Berichte 05.12.2019 | 19:28von Colin McGourty

GCT Finale Tag 3: MVL schlägt Carlsen und trifft im Finale auf Ding Liren

Magnus Carlsen bezeichnete Maxime Vachier-Lagrave als "einen großartigen Spieler" und "einen verdienten Sieger", nachdem dieser ihn im Halbfinale der Grand Chess Tour aus dem Rennen um den Turniersieg warf. Sein Rivale um das Preisgeld von 150.000 US Dollar wird Ding Liren sein, der Levon Aronian durch zwei Schnellschachsiege ausschaltete. Auch im Blitz gewann Ding dann noch zwei Partien, bevor Levon noch einen Gnadensieg erringen konnte. Levon muss nun gegen Magnus Carlsen antreten, was er als "Kampf der Verlierer", also den Kampf um Platz 3 bezeichnete.

Magnus Carlsen gratuliert Maxime Vachier-Lagrave zum Matchsieg | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour 

Alle Partien des Grand Chess Tour Finals kannst du hier nachspielen:

Den Live-Kommentar der Schnellschach- und Blitzpartien kannst du hier finden:

Ding Liren 19:9 Levon Aronian

Ding Liren bekam zu Beginn ein wenig Hilfe | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour 

"Ehrlich gesagt, schäme ich mich ein wenig für mein Spiel heute", sagte Levon Aronian, nachdem er am dritten Tag nach dem Halbfinale in London innerhalb von nur drei Partien gegen Ding Liren verloren hatte. Die armenische Nummer 1 brauchte keine Ausreden und sagte, er fühle sich wieder körperlich gesund, aber sein Gegner habe einfach "viel besser" gespielt. Ding selbst kommentierte später: "Heute habe ich insgesamt sehr gut gespielt", und man konnte sehen, wie gut er in der ersten Schnellschachpartie war. Levons 18...Ta7?! (18...Tb8!) war eine Ungenauigkeit:


Das sofortige 19.Lxf7+? funktioniert noch nicht, aber Ding fand ein wichtiges Detail, um den Lc5 zu unterminieren. 19.b4! und Schwarz hatte keine andere Wahl als 19...Lxb4, wonach 20.Lxf7+! Txf7 21.Sxf7 folgte und Schwarz kann wegen 22.Dc4+ nicht auf f7 zurücknehmen.

Levon durfte sich nicht auf f7 bedienen | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour 

Nach 21…Df8! war die Partie sicher noch lange nicht vorbei, aber Levon meinte im Anschluss:

Ich habe wohl meine Stellung überschätzt - Ich hätte versuchen sollen, auszugleichen. Stattdessen habe ich einen groben Bock geschossen.

Das mag immer noch auf b4 bezogen sein, doch nach 25...Df7? stand Schwarz endgültig auf Verlust:


Levon hat einen der Verteidiger des c8-Läufers entfernt und überraschenderweise stellt sich heraus, dass Schwarz es nicht vermeiden kann, eine Figur nach 26.Tc6! zu verlieren. Die Partie wurde fortgesetzt mit 26...Txc6 (26...Dxe6 27.Texe6 Txc6 28.Txc6 28.Txc6 hilft auch nicht) 27.Dxc6 Df8 28.Tc1! und 28...Sc5 war nur eine vorübergehende Hürde auf dem Weg zum weißen Sieg. Levon verlor schlussendlich auf Zeit, als er gerade einen Fehler beging, der ein Matt in 2 Zügen erlaubte (wenn man von einem Fehler in einer Position sprechen kann, in der alles verliert):

Die finalen Momente der Partie Ding - Aronian

"In der zweiten Partie habe ich sehr schlecht gespielt - ich bin unnötige Risiken eingegangen", meinte Levon. Das Match kippte aber dann ein paar Züge später. Ding hatte gerade 28.Td2 gespielt:


Er erklärte danach, dass sein Plan, 27...Td8 zu spielen, darin bestand, 28...Lf8! folgen zu lassen, was absolut durchschlagend ist. Stattdessen spielte er aber 28...c5? und nach 29.Se4! Lf8 stand Weiß bereits besser. Es war jedoch nur ein kurzer Lichtblick, als denn 30.Dc3?? stellte die Partie ein:


Nun räumt 30…Sd5! das Feld b1 für den Turm und es gibt nichts Besseres als 31.Dc2 Tb1+ 32.Dxb1 und 7 Züge später gab Weiß auf.

Ding Liren konnte sich eine kurze Pause gönnen | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour 

Damit musste Levon alle vier übrigen Blitzpartien gewinnen, um das Stechen zu erzwingen. Dazu sagte er:

Wenn du deine Partien einzügig wegstellst, ist es unmöglich, ein Comeback hinzulegen. Der Kopf spielt dann einfach nicht mit.

Ding Liren besiegelte das Match so früh wie möglich. Er holte sich in der ersten Blitzpartie mit Weiß einen großen Vorteil und verrammelte dann die Stellung - beinahe wäre die Stellung perfekt gewesen, weil alle weißen Figuren auf weißen und alle schwarzen Figuren auf schwarzen Feldern gestanden hätten!

Glückwünsche an Ding Liren zu seinem Matchsieg gegen Aronian. Damit sicherte er sich einen Platz im Finale gegen Carlsen oder MVL!

Auch wenn es in den übrigen Partien um nichts mehr ging, war das Leiden für Aronian nicht vorbei. Er verlor auch noch die nächsten beiden Blitzpartien, bevor er sich dann doch noch einen Sieg gutschreiben konnte.

Ding Liren nach seiner einen Niederlage | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour 

Levon sollte allerdings schnell wieder in die Spur finden, wenn er 60.000 US Dollar gewinnen will im Spiel um Platz drei gegen einen gewissen MAgnus Carlsen.

Maxime Vachier-Lagrave 15,5:14,5 Magnus Carlsen

A tough day at the office for Magnus Carlsen | photo: Lennart Ootes, Grand Chess Tour 

Magnus zu Maurice Ashley nach seiner Niederlage:

Um ehrlich zu sein, fühlte ich schon ziemlich früh, dass dies nicht wirklich mein Tag war. Ich fühlte mich einfach nur wirklich, wirklich träge, und ja, ich denke, er verpasste einige Chancen, das Match früher zu entscheiden. Aber ich war in den kritischen Momenten einfach nicht gut genug und ich konnte es von Anfang an spüren.

Daraus lässt sich schließen, dass ein träger Magnus immer noch ein Gegner für jeden ist, da er zunächst mit den schwarzen Figuren drückte, auch wenn die erste Schnellschachpartie unentschieden endete. In der nächsten Partie entschied er sich für einen aggressiven h-Bauernvorstoß gegen Maximes Grünfeld und obwohl es am Ende wieder unentschieden endete, hatte er den moralischen Sieg, mit Turm + Springer gegen Turm in der Schlussstellung.

Ein Match, bei dem man nicht wegsehen konnte: Lennart Ootes, Grand Chess Tour 

Maxime wird jedoch umso gefährlicher, je schneller die Zeitkontrolle ist, und es war die erste Blitzpartie, bei der Magnus in Maximes Eröffnungsvorbereitung lief. Magnus wiederholte die 6...Le7!? Spanischvariante, die er in der zweiten klassischen Partie ausprobiert hatte. Aber diesmal traf er auf 12.Ld2! Dieser scheinbar ruhige Zug ist möglicherweise die Widerlegung des gesamten Systems von Schwarz, und nach 15...Ld6 setzte Maxime alles auf eine Karte:


16.f5! gxf5 17.Tf1 Magnus nahm schlussendlich die Qualität auf e5. Der weiße Vorteil wuchs dann unaufhörlich an, aber ein Fehler von Maxime reichte dem Weltmeister, um mit dem Schrecken und einem Remis davonzukommen.

Als nächstes kam etwas, das wir selten sehen - Magnus wurde in einem ausgeglichenen Endspiel überspielt:


33.Ta7!? scheint bereits ungenau und nach 33...b3 34.Txa5 Txc7 35.Tb5 Tc2+ 36.Kf3 b2 ist Schwarz zu schnell, um den König zur Unterstützung heranzubringen. Weiß ist in großer Gefahr und Magnus konnte das entstehende Endspiel nicht halten, wonach er zurücklag und nur noch zwei Partien Zeit hatte, auszugleichen.

Die letzten Momente in Carlsen - Vachier-Lagrave

Doch Weltmeister besiegt man nicht so leicht! In der nächsten Partie griff Maxime früh fehl. Er gab zu, "ein wenig den Fokus zu verlieren, nachdem ich ein paar schreckliche Züge gespielt habe." Den ersten, den er erwähnte, war 16.Lxf6? während er nach 18…Dc7 den zweiten beginn:


19.Sa4?! ist nicht so schlecht, aber Maxime erkannte zu spät, dass er hier 19.Td7!! Dxd7 20.Dxe5 mit Bauerngewinn hätte spielen können. Schwarz steht zwar nach 20...Lf6 noch passabel, aber Magnus hätte sich sehr strecken müssen, hätte er aus dieser Stellungen einen Gewinn holen wollen.

Magnus schlägt zurück mit einem Sieg mit den schwarzen Steinen. Noch eine Blitzpartie!

In der letzten Blitzpartie schien Magnus früh einen großen Vorteil zu haben, doch dann endete die Partie nach 72 Zügen friedlich, da der Vorteil so langsam verschwand.

MVL könnte am Sonntag eine weitere Trophäe in die Höhe stemmen | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour 

Damit ging das Match ins Stechen und zwar in die 10+5 Schnellschachpartien. Die Intensität war dort nicht geringer und der Kampf im Najdorf war episch. Magnus erklärte, warum er es seinem Gegner erlaubte, seine Lieblingseröffnung zu spielen:

Weil ich irgendwie an das Konzept für Weiß geglaubt habe. Ich wusste mit meiner Form und allem, dass es wahrscheinlich nicht die beste Idee war, aber ich war einfach sehr aufgeregt, diese Stellungen zu spielen. Wie man an der vorletzten Partie sehen konnte, hatte ich weder wirklich die Zeit noch die Kraft noch die Fähigkeit, den besten Weg zu finden, und er navigierte sich durch die Komplikationen einfach etwas besser als ich.

Dennoch war es Magnus, der die Probleme stellte. Und MVL gab zu, dass er eine Idee übersehen hatte... 16.g4! hxg4 17.Txg4:


Maxime hatte nicht auf dem Schirm, dass 17...g6 mit 18.Txg6 fxg6 19.Sxe6 mit Damenfang beantwortet wird, auch wenn hier 19...Lh4! den Schaden minimiert. 17...g6 war tatsächlich auch besser als Maximes 17...Lf8?, was die starke Idee 18.Lg5! Dc7 19.Th4 erlaubte.

Wie man sehen konnte, wurde es sehr schnell sehr kompliziert. Und nach weiteren Abenteuern hätte Magnus mit einem oder zwei finalen Schlägen den Sieg für sich beanspruchen können:


29.Sxe6! Txe3 30.Rxd6! war absolut siegbringend, denn die Dame darf die Verteidigung des Matts auf d8 nicht aufgeben und 30...Lc6 lässt verschiedene Gewinne zu, unter anderem 31.Sd5!. Stattdessen geschah 29.Sdxb5, was ein Schritt in die falsche Richtung war. Am Ende griff Magnus noch einmal mit 35. Sc5? richtig fehl:


35…Txc5? verliert wegen 36.Txd8, doch nach 35…Txd3! 36.Sxd3 Sxa3+ war Schwarz wieder mit in der Partie. Und Magnus wusste das.

Der Weltmeister nach dem kritischen Zug 35.Sc5. Ein Fehler gegen Maxime im absoluten Trubel-Modus.

Maxime hatte das materielle Gleichgewicht alsbald hergestellt und Carlsens 45.c4? war der finale Strauchler:


Nach 45…Da4+ 46.Da3 Dxa3+ 47.Kxa3 f6! fällt der c-Bauer und Maxime brachte seinen Vorteil dank guter Endspielführung nach Hause.

Magnus weiß, dass irgendetwas schrecklich schief für ihn gelaufen ist | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour 

Magnus gibt nach einer epischen Partie auf | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour 

Maxime fasste es so zusammen:

Wir haben zuvor beide Fehler gemacht, aber es war wirklich ein intensiver Kampf. Zweischneidig. Alles, was man haben will!

In der nächsten 10-Minuten Partie musste Magnus nun gewinnen, um das Stechen zu erzwingen. Aber stattdessen stand Maxime bald viel besser und erreichte das notwendige Remis - "eher locker", wie er es beschrieb.

Maxime glaubte, dass er diesen Sieg vor allem dem Umstand verdankte, kaum Druck zu spüren:

Natürlich war es vielleicht ein wenig hilfreich, dass dies nicht meine oberste Priorität ist. Natürlich ist es eine große Freude, hier zu sein, und natürlich spiele ich, um das Turnier zu gewinnen. Aber für mich geht es hauptsächlich darum, mich fürs Kandidatenturnier zu qualifizieren. Also bin ich eigentlich glücklich, hier zu sein, um mich vom Grand Prix abzulenken. Aber ja, ich fühlte keinerlei Druck, außer der Tatsache, dass ich viele Partiengegen den besten Gegner spielte, den man bekommen kann.

Magnus war in Bezug auf Maxime voll des Lobes:

Er ist ein großartiger Spieler und er ist ein verdienter Gewinner. Ich denke, er hat gezeigt, wie du gesagt hast, dass er in mehreren Partien sehr widerstandsfähig ist und auch zurückkommt - er stand kurz davor, das Match zu gewinnen und dann mit Weiß zu verlieren, dann wieder zurückzukommen und die Dinge zu beruhigen und mich im Grunde genommen einfach auszusitzen. Absolut nicht perfekt, aber in diesem Format ist er sehr, sehr gut und ich weiß, dass, wenn ich selbst keinen perfekten Tag habe, es sehr, sehr hart werden wird.

Magnus Carlsen sagte einige nette Worte über Maxime Vachier-Lagrave nach ihrem spannungsreichen Match in London.

Maxime wird nun also gegen Ding Liren um 150.000 US Dollar im Finale spielen, während Magnus und Levon um 60.000 US Dollar im Spiel um Platz 3 kämpfen werden. Diese beginnen am Freitag, nach dem Pro-Biz Cup am Donnerstag.

Derweil steht das Finale in der Britischen Knockout-Meisterschaft: Howell gegen Adams. Gawain Jones reicht dabei ein Sieg im Blitz und einer im Schnellschach nicht, um seine Niederlage gegen David Howell im klassischen Schach auszugleichen. Mickey Adams besiegte Luke McShane. Daher kann er es sich erlauben, über seinen Vorfall, als er 58.Kh2? statt dem Gewinnzug 58.Kh3! spielte, lachen.


Luke überlebte dank 58…Th1+! 59.Sxh1 (59.Kg2?? Dg1#) 59…Dxh1+ 60.Kxh1 Patt!

Der französische GM Jules Moussard mag von einem aufstrebenden Inder vermöbelt worden sein, aber ihm und anderen französischen Freunden wurde gedankt, beim Sieg gegen Magnus mitgeholfen zu haben: "Sie haben mir die Kraft gegeben, zu kämpfen!" | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour 

Im FIDE Open gewann der 14 Jahre alte eine scharfe Partie gegen Jules Moussard und übernahm mit 6,5/7 die alleinige Führung. Mit diesem Sieg ist er der jüngste Spieler, der jemals die 2600 Elogrenze überschritten hat:


Am Freitag geht es ab 17 Uhr mit der Grand Chess Tour weiter. Schalte hier bei chess24 ein!

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