Interviews 03.07.2016 | 01:46von Colin McGourty

Gelfand über sein Fehlen in Baku

Boris Gelfand wird bei der Schacholympiade 2016 in Baku nicht spielen, was sein erstes Fehlen beim wichtigsten Mannschafts-Turnier der Welt seit seinem Umzug von Weißrussland nach Israel 1998 bedeutet. Grund dafür ist ein Streit mit dem Management der israelischen Schachföderation, die er vor Kurzem in einem Interview beschuldigt, "völlig solche Dinge wie das Prestige eines Landes vergessen zu haben". In diesem Interview wurde aber nicht nur dieses traurige Thema behandelt, sondern etwa auch Boris' Gedanken darüber, wie viel Glück seine Generation hatte, das beste der Zeit vor den Computern mit dieser neuen Technologie verbinden zu können.

Gelfand belegte in diesem Jahr beim Aeroflot Open den zweiten Platz | Foto: Eteri Kublashvili, Russische Schachföderation 

Die schwierige Lage der israelischen Spitzenschachspieler wurde offensichtlich, als das Land im letzten Jahr keine Mannschaft zur Europameisterschaft schicken konnte, und seither scheint sich wenig geändert zu haben; und obwohl eine Mannschaft zur Olympiade fährt, wird es eine ohne Gelfand, Smirin oder Emil Sutovsky sein. Emil behauptet auf seiner Facebook-Seite, es gehe mehr um die Vorreiterrolle als um Geld:

NEUE (TRAURIGE) NACHRICHT:

Ein israelisches Team ohne Gelfand, Smirin und Sutovsky? Ja, und es geht nicht um den Generationenwechsel. Und, falls ihr euch fragt, NICHT um Geld (wenn ihr bis zum Ende lest, werdet ihr über die Summe überrascht sein, die das Schicksal der Mannschaft besiegelt hat). Es geht um die Haltung zum professionellen Sport in diesem Land. Es geht um den letztendlichen Wunsch der Führung der ICF zu zeigen, wer der Chef ist. Sie entschieden, keine Mannschaft zur Euro 2015 zu schicken, und wir mussten das hinnehmen. Dieses Mal entschieden sie, dass die Spieler bei der Olympiade weniger Geld erhalten sollten. Einfach nur, weil es IHRE Entscheidung war. Sie behaupten, dass die Spieler zu gierig sind. Warum haben wir in all den Jahren immer die stärkste Mannschaft aufgestellt? Es ist wirklich erbärmlich. Wir haben keine echte Staatsmeisterschaft. Wir haben seit über einem Jahrzehnt mehr kein klassisches Großmeister-Rundenturnier gehabt! Die Spieler werden von der Föderation das ganze Jahr hindurch völlig im Stich gelassen und vergessen, und sie erinnern sich nur vor der Olympiade/Welt-/Europameisterschaft, dass es uns gibt. Trotz all dem haben wir immer einen Kompromiss erreicht. Wir standen auch in diesem Jahr kurz vor einer Lösung, doch die Führung der ICF machte alles zunichte, indem sie darauf bestand, dass wir ihre Forderungen entweder annehmen oder aus der Mannschaft ausgeschlossen werden. Ich habe 20 Jahre lang für das israelische Nationalteam gespielt. Ich bin immer stolz, für mein Land zu spielen, und ich bin stolz darauf, ihm einige Medaillen gebracht zu haben (inklusive Gold für das absolut beste Resultat aller Teilnehmer bei der Olympiade 2010 und der Mannschafts-EM 2003). Und nun stellen mir Leute ein Ultimatum, die kaum etwas für das israelische Schach getan haben. Entweder, du akzeptierst es, oder du bist aus der Mannschaft raus. Am Ende des Tages ging es um die Gesamtdifferenz von "ganzen" 5000 NIS (rund 1300 Dollar), auf deren Kürzung die israelische Schachföderation bestand. Einfach erbärmlich. Natürlich ging es darum zu zeigen, "wer der Boss ist". Gib nach oder hör auf. Sie setzten die Spieler unter Druck, den Mannschaftsführer Alex Kaspi (der sein Amt niederlegte, aber fest zu uns stand), sie verärgerten Boris Gelfand zu einem Ausmaß, das ich bei ihm nur einmal gesehen hatte (und ich habe ihn in vielen Situationen erlebt!). Sie wussten sehr wohl, dass die Schacholympiade für jeden Spieler ein ganz besonderes Turnier ist. Was sie jedoch nicht wussten ist, dass die Würde für einige Leute sogar noch bedeutender ist. Bitte, unterstützt und teilt, wenn ihr so etwas nicht noch einmal sehen wollt.

Gelfand hat bei elf Olympiaden gespielt - einmal für die UdSSR (Mannschaftsgold 1990), dann zweimal für Weißrussland und schließlich alle acht Olympiaden von 2000 - 2014 für Israel, für das er 2008 eine Silber- und 2010 eine Bronzemedaille gewann. Gelfand ist immer noch aktiv und mit komfortablem Vorsprung bester Spieler seines Landes , wie ihr an Hand der jüngsten FIDE-Rangliste vom Juli 2016 sehen könnt (Rodshtein, Postny, Nabaty, Roiz und Baron bilden nun die Mannschaft):

RankNameRatingGames in JuneBorn
 1 Gelfand, Boris 2734 0 1968
 2 Rodshtein, Maxim 2698 20 1989
 3 Smirin, Ilia 2676 0 1968
 4 Postny, Evgeny 2625 9 1981
 5 Nabaty, Tamir 2622 18 1991
 5 Sutovsky, Emil 2622 0 1977
 7 Alterman, Boris 2613 0 1970
 8 Roiz, Michael 2605 0 1983
 9 Avrukh, Boris 2592 8 1978
 10 Huzman, Alexander 2572 0 1962
 11 Greenfeld, Alon 2568 9 1964
 12 Baron, Tal 2557 0 1992

Die Einstellung zum Schach in Israel, insbesondere seitens der Schachföderation, ist der Ausgangspunkt eines langen Interviews mit Anna Goldberg für jewish.ru. Wir haben umfangreiche Höhepunkte aus dem Russischen übersetzt:


Sie leben seit 1998 in Israel. Ist es das beste Land für einen berühmten Schachspieler?

Gelfand wird von seiner Frau Maya und ihren Kindern begrüßt, als er vom Kandidatenturnier 2011 in Kasan als WM-Herausforderer von Anand zurückkehrt | Foto: 7kanal.com 

Für mich und meine Familie ist es das beste, wenn man das Bauchgefühl wertet, aber in schachlichen Dingen ist die Lage nicht so gut. Das Schachleben ist in Israel extrem schwach. Das beginnt damit, dass Israel geographisch fernab der Schachzentren liegt. Das Leben ist für einen einfachen Schachspieler in Israel viel teurer als in der ehemaligen Sowjetunion und Europa. Nun, und dann ist da noch, dass es hier allgemein einfach kein Bewusstsein dafür gibt, dass Schach eine ernste Beschäftigung ist.

Ich war wirklich von der Geschichte amüsiert, wie Sie ein israelischer Journalist fragte, was Sie beruflich tun, bzw. wo.

Es gibt viel interessantere Fragen als diese: "Welche anderen Spiele spielen Sie?", "Träumen Sie davon, so berühmt wie unsere Fußballspieler zu werden?" Wenige realisieren, wie viel Arbeit und Anstrengung für den Erfolg nötig sind, obwohl ich zugeben muss, dass sich nach meinem WM-Kampf mit Anand die Zahl der Kinder, die mit dem Schach begannen, vervierfachte. Schach wurde ein Pflichtfach in der Grundschule und sogar in den Kindergärten in unserer Stadt. Natürlich wird nur ein Bruchteil dieser Leute professionell spielen, aber der Rest wird die Fähigkeit zur strategischen Planung erhalten und sich daran gewöhnen, nachzudenken, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen und den Gegner zu respektieren. Sehr nützliche Fähigkeiten, übrigens. Ich kenne viele sehr erfolgreiche Leute in Russland, Österreich, Spanien, Deutschland und Israel, die mir erzählten, sie haben Erfolg dank des Schachs erreicht. Ich bin generell davon überzeugt, dass die Verbindung ziemlich direkt verläuft, aber in Israel sieht das bei weitem nicht jeder so.   

Nichtsdestotrotz ist eines der Computerprogramme, gegen das Kasparov antrat, in Israel entwickelt worden.

Ja, es war viele Jahre lang das beste, hat acht oder neun Mal die Weltmeisterschaft gewonnen, aber das ist mehr Technikgeschichte. Alle Programmierer waren natürlich Meisterkandidaten, und sie wurden sogar Großmeister. Ich habe auch einige Male Tipps gegeben. Trotzdem ist das insgesamt eine Geschichte der Technologie, wie ein Programm das ganze Potential der Computer ausschöpfen kann, die heute immer stärker werden. Das hat mit Schachkultur nichts zu tun.

Das ist natürlich überraschend, da es ein Klischee darüber gibt, dass Schach der jüdische Nationalsport ist.

Dieses Klischee steht mit osteuropäischen Juden in Verbindung. In der Sowjetunion wurde die Fähigkeit, Schach zu spielen, als ein notwendiges Merkmal einer intelligenten Person betrachtet. In Israel ist die Lage anders. Unter den 70- bis 80-jährigen gibt es viele, die sich für Schach interessieren. In den 70ern wurde die Staatsmeisterschaft sogar aktiv in der Presse behandelt, aber jetzt ist eine ganze Generation herangewachsen, die - in schachlicher Hinsicht - eine verlorene ist. Daneben durchlebt das israelische Schach derzeit die vermutlich schwierigste Zeit in seiner Geschichte. In der Schachwelt sind Leute an die Macht gekommen, die eine unglaubliche Kombination von Unhöflichkeit und Inkompetenz darstellen, und die sich nur um ihre kleinkarierten Interessen und Egos kümmern. Zum ersten Mal seit 1935 wird Israel bei der nächsten Olympiade nicht von der stärksten Aufstellung vertreten. Das Management des israelischen Schachs hat völlig auf solche Dinge wie das Prestige eines Landes vergessen.

Bezüglich Schach und Judentum: halten sich viele Schachspieler an jüdische Bräuche?

Der legendäre Reshevsky weigerte sich, an einem Sabbat zu spielen. Ich sah ihn 1989 bei einem Turnier in Moskau. Ich erinnere mich daran, dass er am Freitag zu Fuß von Ismailovo auf der alten Arkhipova-Straße zur einzigen Synagoge in Moskau gegangen war. Seine Partien wurden auf Freitag Vormittag und Samstag Abend verlegt. Damals ging er auf die 80 zu.

Erinnern Sie sich oft an Ihre Schachschule in Minsk?

Natürlich. Wir stehen uns bis heute sehr nah. Als ich einen WM-Kampf bestritt, erschienen alle meine Freunde und die ganzen Trainer, um mich zu unterstützen. Das war sehr berührend. Ich hatte viel Glück - ich und die Leute in meinem Alter: wir bekamen eine gute Ausbildung und waren dann, als die Computer in unser Leben traten, flexibel genug, um sich an sie zu gewöhnen und ihr Wissen anzunehmen. Schachspieler, die auch nur fünf bis zehn Jahre älter waren, konnten absolut nicht damit umgehen, während die Jüngeren im Gegensatz nicht so viel aus Büchern und durch persönlichen Kontakt bekamen, wie sie sollten. Diesen Unterschied kann man übrigens noch immer spüren. Nur wenige der Jungen - im Wesentlichen die Genies - kommen ohne dem aus. Im Großen und Ganzen kann man sogar bei starken Spielern, Großmeistern, oft mangelnde Ausbildung spüren.

Wie zeigt sich das?

Sie erfassen nicht das Spiel als Ganzes, sondern einzelne Züge; z.B. statt des großen Ganzen sehen sie nur Bruchteile, dabei geht es jedoch auch um ihr eigenes Verhältnis zum Schach. Heutzutage ist es nicht schwer, einen professionellen Trainer zu finden, aber sie verstehen nicht, warum man das tun soll. Mit jemandem zusammen arbeiten, sich auf jemanden einstellen, Geld zahlen - warum sich die Mühe machen, wenn man einen Computer hat? Und bis zu einem gewissen Grad geht es mit dem Computer wirklich schneller. Du drückst auf einen Knopf und bekommst Informationen, für deren Anhäufung wir manchmal Jahre brauchten. Mein Trainer und ich wenden uns natürlich auch an den Computer, aber nur um nachzusehen, welchen Zug er in einer bestimmten Stellung empfiehlt. Andernfalls kann der Computer die menschliche Kreativität völlig ausblenden.

Magnus Carlsen ist ein Spieler, der an die Vorteile eines menschlichen Trainers glaubt - und hat voriges Jahr Boris engagiert, um der norwegischen Mannschaft auszuhelfen | Foto: Tarjei J. Svensen, sjakkbloggen

Sind Sie mit Ihren Gegnern am Brett befreundet? Zu wem haben Sie das wärmste Verhältnis?

Aronian. Er hat mir im Bereich der Musik viel Neues eröffnet. Wir diskutieren über Literatur und reden einfach, mit ihm, Kramnik, Anand. Wir essen bei Turnieren gemeinsam zu Abend und reden.

Ich traue mich fast nicht, dieses Thema anzusprechen, da Sie zweifellos bei hunderten Gelegenheiten über ihr WM-Match mit Anand gefragt wurden, aber dennoch - wie war es?

Es war grandios! Ich erreichte beinahe den Gipfel. Es war sehr schwierig, dort hinzugelangen. Der Weg zu diesem Match war sehr eng, aber ich habe es geschafft, und das war ein sehr großartiger Erfolg. Das Match wird mir natürlich immer im Gedächtnis bleiben. Der Stress war riesig, aber die Freude ebenso grenzenlos - genau darum spielt man ein Match um den Weltmeistertitel. Ich erinnere mich, dass ich jeden Tag mit einem feierlichen Gefühl aufgewacht bin. Viele können das nicht verstehen. Anand sagte etwa, dass es für ihn harte Arbeit war.

Sie sagten, der Weg zum Match war lang. Er umfasste das K.O.-System, oder? Wie denken Sie darüber?

Auf dem Weg zum Weltmeisterschafts-Match gelang es mir, den Weltcup 2009 und die Kandidatenwettkämpfe 2011 zu gewinnen. Ich bin allgemein dafür, dass es mehr Turniere jeglicher Art geben sollte. Jedes System hat seine Vorteile. Das K.O.-System gestattet vielen Spielern die Teilnahme. Mehr noch, wenn du schlecht spielst, kannst du nach zwei Tagen nach Hause gehen und hast ausgelitten. Auf der anderen Seite muss man lernen, sich besser unter Kontrolle zu haben. Ich bevorzuge Rundenturniere oder Matches, wenn eine Partie weniger schwer wiegt und man kreativer spielen kann. Im K.O.-Modus geht es mehr darum, auf ein Ergebnis zu spielen.

Ihre Frau Maya veröffentlichte vor Kurzem ein Kochbuch, "How to feed a Champion", in dem Sie als die Hauptperson beschrieben wurden - etwas ironisch, aber auf eine sehr gutmütige Art. Ihr Vater hat auf rührende Weise 60 Alben gesammelt, die ihrem Leben und ihrer Karriere gewidmet sind, welche die Grundlage für einen Dokumentarfilm in Israel bildete. Begrüßen Sie das?

Natürlich, ich bin meiner Familie sehr dankbar. Maya, die mich bei meiner Routine unterstützt, die die extrem ungewöhnliche eines Schachspielers ist: du stehst auf, du machst ein paar Übungen, frühstückst und beschäftigst dich sofort mit Schach: gespielte Partien durchsichten, Arbeit mit einem Trainer vorbereiten und so weiter bis zum Abend. Ich bin meinen Eltern wirklich dankbar. Ich erinnere mich an unseren ersten Ausflug auf die Krim: ich war fünf, sechs Jahre alt, und ich spielte zwei Wochen lang Schach am Strand. Es gelang mir, zwei Partien gegen den Freund meines Vaters zu gewinnen, einem Spieler der ersten Kategorie. Als dieser sah, dass ich gut spielte, empfahl er meinem Vater, mich zu einem Trainer zu bringen. So ist Eduard Zelkind in mein Leben getreten. Dein erster Trainer ist sehr wichtig, da er das Fundament schafft. Heutzutage konzentriert sich jeder auf unmittelbaren Erfolg - großteils deswegen, weil es zu viele Meisterschaften und Turniere für Kinder gibt. Trainer bringen den Jugendlichen Fallen und psychologische Tricks bei, aber nicht die Grundlagen. Die Hauptaufgabe eines Trainers besteht darin, die Liebe und das Interesse zum Schach zu wecken. Es gibt auch das andere Extrem, wenn eine Reise zu einer Weltmeisterschaft nur wie ein kostenloser Auslandsbesuch behandelt wird. Diese beiden Extreme sollten vermieden werden: einerseits durch Motivation, andererseits durch das Vermeiden psychologischen Drucks.

Ich muss an dieser Stelle dennoch eine eigennützige Frage stellen: ist es ernsthaft lohnenswert, Kinder zu einer Schachkarriere zu ermutigen, wenn klar ist, dass nur sehr, sehr wenige von ihnen ein bequemes Leben durch das Spiel erreichen können?

Wenn das Kind auch nur den leisesten Zweifel hat, ist es das nicht wert. In solch einem Fall muss er oder sie eine andere Karriere wählen, da Schach prinzipiell - wie Musik und Kunst - nur etwas für besessene Leute ist. Ich traf in London unlängst David Norwood. Das letzte Mal, dass ich ihn gesehen habe, war - so ungeheuerlich es auch ist - 1987 bei der Europameisterschaft. Ich hatte ihn damals in der entscheidenden Partie bezwungen und wurde Turniersieger. Dann trafen wir uns so viele Jahre später wieder. Er war so froh, mich zu sehen, und sagte: "Danke, dass du aus mir einen Mann gemacht hast. Damals wurde mir klar, dass es sich für mich nicht auszahlte, professionell Schach zu spielen. Ich ließ Schach zugunsten des Geschäfts sein und nun habe ich eine lukrative und blühende Firma". 


Boris gewann mit den schwarzen Figuren, aber Norwood hätte noch im 35. Zug einen wahrhaft wunderschönen Sieg erreichen können: 35. Dd8+!! Txd8 36. Txd8+ Lf8 37. Txf8+ Kg7 38. Te8!!, und Schwarz ist erstaunlicherweise hilflos gegen die Drohung g5 nebst Matt. 38. ... Kxf6 wird mit 39. Ld4 Matt beantwortet.

Und ich kann ein weiteres Beispiel geben, den aktuellen Weltmeister Magnus Carlsen. Als er 16 war, fragte mich sein Vater Henrik, ob er weiterhin spielen sollte oder ob es besser sei, zur Universität zu gehen und zu studieren. Selbstverständlich sah ich, dass Magnus riesiges Talent besaß, aber würde er ein Champion werden? Ich antwortete damals, dass Magnus definitiv weitermachen solle, falls er Schach genießt. Nun, sehen Sie nur, was ich gemacht habe!

Übrigens, man kann Carlsen auch aus finanzieller Sicht keinen Vorwurf machen. Abgesehen vom Schach arbeitet er als hochbezahltes Model, und in Norwegen ist er ein gefeierter Star.

Nein, man kann Carlsen in keiner Hinsicht einen Vorwurf machen. Er führt ein sehr aktives Leben und er genießt es, obwohl er eine ziemlich bescheidene Person ist: in Oslo nimmt er die U-Bahn und geht zu McDonald's. Stimmt schon, in letzter Zeit hat er auch gelernt, schönere Orte aufzusuchen, und führte mich zu einigen einfachen und köstlichen Restaurants in Oslo.  

Kann ihn irgendjemand in der näheren Zukunft schlagen?

Gelfand bei der Schacholympiade in Tromsø | Foto: David Martinez

In Matches könnte das - allgemein gesehen - jeder. Carlsen ist natürlich der klare Favorit, aber viele würden eine Chance haben. Was Turniere anbelangt - er gewinnt die Mehrheit von ihnen. Es gibt aber trotzdem Rivalen um seine Krone. Ich bin bei meinen Prognosen vorsichtig.

Was sind Ihre Ziele?

Besser zu werden und Fehler in meinem Spiel zu eliminieren. Ich setze mir immer eher allgemeine als konkrete Ziele: etwas neues lernen, mein Spiel verbessern. Für mich ist es nicht wichtig, hier und jetzt zu gewinnen, es ist mir wichtig, gutes Schach zu spielen, dadurch bereitet es mir Freude. Ich bin hart zu mir selbst, daher bin ich sehr selten zufrieden. Vielleicht hatte ich deswegen eine so lange Karriere. Viele hören früh auf, genau aus dem Grund, weil ihre Motivation sinkt. Sie denken, man könne sich nur bis zu einem bestimmten Alter entwickeln, aber ich sehe noch immer das Beispiel des legendären und kürzlich verstorbenen Viktor Korchnoi. Bei einem Turnier zu Ehren seines 70. Geburtstages schlug er erst mich, dann Grischuk und beendete das Turnier auf dem ersten Platz. Er spielte brilliant. Mein Ziel ist dasselbe - weiterhin gutes Schach zu spielen.

Ursprüngliches Interview bei jewish.ru (Russisch)

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