu seiner Partie: „Meine Haupterkenntnis durch diese Partie ist, dass Türme schreckliche Figuren sind!“

Bei maximal sieben Figuren kann man sehen, wie Gott Schach spielen würde | Quelle: k4it.de

Nach 114…Dc2 115.Td7+ gewann Nakamura in 135 Zügen.

Duda führt den Nachwuchs an

In unserem Vorbericht erwähnten wir, dass der 19-jährige Pole GM Jan-Krzysztof Duda sich nun für höhere Aufgaben empfehlen muss und bisher hat er das eingelöst, denn er ist außer Nakamura der einzige 2700er mit 3 aus 3. In Runde 2 zeigte er sein ganzes Angriffstalent, als er sich mit dem h-Bauern den Weg zum schwarzen König bahnte und diesen dann stilecht erlegte:


17.Dg5!, mit der Drohung Sf6+, und das Ende kam bald: 17…f5 18.De7+ Kg8 19.Sd6 Tf7 20.Dxe5 Ld2+ 21.Kf1 (vermeidet die Falle 21.Kxd2 Dxb2+ mit Remis) Schwarz gab auf

Luca Moroni und JK Duda mit eindrucksvollem Blick | Foto: Sophie Triay, Tradewise Gibraltar Chess Festival

In Runde 3 zeigte Duda dann gegen den italienischen GM Luca Moroni seine Endspielkünste, als er ein scheinbar remisliches Turmendspiel zum Sieg führte. In Runde 4 trifft Duda auf den ungarischen GM Benjamin Gledura.

Zwei Wunderkinder, aber 40 Jahre Altersunterschied!  | Foto: John Saunders, Tradewise Gibraltar Chess Festival

Viele Augen richten sich auch dieses Mal auf den 12-jährigen Inder Praggnanandhaa, der mit einem Sieg und zwei Remis ins Turnier startete. Unter anderem spielte er auch gegen jemanden, der 40 Jahre älter ist und schon vor der Partie die Messer wetzte…

"Heute geht es gegen einen sehr talentierten Inder, doch ich werde alles versuchen, den kleinen Pragga zu vermöbeln."

…doch trotz Vorteils konnte er sich nicht den vollen Punkt sichern. Als Grund gab er Raymond Keenes Feier zum 70.Geburtstag am Vorabend an, bei der er unendliche Mengen von Alkohol zu sich genommen habe. Die große Frage ist weiterhin, ob Praggnanandhaa den Rekord von Sergey Karjakin als jüngster GM aller Zeiten brechen kann, doch für Short ist „jeder mit mehr als 2500 im Prinzip ein GM, doch er ist deutlich stärker als etliche Großmeister“. Und weiter:

Ich war früher sellbst ein Wunderkind, aber mich hat das nicht groß gejuckt. Er ist zweifellos ein sehr starker Spieler. Ich habe mir seine Partien angeschaut und er hat schon einen sehr erwachsenen Stil. Manchmal verstehen diese Kinder nicht viel vom Schach, aber er hat ein gutes Gefühl, wo die Figuren hinmüssen. Aus meiner Sicht liegt seine Stärke eher im strategischen Verständnis als in der Taktik. Meist sind junge Spieler taktisch herausragend. Natürlich kann er auch eine gute taktische Partie spielen, doch seine wahre Stärke liegt meines Erachtens in seinem Schachverständnis. 

Praggnanandhaa gab ebenfalls ein Interview und beteuerte, dass "er gut Schach spielen und eine GM-Norm erzielen will": "

Diese sieben Spieler liegen derzeit an der Spitze: 

Rk.SNoNameFEDRtgPts. TB1 
13GMNakamura Hikaru27813,03279
29GMDuda Jan-Krzysztof27243,03267
316GMHowell David W L26823,03246
424GMGrandelius Nils26473,03236
530GMGledura Benjamin26123,03222
638GMAntipov Mikhail Al.25883,03201
778IMBatsiashvili Nino25043,03119

Ohne Ruhetag geht es weiter, und ihr könnt täglich ab 15:00 alle Partien live verfolgen. Das ist auch mit unseren kostenlosen Apps möglich:

         


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