Berichte 04.12.2019 | 16:10von Colin McGourty

GCT Finale, Tag 2: Die Entscheidung fällt im Schnellschach und Blitz

“Wie es aussieht, ist er nicht in bester körperlicher Verfassung, aber ich bin auch nicht in Bestform!“, meinte Ding Liren, nachdem ihn Levon Aronian in besserer Stellung mit einem Remisangebot überrascht hatte. Auch im anderen Halbfinale blieb das Gleichgewicht gewahrt, da Magnus Carlsen zwar mit Initiative aus der Eröffnung kam, dann aber nichts Besseres sah, als das Remis zu forcieren. Nun muss die Entscheidung am Mittwoch in zwei Schnellpartien und bis zu vier Blitzpartien fallen – und dabei geht es um viel, da die beiden Finalisten schon einmal $100.000 sicher haben.

Magnus Carlsen und Maxime Vachier-Lagrave sind beide Schnellschach- und Blitzspezialisten und ermitteln nun in dieser Disziplin einen der beiden Finalisten | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour 

Alle Partien des Finales der Grand Chess Tour könnt ihr hier nachspielen:

Und hier die Live-Übertragung mit Jan Gustafsson:


Maxime Vachier-Lagrave ½-½ Magnus Carlsen

Nach den Aufregungen in der ersten Partie konnte man davon ausgehen, dass es in der zweiten Partie etwas ruhiger zugehen würde – schließlich wollte keiner der Spieler mit einem schwer aufholbaren Sechs-Punkte-Rückstand in den Schlusstag gehen. 

Dennoch ging es in der Eröffnung scharf zur Sache – Magnus zog überraschend das seltene 7…Le7, das er dieses Jahr bereits gegen Fabiano Caruana beim Norway Chess gespielt hatte. Gestern wichen die Kontrahenten nach 11 Zügen von dieser Partie ab:


In Norwegen spielte Fabi 11.Sc3, während Levon Aronian bei der Schacholympiade 11.De1 gegen Shakhriyar Mameydarov gespielt hatte, was MVL aber eher als abschreckendes Beispiel betrachtete:

Ich wurde in der Eröffnung überrascht und wusste nicht, was ich spielen sollte. Vor einem Jahr wäre ich vielleicht unvorsichtiger gewesen, aber ich erinnerte mich, dass Levon ziemlich grausam gegen Mamedyarov verloren hatte. Schwarz bekommt Kompensation wie im Marshall Gambit, und wenn man sich nicht an seine Analyse erinnern kann, wird es am Brett echt schwer.

Magnus übte in beiden Turnierpartien Druck aus, fand aber keinen Gewinnweg | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour 

Daher spielte MVL 11.b3, wie es auch Hikaru Nakamura gegen Caruana beim letzten Sinquefield Cup getan hatte. Magnus' Kommentar:

b3 ist der sichere Weg, und nach 16…Dc6 habe ich vermutlich keine Probleme mehr. Er dachte lange nach, und vermutlich war sein Ziel auszugleichen, denn obwohl seine Struktur besser ist, steht der Springer auf a3 so schlecht, dass er nicht auf mehr hoffen kann.

In dieser Stellung überlegte MVL 17 Minuten:


17.c4 war deutlich weniger dramatisch als der Durchbruch c4 am Tag zuvor (“Nach c4 ging nicht mehr viel” – Magnus), und es kam nur noch nach 17…axb3 18.axb3 h6 19.cxd5 Dxd5 20.Sc4 Le6 21.Te5 ein wenig Spannung auf:


“Mit 21…Dd7 hatte ich nicht gerechnet, denn danach verläuft die Partie im Sande", meinte MVL, der 22.d5! spielte, wonach alles abgetauscht wurde und nach 43 Zügen nur noch die nackten Könige auf dem Brett standen. 21…Db7 hätte mehr Fragen gestellt, doch wies Magnus zu Recht darauf hin, dass Weiß auch dann alle seine Probleme nach 22.Sa5 Db6 mit 23.Dc3! gelöst hätte.

MVL wurde Zeuge eines Tanzes von Lawrence Trent | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour 

Was können wir heute beim Schnell- und Blitzschach erwarten? MVLs Kommentar:

Das wird ein harter Kampf morgen, aber ich hoffe, dass ich die Trümpfe in meiner Hand habe. Wichtig ist, dass ich in der Eröffnung nicht wie heute überrascht werde, daher muss ich mich besser vorbereiten, wonach es ein offener Kampf werden kann! 

Magnus sah das ähnlich:

Natürlich ist er ein guter Schnellschach- und Blitzspieler – das ist einer der Gründe, warum er zum zweiten Mal in Folge hier dabei ist.

Über jemanden, der zuhört, sollte man keine Witze machen! | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour 

Auch im anderen Halbfinale ist noch alles offen:

Ding Liren ½-½ Levon Aronian

Weder Ding Liren noch Levon Aronian fühlen sich gut | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour 

Peter Svidler wies darauf hin, dass Levon Aronian Schwarz hatte, als er gegen Ding Liren im Weltcup-Finale kurz vor dem Sieg stand, und auch hier war es der Schwarze, der dem anderen Probleme bereitete. Ding war auf 9…Lg4 offenbar nicht vorbereitet, obwohl der Zug schon 80 Mal aufs Brett kam:


Die chinesische Nummer 1 fühlte sich mit dem gefesselten Springer auf f3 unwohl und räumte ein:

Ich wusste nicht, wie ich fortsetzen sollte, und danach machte ich unnatürliche Züge, die sich als schlecht herausstellten.

Er spielte 10.h3!? Lh5 11.g4!? und stand schnell schlechter, bis 18.Sg3 aufs Brett kam:     


“Das wird nicht einfach für Ding,” meinte MVL, der darauf hinwies, dass Aronian den Springerzug mit 18…Tae8!? ignorieren konnte. Das befürchtete auch Ding, doch er hatte gesehen, dass sich die Stellung nach 19.Sxe4!? dxe4 mit 20.Dc4! weiterhin im Gleichgewicht befindet, wobei er sich nicht sicher war, wie es nach 20…Ld6! weitergegangen wäre. In der Partie konnte der Chinese nach 18…Te7 19.a3 Ld6 20.Tfe1 Txe1+ 21.Txe1 aufatmen:

Nach dem Turmtausch stehe ich immer noch schlechter, aber nicht so klar.

Levon zeigte sich am Brett gnädig, nicht aber mit seiner Kleidung | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour 

Nun war für Aronian der Zeitpunkt gekommen, mit 28…Th8 und Remisangebot die letzte Überraschung zu präsentieren:


Ding meinte:

Natürlich steht er besser und hat viele Fortsetzungen. Ich weiß nicht, warum er nicht weitergespielt hat. Er meinte, er fühle sich nicht gut… daher ist das eine sehr schwache Partie. Wie es aussieht, ist er nicht in bester körperlicher Verfassung, aber ich bin auch nicht in Bestform!

Damit fällt auch hier die Entscheidung in den schnellen Disziplinen, und beide Spieler müssen sich möglichst gut erholen.

Wer ist morgen die Nummer 1 im Schnellschach? | Foto: Lennart Ootes, Grand Chess Tour 

Auch bei der Britischen Knockout-Meisterschaft endeten beide Partien remis, womit David Howell gegen Gawain Jones nach seinem Sieg in der ersten Partie mit einem klaren Vorsprung in die Entscheidung geht. Derweil führen die Jungspunde Aravindh (20 Jahre), Anton Smirnov (18 Jahre) und Praggnanandhaa (14 Jahre) nach Siegen in Runde 6 des FIDE Open mit 5,5 aus 6 das Feld an. 

Ab 17 Uhr könnt ihr das Finale der Grand Chess Tour wieder live auf chess24 verfolgen!

Weitere Links:


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